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Zwischen Nutzen und Verlust

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Zusammenfassung

In einer Welt, die Ordnung über Leben stellt, sind Abweichungen kein Versehen – sie sind Rohmaterial. Lyria verändert sich. Nicht aus Wut. Nicht aus Hass. Sondern aus Effizienz. Freya glaubt, dass Licht retten kann. Myubi glaubt, dass Kontrolle schlimmeres verhindert. Zwischen religiösem Fanatismus, politischer Härte und einem Widerstand, der selbst zu rechnen beginnt, zerfallen Gewissheiten leise. „Zwischen Nutzen und Verlust“ erzählt von einer Welt, in der niemand eindeutig falsch handelt – und genau das das Problem ist.

Status:
vor 9 Monaten
Kapitel:
8
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Prolog


Die Welt erzitterte lange, bevor ein Mensch begriff, warum.In den Chroniken der Kaiserlichen Kirche wurde später behauptet, der erste Riss sei „ein Unfall – ein Launenfehler der Realität“ gewesen.

Das klang sauber. Wissenschaftlich. Beruhigend. Die Wahrheit jedoch war selten beruhigend.Etwas hatte von innen an der Welt gekratzt. Etwas, das nicht sterben konnte,weil es nie wirklich gelebt hatte.

Ein Wille ohne Namen. Ein Verschlingen ohne Hunger.Im Zentrum dieses Bruchs lag eine Frau.Manchmal nannten sie sie Lyria. Manchmal Versuchsobjekt 05-Ut. Manchmal gar nichts –weil Dinge ohne Seele eigentlich keinen Namen brauchen.

Sie war der Splitter eines Seraphen. Nicht geboren, sondern konstruiert. Entstellt. Mit Gewalt in eine Form gezwungen, die die Kirche eine Waffe nennen wollte.

Doch ausgerechnet die Waffe entwickelte ein Herz.

Und Herzen tun das, was die Kirche am wenigsten verträgt:

Sie denken selbst.

Die Jahre der Experimente, der Kreuzungen, der Ritualnarben und der Blutschuld …Lyria trug sie. Bis sie es nicht mehr konnte. In einer einzigen Nacht erstrahlte der Himmel wie ein aufgeschlitztes Auge.

Ein Schrei. Ein Licht. Eine Explosion, die nicht nur Gebäude zerriss, sondern Erinnerungen, Strukturen, Regeln.

Der Riss wurde geboren. Und Lyria zerfiel nicht in Asche, sondern in Fragmente ihrer selbst –Splitter aus Bewusstsein, Angst, Zorn, ungehörten Gebeten

und dem Rest eines Seraphen, der sich im Sterben gegen seinen eigenen Zweck wandte. Der Riss wuchs. Die Menschen nährten ihn. Aus Gier. Aus blindem Glauben. Aus der Hoffnung,ihn beherrschen zu können.

Doch sie verstanden nicht, dass man kein gebrochenes Herz beherrschen kann.Nicht, wenn es versucht, sich selbst wiederzufinden. Nicht, wenn es entschieden hat, dass die Welt schuld ist.

Viele Jahre später, als die Ränder des Risses schwarz wie verbranntes Glas erschienen und sein Echo die Träume ganzer Städte durchdrang, machte sich eine Lichtfee namens Freya auf den Weg hinein.

An ihrer Seite –oder eher über ihrer Schulter –schwebte eine flauschige, füchsische Katastrophe mit neun Schweifen:Myubi. Magierin. Kitsune. Nervensäge. Genie. Unheil. Gelegentlich alles gleichzeitig.

Und irgendwo tief im Riss wartete Lyria. Ohne zu wissen, dass sie wartete.

Der Prolog endet, wie alle Geschichten beginnen: Mit einer Entscheidung, die niemand verstand. Und einem Herzen, das sich wieder zusammensetzen wollte – ob die Welt es verdiente oder nicht.

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