Kapitel 1

Erin
Meine Tante Mabel zerrt mich in den Raum, den sie mein Schlafzimmer nennt. Es ist ein kleines, schlichtes Zimmer, wenn man es mit dem Luxus vergleicht, den sie hier haben. „Pack deine Sachen. Morgen gehst du auf ein Internat.“
Die Tür fällt krachend ins Schloss. Ich lasse mich auf mein Bett sinken und schon fließen die Tränen. Es ist kaum einen Monat her, dass Mom und Dad bei einem tödlichen Autounfall ums Leben kamen. Ihre Körper liegen erst seit Kurzem unter der Erde. Jetzt bin ich meiner hasserfüllten Tante zur Last gefallen.
Ich höre sie am Telefon mit jemandem sprechen. Sie kann es kaum erwarten, mich loszuwerden. Dafür nutzt sie das Geld, das meine Eltern mir für meine Ausbildung hinterlassen haben. Wenn ich wenigstens dieses letzte Jahr an der Highschool schaffe, kann ich für immer vor ihr abhauen.
Ich mochte meine Tante noch nie. Bei den wenigen Treffen sind wir nie miteinander klargekommen. Aber es ist die reinste Qual, bei ihr wohnen zu müssen. Alles, was Teil meines Lebens war, ist jetzt weg. Meine Freunde, die Schule, mein Zuhause, meine Eltern. Ich lebe in einem anderen Bundesstaat bei dieser Miststück von einer Tante.
Der alte braune Lederkoffer reicht gerade so für all meine Klamotten. Ich lasse nur ein paar Sachen draußen, um über die nächsten zwölf Stunden zu kommen. Nur der Fernseher leistet mir Gesellschaft. Ich liege auf dem Bett und schaue mir irgendeinen Blödsinn an.
Ich schleiche durch das Haus in die Küche, um etwas zu essen zu finden. In dem Monat hier habe ich gelernt, ihr aus dem Weg zu gehen. Ich warte immer, bis sie in ihrem Teil des Hauses verschwindet. Manchmal beschwert sie sich über fehlendes Essen, aber was erwartet sie eigentlich? Dass ich verhungere?
Als der nächste Tag anbricht, kommt sie mit einem Lächeln im Gesicht herein. Am liebsten würde ich es ihr eines Tages aus dem Gesicht wischen. „Der Fahrer bringt dich zum Busbahnhof. Hier ist deine Fahrkarte.“
„Das ist alles? Wo soll ich überhaupt hin?“ Sie hat kein Wort darüber verloren, was das für eine Schule ist.
„Das steht alles auf dem Ticket.“ Sie gibt ein genervtes Geräusch von sich. „Verschwinde endlich. Worauf wartest du noch?“ Sie verscheucht mich mit einer Handbewegung.
Ich schnappe mir meinen Koffer und stelle ihn im Auto neben mich. Dabei halte ich den Kopf hoch. Es gibt kein Abschiedswort und kein „Bis bald“. Das ist ein Abschied für immer – nicht, dass ich jemals zurückkommen wollte.
Die Fahrt ist lang und schweigsam. Die weite Landschaft zieht an mir vorbei wie ein stummer Film. Wo zur Hölle bringt er mich hin? Als er vor einem kleinen Backsteingebäude mit einer Bushaltestelle hält, öffnet er meine Tür. Er sagt mir, dass ich hier aussteigen muss.
Na gut. Ich klammere mich an meinen Koffer und kaue auf meiner Unterlippe herum. „Sind Sie sicher, dass das die richtige Haltestelle ist?“ Mein Magen spielt verrückt. Normalerweise bin ich nicht nervös, aber an diesem Ort habe ich das Gefühl, dass ich hier nicht sein sollte.
Er nickt mir nur kurz zu, steigt wieder ein und fährt davon. Ich drücke die Tür zum Gebäude auf und entdecke einen Informationsschalter. Endlich, ein Lebenszeichen.
„Können Sie mir sagen, wann mein Bus kommt? Auf dem Ticket steht keine Uhrzeit.“ Ich reiche es ihr. Sie nimmt es, schaut kurz drauf und nickt dann. Dabei zeigt sie auf die Tür, durch die ich gerade reingekommen bin. „Okay – danke“, sage ich, nehme mein Ticket zurück und gehe wieder nach draußen.
Redet hier eigentlich keiner mehr? Seufzend lasse ich meinen Arsch auf eine Bank plumpsen. Ich spüre die raue Backsteinwand in meinem Rücken. Ich bin mitten im Nirgendwo und habe kein Handy, weil dieses Miststück von Tante meines kaputtgemacht hat. Ich schlinge die Arme um mich und schließe die Augen. Das war’s. Ich werde hier draußen krepieren.
Als in der Ferne ein Brummen zu hören ist, öffne ich die Augen. Ich schirme sie mit der Hand ab und versuche zu erkennen, was da kommt. Ein Bus taucht auf. Gott sei Dank muss ich hier nicht die ganze Nacht verbringen.
Er hält an und ich stehe mit meiner Fahrkarte in der Hand da. Das ist mein Weg hier raus. Die getönten Scheiben wirken geheimnisvoll, aber der Bus sieht verdammt luxuriös aus. Die Tür öffnet sich mit einem Zischen und ich trete einen Schritt zurück.
„Fahrkarte, bitte“, knurrt der Fahrer fast schon.
Toll, ein Fahrer mit mieser Laune. Das wird ja ein Spaß – nicht. Ich verdrehe die Augen, stapfe die Stufen hoch und gebe ihm mein Ticket. Er verzieht das Gesicht und lässt die Mundwinkel hängen, als er es mir zurückgibt.
„Rückbank, und rühr dich nicht vom Fleck.“ Das ist alles, was er sagt, bevor die Türen zischend schließen.
Ich gehe den Gang entlang und schaue mir im Vorbeigehen die Sitze an. Hier ist keine Menschenseele. Bin ich die Erste, die zusteigt? Ich verstaue meinen Koffer in der Ablage über den Sitzen im hinteren Bereich. Er sagte Rückbank, aber keine bestimmte Nummer. Ich setze mich in die Mitte, damit ich sehen kann, wer an der nächsten Haltestelle zusteigt – falls es überhaupt eine gibt.
Die Fenster sind so dunkel, dass ich kaum nach draußen sehen kann. Das ist alles so seltsam. Ein Radio oder so etwas brummt leise im Hintergrund. Aber es fühlt sich komisch an, als ob ich hier nicht hingehöre.
Nach einiger Zeit wird der Bus langsamer und hält an. Ich setze mich aufrecht hin und beobachte gespannt, wie sich die Türen öffnen. Ein muffiger Geruch weht durch den Bus, als der mysteriöse Fremde einsteigt.
Er ist groß, muskulös und verdammt gutaussehend. Er wirft sein dunkelbraunes Haar zurück, dreht sich um und läuft den Gang entlang. Dunkelgrüne Augen treffen meine und er erstarrt für eine Sekunde. Er rümpft die Nase, als würde er an der Luft schnuppern. Was zur Hölle macht er da? Ein tiefes Knurren entweicht ihm, während er weiter auf mich zukommt.
Er bleibt vor mir stehen, zieht ein Gesicht und grummelt vor sich hin, während er seine Tasche im Fach verstaut.
„Was ist dein Problem?“, flüstere ich, aber es klingt eher wie ein Fauchen. Ich bin nicht von einem beschissenen Zuhause weggegangen, um hier auch noch wie Dreck behandelt zu werden.
„Du solltest nicht hier sein“, knurrt er.
„Na ja, wenigstens redest du. Im Gegensatz zu allen anderen, die ich bisher getroffen habe. Wie heißt du?“ Ich kann ja versuchen, freundlich zu sein, wenn wir an den gleichen Ort fahren.
Er setzt sich auf einen Platz vor mir, dreht sich um und lässt seinen Blick über mein Gesicht wandern. „Ich würde diesen hübschen Mund an deiner Stelle halten. Sonst handelst du dir Ärger ein.“
„Sind alle, die in diesen Bus steigen, so mies drauf wie du?“ Gott, er ist wirklich hübsch. Schade, dass er so ein Arschloch ist.
Er grunzt nur, schüttelt den Kopf und schaut wieder nach vorn. „Du bist tot, bevor du überhaupt ankommst“, murmelt er leise vor sich hin.









yeah no you wouldn’t catch me fast enough to put me on that bus😅
Hey! Your attention to worldbuilding is honestly incredible. Every part of the story feels purposeful and emotionally rich, and the depth of the lore makes it so easy to get completely immersed in your world. The latest chapter was amazing, and while reading it, I found myself coming up with a few ideas and theories about where the story might go I’d love to share them with you.
woah but not much scary u should learn more but not mind ok its good but not perfact 🙄