The One I Can’t Escape

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Zusammenfassung

Sie hat ihr Leben auf Kontrolle aufgebaut – jedes Detail messerscharf, jede Schwäche verborgen. Er verdient seinen Lebensunterhalt damit, Menschen zu brechen, Stück für Stück. Als ihre Wege kollidieren, geht es in dem Spiel nicht mehr um den Sieg, sondern ums Überleben. Verlangen. Macht. Verrat. Bis keiner von ihnen mehr sagen kann, wo der Kampf endet und der Hunger beginnt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
37
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Altersfreigabe
18+

#1 | Das perfekte Opfer

Alle nennen mich eine Schlange, als wäre das etwas Schlechtes.

Aber Schlangen überleben. Sie häuten sich. Passen sich an. Sie schlagen zu, noch bevor jemand das Rascheln im Gras bemerkt.

Ich bin eine Schlange, ich muss es sein. Und ich kann nicht behaupten, dass es mir nicht gefällt.

Ich besetzte eine Ecke des Ballsaals, so wie ein Raubtier sich einen Platz im Schatten sucht. Den Rücken gegen den Marmor gelehnt, hatte ich das glitzernde Ökosystem voll im Blick. Männer in dunklen Anzügen, Frauen in edlen Farben – alle taten so, als wäre ihr Lachen nicht von purem Ehrgeiz geschärft. Die Kronleuchter ließen honigfarbenes Licht über poliertes Glas und perfekt gebleichte Zähne fließen.

Wo das Geld war, da brodelte die Hitze. Und wo es heiß herging, sah ich meine Chance.

Schritt eins: das Ziel identifizieren. Schritt zwei: seinen Wert schätzen. Schritt drei: die Schwachstelle finden. Schritt vier: zuschlagen.

Richard Whitaker stand genau da, wo er hingehörte. Er lächelte, nickte und suchte gerade so viel Körperkontakt, um menschlich zu wirken. Er galt als der Wunderknabe des Landes, ein Retter in Armani. Er hatte seit Jahren kein Skalpell mehr angefasst. Trotzdem flüsterte die medizinische Welt seinen Namen, als wäre er ein Prophet. Ich hatte genug gelesen, um es besser zu wissen. Männer wie er versteckten sich hinter ihrer Scheinheiligkeit. Je heller das Licht, desto dunkler der Schatten.

Immer.

Ein perfektes Opfer für mein kleines Spiel.

Ich ging nicht direkt auf ihn zu. Ich ließ mich vom Treiben im Raum näher an ihn herantragen. Ich hielt kurz bei einer Fotografie an. Dann lehnte ich lächelnd ein Häppchen ab. Schlangen bewegen sich nicht geradlinig. Sie winden sich. Sie warten. Der richtige Winkel macht den Biss unvermeidlich.

Richards Blick fand mich, bevor ich ihn erreichte – vorhersehbar. Männer wie er dachten immer, sie wären die Jäger. Sein Lächeln wurde breiter. Dann musterte er mich – langsam und ganz bewusst. Er zog mich mit den Augen aus, ohne mich zu berühren. Sein Blick glitt an mir herunter und wieder hoch. Das hinterließ eine Gänsehaut auf meinem Rücken. Aber nicht von der guten Sorte.

„Ich habe gehört, Sie suchen eine Assistentin“, sagte ich und ließ das Wort wie beiläufig im Raum stehen.

„Ja“, murmelte er. „Das tue ich. Und wie es aussieht, suche ich genau jemanden wie Sie.“

Meine Lippen verzogen sich zu einem schmalen Lächeln.

„Ich helfe jungen Frauen in Not sehr gerne“, fügte er hinzu, seine Stimme klang ölig. „Aber wer für mich arbeitet, braucht… Hingabe.“

Ich sah ihm fest in die Augen. „Ich bin sehr motiviert.“

Das saß. Fast schon zu gut. Er machte zwei langsame Schritte auf mich zu. Sein Parfüm stieg mir in die Nase: aufdringlich und viel zu süß. Wie Sirup, der einem im Hals kleben bleibt. Er zog eine schwarze Karte aus seiner Tasche. Das Wappen des Hotels glänzte im Licht.

„Dann wollen wir mal sehen, ob Sie für den Job geeignet sind“, sagte er glatt. Er drückte mir die Karte in die Hand. Seine Finger berührten mich dabei länger als nötig.

Ich nahm die Karte an. Ich ließ sie durch meine Finger gleiten und tippte mit der Kante gegen meine Handfläche. Ein kleines Spielchen. Eine Andeutung auf das, was er sich erhoffte.

Richards Lächeln wurde noch breiter, er war sichtlich zufrieden mit sich. „Ich bewundere Ihren Elan, Miss…?“

„Laurent“, half ich nach.

„Reizend“, murmelte er. Sein Blick verweilte auf mir. Er stellte sich wohl schon vor, wie ich an seinem Arm aussehen würde – oder in seinem Bett. In seinen Augen flackerte etwas auf. Zögern und Versuchung zugleich.

Es war fast schon zu einfach.

Um ehrlich zu sein, dachte ich nicht im Traum daran, mit ihm aufs Zimmer zu gehen. So etwas mache ich nur selten wirklich. Sex ist für mich keine große Sache. Ich würde liebend gern mit einem heißen Typen ficken, wenn es sich ergibt. Aber nicht mit so einem schmierigen alten Kerl. Meistens lasse ich sie nur im Glauben, dass ich es tun werde. Die bloße Versuchung funktioniert oft viel besser als die Tat selbst.

Ich lasse die Gerüchte sich verbreiten. Die Leute sollen glauben, dass er mich flachgelegt hat. Und dass sie auch eine Chance haben, wenn der Gefallen nur groß genug ist. Das Ego der Männer lässt sie nie die Wahrheit sagen. Wenn sie die Einzigen wären, die nicht zum Zug kamen, müsste ja etwas mit ihnen nicht stimmen, oder?

Und dann –

Eine Stimme unterbrach uns. Sie war tief und ruhig, hatte aber einen scharfen Unterton.

Ich drehte mich um.

Der Mann war nicht passend für einen Ball gekleidet. Er trug ein schwarzes Hemd mit offenem Kragen und ein dunkles Sakko. Er wirkte, als hätte er nicht vor, lange zu bleiben. Er brauchte keinen Schnickschnack. Seine bloße Anwesenheit beherrschte den Raum. Er war größer als die Männer um ihn herum. Seine Schultern waren so breit, dass er wie eine unüberwindbare Mauer wirkte. Die Leute machten unbewusst Platz für ihn. Gespräche verstummten, die Atmosphäre im Raum änderte sich schlagartig.

Er war gutaussehend, ja. Aber das war es nicht, was mich faszinierte. Unter der Oberfläche lauerte etwas Gefährliches. Er wirkte sehr beherrscht. Es schien, als würde er genau entscheiden, wie viel er von sich preisgab. Er strahlte eine Anziehungskraft aus, die keine Bestätigung brauchte. Ein tiefes, instinktives Gefühl machte sich in mir breit. Es war, als würde man plötzlich merken, dass der Boden unter den Füßen nachgibt.

Er stellte sich nicht vor.

Das musste er auch nicht.

Er sah Richard direkt an. Mich würdigte er kaum eines Blickes. Als wäre ich nur Hintergrundrauschen.

Hitze stieg in mir hoch.

Wut.

Neugier.

Beides.

Er kam auf uns zu und die Luft schien zu vibrieren.

Richard bemerkte ihn sofort. Ich sah, wie es ihn traf. Seine eben noch breiten Schultern sackten zusammen. Eben war er noch der Star des Abends gewesen, jetzt wirkte er plötzlich kleinlaut. Alt. Erbärmlich.

„Nash“, sagte Richard angespannt. Sein Lächeln wirkte wie eingefroren.

„Wir müssen reden“, antwortete dieser. Seine Stimme war tief und fest. „Bald. Wir sind schließlich jetzt Partner.“

Partner. Das Wort klang wie ein Besitzanspruch. Das machte mich neugieriger als sein Tonfall.

Richards Kiefer spannte sich an. „Ich bin gerade mitten in einem Gespräch mit Miss Laurent“, sagte er gereizt.

Nashs Augen streiften mich endlich. Es war ein kurzer, abfälliger Blick. Dann sah er wieder zu Richard. Er lächelte humorlos. „Ein Gespräch? Mit einem Zimmerschlüssel in der Hand? Wie rührend.“

Mir stieg die Röte in den Nacken. Nicht aus Scham, sondern weil er mich provozierte. Er hatte zwar recht, aber er sollte es nicht laut aussprechen. Ich legte den Kopf schief und lächelte kühl.

„Ich wüsste nicht, dass ich Sie zu diesem Gespräch eingeladen habe.“

Das weckte sein Interesse. Sein Blick ruhte nun auf mir, so scharf wie eine Klinge auf der Haut. Er machte einen Schritt auf mich zu. Da stieg mir sein Duft in die Nase. Er roch sauber, herb und irgendwie dunkel. Genau so hatte ich es mir vorgestellt, und doch brachte es mich völlig aus dem Konzept. Ein Schauer lief mir über den Rücken.

Seine Mundwinkel zuckten. „Das Kätzchen hat Krallen“, murmelte er. „Süß. Aber ich habe hier Geschäfte zu erledigen. Das ist kein Gespräch für Zuschauer.“

Ich trat näher an ihn heran und ignorierte Richard völlig. „Witzig. Ich dachte immer, Männer, die so etwas sagen müssen, hätten sowieso schon verloren.“

Ich machte noch einen Schritt vorwärts. Ich war so nah, dass ich fast seinen Puls spüren konnte.

Der Raum zwischen uns wurde eng und schwer. Er wich nicht zurück. Er kam mir aber auch nicht entgegen. Er blieb einfach stehen, wie ein Fels in der Brandung. In diesem Moment spürte ich den Unterschied.

Aus der Nähe fühlte ich mich klein – aber nicht schwach. Ich war hellwach. Das hatte nichts mit Selbstvertrauen zu tun, sondern mit reiner Instinkt. Mir wurde klar, dass dieser Mann nicht versuchte, jemanden zu beeindrucken oder zu jagen.

Er war nicht meine Beute. Das hier war kein Gespräch mehr. Es war ein Test. Zwei Raubtiere belauerten sich und warteten darauf, wer zuerst zubeißen würde.

Nash neigte den Kopf und musterte mich ganz genau. „Sie gehören nicht hierher.“

Ich lächelte ihn herausfordernd an. „Lustig – das Gleiche könnte ich über Sie sagen.“

„Vielleicht oberflächlich betrachtet. Aber ich bin mir sicher, im Inneren… ist es genau umgekehrt.“

Die Worte trafen mich tiefer als erwartet. Ein kurzes Stechen in der Magengegend, Hitze unter meiner Haut. Ich zwang mich zu einem noch frecheren Lächeln.

„Ich passe in jeden Raum, in dem ich sein will.“

Sein Blick blieb fest und unnachgiebig.

„Vorsicht. Wenn man sich irgendwo reindrängt, wo man nicht hingehört, kann das wehtun.“

Ich zog eine Augenbraue hoch.

„Wer sagt denn, dass ein bisschen Schmerz keinen Spaß macht?“

Zum ersten Mal lächelte er richtig, aber es war ein gefährliches Lächeln. Sein Blick wurde dunkler, aber nicht vor Wut.

„Ich werde es mir merken. Aber passen Sie auf. Richard mag Frauen, die wissen, wie man… gehorsam ist.“

Ich legte den Kopf schief und meine Stimme wurde sanfter.

„Ich kann sehr gehorsam sein – wenn die Situation es erfordert.“ Sein Mundwinkel zuckte nach oben. „Außerdem sollte er das wohl selbst entscheiden. Ihre Meinung hat sowieso niemand hören wollen.“

Ich drehte mich wieder zu Richard um – doch da war niemand mehr. Er war längst in der Menge verschwunden. Ich sah ihn nur noch kurz am anderen Ende des Saals. Er hatte sich bereits abgewendet und suchte sich ein neues Ziel.

Nash sah ihm hinterher, ein Muskel in seinem Kiefer zuckte. Er atmete genervt aus.

„Glückwunsch. Ihr kleiner Auftritt hat mich gerade ein Gespräch gekostet, das ich schon vor zwei Wochen hätte führen sollen.“

Mein Lächeln blieb unverändert.

„Und Sie haben mich einen Job gekostet, den ich wirklich brauche.“

Etwas wie Amüsement trat in sein Gesicht. Ein spöttisches Grinsen.

„Zumindest ist mein Geschäft noch nicht ganz verloren.“ Er wandte sich ab, als wäre ich erledigt für ihn.

Dann hielt er inne und sah mich noch einmal an.

„Wie ist Ihr Name? Falls ich mal jemanden einstellen muss, will ich wissen, wen ich meiden sollte.“

Ich ließ ihn einen Moment warten, dann schenkte ich ihm mein strahlendstes Lächeln.

„Izabell. Izabell Laurent.“

Seine Augen verweilten einen Herzschlag zu lange auf mir, als würde er sich den Namen einprägen. Dann nickte er kurz und verschwand in der Menge.