Kapitel 1
Dies ist das zweite Buch zu The Beta's Mistake.
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In meinem Haus herrscht immer Chaos. Ich habe zwei Väter – technisch gesehen drei, wenn man Onkel Max mitzählt. Er ist der beste Freund meines Vaters und hat bei meiner Erziehung geholfen, bis mein Vater anscheinend aus dem Gefängnis kam und zurückkehrte, um mit mir und meinem richtigen Vater zusammen zu sein. Mit ihm kamen drei seiner Kinder, und das vierte ist unterwegs. Dann gibt es noch meinen Onkel Landon, der sich in Max verliebt hat und schwanger wurde.
Ha – ich weiß, das ist eine Menge. Zumindest habe ich mein eigenes Zimmer.
Ich habe heute erst das Auto meines Vaters zu Schrott gefahren und anscheinend meinen alten Jugendfreund August getroffen. Ich erinnere mich nicht einmal an ihn, weil wir weggezogen sind, als ich etwa sieben war oder so. Ich habe seine Nummer bekommen, aber meine Eltern bringen mich um, wenn sie das herausfinden. Ich darf nicht mit einem Alpha reden, weil ich ein Omega bin und schwanger werden kann.
Mein Vater ist ein Beta, was selten ist, weil er mit mir schwanger wurde, und mein anderer Vater – den ich Deddy nenne – ist ein Alpha. Es ist eine lange Geschichte, aber anscheinend darf ich nichts machen, weil vereinbart wurde, dass ich mit niemandem zusammen sein darf, wenn wir zu unserem Rudel zurückkehren. Was nicht fair ist. Wenn es nach mir ginge, wäre ich einfach weggeblieben.
Mein Handy fängt an zu klingeln, und ich gehe langsam zu meiner Tür und öffne sie einen Spalt. Niemand ist in der Nähe, und ich kann die Kinder unten schreien hören. Ich schließe leise die Tür und greife nach meinem Handy. Mein Herz hämmert in meiner Brust. Ich habe noch nie zuvor mit einem Typen telefoniert, außer mit meinem besten Freund Eddie. Meine Eltern sind super streng und ich sitze quasi in einem Käfig fest.
Ich gehe ran.
„H—hallo?“
„Hey, was geht?“
Ich hätte fast aufgelegt. Seine Stimme ist tief und etwas rau – viel tiefer als vorhin.
„Ähm – nichts. Ich – ich meine, was machst du gerade?“
Warum bin ich so ein Lappen? Ich kann kaum sprechen.
„Warte kurz. Leg auf, ich FaceTime dich“, sagt er, und bevor ich antworten kann, hat er schon aufgelegt.
Ich lasse mein Handy fallen und renne zum Spiegel, fahre mir durch die Haare und checke mein Gesicht, um sicherzugehen, dass ich halbwegs passabel aussehe. Mein Handy vibriert auf dem Teppich. Ich eile zurück, schnappe es mir und nehme den FaceTime-Anruf an.
Er sitzt an einer Küchentheke und isst eine Schüssel Captain Crunch.
„Hey.“ Er lächelt, bevor er sich den Löffel in den Mund steckt. „Ich hoffe, das macht dir nichts aus. Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und habe gegessen, aber ich wollte unbedingt mit dir reden. Ich konnte nicht aufhören, an dich zu denken, nachdem ich dich wiedergesehen habe.“
Meine Wangen tun weh vom vielen Lächeln. „Ja, bei mir genauso.“ Ich lehne mich auf meinem Bett zurück und halte mein Handy. „Also, ähm ... wie alt bist du eigentlich?“ Ich erinnere mich absolut an nichts mehr, was ihn betrifft.
„Achtzehn. Wie alt bist du jetzt?“, fragt er und schaufelt sich einen weiteren Löffel in den Mund.
„Sechzehn. Also, wenn ich sieben war, warst du etwa neun?“
„Mm.“ Er nickt kauend. Nachdem er geschluckt hat, sagt er: „Ich erinnere mich nicht an alles – nicht an jedes Detail –, aber an dich erinnere ich mich. Und ich bin wirklich froh, dass wir wieder Kontakt haben. Warum darfst du eigentlich nicht mit Alphas reden? Ich weiß, dass dein Vater einer ist. An ihn erinnere ich mich.“
„Mein Vater?“, ich ziehe die Augenbrauen hoch.
„Jep. Ich erinnere mich vage, dass er mich gehasst hat. Er ist damals auf meiner Geburtstagsparty aufgetaucht oder so, und ich glaube, er konnte riechen, dass ich ein Alpha bin. Das gefiel ihm nicht“, August zuckt mit den Schulden.
Das gibt mir ein echt mieses Gefühl.
„Mein Deddy mag niemanden außer meinem Vater. Manchmal fühlt es sich so an, als würde er mich nicht mögen ...“, ich werde leiser und schüttle dann den Kopf. „Aber ich weiß, dass er mich mag. Er will nur nicht, dass ich Ärger bekomme.“
August lächelt. „Das verstehe ich. Sag mal, auf welche Schule gehst du eigentlich?“
Ich nenne ihm den Namen meiner Schule und er nickt. „Ich auch –“
„Echt jetzt?!“, meine Augen werden groß. „Das heißt, wir können uns sehen!“ Ich halte inne, plötzlich bewusst, wie aufgeregt ich klinge. „Ich meine – falls du mich sehen willst.“ Ich lege verlegen die Hand in den Nacken.
„Ich würde dich liebend gerne sehen, Püppchen“, sagt er, und ich fühle, wie meine Seele Feuer fängt. „Schreib mir einfach, wenn du morgen in der Schule bist. Ich hasse es, das kurz zu halten, aber ich bin müde. Ich bin wirklich froh, dass ich dich wiedersehen konnte, Vayson. Gute Nacht.“
„Ich bin auch froh, dich getroffen zu haben, August“, lächle ich. „Gute Nacht.“
Ich beende den FaceTime-Anruf und falle rückwärts auf mein Bett, wobei ich einen langen Seufzer ausstoße. Ich schnappe mir mein Kissen und schreie hinein.
Fühlt sich so verliebt sein an?!
Wenn ja ... fühlt es sich verdammt großartig an.
~*~
Vices Sicht.
Das muss mein Karma sein. Es lässt mich in meinem eigenen Wohnzimmer auf und ab laufen.
„Also sag mir nochmal, was passiert ist! Wie konnte unser Sohn mit einem Alpha reden?“, fahre ich ihn an und blicke zu Kayson hinüber, der auf dem Sofa ausgestreckt ist und liest, als wäre das alles kein großes Ding.
„Vice, du machst da ein viel zu großes Drama draus. Er ist sechzehn. Wir können mit ihm reden und ihn belehren, aber wir können ihn nicht ersticken. Am Ende wird er uns noch hassen. Erinnerst du dich, wie es war, als du sechzehn warst?“, fragt er.
Ich denke darüber nach. „... Du hast recht.“
„Danke –“
„Ich nagle seine Tür zu!“, stürme ich los.
„Vice!“, zischt Kayson.
Zisch nur, Kayson. Ich werde mein Kind vor diesen geilen kleinen Alphas beschützen.
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Ich klopfe an Vaysons Tür, aber er antwortet nicht. Ich drücke sie langsam auf und halte inne, als ich sehe, dass er bereits auf seinem Bett schläft. Eine Hand ruht neben seinem Gesicht, als ich hinübergehe und mich auf die Bettkante setze.
Ich betrachte ihn. Er erinnert mich so sehr an Kayson. Obwohl Kayson ein Beta ist, ist er mir damals so leicht verfallen. Meine größte Angst ist, dass mein Sohn seinen Seelenverwandten findet und diese Person sich nicht so um ihn kümmert, wie sie es sollte. Kein Vater will, dass seinem Kind das Herz gebrochen wird – aber ich erst recht nicht. Ich werde jeden vernichten, der versucht, ihm wehzutun.
Er ist mein einziges Kind. Ein Geschenk, das eigentlich gar nicht hätte existieren dürfen.
Sein Handy leuchtet auf und ich nehme es hoch.
Der Pizzabote: >Hey, vergiss nicht, mir morgen zu schreiben.<
Ich rümpfe die Nase. Was zur Hölle?
„Baby?“, ich trage Vaysons Handy ins Wohnzimmer und halte es Kayson hin, der mich schockiert anstarrt.
„Du bist an sein Handy gegangen?!“, schnauzt er.
„Gott sei Dank habe ich das, denn unser Kind schreibt mit dem Pizzaboten!“, zische ich zurück.
Er nimmt mir das Handy ab. „Na und, gut für ihn. Vielleicht ist er ein Beta. Jetzt geh und leg sein Handy wieder zurück.“ Er kehrt zum Lesen zurück, als wäre das nichts.
Er tut so, als würde ihn das gar nicht interessieren!
„Bab –“
„Ich will davon nichts mehr hören, Vice“, unterbricht er mich. „Wir müssen unserem Sohn vertrauen. Er weiß, dass wir seine Eltern sind und dass unser Wort Gesetz ist. Er würde uns nicht hintergehen und etwas Falsches tun. Er ist ein Omega, aber er ist zuerst unser Sohn. Also geh und leg sein Handy zurück – und dann kannst du mir eine Rückenmassage geben“, fügt er mit einem Grinsen hinzu.
Ich starre ihn an.
... Oh. Die Idee gefällt mir.
Ich gehe wieder nach oben und lege Vaysons Handy ans Ladegerät. Ich ziehe sanft die Decke hoch und decke ihn zu. Ich halte kurz inne.
**Rückblende –**
Nachdem ich aus dem Gefängnis kam, habe ich herausgefunden, auf welche Schule mein Sohn geht. Ich saß stundenlang draußen und habe gewartet. Ich wollte Kayson damals nicht sehen – ich wusste, er war sauer auf mich. Er dachte, ich hätte mich aus dem Staub gemacht, dabei saß ich in Wahrheit hinter Gittern.
Als seine Klasse für die Pause nach draußen ging, konnte ich nicht anders. Ich ging zum Zaun und hockte mich hin. Er saß alleine im Gras und spielte mit Spielzeugautos, die er aus dem Klassenzimmer mitgebracht hatte.
Ich kannte nicht einmal seinen Namen. Ich erinnerte mich, dass Kayson ihn Vayson genannt hatte – unsere Namen kombiniert –, also wagte ich es.
„Vayson?“
Zu meiner Erleichterung schaute er auf. Ich winkte ihn zu mir, und er stand auf, bevor er langsam auf mich zukam.
Ich starrte ihn an, während ich hinter dem Zaun hockte, meine Finger in die Maschen des Maschendrahtzauns verschränkt.
„Hallo. Ich bin dein Daddy“, sagte ich leise.
Er starrte mich an. „Nein, bist du nicht. Mein Daddy ist mein Daddy und –“
„Doch, das bin ich. Hier...“, ich schluckte. „Leg deine Hand auf den Zaun, und ich lege meine auch drauf.“
Ich drückte meine Hand gegen das Metall.
Er beobachtete mich einen Moment, dann hob er seine kleine Hand und legte sie auf meine.
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**Rückblende Ende –**
„Bitte ...“, meine Stimme zittert, als ich ihn ansehe. „Werd nicht zu schnell erwachsen.“
Ich stehe langsam auf, verlasse sein Zimmer und schließe die Tür hinter mir.