Failsafe – Spiel mit dem Feuer

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Zusammenfassung

Sie ist eine Gefangene. Er ist ihr Verhörspezialist. Die Mission ist simpel: die Wahrheit aus ihr herauszuholen – mit allen notwendigen Mitteln. Doch Aeris lässt sich nicht brechen. Keine der üblichen Foltermethoden schlägt bei ihr an. Als der Countdown zur Vernichtung beginnt, greift Nayth zu einer weitaus heimtückischeren Methode: Lust. Was als taktische Stimulation beginnt, eskaliert schnell zu etwas, das keiner von beiden mehr kontrollieren kann. In einer Einrichtung, die kurz vor dem Zusammenbruch steht, gibt es kein Vertrauen. Verlangen wird zur Waffe, und die Grenze zwischen Verletzung und Verletzlichkeit verschwimmt so sehr, dass weder Gefangene noch Wärter wissen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen. Denn das Mädchen, für das Nayth niemals Gefühle entwickeln durfte, trägt ein Geheimnis in sich – eines, das die ganze Stadt zerstören könnte.

Genre:
Erotica
Autor:
JPaine
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
32
Rating
5.0 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Teil 1 - Kapitel 1

Die Überwachungstüren glitten mit einem hydraulischen Zischen auf, als Nayth hindurchstürmte. Der Stahl schoss gerade noch rechtzeitig zurück, um seine Schulter nicht zu erwischen. Sie hätten ihn sofort rufen müssen, als sie im Netz auftauchte. Stattdessen hatten sie Däumchen gedreht, und jetzt durfte er ihren Mist wegräumen.

Ein halbes Dutzend Köpfe wirbelten zu ihm herum. Ein Techniker schreckte hoch und salutierte hastig. Ein anderer nestelte panisch an einem Tablet herum, wobei seine Finger über das Glas glitten. Monitore säumten die ferne Wand in einem lückenlosen Gitter aus mattem Blau. Doch Nayths Augen fixierten sofort den Feed in der Mitte – Sektor 12, Zelle 08.

„Was zur Hölle soll das?“ Seine Stimme übertönte das elektronische Summen der Bildschirme, während er mit dem Finger auf den Monitor deutte. „Ihr hattet Dekkers Tochter hier?“

Niemand antwortete schnell genug. Er schritt voran, seine Stiefel hämmerten auf dem Metallgitter.

„Colgrave, Sir...“, begann ein junger Offizier. Dann verlor er sich in Gemurmel über Befehle und angebliche Protokolle. Nayth brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen, der heiß genug war, um Eisen zu schmelzen.

„Dekkers verdammte Tochter ist in Haft, und keiner kam auf die Idee, Alarmstufe Eins auszulösen?“

Hinter ihm herrschte betretenes Schweigen. Wieder kamen gemurmelte Ausreden, Gerede über Sicherheitsstufen und geheime Infos. Nayth hörte nichts davon. Seine Augen waren wieder fest auf den Monitor gerichtet, auf dem Zelle 08 das Bild füllte.

Aeris Dekker hing in der Mitte der Kammer. Ihre Arme waren durch Magnetmanschetten über den Kopf gerissen. Ihre blasse Haut war voller blauer Flecken. Jedes Zittern ihrer Muskeln verriet, wie erschöpft sie war, weil sie sich aufrecht halten musste. Ihr Kopf kippte nach unten und silbergoldenes Haar fiel wie ein Vorhang vor ihr Gesicht.

Nayth ballte die Hände zu Fäusten, die Anspannung spannte sich durch seine Unterarme. Er trat zum Hauptpult und schnappte sich die dünne Mappe – echtes Papier, weil niemand eine digitale Spur von dem wollte, was hier getan worden war. Er schlug sie auf. Seine Augen flogen über die endlosen Seiten, während er die Kiefer so fest zusammenbiss, dass die Zähne knirschten.

Es las sich wie ein Handbuch von Schlächtern: drei Runden AMPH-7-Injektionen, Neuroburn-Zyklen durch die untere Wirbelsäule, wiederholte Schmerzresonanz-Stöße. Nach jeder Qual gab es ein Heilmittel, um sie vom Abgrund zurückzuholen, damit sie von vorn anfangen konnten. Ihre Nerven waren zerfetzt, neu verdrahtet und blankgelegt, bis kaum mehr als Reflexe übrig waren. Und trotzdem hatte sie ihnen nichts verraten.

Er schlug die Akte zu und pfefferte sie zurück auf den Tisch. „Räumt den Raum.“

Ein paar Köpfe hoben sich überrascht, aber niemand bewegte sich.

Der diensthabende Offizier erhob sich schließlich schwerfällig von seinem Stuhl. Er war ein stämmiger Mann mit Kapitänstreifen am Kragen und einem lückenhaften Bart. „Bei allem Respekt, Sir, bei ihr kommen wir nicht weiter. Der Hinrichtungsbefehl kam vor nicht mal zwanzig Minuten rein. Wir haben null Infos aus ihr rausgeholt. Aktuell ist sie nur eine weitere halb verhungerte Gefangene, die Ressourcen frisst, die wir nicht haben.“

Nayth würdigte ihn keines Blickes. „Ich sagte: Räumt. Den. Verdammten. Raum.“

Nach dem Befehl folgte Stille, zwei lange Herzschläge lang. Dann wurde sie vom Scharren der Stühle und dem Schlurfen der Stiefel gebrochen. Einer nach dem anderen verließ das Team den Raum. Ein paar letzte unsichere Blicke trafen den Monitor, bevor die Tür zischend hinter ihnen ins Schloss fiel.

Nur Nayth war jetzt noch da. Er, das Leuchten des Bildschirms und der zerbrechliche Körper im dämmrigen blauen Licht.

Er wandte sich von den Monitoren ab, die Wut pulsierte immer noch unaufhaltsam in seinen Adern. Schmerz hatte sie nicht gebrochen. Auch nicht die Drogen – psychologische Zermürbung, chemischer Entzug, schlaflose Nächte – nichts davon hatte ihr Schweigen beendet. Das hieß, es war Zeit für eine neue Taktik.

Er ging zu dem Schließfach in der Wand und tippte seinen Code ein. Der biometrische Scanner piepte leise, als die Sperre löste. Er zog seine Waffe aus dem Holster – Standardmodell, gehärtetes Polymer, visiergesperrt. Er starrte sie eine lange, ruhige Sekunde lang an, bevor er sie auf das obere Fach legte.

Vor Jahren war ein Idiot unvorsichtig gewesen. Ein Gefangener hatte es geschafft, ihm während der Sitzung die Waffe zu entreißen und dem Mistkerl mitten ins Gesicht zu schießen. Sie hatte ein halbes Dutzend weitere Offiziere erledigt, bevor sie sie mit genug Volt stoppten, um das Herz eines Bullen zu grillen. Das Putzkommando musste nach diesem Vorfall die Wände abspritzen.

Diese Geschichte wurde jedem neuen Rekruten eingetrichtert, der durch diese Hallen kam. Niemand wollte, dass sich so eine Tragödie wiederholte.

Nayth schloss das Fach mit einem letzten Klicken und wandte sich dem Regal an der gegenüberliegenden Wand zu. Reihenweise Militärausrüstung hing dort ordentlich aufgereiht: Handschuhe, Visiere, Panzerplatten, Masken, Neuro-Dämpfer. Verschiedene Fesseln glänzten im Licht. Injektionsfläschchen mit sauberen weißen Etiketten zeigten ihren chemischen Inhalt. Manche Cocktails verstärkten den Schmerz, andere vernebelten den Verstand. Von einigen wusste man, dass sie Soldaten in effizientere Killer verwandelten, indem sie die natürlichen Grenzen von Kraft und Ausdauer ausschalteten.

Er ging an all dem vorbei und griff nach dem, was am wichtigsten war. Eine Maske – glatt, mattschwarz, geformt wie Kinn und Wangenknochen. Gefangene überlebten selten lange genug, um zu wissen, wer sie verhört hatte, aber das Protokoll verlangte trotzdem Anonymität. Für Nayth war die Maske jedoch mehr als ein Schleier. Sie war die Grenze zwischen Mensch und Monster. Wenn er sie aufsetzte, verstummte der letzte Rest Menschlichkeit.

Hinter dem Regal lehnte ein Spiegel mit Stahlrahmen. Sein Spiegelbild blickte ihm entgegen: breite Schultern unter der Uniform, das schwarze Haar zerzaust vom Chaos des Tages, der Kiefer fest angespannt. Aber es waren die Augen, die ihn bannten – starr, unerschütterlich und unheimlich hell. Kaitoke-Grün hatte sie mal jemand genannt. Wie kristallisiertes Moos. Im sterilen Licht schienen sie fast zu leuchten.

Er starrte noch einen Moment länger, dann setzte er die Maske auf. Sie rastete mit einem magnetischen Klicken ein und verschlang alles außer diesen Augen.

Er trat zur Tür und legte die Hand auf die Steuerung. Zeit zu sehen, was sie tat, wenn der Schmerz endete und das wahre Brechen begann.