Er kam für mich zurück

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Zusammenfassung

Bianca Maggio (23) lernte Steven (27), den Bruder ihres Stiefvaters, kennen, als sie fünf Jahre alt war. Vom ersten Moment an waren sie unzertrennlich. So blieb es zehn Jahre lang, bis Steven fürs College wegging. Doch er versprach Bianca, zu jedem Feiertag und jedem Geburtstag zurückzukehren, bis er sein Studium beendet hätte. Wenn er dann endgültig zurückkäme, würde er sie heiraten. Sie wartet fünf Jahre lang, doch Steven kommt nie zurück, ruft nie an, schreibt nie. Am Ende des sechsten Jahres entscheidet Bianca, dass sie nicht länger warten kann. Sie datet ein paar Leute und geht mit ihrem Mitbewohner aus, doch Steven verlässt nie ihre Gedanken. Erst als sie Garret kennenlernt, beginnt sie wirklich, damit abzuschließen. Es ist zu Beginn keine stürmische Romanze. Erst in der Nacht der großen Party, die ihre Mutter geplant hat, spürt sie die wahre Anziehung zu Garret. Von dem Moment an, als sie Garret sieht, während er sie für die Party abholt, spürt sie, dass sich etwas zwischen ihnen verändert hat. Es ist, als hätten sie einander in einem anderen Licht gesehen und würden sich wie Magnete anziehen. Zum ersten Mal scheint die Zukunft vielversprechend. Doch all das ändert sich, als ein unerwarteter Gast auf der Party ihrer Mutter erscheint. Steven ist zurück, und er ist gekommen, um seine Braut einzufordern. Was passiert, wenn die Liebe von Biancas Leben zurückkehrt, gerade als sie endlich ihr Glück gefunden hat? Wird sie ihm eine zweite Chance geben, oder ist es bereits zu spät?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
36
Rating
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Altersfreigabe
18+

Als wir jung waren


Unsere Liebesgeschichte hat 23 Jahre lang auf sich warten lassen. Dass wir uns trafen, war kein Zufall. Es war Schicksal. Es stand in den Sternen geschrieben und passierte genau dann, als sie alle richtig standen. Eine Million Kleinigkeiten mussten perfekt zusammenpassen. Menschen mussten sterben, geboren werden und sich genau im richtigen Moment begegnen. Nur so konnte unsere Geschichte wahr werden. Als sich unsere Blicke trafen, war die Verbindung da. Es passierte sofort. Keine Zeit und keine Entfernung der Welt konnten dieses Band trennen.

Es spielte keine Rolle, dass wir damals noch Kinder waren. Das Schicksal kennt kein Alter und keine Vorurteile.

Aber obwohl das Schicksal sich so viel Mühe gab, uns zusammenzuführen, war unsere Liebe nicht fehlerfrei. Es sollte Zeiten voller Prüfungen und Leid geben. Niemand kommt durchs Leben, ohne an sich selbst zu zweifeln oder Eifersucht und Wut zu spüren.

Diese schweren Zeiten gemeinsam als Einheit durchzustehen, macht unsere Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Und alles begann damit, dass zwei Kinder zusammengebracht wurden.





„Bianca!“, ruft meine Mutter von der Terrasse, während ich mit meinen Puppen im Garten spiele.

„Ja, Mama!“ Ich fange an, sie in meinen Korb zu legen, als ich Schritte auf mich zukommen höre.

„Ich möchte, dass du Jims kleinen Bruder kennenlernst.“ Ich stehe auf und streiche mein Kleid glatt. Ich schaue hoch, aber als ich mich umdrehe, verdecken mir meine langen, dunklen Locken die Sicht. Ich streiche mir die Haare aus dem Gesicht. Genervt atme ich tief ein und puste kräftig gegen die Strähnen, die mir immer noch im Weg sind. Als ich ihnen endlich gegenüberstehe, sehe ich ihn zum ersten Mal und erstarre. Das Sonnenlicht in seinem dunklen Haar lässt Goldtöne aufblitzen. Er sieht fast wie ein Engel aus. Sein mürrischer Gesichtsausdruck verschwindet langsam, und seine großen braunen Augen werden weich.

Als ich einen Schritt nach vorne mache, tut er es mir gleich. „Das ist Steven. Steven, das ist meine Tochter Bianca.“ Ich verliere mich in seinem Blick, bis er lächelt. Dabei entdecke ich seine tiefen Grübchen. Ich lächle aufgeregt zurück.

„Hi, Steven! Willst du das Spielzimmer sehen?“ Er lächelt einfach weiter und nickt mit leicht schiefgelegtem Kopf. Ich klatsche in die Hände und laufe zurück zum Haus.

Als er aufschließt und neben mir hergeht, nimmt er meine Hand und verschränkt unsere Finger. Ich schaue auf unsere Hände und spüre, wie die Schmetterlinge in meinem Bauch flattern. Ich blicke zu ihm auf. Er sieht mich an und grinst frech. Es fühlt sich an, als wollten die Schmetterlinge aus mir herausfliegen.

Diesen Nachmittag und jeden weiteren in diesem Sommer verbrachten wir unzertrennlich.

Eigentlich sollte er am Ende des Sommers wieder zurück zu seiner Mutter ziehen.

Je näher der Abschied rückte, desto trauriger wurde ich.

Ich erinnere mich an den Abend, der sein letzter sein sollte. Wir suchten jede Ausrede, um noch ein bisschen länger wach bleiben zu dürfen. Als uns nichts mehr einfiel, schickten meine Mutter und sein Bruder uns ins Bett. Wir hielten Händchen bis vor meine Zimmertür und ließen die Köpfe hängen. Wir blieben stehen. Er hatte eine Hand an der Klinke, zog mich dann aber in eine Umarmung. Meine Hand glitt von der Klinke ab, um ihn festzuhalten.

Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und eine Träne rollte über meine Pausbacke. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals und ich kniff die Augen fest zu.

„Ich werde dich so sehr vermissen, Steven“, schniefte ich. „Ich wünschte, du mü-müsstest nicht gehen“, stotterte ich hervor.

„Ich werde dich noch viel mehr vermissen, Pooks. Ich will auch nicht zurück zu meiner Mutter“, sagte er und lehnte seinen Kopf gegen meinen. „Aber ich verspreche dir, dass ich an Thanksgiving wiederkomme. Und an Weihnachten auch.“ Ich wich ein Stück zurück und sah ihn mit großen Augen an.

„Wirklich?!“, flüsterte ich laut, damit meine Mutter mich nicht hörte. Er nickte mit einem kleinen Lächeln.

„Ja, versprochen. Ich habe schon mit meinem Bruder geredet. Er hat versprochen, dass ich in den Ferien hier bleiben darf.“ Mit neuer Hoffnung stürzte ich mich auf ihn und drückte ihn ganz fest.

„Ich kann Thanksgiving kaum erwarten“, flüsterte ich. Er kicherte und gab mir einen Kuss auf die Wange, bevor er mich losließ.

Das Blut schoss mir ins Gesicht. Ich wurde rot und schaute zu Boden, weil ich ihm nicht in die Augen sehen konnte. „Gute Nacht, Steven.“ Ich blinzelte zu ihm hoch und sah, dass auch seine Wangen rosa waren.

„Gute Nacht, Bianca.“ Er ging erst weg, als ich in meinem Zimmer war und die Tür geschlossen hatte.

Für einen Moment war ich so glücklich. Doch mit jedem Schritt Richtung Bett verflog das Gefühl und ich war wieder den Tränen nahe. Als ich unter die Decke schlüpfte, schluchzte ich richtig los. Ich lag zusammengerollt auf der Seite. Die Ecke meiner Decke hielt ich gegen den Mund, um meine Schreie zu ersticken.

Ich weiß nicht, wie lange ich schon weinte, als plötzlich jemand rief:

„Bianca?“ Ich erstarrte, als ich Stevens Stimme hörte. Ich rappelte mich auf und drehte mich zu ihm um. Seine großen braunen Augen waren glasig. Seine Nase war rot, als hätte er auch geweint. „Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“, fragte er mit zittriger Stimme.

Ich biss mir auf die Unterlippe und nickte. Er kletterte sofort unter meine Decke und legte seinen Kopf aufs Kissen.

Steven breitete lächelnd die Arme aus. Ich strahlte zurück und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Er schloss die Arme um mich, während ich mich an ihn kuschelte. „Schlaf gut, Pooks“, flüsterte er, als ich die Augen schloss.

„Schlaf gut, Steven.“ Ich versuchte verzweifelt, so lange wie möglich wach zu bleiben. Doch das Nächste, was ich merkte, war die Sonne, die durch mein Fenster schien.

Erschrocken setzte ich mich auf und sah mich im Zimmer um. Sofort flossen wieder Tränen, als ich sah, dass Steven weg war. „Oh nein, ich habe ihn verpasst. Er kann doch nicht schon weg sein!“ Ich versuchte aus dem Bett zu kommen, aber meine Beine verhedderten sich in den Laken. „Blöde Decke!“, fluchte ich.

Als ich endlich festen Boden unter den Füßen hatte, riss ich die Tür auf. Ich rannte direkt in Steven hinein, der vor meiner Tür stand, und riss ihn mit zu Boden.

„Bianca!“, rief er, als er hinfiel und ich auf ihm landete.

„Oh! Steven! Du bist noch gar nicht weg!“, schrie ich und schlang meine Arme um seinen Hals.

„Pooks, du erwürgst mich!“ Ich ließ erschrocken los und machte den Mund weit auf. Dann rappelte ich mich auf und sprang auf die Beine. Ich reichte ihm die Hand, um ihm hochzuhelfen. Er nahm sie lächelnd an und schüttelte den Kopf. „Nein, ich fahre nicht weg.“ Er nahm meine Hände in seine und beugte sich zu mir herunter. „Meine Mutter und mein Bruder haben gesagt, dass ich hier bleiben darf! Solange meine Noten stimmen, darf ich bleiben!“ Meine Augen wurden tellergroß. Ich japste nach Luft und hüpfte auf und ab. Ich ließ seine Hände los und sprang ihm wieder um den Hals, was ihn aus dem Gleichgewicht brachte. Wir fielen beide erneut auf den Boden und lachten uns kaputt.

Diese Nähe zwischen uns wuchs mit den Jahren immer weiter. Wo der eine war, war auch der andere. Es war egal, dass er vier Jahre älter war als ich.

Zumindest war es so, bis er aufs College gehen musste...

Ich saß auf Stevens Bettkante, während er seinen Koffer packte. Er schnappte sich einen Haufen Socken und Boxershorts und warf sie achtlos hinein. Kopfschüttelnd fing ich an, sie ordentlich zusammenzulegen. „Dafür, dass du mich zum Bleiben überreden willst, hilfst du mir aber ganz schön ordentlich beim Packen“, neckte er mich und kniff mir leicht ins Ohrläppchen.

„Vielleicht merkst du ja, wie sehr du mich brauchst. Dann bleibst du hier oder nimmst mich mit“, schmollte ich.

„Du bist 15, du kannst nicht mit mir aufs College. Du bist gerade erst in der Highschool. Außerdem komme ich in den Ferien nach Hause. Die Zeit wird schnell vergehen. Versprochen.“ Ich kämpfte gegen die Tränen an, meine Augen brannten höllisch. Ich war in Steven verliebt, seit meine Mutter seinen Bruder geheiratet hatte. Und obwohl er technisch gesehen mein Onkel sein sollte, habe ich ihn nie so gesehen. Er hat mich auch nie wie seine Nichte behandelt. Er war in den letzten zehn Jahren mein bester Freund.

„Du wirst weggehen und mich ganz vergessen. Du wirst neue Freunde finden und eine Freundin haben. Und für dich werde ich nicht mehr existieren.“ Ich konnte sie nicht mehr zurückhalten; die Tränen liefen mir über die Wangen. Als er sich mit einem Haufen T-Shirts in den Händen umdrehte, warf er sie schnell in den Koffer, um mich hochzuheben. Ich schlang meine Beine um seine Taille und meine Arme um seine Schultern. Ich vergrub mein Gesicht an seinem Hals, während er mich auf seinen Schoß setzte.

„Hey, schau mich an.“ Ich schüttelte den Kopf an seiner Schulter. Er hob mein Gesicht sanft an und hielt meine Wangen fest. In seinen Augen glänzten ebenfalls Tränen. „Hey! Ich könnte dich niemals vergessen. Ich liebe dich so sehr, Pooks.“ Er wusste, dass ich diesen Spitznamen hasste, aber in diesem Moment störte er mich nicht. „Sobald ich mit der Uni fertig bin, komme ich zurück zu dir. Es wird keine anderen Mädchen geben.“ Ich schenkte ihm ein schiefes Lächeln.

„Ich weiß, dass du das nur sagst, damit ich aufhöre zu weinen. Ich bin nicht dumm, Steve. Die Mädchen werden auf dich fliegen. Aber du wirst zurückkommen und mich heiraten.“ Er lachte leise, und wie immer wurde mir ganz warm ums Herz.

„Das weißt du doch. Und ich verspreche dir, es wird nie ein anderes Mädchen geben. Für mich gibt es nur dich.“ Er zog mich fest in seine Arme und drückte seine Lippen auf meine. Es fühlte sich fantastisch an. Ich schloss die Augen, spürte die Wärme in meinem ganzen Körper und ließ mich völlig fallen. Er zog mich näher an sich heran, bis ich seinen Brustkorb an meinem spürte. Er löste sich ein Stück, gab mir aber noch ein paar flüchtige Küsse, bevor er seine Stirn gegen meine lehnte. Ich grinste breit, weil ich wusste, dass er mich genauso sehr küssen wollte wie ich ihn.

Er küsste mich noch einmal, bevor er aufstand, mich sanft zurück aufs Bett setzte und mir einen Kuss auf die Stirn gab. Ich blieb einfach sitzen und legte seine unordentlichen Shirts neu zusammen, während er weiterpackte.

Das Wissen, dass er zurückkommen würde und dass er Gefühle für mich hatte, bewahrte mich vor dem völligen Zusammenbruch.

Drei Monate. So lange müsste ich es ohne ihn aushalten. Nur drei Monate. Das sollte doch nicht so schwer sein, oder?