Wer du wirklich bist

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Zusammenfassung

Kann aus einer Wette echte Liebe entstehen? Enelya, 33 Jahre, Journalistin und noch immer Single zumindest bis sie Aiden kennenlernt, der sie anscheinend von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen hatte. Die Vernunft war immer nicht da, wenn man sie brauchte und so konnte sie sich ihm nur noch ergeben. Er ließ sie neue Seiten an sich entdecken. Doch wer war er wirklich? Zu viele Geheimnisse scheinen ihn zu umgeben. Gewinnt am Ende die Vernunft oder doch das Herz?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
27
Rating
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Altersfreigabe
18+

Prolog

Ich saß auf der Arbeit und recherchierte gerade für einen Artikel.


Mara, meine Arbeitskollegin und mittlerweile beste Freundin, saß mir gegenüber und tippte lustlos auf ihrer Tastatur. Sie bearbeitete gerade ihren Text, als sie mit einem Seufzen ihre Ellebogen auf den Tisch aufstütze und den Kopf in ihre Hände legte.


“Wieso bekommst du immer die interessanten Artikel?”


Ich sah zu ihr rüber. “Ich denke, interessant definieren wir unterschiedlich”, wobei ich diesmal wirklich froh war, da sie aktuell wieder einmal ein Interview mit unserem Bürgermeister hatte. Meine Stärke lag definitiv nicht im Ausfragen von Leuten. Mara war jedoch darin eine Spezialistin und manchmal dabei auch ziemlich indiskret.


“Ja klar, du bekommst den Artikel über den angesagtesten Club in der Stadt und ich muss nur wieder mal unseren Bürgermeister interviewen.”


Okay, sie tat mir gerade wirklich ein bisschen leid. Unser Bürgermeister war ein launischer Kerl, um so mehr waren alle überrascht, dass der Club bei uns eröffnen durfte. Soweit ich bis jetzt rausfinden konnte, war er dagegen, weil er der Meinung war, dass dieses unsittliche Verhalten nicht in unsere Stadt passt. Doch anscheinend profitierte er davon, da er seine Zustimmung zur Eröffnung schließlich doch gegeben hatte.


Seit der Club eröffnet hatte, war jeden Tag Abend einiges los - da war es auch egal, wenn am nächsten Tag jeder auf die Arbeit musste.


Jedoch war ich selbst noch nicht dort. Ich hatte mich auf die Internetrecherche reduziert. Mara hatte schon x-mal vorgeschlagen, zusammen zu gehen, aber bis jetzt konnte ich mich dazu noch nicht durchringen.


Internet reicht nicht aus, man muss auch mal vor Ort recherchieren, hatte sie immer wieder betont. Und wenn ich so darüber nachdachte, hatte sie recht. Im Internet konnte ich nur das herausfinden, was bereits andere vor mir darüber zu berichten hatten.


“Was machst du eigentlich heute Abend?“, fragte ich plötzlich über meinen Bildschirm.


Es war Freitag 14:00 Uhr. Wir hatten noch eine Stunde bis zum Meeting mit unserem Chef. Danach könnten wir in den Feierabend und ins Wochenende starten.


Mara nahm demonstrativ ihr Handy in die Hand und tat so, als müsse sie ihre Termine durchgehen. “Puh... also ehrlich gesagt, bin ich heute schon verabredet. Ich wollte mich mit ein paar Leuten im Club treffen.”


“Ich glaube, ich würde dich heute gerne mal begleiten, wenn das für dich in Ordnung ist”, sagte ich ein wenig verlegen.


Es folgte ein freudiges Quietschen über den Tisch. “Yes! Na endlich, ich dachte schon, du würdest nie aus deiner Komfortzone raus kommen.”


Ich verdrehte die Augen.


Mara war schon ein paar Mal im Club gewesen und jedes Mal hatte sie mir davon vorgeschwärmt. Wir waren beide noch Single, jedoch hatte sie sich erst kürzlich von ihrem Freund getrennt, während ich noch nie in einer Beziehung war. Sie hatte sich fest vorgenommen, mich irgendwann zu verkuppeln, doch bis jetzt hatte sie noch keinen Erfolg.


Nach zwei Stunden Meeting - herje, so lang hatte es noch nie eines gedauert - konnten wir uns schließlich alle verabschieden.


Während Mara ihre Sachen zusammen packte, schnappte ich mir mein Handy und das Tablet.


Sie lächelte, man sah ihr die Freude darüber, dass ich sie heute begleiten werde, deutlich an. “Ich hoffe, es stört dich nicht, wenn wir uns mit ein paar Freunden treffen.”


“Lass mich raten, du willst deinen Ex eifersüchtig machen”, stellte ich fest. Ich mochte es nicht, wenn sie mich in ihre Beziehungsprobleme mit rein zog, da war ich für sie wirklich keine große Hilfe.


Sie zuckte die Schultern und ging vor mir aus dem Büro. “Nicht unbedingt... ehrlich gesagt, wir treffen uns seit einer Woche wieder.” Ihre Wangen wurden leicht rot.


Ich seufzte. Bei den beiden war es immer eine On-Off-Beziehung. Was fand sie nur an dem Typen? Er hatte sie schon so oft versetzt. Unzählige Male hatte sich bei mir die Augen ausgeheult.


“Nicht so, wie du jetzt denkst!“, warf sie schnell ein, als sie meine Reaktion bemerkte. “Na ja, vielleicht ja doch. Wir haben uns ausgesprochen und wollen es nochmal ernsthaft versuchen.”


Da konnte ich nur den Kopf schütteln. Ich gab dem Ganzen nur zwei Wochen, bis sie ihm wieder einen Korb gab, weil er wegen irgendwas belanglosen sie vergessen würde.


Mara und ich hatten uns vor ungefähr einem Jahr als WG zusammengetan, als sie wieder einmal Stress mit ihm hatte. Außerdem konnten wir uns so die Miete teilen. Unser Gehalt war nicht besonders hoch. Wir schwammen definitiv nicht im Luxus, aber es reichte.


“Sag mal, hast du eigentlich was zum Anziehen heute Abend?”, fragte Mara, als wir auf dem Weg nach Hause waren.


Mist, daran hatte ich nicht gedacht. Wenn ich ehrlich war, hatte ich nicht viel und bei dem, was ich habe, lag der Fokus auf bequem und praktisch. “Wenn ich ehrlich bin…”, ich brauchte den Satz nicht beenden.


“Dann lass und mal schauen, was wir finden.”, sie schleppte mich in unzählige Geschäfte, bis wir am Ende tatsächlich drei Kleider und zwei Paar Schuhe gefunden haben.


Ich war wirklich dankbar, aber mein Budget für diesen Monat war aufgebraucht.


Wir holten uns noch was zu Essen und gingen dann nach Hause, um uns für den Club fertig zu machen.


Am Ende hatte mir Mara auch beim Schminken helfen müssen. Zum Schluss verpasste sie mir noch rote Lippen und war dann mit ihrem Styling zufrieden. “Wenn du nicht immer nur schwarz tragen würdest…”, fing sie wieder einmal an. Sie hatte schon ein paar Mal versucht mir andere Farben näher zu bringen, aber ich fühlte mich da nie wohl mit.


Ich trug ein Rückenfreies Kleid mit einem trägerlosen Top um meinen BH zu kaschieren, denn ohne war es mir zu unangenehm. Dazu hatten wir Overknees-High-Heels gefunden.


Meine dunklen Haare hatte ich mir schnell zusammengebunden, während Mara sich selbst fertig machte.


Als sie fertig war, meckerte sie erst einmal ein bisschen und zupfte dann noch etwas dran rum und zog ein Paar Strähnen raus. “Meinetwegen, aber offen hätten sie auch super ausgesehen.”


Da der Club nicht weit weg lag, liefen wir hin.


Sam erwartete uns schon vor dem Club. “Hy Schatz”, er drückte Mara einen Kuss auf die Wange zur Begrüßung. “Hallo Enelya, lange nicht gesehen.”


“Stimmt”, ich wusste nicht wirklich, wie ich ihm gegenüber neutral bleiben sollte. Wegen ihm hatte Mara so oft geweint.


Wir hielten uns nicht lange auf und gingen schließlich in den Club. Es war ein riesiger Raum, überall Lichter. Und so viele Leute… Die Musik war ein guter Mix zwischen aktuellen Hits und aus der älteren Zeit.


Ich hielt Mara zurück. “Du ich geh mal an die Bar, vielleicht bekomm ich ein paar Informationen.”


Mara verdrehte die Augen. “Wir gehen da hinten in die eine Lounge”, rief sie mir laut zu, damit ich es trotz der Musik verstehen konnte. Ich nickte und ging zur Bar.


“Eine Cola bitte.” Der Barkeeper stellte mir ein Glas hin und spülte dann weiter. “Entschuldige, ich komme von der lokalen Zeitung und würde gern über den Club schreiben. Gibt es eine Möglichkeit den Geschäftsführer zu sprechen?”, ich schob ihn meinen Presseausweis hin.


Der Barkeeper sah kurz auf den Ausweis, überlegte kurz und ging dann zu einem dunkelhäutigen Mann, der an der Bar saß. Er wechselte mit ihm ein paar Worte und kam dann wieder. “Er ist nicht im Haus.”


War das sein Ernst? Ich nahm meinen Ausweis und stand auf. Ich steuerte direkt den Typen an, den der Barkeeper angesprochen hatte. “Hey, ich komme von…”


Er ließ mich nicht aussprechen: “Wir wollen keine Presse im Haus.”


Ich sah ihn an und mir klappte die Kinnlade runter. “Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?”, fragte ich ihn.


Jetzt hatte ich seine Aufmerksamkeit. “Du hast dich auch nicht vorgestellt, oder?” Er nahm einen Schluck.


“Wenn Sie mich…”


“Du.”


“Was?”, ich war verwirrt.


“Du. Wir sind hier nicht vor dem Gericht.”


Ich holte kurz Luft: “Also, wenn du mich ausreden lassen würdest. Ich bin Enelya Hayes und möchte einen Artikel über den Club schreiben.”


“Und ich hab dir schon gesagt, dass wir hier keine Presse im Haus wollen”, er leerte sein Glas. “Josh machst du mir bitte noch nen Gin-Tonic. Anders ertrage ich ihre Nähe nicht.”


Der Barkeeper lächelte, nickte und brachte ihm dann das Getränk.


“Es wäre nett, wenn ich wüsste, mit wem ich gerade spreche.”


Der Typ stand auf und trat auf mich zu. Ich wich einen Schritt zurück, um festzustellen, dass ich bereits an der Bar stand und nicht weg kam. Ich war mindestens einen Kopf kleiner. Er stützte eine Hand neben mir auf die Bar, die andere in seiner Hosentasche, und beugte sich runter. Ich spürte seinen Atem an meinem Ohr. “Aiden”, sagte er nur kurz.


In meinem Kopf kam mir die Eröffnung des Clubs, bei der ich damals ebenfalls vor Ort für einen Artikel war. Der Geschäftsführer Darryl und sein jüngerer Bruder Aiden waren selbstverständlich persönlich vor Ort. Und wenn ich jetzt nicht vollständig daneben liege, stand ich gerade tatsächlich vor genau diesem Aiden Brandon.


“Du bist der Bruder vom Geschäftsführer?”, die Frage war eher rhetorisch.


Ohne sich auch nur einen Millimeter von mir weg zu bewegen, beantwortet er meine Frage: “Ich würde sagen: Live und in Farbe.”


“Entschuldige! Das ist mir jetzt peinlich”, ich lief rot an und senkte schnell den Blick. Dabei fiel unweigerlich mein Blick auf die Beule in seiner Hose.


Als er es bemerkte, schien er darüber eher amüsiert, als dass es ihn groß zu stören schien.


Mein Gesicht muss rot wie eine Tomate sein und ich hoffte, dass er es nicht sah.


“Ich… Ich… Ich muss glaube…”, stotterte ich rum, “Ich muss gehen”, brachte ich schließlich raus und huschte unter seinem Arm durch.


Als ich vor der Tür an kam, schrieb ich Mara eine Nachricht, dass ich nach Hause gehe. Ich zog die Schuhe aus, um besser laufen zu können, noch einmal diese Strecke in High-Heels wollte ich meinen Füßen nicht antun. Zu Hause angekommen, war ich froh, mich einfach in mein Zimmer zurückziehen und die Peinlichkeit verarbeiten zu können.


Wann Mara nachts nach Hause kam, konnte ich nicht sagen. Ich war irgendwann einfach eingeschlafen.


Beim Frühstück erzählte ich Mara alles - bis auf das Detail, dass Aiden einen Steifen hatte, als er vor mir stand. Das hätte ich nicht über meine Lippen gebracht, ohne wieder rot an zu laufen.


“Also ich finde das ja schon krass, dass du da einfach hin gehst und denen deinen Presseausweis unter die Nase hältst.”


Ich trank meine Tasse Chai Latte leer und seufzte. Im Nachhinein betrachtet, war das wirklich eine blöde Idee gewesen. Aber jetzt verstand ich, warum so wenig über die beiden in den Medien zu finden ist.


“Also nachdem du gestern jetzt ja so gar nichts aus dem Club mitnehmen konntest, schleppe ich dich da heute einfach nochmal mit und stell dich ein paar Leuten vor.” Sie rührte in ihrem Kaffee rum. “Und lass diesmal nicht die Journalistin raushängen”, bat sie mich inständig.


Ich hielt meine Finger hoch: “Ehrenwort! Das passiert mir nicht noch einmal.”


Der restliche Tag verlief recht ruhig. Ich recherchierte noch etwas im Internet, gab dann aber irgendwann auf. Alles was ich fand, wusste ich bereits. Wenn das so weiterging, würde ich niemals einen Artikel zusammen bekommen.


Am Abend holte uns Sam ab. Ich war dankbar, nicht wieder in High-Heels zum Club laufen zu müssen.


Diesmal ließ mich Mara nicht allein weg gehen. Sie nahm mich direkt in die Lounge, in der sie gestern bereits waren. Es waren bereits einige da. Einer nach dem anderen stellte sich mir vor, dann setzte ich mich neben Caleb auf die Couch.


Sam und Mara gingen Getränke für alle besorgen. Als ich ihnen nachsah, fiel mein Blick auf Aiden. Er war tatsächlich wieder da. Na ja, so unglaublich ungewöhnlich war das nicht, schließlich gehörte seinem Bruder der Club.


Ich presste meine Knie zusammen bei der Erinnerung, dass er gestern erregt war und so nah vor mir stand. Seltsamerweise fühlte ich mich irgendwie geschmeichelt.


Caleb legte mir einen Arm um, als Mara und Sam wieder kamen.


Sam stellte mir ein Glas hin. “Ich hab dir nen Cuba Libre mitgebracht. Cola ist sowas von lahm”, meinte er dann.


“Danke”, brachte ich nur raus. Eigentlich trank ich nicht gern Alkohol, aber der war gar nicht so schlecht.