Ich werde dich ficken, wie und wo ich will.

Lily

Stavros
Lily
Ich kann nicht glauben, dass ich hier hänge wie ein Stück Rindfleisch beim Metzger. Nackt und völlig schutzlos. Ich frage mich, ob eine Kuh denselben Gedanken hat, kurz bevor sie geschlachtet wird. Wie konnten meine Eltern mir das nur antun? Die Kuh weiß nicht, dass ihre Eltern hilflos waren und dasselbe Schicksal erlitten haben. Aber meine Eltern sind die Täter. Sie haben mich verkauft, um sich die eigenen Taschen vollzumachen.
Ich sehe mich um. Die Wände sind weiß und die Decken hoch, an den Balken sind Seile befestigt. Meine Füße berühren den Boden, aber nur ganz knapp. Ich muss auf Zehenspitzen stehen. Jedes Mal, wenn ich mich bewege, scheuert das Seil an meinen Handgelenken. Das Mädchen neben mir wimmert und Tränen verschmieren ihre Wimperntusche. Sie ist nicht die Einzige. Hier hängen hunderte Mädchen und wir alle werden angestrahlt wie Kunstwerke. Mit einem Marker wurde mein Nachname auf meinen Körper geschmiert: Miller. Und mein Wohnort: Saskatchewan, Kanada.
Egal, was mir passiert, ich werde nicht weinen.
Am anderen Ende des Raumes öffnet sich eine Doppeltür. Alle blicken dorthin. Männer strömen herein. Sie sind jeden Alters, jeder Größe und Nationalität. Doch eines verbindet sie: dieses dämliche Grinsen im Gesicht.
Was haben Männer bloß mit hilflosen Frauen? Sie sollten lieber Eier zeigen und sich Respekt auf normale Art verdienen. Ich frage mich, ob wir Frauen im Laufe der Geschichte alles vergewaltigt und geplündert hätten, wenn wir stärker erschaffen worden wären.
Ich glaube eher nicht.
Aber wahrscheinlich hätte es mehr Kriege gegeben, die jahrhundertelang gedauert hätten. Die erste Person, gegen die ich in den Krieg ziehen würde, wäre mein Vater.
Die Männer wirken fast euphorisch. Sie geben sich High Fives und schauen sich im Raum um wie Kinder an Weihnachten. Alle, bis auf einen. Er sticht aus der Menge heraus. Seine Augen sind emotionslos und sein Gesichtsausdruck ist völlig starr. Die meisten Männer tragen Jeans, aber er trägt ein schwarzes Hemd und eine weinrote Hose, die passend zu seiner Krawatte ist.
Ich wette, er ist ein Auftragskiller. Diese kalten Augen haben definitiv schon getötet. Sicher ist er stolz auf seine Effizienz. Ich weiß nicht viel über diese Auktion, aber ich habe aufgeschnappt, dass sie für die Mafia ist.
Plötzlich wird meine Aufmerksamkeit abgelenkt. Zwei Männer graben ihre Finger in meine Brüste. Man hat uns nicht gesagt, was die Männer tun dürfen, aber wenn ich mich umsehe, ist Anfassen wohl erlaubt. Ich erstarre. Noch nie hat mich ein Mann nackt gesehen, und ich wurde noch nie berührt. Im Gegensatz zu meiner Schwester, die auf eine Privatschule ging, wurde ich zu Hause unterrichtet. Behütet – oder eher vernachlässigt, das trifft es besser. Meine Eltern dachten, sie könnten keine Kinder bekommen, also adoptierten sie mich. Aber als meine Schwester Julia kam, war sie ihr Wunderkind.
„Die sind so gut wie perfekt“, sagt der tätowierte Muskelprotz und begrapscht meine Brüste.
„Mir sind sie ein bisschen zu klein, aber das ließe sich ändern“, sagt ein Typ mit einer langen Narbe auf der Wange. Am liebsten würde ich ihm eine passende Narbe auf der anderen Seite verpassen.
Sie diskutieren weiter und fingern an meinen Brüsten herum. Sie reden, als könnte ich sie nicht hören. Dann wandern sie zu meinem Arsch und einer von ihnen verpasst mir einen harten Klaps. Meine Füße verlieren den Bodenkontakt und ich fange an zu schwingen. Das Seil brennt in meinen Gelenken. Ich verziehe das Gesicht und versuche wieder festen Stand zu finden, aber es gelingt mir nicht.
„Das hat ihr nicht gefallen“, sagt der Muskelprotz. Er schlägt mich erneut, gleich mehrmals hintereinander. Ich stöhne auf. Mein Körpergewicht belastet meine Schultern und meine Handgelenke pochen. Ich würde ihn gerne fragen, wie er es fände, wie ein Stück Fleisch behandelt zu werden. Aber der Aufseher sagte uns, dass wir im Bordell landen, wenn uns kein Mann nimmt. Eine Ehe mit irgendeinem niederrangigen Mafia-Arschloch ist immer noch besser.
Ich weiß, dass sie mich zum Weinen bringen wollen, aber ich werde ihnen den Gefallen nicht tun.
Der Muskelprotz tritt ganz nah an mich heran. Sein aufdringliches Parfüm steigt mir in die Nase, mir wird fast schlecht. Ich schnappe nach Luft, als er seine Finger grob zwischen meine Beine schiebt. Ich versuche auszuweichen, aber er hält mich fest. Er macht ein überraschtes Gesicht, als er seine Finger dem anderen Typen zeigt. „Sie ist trocken. Mein Schwanz wird Spaß haben, sie zu brechen.“ Er dreht sich zu seinem Freund, lässt seine Hände aber an meiner empfindlichsten Stelle. „Kann ich eine Kanadierin heiraten?“ Er sieht sich im Raum nach anderen Frauen um. „Sie ist hübscher als der Rest“, sagt er, und sein Freund nickt.
„Ich würde sie nehmen, aber meine Mutter bringt mich um, wenn ich keine Russin wähle.“
Der Typ zuckt mit den Schultern, holt einen Edding heraus und schreibt zu meinem Entsetzen seinen Namen auf meinen Körper. So fordern sie uns ein: Sie schreiben buchstäblich auf uns drauf. Mir wird speiübel. Wenn ich mich im Raum umsehe, weinen die Mädchen, während sie von den Kerlen belästigt werden.
Ich werde meinen Vater umbringen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue. Er wird dafür bezahlen.
Im Laufe des Abends wird klar, dass sie uns überall berühren dürfen. Nur ficken dürfen sie uns nicht, sonst würden sie es garantiert tun. Ein Kerl malt mir sogar einen Schwanz auf die Wange und schreibt seinen Namen daneben. Seine Freunde lachen sich die ganze Zeit kaputt. Ihre schleimigen Hände packen mich an, als wäre ich ihr Eigentum. Ich bin stinksauer, aber wie sie über mich reden, bringt das Fass zum Überlaufen. Mein Blut kocht, aber ich darf es nicht zeigen. Ich sage mir immer wieder: Das Bordell ist die einzige Alternative.
Sie denken, sie kaufen ein hilfloses Vögelchen, das noch nicht fliegen kann. Aber sie kaufen eine verfickte Löwin. Ich werde warten, und eines Tages werde ich mir meine Freiheit holen. Nicht nur meinen Vater werde ich töten, die hier mache ich auch alle fertig.
Mein Blick fällt wieder auf die geheimnisvolle Gestalt vom Anfang. Er ist nicht wie die anderen die ganze Nacht herumgelaufen. Er saß einfach nur in der Ecke auf einem Stuhl und hat zugesehen. Als sich unsere Blicke treffen, schaut er nicht weg, und ich auch nicht. Ein Schauer läuft über meinen Körper. Das ist kein schöner Moment, bei dem das Herz flattert – dieser Mann strahlt pure Gefahr aus.
Schluchzen lenkt mich ab. Als ich wieder zurückblicke, schaut er schon woanders hin. Dem Mädchen neben mir wird der Hintern so hart versohlt, dass sie laut um Hilfe schreit. Sie schwingt hin und her und Blut tropft von ihren Handgelenken. Ich habe vielleicht ein Dutzend Unterschriften auf meinem Körper, sie hat über fünfzig.
Anscheinend sind Russinnen beliebt. Ich habe italienische Wurzeln, aber keinen Bezug dazu. Ich mag nicht mal Pasta.
„Noch fünf Minuten“, verkündet ein Mann mit hartem Akzent über die Lautsprecher. Ich kann ihn nicht genau zuordnen, aber er klingt europäisch. Ich wusste, dass der Flug lang war, nur nicht, in welche Richtung wir geflogen sind.
Die dunkle Gestalt in der Ecke steht auf und richtet seine weinrote Krawatte. Als er näher kommt, erkenne ich seine Züge besser. Er sieht verdammt gut aus. Er hat sonnengebräunte Haut, dichtes schwarzes Haar und markante Wangenknochen, für die man sterben könnte. Seine blauen Augen fixieren meine und halten den Blick fest, während er auf mich zukommt. Äußerlich ist er extrem heiß, aber er hat etwas an sich, das mich mehr in Angst versetzt als jeder andere Mann hier.
In meinem Kopf schrillen alle Alarmglocken. Vielleicht ist es meine weibliche Intuition, die gerade Überstunden macht. In Filmen wäre er der dunkle Fremde, dem man in eine Gasse folgt, woraufhin er einen entweder umbringt oder fickt. Vielleicht macht er sogar beides.
Er bleibt direkt vor mir stehen, aber im Gegensatz zu allen anderen Typen berührt er mich nicht. Stimmt etwas nicht mit mir? Dass er mich nicht anfasst, macht mir fast noch mehr Angst. Sein Blick wandert nicht an mir herunter, er sieht mir direkt in die Augen. Dann sagt er mit eiskalter Stimme: „Als meine Frau wirst du meine Sexsklavin sein. Ich werde dich ficken, wie und wo ich will. Sobald du mir bewiesen hast, dass du mich befriedigen kannst, werde ich den Mann töten, der dich verkauft hat.“
Er schreibt seinen Namen auf meine Schulter und geht wortlos weg.
Das war ein Abgang, der gesessen hat.