The Hunter - Introduction
Der Nebel steigt aus dem Tal auf wie Geister, die nach Fleisch dürsten, und schlängelt sich um uralte Eichen, die sich noch an die alten Götter erinnern. Silbernes Mondlicht fällt durch Lücken im Blätterdach und wirft Schatten, die sich bewegen und atmen. Der Waldboden ist feucht vom Frühlingsregen und verströmt den Duft von Erde und Verwesung – Leben und Tod, vereint in einem ewigen Tanz.
Willkommen im wilden Herzen Irlands zur Zeit der Tudors, wo sich diese Geschichte entfaltet.
Wir schreiben das Jahr 1545. Zwar erhebt Heinrich VIII. Anspruch auf die Grüne Insel, doch sein Einfluss reicht kaum über den Pale hinaus – jenen schmalen Landstreifen um Dublin, in dem englisches Gesetz gilt. Jenseits dieser Grenzen liegt ein anderes Irland: ungezähmt, mystisch, regiert von der Loyalität zu den Clans und alten Glaubensvorstellungen.
Hier, im Schatten nebelverhangener Berge und unter einem weiten, sternenklaren Himmel, haben die alten Bräuche noch immer Macht. Die Dörfer kauern wie unsichere Gedanken zwischen Wald und Feld. Ihre Bewohner leben nach Rhythmen, die älter sind als jede Erinnerung. Sie bestimmen ihre Tage nach Heiligenfesten und heidnischen Bräuchen gleichermaßen; sie flüstern Gebete auf Latein und stellen gleichzeitig Milch für das „fair folk“ bereit. Sie hängen Ebereschenzweige über die Wiegen und ritzen Schutzsymbole in die Türrahmen. Ihr Glaube ist zwar katholisch – doch darunter verläuft ein tieferer Strom, der sich daran erinnert, dass Wölfe einst mehr als bloße Bestien waren und dass das Land selbst eine Stimme hatte.
Jahrhundertelang wanderten Werwölfe durch diese Hügel – nicht als Monster, sondern als Wächter, die durch einen heiligen Pakt an die Erde gebunden waren. Einst waren sie Beschützer, Teil eines uralten Ordens, der das Gleichgewicht zwischen den Welten wahrte. Doch etwas ist zerbrochen. Der alte Pakt wurde gebrochen. Einige Rudel wurden zu Abtrünnigen und mordeten ohne Grund oder Maß. Andere kämpften dafür, die alten Wege zu bewahren und Bindungen zu ehren, die älter sind als das Blut.
Heute werden diese Kreaturen gnadenlos gejagt – von jenen, die sie fürchten, von jenen, die geliebte Menschen durch ihre Zähne verloren haben, und sogar von ihresgleichen, die die Schande des Verrats auslöschen wollen.
In dieser Welt aus Nebel und Erinnerung wandelt Aisling – Ash, für alle, die sie kannten, bevor der Schmerz sie innerlich aushöhlte. Sie jagt mit Silber und Stahl, in der Überzeugung, dass alle Wölfe den Tod verdienen, für das, was sie ihr genommen haben. Ihre Hände, die einst sanft waren, führen nun die Klinge ohne Zittern; ihre Finger krümmen sich um den Griff, als wäre der Stahl eine Verlängerung ihrer eigenen Knochen. Ihre Augen, in denen früher das Lachen funkelte, suchen nun die Schatten nach Bedrohungen ab.
Und durch eben diese Schatten schleicht Cian, der Alpha des letzten wahren Rudels. Er trägt die Last eines Vermächtnisses, das unter ihm zusammenbricht. Er erinnert sich daran, was seine Art einmal war – und was sie wieder sein könnte, wenn nur jemand zuhören würde. Wenn nur jemand hinsehen würde.
Ihre Wege kreuzen sich unter einem Blutmond, wo Hass, Hunger und Geschichte aufeinanderprallen.
Ihr erstes Treffen war nicht von Sanftheit geprägt, sondern nur von Zähnen, Klingen und dem Überlebenskampf. Doch die Wahrheit liegt unter ihrem Zorn und ihrer Angst begraben, wie Steine unter dem Boden. Wenn sie aufeinandertreffen, entlädt sich eine Kraft – wie Donner nach einem Blitz, unvermeidlich und roh.
Und vielleicht kann in dem Raum zwischen Mensch und Wolf, zwischen Rache und Verständnis, etwas Unerwartetes wachsen – etwas Wildes, Verwundetes und von unmöglicher Stärke.
The Hunter ist eine Geschichte über die Verwandlung – nicht nur des Körpers, sondern der Seele. Eine Geschichte darüber, was passiert, wenn alles, woran man glaubt, wie Glas zersplittert und man gezwungen ist, mit blutigen Händen alles neu aufzubauen. Es geht darum, an den unwahrscheinlichsten Orten eine Verbindung zu finden und sich trotz aller Vernunft dazu zu entscheiden, danach zu greifen.
Der Wald wartet. Der Mond steigt auf. Und die Jagd beginnt aufs Neue unter Blut und Schatten.









This is a very good start, great introduction and writing.