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Zwischen Leinwand und Unterwelt - Was zwischen uns wächst

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Zusammenfassung

Giulia wollte nie Teil dieser Welt sein. Doch als Tochter einer einflussreichen Mafiafamilie bestimmt nicht sie über ihre Zukunft. Eine arrangierte Ehe soll zwei Familien miteinander verbinden - und plötzlich trägt Giulia nicht nur einen fremden Ring am Finger, sondern findet sich an der Seite eines Mannes wieder, vor dem sie sich eigentlich hüten sollte. Diego ist der zukünftige Jefe. Gefährlich. Mächtig. Aufgewachsen in einer Welt, in der Loyalität über Leben und Tod entscheidet. Für Giulia sollte er nicht mehr sein als eine Verpflichtung, die sie niemals freiwillig eingegangen wäre. Doch hinter verschlossenen Türen begegnet ihr ein anderer Mann. Einer, der ihre Grenzen respektiert. Der sie herausfordert, ohne sie verändern zu wollen. Und der Stück für Stück die Mauern zum Einsturz bringt, die Giulia jahrelang um sich errichtet hat. Während aus Misstrauen langsam Nähe wird und Giulia zum ersten Mal glaubt, innerhalb dieser fremden Familie einen Platz gefunden zu haben, zieht sich um sie herum unbemerkt eine Schlinge zusammen. Denn in Diegos Welt hat jede Verbindung ihren Preis. Und manchmal erkennt man erst, wem man vertrauen kann, wenn es bereits zu spät ist.

Genre:
Romance
Autor:
YaraLumi
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
53
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Heimkehr

Tausende von Menschen sehnten diesen Tag herbei und feierten unter der Sonne Los Angeles ausgelassen das Erreichen ihres Zieles. 

Und dazwischen stand ich.

Die einzige Person, der heute definitiv nicht zum Feiern zumute war. Im Grunde konnte ich mi nicht beklagen. Trotz meines Namens, trotz meines Seins, hatte ich das Privileg zu studieren.

Zu seinem Preis.

Nachdem sich alle Absolventen mit ihrer Abschlusskappe und Robe eingefunden hatten, übergab man uns im Laufe der Zeremonie unsere Diplome. Jeder wurde von seiner Familie und seinen Freunden aus der Menge der Anwesenden zelebriert.

Bis auf mich.

So sehr ich meinen Mitabsolventen auch ihren Tribut zollen wollte, die meiste Zeit war ich nur körperlich anwesend. Mein Kopf war schon ganz woanders.

In San Francisco. Der Ort, den ich einst mein Zuhause nannte.

Nachdem herausragende Leistungen hervorgerufen, Reden gehalten und grandiose Werke präsentiert wurden, fand die Zeremonie ihr Ende und damit meine Freiheit. Die Absolventen fanden sich mit ihren Liebsten zusammen, auf den Weg ihren Erfolg weiter zu feiern. Die Uni veranstaltete im Anschluss einen pompösen Ball, auf dem ich mich nicht einfinden würde. Bevor ich meinen Weg ins Verderben antrat, verabschiedete ich mich von meinen Freundinnen. Was sie nicht wussten, es würde für immer sein. Ein letztes Mal genoss ich ihre schlanken Arme um meinen Körper, die mir all die Jahre den Halt spendeten, den ich brauchte. Es fiel mir nicht leicht, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Tränen, die nach Abschied und Schmerz schrien. Tränen, die meine Freundinnen dazu veranlasst hätten, Fragen zu stellen auf die ich keine Antwort gehabt hätte. Lediglich meine Freundin Zoe hatte ich darüber in Kenntnis gesetzt und mich vergangene Nacht ausgiebig verabschiedet. Doch wenn wir mal ehrlich waren, war das bei Weitem nicht genug. In all den Jahren hatte ich mich geweigert enge Kontakte zu schließen, schließlich wusste ich von meiner begrenzten Zeit in Freiheit. Ich wollte nicht nur mein Herz schützen, doch Piper und Clara ließen mir keine Wahl und wenn ich ehrlich war, bereicherten sich durchaus meine Studienzeit. Mit meinem Diplom in der Hand, machte ich mich auf den Weg zum schwarzen SUV, der bereits auf mich wartete. Unterwegs wurden die Geräusche der zahlreichen Gespräche von fröhlichem Vogelgezwitscher und dem leichten Pfeifen des Windes abgelöst. Ich entdeckte Zoe an einem Baum, die sich eine Träne von der Wange zu wischen schien.

Der Anblick schmerzte zutiefst.

Am liebsten wäre ich zu ihr gegangen und mit ihr geflüchtet. Doch ich wusste, die Chancen auf eine gemeinsame Zukunft lagen bei null. Bevor ich einstieg, atmete ich noch einmal tief durch und zog mir kapitulierend meine Kappe vom Kopf.

Tschüss Freiheit.

Es dämmerte bereits, als wir die Tore passierten und auf das riesige Anwesen zusteuerten. Das gewaltige Gebäude ragte meterhoch in den Himmel, die letzten Sonnenstrahlen ließen die Backsteine rötlich schimmern. Unzählige Fenster, die in den oberen Etagen vom Efeu befallen waren, gewährten einen spärlichen Blick ins Innere. Das gesamte Erdgeschoss lag im hellen. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich das Abendessen verpasst hatte.

Wie schade.

„Miss Marino“ ertönte es neben mir.

Ich zuckte bei den unerwarteten Worten zusammen, zu tief war ich dabei versunken das Bild auf mich wirken zu lassen und mich auf die Situation vorzubereiten. Dabei hatte ich Jahre dafür Zeit. Jahre in denen ich vor allem eins lernte - Akzeptanz. Meine Möglichkeiten lagen bei null. Mein Leben lag nicht mehr in meiner Hand - tat es eigentlich nie - aber die Illusion zu leben hatte etwas Befreiendes an sich. Charles, mein Chauffeur, wartete geduldig, bis ich mich aus dem Auto erhob. Ich straffte meinen Rücken, hob mein Kinn und begab mich erhobenen Hauptes Richtung Haustür. Vorbei an der imposanten Statur, den akkurat zugeschnittenen Büschen und den wachsamen Augen des Wachpersonals. Der Kies knisterte bei jedem Schritt lautstark unter meinen Füßen. Kaum bestieg ich die dunklen Stufen aus Naturstein, öffnete sich die hölzerne Türe und Marta trat hervor. Die kleine Haushälterin freute sich sichtlich über meine Ankunft, womit sie vermutlich die Einzige war. Mit offenen Armen zog sie mich in eine liebevolle Umarmung.

„Willkommen zuhause, Fragolina“ begrüßte sie mich. Augenblicklich schlich sich ein breites Grinsen auf meine Lippen.

Diesen Spitznamen gab sie mir, als ich mich im zarten Alter von 5 Jahren mit vollem Körpereinsatz in die Erdbeersträucher begab und jede einzelne genüsslich vernichtete. Manchmal wünschte ich mir diese unbeschwerte Zeit zurück. Eine Zeit, in der ich nicht von den Machenschaften meiner Familie, geschweige denn meiner einzunehmenden Rolle wusste. Wo dieser Ort noch wirklich mein Zuhause war.

„Großartig siehst du aus, Marta“ begrüßte ich die Frau, die mir am nächsten stand. Verlegen strich sie sich eine graue Haarsträhne hinters Ohr und trat einladend ein Stück zur Seite.

„Na los, ich habe dir etwas zu Essen auf Seite stellen lassen.“ Es war erstaunlich, wie akzentfrei die italienische Dame mittlerweile sprach.

Bedachten Schrittes lief ich nach mehr als einem Jahrzehnt den langen Flur entlang. Der Geruch von Zitrone, Kräutern und Holz lag in der Luft. Der Marmor unter meinen Füßen glänzte unter dem Deckenlicht. Den zahlreichen Bildern an den Wänden zu meiner Linken schenkte ich keinerlei Aufmerksamkeit. Der letzte Blick darauf, hatte sich in meine Bindehaut gebrannt. Unzählige Fotos meiner Brüder und meinem Vater. Keines davon mit mir oder meiner Mamma. Den Grund dafür kannte ich nicht. Ich wusste lediglich, wie schmerzhaft sich mein Herz zusammenzog, als ich die fehlenden Fotos bemerkte. Diese Erinnerung reichte, um mir einen weiteren Blick zu sparen. Seufzend nahm ich am Tresen Platz, an dem mir wenig später Marta einen dampfenden Teller meines Lieblingsgerichts hinstellte.

„Ich bin stolz auf dich“ hauchte sie mir ins Ohr, als sie mir im Vorbeigehen einen Kuss auf die Wange gab.

„Danke“ erwiderte ich.

Meine Augen brannten verräterisch, sodass ich mich auf das Essen konzentrierte. Gemächlich aß ich das mit Liebe zubereitete Gericht, ließ den Geschmack von Kräutern, milden Tomaten und der sanften Süße von Zwiebeln, Karotten und Sellerie genüsslich auf meiner Zunge zergehen. Nichts ging über eine italienische Bolognese. Dieses Gericht schenkte mir ein bisschen Frieden, den ich zu dieser Zeit so sehr brauchte.

Das Haus war still.

Ich fragte mich, ob jemand aus meiner Familie anwesend war. Nicht, dass ich es wollte. Von ihnen nicht in Empfang genommen zu werden, wunderte mich nicht. Schmerzhaft war es dennoch.

Was hatte ich nur falsch gemacht, was dieses Verhalten mir gegenüber rechtfertigte?

Warum wurde ich verstoßen?

Weil ich sie zu sehr an meine Mutter erinnerte oder schlichtweg das falsche Geschlecht besaß?

Ich konnte es nicht beantworten und das war das Schlimmste. Dieses Verhalten dulden zu müssen, ohne auch nur die geringste Chance zu haben, das Problem beheben zu können. Nachdem ich den Teller geleert und gesäuberte hatte, begab ich mich zur Treppe, die zur oberen Etage führte. Mit gespitzten Ohren bestieg ich die beleuchteten Stufen, konnte jedoch keinerlei Geräusche ausmachen. In der ersten Etage angekommen, spähte ich nach rechts zu den Räumen meiner Brüder. Die Türen waren verschlossen, wie sie in meiner Erinnerung stets waren. Keiner war zu sehen. Somit wendete ich mich nach links und stoppte abrupt in meiner Bewegung. Vor der Türe, wo sich früher mein Zimmer befand, stand Jemand.

Nein, nicht jemand. Kein geringerer als der Capo der italienischen Mafia.

Mein Vater.

Mit klopfendem Herzen und angespannten Muskeln ging ich auf ihn zu.

„Vater“ begrüßte ich ihn kalt. Eine unangenehme Gänsehaut bildete sich dabei auf meinem Körper und ließ mich erschaudern. Mit dem Tod meiner Mutter verlor er den Glanz in seinen Augen, wenn er mich ansah. Nichts wies mehr darauf hin, dass ich seine Stellina war.

„Tochter“ entgegnete er abwertend.

Vor ihm blieb ich stehen, legte den Kopf schief und sah ihn an. Er war älter geworden, von seinen braunen Haaren war nichts mehr übrig. Das Gesicht verzeichnete einige Falten, weniger an den Augen, denn lachen konnte er nicht. Stattdessen zierten tiefe Furchen seine Stirn. Der Stress war ihm förmlich ins Gesicht geschrieben.

„Darf ich?“ bat ich um Erlaubnis mein Zimmer zu betreten. Nunja, zumindest hoffte ich, dass es noch meins war.

„Ich wollte dich an den Termin morgen erinnern“ antwortete er mit einer deutlichen Strenge in der Stimme.

„Natürlich, den habe ich nicht vergessen“.

Es grenzte beinahe an Körperverletzung mein italienisches Temperament in Zaun halten zu müssen. Es gab so viel zu sagen, doch nichts kam über meine Lippen. Ich hatte nicht viel erwartet, ehrlich nicht. Doch mit dieser abwertenden Art, als wäre ich nur ein Ungeziefer in der Ecke des Schrankes, hatte ich nicht gerechnet. Das Studium, die vermeintliche Freiheit oder das Geld hatte ich nicht für selbstverständlich gesehen. Mich stets mit guten Noten und vorbildlichem Benehmen erkenntlich gezeigt.

„Schön“ sagte er und ging.

Ja, schön hier zu sein.

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