Neue Liste erstellen
Mit deinen Freunden teilen
Lesbarkeit anpassen

Meyra - A vampire fairytale

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Meyra flieht vor den Schatten ihrer eigenen Familie – einer uralten Vampir-Dynastie, die sie zwingt, in der dunkelsten Stunde über Leben und Tod zu entscheiden. Als sie den menschlichen Architekturstudenten Kieran in einer stürmischen Nacht vor dem Tod rettet, erwacht in ihr ein Gefühl, das stärker ist als Durst und Pflicht. Doch ihre heimliche Liebe wird zur tödlichen Gefahr, als ihr Bruder die Wahrheit aufdeckt und Meyra in den Kerker des geheimen Familienschlosses verschleppt. Kieran steht vor der Wahl – soll er Meyra vergessen, oder soll er sie aus den Fängen der Dynastie befreien und dabei sein eigenes Leben aufs Spiel setzen? Ein dramatischer Kampf zwischen Loyalität und Leidenschaft entfacht – und nur ein Opfer kann ihre Liebe retten... Ein fesselnder Roman über verbotene Gefühle, unbändige Sehnsucht und die Entscheidung zwischen Leben und Unsterblichkeit.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
25
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1 - Die Stille in der Nacht

Die Stimme des Chors hallt leise durch die Nacht. Man kann nicht genau feststellen, wo der Gesang herkommt. So oder so passt er auch gar nicht richtig, denn es ist eine nasskalte Nacht. Schneeregen und dichter Nebel hüllen die einsame Seitenstraße ein, begleitet von einem unangenehmen, eisigen Wind.

Wie spät mag es sein? 23 Uhr, vielleicht schon nach Mitternacht?

Nach einer Weile verstummt der Chorgesang, wo immer er her kam, und an diesem seltsamen, abgeschiedenen Ort wird es ganz ruhig.

Sie schaut kurz auf und vergräbt daraufhin ihren Kopf wieder unter dem Kragen ihres dicken Wollpullovers. Sie zittert. Ihre Beine zucken rhythmisch, und ihr Atem bildet kleine Wolken vor ihrem Gesicht.

Für eine Sekunde sieht es so aus, als dass sie etwas gesagt hat, aber wahrscheinlich ist das nur der Schatten, der über ihre Lippen huscht.

Die Brücke, unter der sie sitzt, ist nicht groß und nicht sehr hoch, aber hier unten ist es wenigstens trocken.

Wieder sieht das Mädchen auf. Ihre dunkelblonden Haare hängen ihr ins Gesicht, ihre Frisur ist zerzaust, und immer wieder versucht sie, sich die Strähnen von den Augen zu wischen. Noch immer beben ihre Lippen vor Kälte.

Die Schritte kommen näher. Als sie sie hört, blickt sie auf. Schnell huscht sie hinter einen Pfeiler und versteckt sich. Noch tiefer vergräbt sie ihren Kopf in ihrem Wollpullover und schnürt ihre halb offene Jacke fest zu, unter der Hoffnung, nicht gesehen zu werden.

Langsame Schritte. Sie hört jeden einzelnen. Ist es die Kälte, oder ist es ihre Angst, die ihren Körper zum Beben bringen lässt?

Sie lehnt sich ganz eng an den Brückenpfeiler und umklammert ihn fast mit ihren Armen. Es ist, als wolle sie eins werden mit ihm, damit sie unsichtbar bleibt.

Aber es ist zu spät. Der ältere Mann hat sie bereits erspäht. Langsam kommt er auf sie zu. Der Klang seiner Schritte hallt unter der Brücke wieder.

Sie drängt sich ganz dicht an den Pfeiler und schließt die Augen. Plötzlich spürt sie die Hand auf ihrer Schulter. Nicht fest, aber bestimmt, dreht der Mann sie um, so dass er in ihre Augen sehen kann.

„Wusste ich es doch, dass sich hier jemand versteckt hält“, grummelt der alte Mann sie an. „Was tust du hier, so spät nachts und ganz alleine?“

Das Mädchen zittert unverändert. Vorsichtig blickt sie ihn durch ihre fast geschlossenen Augen an und wendet schließlich ihren Kopf zur Seite, ohne etwas zu sagen.

„Ein Mädchen in deinem Alter sollte nicht nachts alleine herum laufen“, spricht der Mann mit seiner sonoren Stimme.

Das Mädchen betrachtet sein graues, schütteres Haar, wie es sich im Wind bewegt.

„Ich bin 19“, sagt sie schließlich fast flüsternd. „Es ist meine Sache, was ich nachts mache.“

„Du siehst aus wie 14 oder 15“, sagt der alte Mann ungläubig.

„Ich bin 19“, wiederholt das Mädchen leise.

Erst dann lässt sie den Brückenpfeiler los und setzt sich auf einen Mauervorsprung. Der ältere Mann nimmt neben ihr Platz und zündet sich eine Zigarette an.

Fast angeekelt wedelt das Mädchen mit ihrer Hand vor ihrem Gesicht den Rauch weg und sieht den älteren Mann mit einem verachtenden Blick an.

„Was dagegen, wenn ich mich eine Weile zu dir setze?“, fragt er.

Das Mädchen schüttelt den Kopf.

„Ich bin nicht mehr gut zu Fuß“, sagt der Mann. „Und bis zu mir nach Hause ist es noch weit. Da muss ich ab und an Pause machen.“

Das Mädchen nickt.

„Du bist nicht sehr gesprächig“, stellt der Mann mit einem fragenden Seitenblick fest. „Hast du einen Namen?“

Die Wolke ihres Atems hüllt ihr helles Gesicht fast ganz ein.

„Meyra“, wispert sie daraufhin leise.

„In Ordnung, Meyra“, sagt der alte Mann. „Du musst keine Angst haben. Ich tu dir nichts, okay? Ich sitze nur eine Weile hier, und sobald meine Beine können, werde ich weitergehen.“

Meyra blickt den alten Mann von der Seite an. Ihre Augen scheinen mitfühlend zu sein, aber sieht man genauer hin, kann man etwas ganz anderes in ihrem Blick erkennen.

Was immer es ist, der alte Mann erkennt es nicht.

„Wohnst du alleine?“, fragt die junge Frau den Mann.

Er atmet tief aus und wendet sich ihr dann zu. „Meine Frau ist lange schon tot“, sagt er. „Wir hatten keine Kinder. Ich habe keine Familie mehr. Ja, ich lebe alleine.“

Meyras Augen flackern, als würde der Wind in ihnen ein Lied spielen. Ihr Herzschlag schlägt Purzelbäume.

„Du hast niemanden mehr?“, will Meyra sichergehen.

Der Mann nickt.

„Und niemand wird dich vermissen?“, stellt Meyra ihm die Frage jetzt ganz direkt.

„Warum fragst du so etwas?“, entgegnet der Mann. „Hast du vor, mich zu töten? Nur zu. Ich habe nichts mehr vom Leben zu erwarten.“

Meyra atmet heftig. Sie bebt innerlich. Ihr Körper vibriert. Sie weiß, wie sehr sie es hasst. Sie weiß, dass sie gezwungen ist, es zu tun, da sie sonst selbst stirbt. Und so sehr Meyra ihr Leben selbst hasst – so wie der alte Mann vermutlich seines – so sehr möchte sie nicht sterben. Es ist der nackte Überlebenstrieb, der sie am Leben erhält, und der sie Dinge tun lässt, die sie unter normalen Umständen niemals tun würde.

Ein letzter Blick. Ein letzter Blitz aus seinen Augen, der Meyra mitten ins Herz zu treffen scheint.

Und schon in der nächsten Sekunde liegt der alte Mann tot auf dem Boden.

Meyra kauert neben ihm. Ihr Blick ist tieftraurig. Ihre Augen sind mit Wasser gefüllt. Ihre Lippen sind rot, wahrscheinlich blutverschmiert.

Sie sieht ihn noch einmal an. Dann steht sie leise auf. Sie läuft einige Schritte von diesem düsteren, gruseligen Ort unter dieser Brücke davon. Als sie weit genug entfernt ist, beginnt sie, zu rennen.

Auf der Landstraße angekommen, rennt Meyra noch schneller. Fast wie der Blitz und schneller als die vorbeifahrenden Autos rennt sie durch die dunkle Nacht. Ab und an wird sie von einem Scheinwerfer gestreift, aber das interessiert sie nicht. Sie kann ja nichts dafür, sagt sie zu sich selbst. Wenn jemand fragen sollte – sie kann ja nichts dafür.

Ja, sie hasst es. Sie hasste es schon immer. Aber ihr bleibt keine Wahl. Das weiß sie. Es ist so, und es wird immer so sein.

Der Ortsteil, den Meyra nach einiger Zeit erreicht, liegt etwa 20 Kilometer von der Innenstadt entfernt. Er ist nicht groß. Eigentlich besteht er nur aus einigen Häusern, und diese sehen so aus, als dass sie von eher wohlhabenden Menschen bewohnt werden. Offenbar ist es eine gute Gegend.

Als Meyra den Ort durchschreitet, ist längst alles still. Niemand ist auf der Straße. Meyra verlangsamt ihre Schritte und betrachtet eine Straßenlaterne. An dieser sieht sie den Nebel sanft vorbei ziehen und bemerkt auch die kleinen Regentropfen im Schein des Lichts.

Meyra wischt sich den Schweiß von der Stirn. Weil ihr warm ist, öffnet sie ihre Jacke wieder.

Langsam läuft sie über die Hauptstraße, bis sie den Ortsausgang erreicht. Daraufhin biegt sie an der letzten Ampel rechts ab, in einen Nahe gelegenen Waldweg.

Die Lichter des Orts scheinen langsam zu erlöschen. Meyra dreht sich noch einmal um. Als sie wieder nach vorne sieht, steht sie vor einer kleinen, versteckten Gasse, deren Licht von der Dunkelheit der Nacht scheinbar ganz und gar verschlungen wird.

Zwischen Schatten gedämpften Hügeln verborgen liegt das unbekannte Dörfchen, düster und dunkel – eine abgeschiedene Ansammlung von Fachwerkhäuschen, deren Fassaden moosgrün schimmern und deren Schindeldächer sich kaum vom dichten Laubdach der umstehenden Eichen abheben. Kein Schild weist den Weg, keine Karte weist es aus; nur wer die stillen Pfade kennt, findet das Tor aus Weinranken zwischen zwei uralten Bäumen.

Im Herzen dieses namenlosen, geheimen Ortes winden sich schmale Gassen, kaum mehr als Spalten zwischen den Häuserreihen. Kopfsteinpflaster, von Wurzelrissen aufgebrochen, klafft hier und dort, als hätten die Bäume ihre Finger durch den Boden gerammt. Laternen aus geschwärztem Eisen hängen schief an den Fachwerkbalken, flackern in unregelmäßigem Rhythmus und werfen tanzende Schatten auf die verwitterten Mauern.

Einige dieser Gassen enden abrupt an massiven Falltüren aus Eichenholz, übersät mit rostigen Riegeln und verblassten Runen. Wer genau lauscht, vernimmt dahinter das ferne Tropfen von Wasser und das leise Hallen ferner Schritte. Unter den steilen Stufen dieser Verstecke verbirgt sich das unterirdische Labyrinth – ein Geflecht aus feuchten Gängen, antiken Katakomben und hohen Gewölben, in denen der Atem der Stadt darüber kaum widerhallt.

Tagsüber flaniert kaum ein Reisender hier; abends aber, wenn Nebel aus den Bäumen kriecht, flüstert man sich Geschichten von Gelehrten zu, die in den tiefsten Bunkern vergessene Geheimnisse studierten, und von Reisenden, die in den Gassen einladend lächelten, nur um in den Schatten der Falltüren zu verschwinden. Denn wer den Pfad einmal gewählt hat, findet nicht nur eine versteckte Ortschaft, sondern ein ganzes Reich unter der Erde, dessen Gänge sich endlos in die Tiefe winden.

Meyra tritt leise durch das moosbedeckte Tor aus Weinranken und betritt den stillen Ort in der blassen Morgendämmerung. Die Fachwerkhäuser ragen wie stumme Zeugen alter Zeiten empor, und unter ihren schweren Schindeldächern lauert der Tau. Ihr Blick wandert zu den schmalen Gassen, die sich in labyrinthartigen Windungen durch das Dorf ziehen, als wollten sie jeden Eindringling auf ewig fangen.

Sie wählt eine Gasse, deren Kopfsteinpflaster unter ihren Stiefeln leise knirscht, und folgt dem leichten Gefälle, das sie tiefer zwischen die hölzernen Mauern führt. Die Laternenflammen flackern im stillen Atem des Windes, und Schatten tanzen darüber hinaus auf den Rissen im Pflaster. Über ihr wölben sich die Äste der alten Eichen, geben der Gasse ein grünliches Zwielicht.

An einer Stelle bleibt Meyra stehen. Eine massive Falltür aus antikem Eichenholz, verschlossen mit einem rostigen Riegel, trägt verblasste Zeichen. Ihr Herz schlägt schneller, denn genau hier beginnt der Pfad in die Tiefe. Mit geübtem Griff dreht Meyra den Riegel um, hebt die Tür einen Spalt und spürt den kühlen Hauch feuchter Luft, der aus den darunterliegenden Stufen dringt.

Vorsichtig steigt sie hinab, jeder Schritt ein Gebet im Echo der Steinwände. Moos und Wurzeladern ranken sich entlang der bröckelnden Mauern, und in der Ferne hallt das Tropfen von Wasser. Meyra folgt dem schmalen Gang, dessen Decke tiefer wird, bis sie an eine breite Kreuzung gelangt. Pfeile weisen nach links zum vergessenen Brunnen, nach rechts zur Gruft der Flüsternacht – doch geradeaus leuchtet schwaches Fackellicht.

Sie wählt den mittleren Pfad, lässt das Flüstern hinter sich und gelangt zu einer hölzernen Toranlage. Zwei steinerne Gargoyles wachen schweigend, und das Tor selbst ist mit filigranen Schnitzereien versehen – Zeichen einer Macht, die älter ist als die Stadt darüber. Meyras Hand umschließt den metallenen Griff, als sie den ersten Zug macht. Ein Knarren, ein Glühen von uralter Magie – und vor ihr öffnet sich das Tor zum unterirdischen Schloss der Nachtwächter.

Hinter der Schwelle erhebt sich eine Halle aus schwarzem Marmor, dessen Oberfläche das Fackellicht in kalten Reflexen spiegelt. Kolossale Säulen ragen in die Schatten, die Decke ist mit verwitterten Fresken bedeckt, die Geschichten von Blut und Ehre erzählen. Meyra zieht die Kapuze zurück, atmet den Duft von Moos und altem Stein ein – und weiß, dass sie den Pfad in die Dunkelheit gefunden hat, den einzigen Weg zu ihrem Schicksal.

Lass Elias J. Connor wissen, was du von diesem Kapitel hältst!
Ich liebe es

0

Ich liebe es

Lustig

0

Lustig

Pikant

0

Pikant

Spannend

0

Spannend

Emotional

0

Emotional

Tiefgründig

0

Tiefgründig

Herzerwärmend

0

Herzerwärmend

Schockierend

0

Schockierend

Gutes Schreiben

0

Gutes Schreiben

Überzeugende Handlung

0

Überzeugende Handlung

Toller Charakter

0

Toller Charakter

Starker Dialog

0

Starker Dialog

Weitere Empfehlungen

Destino Secreto

Karin Rogowski: Gut geschrieben und beschrieben. Die Charaktere und Situationen sind stimmig und nehmen einen gefangen. Mich hat das Buch ab der ersten Zeile fasziniert, genau wie die anderen Bücher davor. Sehr guter Schreibstil und eine sehr gute Übersetzung, nebenbei bemerkt. Dankeschön, dass Du Deine Bücher ...

Jetzt lesen
Deal mit meinem Chef

123alec456: Allein nach ein paar seiten konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, denn sonst hätte ich mch nur gefragt was als nächstes käme

Jetzt lesen
Icebreaker

Stephanie J.: Im Großen und Ganzen gefällt es mir sehr gut. Teilweise ein wenig vorhersehbar,

Jetzt lesen
Schlummernde Wölfin

sk8erhasi: Ich mag keine Geschichten, die am Anfang sich endlos ziehen und dann der spannende Teil grad mal ein Kapitel ist. Wo ist der zweite Teil? Es sind noch so viele offene Fragen. Was ist mit ihrem Vater, was mit dem bösen Alpha usw. Ansich ist das Buch echt gut geschrieben, aber irgendwie unvollständig...

Jetzt lesen
Chroniken der Werwölfe Band 1 Der Gefährte

lilaparker: Ich fand das Buch sehr interessant, süchtig machend nach mehr. Vor allem die Wendungen, wenn man dachte, alles wäre gut, haben mir sehr gut gefallen. Außerdem war es sehr schön, dass es viele verschiedene Personen mit verschiedenen Charaktereigenschaften gab. Manchmal gab es ab und zu ein kleiner Re...

Jetzt lesen
Zwischen Pflicht- und Bauchgefühl

Katharina: 30 Kapitel am Stück gelesen und nur aufgehört weil es mitten in der nacht war mehr muss ich nicht sagen. Mega toll

Jetzt lesen
Einmal ... für immer

Snowstorm: Sehr schöne Geschichte Genau das richtige um ein bisschen heile Welt zufühlen Danke und gerne mehr davon

Jetzt lesen
Alpha Company - Xavier Caldwell

Sandra: Lässt sich super lesen, ich will mehr davon

Jetzt lesen
Das Erbe der Mondgefallenen

Sina: Eine schöne Geschichte Hat mir gut gefallen und ließ sich auch sehr schön lesen Dankeschön das ich sie lesen durfte 🥰 👍🏻

Jetzt lesen