Nur am Wochenende nur so getan

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Ein Deal. Sechs Wochenenden. Was könnte da schon schiefgehen? Tessa hatte eigentlich nicht geplant, den Sommer damit zu verbringen, so zu tun, als wäre sie in ihren besten Freund aus Kindertagen verliebt. Doch als ihr Ex sie mit einer Hochzeitseinladung in die Enge treibt, bietet Theo ihr seine Hilfe an – und die Bedingungen sind simpel: Nur an den Wochenenden. Keine Verpflichtungen. Keine Komplikationen. Womit sie nicht gerechnet hat, ist die Anziehungskraft, die man einfach nicht ignorieren kann. Die Spannung, die sich seit Jahren ohne Namen angestaut hat. Und die Geheimnisse, die nun an die Oberfläche drängen, egal ob sie bereit dafür ist oder nicht. Manche Dinge können nicht für immer Fake bleiben. Eine Friends-to-Lovers-Romance über die Deals, die wir schließen, die Dinge, die wir nie gesagt haben, und die Momente, die alles verändern.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
42
Rating
4.7 26 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

1 | TNT

Es begann als ein Gefallen. Ein kleiner Dienst unter alten Freunden. Es endete damit, dass ich in seiner Küche stand, nur sein Hemd trug und mich fragte, wie zum Teufel ich hier gelandet war.

Aber ich greife vor. Fangen wir beim Grillfest an.


In Haileys Garten roch es nach frisch gemähtem Gras und billigem Bier. Die gleichen Leute. Die gleiche Playlist, die Cole seit 2019 „kuratierte“ – weil gute Musik anscheinend nicht verfällt.

AC/DC dröhnte aus dem Bluetooth-Lautsprecher, als ich durch das Gartentor trat.

Thunderstruck.

Natürlich.

Ich hatte zehn Minuten in meinem Auto gesessen, bevor ich reinging. Ich hatte Hailey zweimal geschrieben, dass ich „gleich da“ sei. Ich hatte mein Make-up im Rückspiegel gecheckt. Mein Handy mit dem Display nach unten auf den Beifahrersitz gelegt. Und es dann doch wieder in die Hand genommen.

Hailey hatte mich entdeckt, noch bevor ich drei Schritte im Garten gemacht hatte. Sie überquerte den Rasen in ihrer typisch effizienten Art und las mir bereits mein Gesicht ab.

„Du hast es geschafft!“ Sie zog mich in eine Umarmung – fest, echt, die Art von Umarmung, die wirklich etwas bedeutete. „Ich dachte schon, du kneifst.“

„Ich habe dir geschrieben, dass ich komme.“

„Das schreibst du jedes Mal.“ Sie wich zurück und musterte mich. „Und trotzdem.“

Hinter ihr stand Nate am Grill mit einer Konzentration, die man sonst nur bei Neurochirurgen sieht. Sie waren jetzt zwei Jahre verheiratet. Haus, Garten, ein Gasgrill mit vier Brennern. Der ganze häusliche Scheiß, und irgendwie sah es bei Hailey nicht langweilig aus. Es sah aus wie etwas, das sie sich bewusst aufgebaut hatte.

Der Garten war bereits voll – oder zumindest so voll, wie unsere Gruppe eben wurde. Cole versuchte, Nate beim Grillen reinzureden, während er mit seinem Bier gestikulierte. Ryan lachte zu laut über irgendetwas auf seinem Handy. Theo stand neben ihm und schüttelte über das, was auf dem Display zu sehen war, nur den Kopf. Ich sah weg, bevor er aufblicken konnte.

Melissa hielt am Terrassentisch Hof, umringt von den Mädels, ein Weinglas in der Hand, mitten in einer Geschichte über etwas, das im Büro passiert war.

„Tessa!“ Sie hatte mich gesehen und winkte mich zu sich. „Komm her, das musst du hören.“

Ich ging hinüber. Lächelte an den richtigen Stellen. Lachte, wenn die anderen lachten.

Das ist die Sache mit unserer Gruppe – wir waren nicht wirklich befreundet. Wir sind einfach immer wieder aufgetaucht. Gleiche Stadt. Gleiche Orte. Gleiche Grillfeste.

Mit achtundzwanzig noch mal von vorne anzufangen, fühlte sich schwerer an, als so zu tun, als würde das alles hier reichen.

Die Geschichte war zu Ende. Eine neue begann. Ich hörte nur halb zu und ließ meinen Blick über den Garten schweifen, während ich im Geiste die gleichen Gesichter aufzählte, die ich seit Jahren kannte.

Und dann sah ich ihn.

Charles.

Er stand bei der Kühlbox und unterhielt sich mit Nate. Er hielt sein Bier wie eine Requisite bei einem Fotoshooting. Gut aussehend, wie aus einem Katalog, mit diesem Ausdruck von gelassener Lässigkeit, den er seit dem vorletzten College-Jahr perfektioniert hatte. Die Art von Typ, den deine Mutter als „guten Fang“ bezeichnen würde und dein Bauchgefühl als „großes Fragezeichen“.

Das Bier in meiner Hand fühlte sich auf einmal schwerer an.

Ich drehte mich zu Melissa. „Du hast Charles eingeladen?“

Sie war immerhin so anständig, ein bisschen schuldig auszusehen. Ein bisschen.

„Ich dachte, das wüsstest du.“

„Woher sollte ich das wissen? Wir haben uns getrennt.“

„Eben.“ Sie senkte die Stimme und beugte sich vor, als würde sie ein Geheimnis teilen. „Tessa, es ist Wochen her. Du musst mal wieder was machen. Und vielleicht ist dieses ‚Was-machen‘ ja, es mit *ihm* zu machen, weißt du? Oder redet euch aus. Er vermisst dich.“

Ich starrte sie an. Drehte mein Glas in beiden Händen. Einmal. Zweimal.

Sie hätte ihn nicht eingeladen, wenn sie gewusst hätte, was wirklich passiert war.

Aber sie wusste es nicht. Ich hatte es niemandem erzählt. Unsere Gruppe wurde von Gewohnheit und räumlicher Nähe zusammengehalten. Mein Drama da mit reinzubringen, fühlte sich an, als würde ich an einem Faden ziehen, der alles zum Einsturz bringen könnte. Und wofür? Damit sich alle unwohl fühlten? Nein, danke.

„Er ist ein guter Kerl“, sagte Melissa gerade. „Ihr zwei seht so gut zusammen aus.“

Irgendetwas traf mich, bevor ich es einordnen konnte – Zeder und synthetischer Moschus. Mein Magen drehte sich um.

Ich mochte diesen Geruch mal.

„Tessa.“

Seine Stimme. Hinter mir.

Ich drehte mich um. Charles stand da mit diesem entschuldigenden Halblächeln, das er in letzter Zeit jedes Mal aufsetzte, wenn er mich sah. Geduldig. Hoffungsvoll. Als hätte er nichts Schlimmes getan, wäre aber bereit, die Schuld auf sich zu nehmen.

„Können wir reden? Nur für eine Minute?“

Ich sah zu Melissa. Sie gab mir ein aufmunterndes Nicken und verdrückte sich zum Getränketisch.

„Na gut“, sagte ich. „Reden wir.“

Wir gingen zum Rand des Gartens, weg von der Musik, dem Qualm und all den Leuten, die so taten, als würden sie uns nicht beobachten.

„Ich habe viel nachgedacht“, fing Charles an. „Über uns.“

„Charles –“

„Hör mir einfach zu.“ Er steckte die Hände in die Taschen und machte auf aufrichtig. „Ich weiß, es ist mies gelaufen. Ich weiß, ich habe dich verletzt. Aber wir waren gut zusammen, Tess.“

„Ich will nicht wieder mit dir zusammenkommen.“

„Das verlange ich auch gar nicht. Noch nicht.“ Er machte eine Pause, und etwas Berechnendes flackerte in seinen Augen auf. „Aber Emmas Hochzeit ist in einer Woche. Ich weiß, dass du keine Begleitung hast.“

„Woher weißt du das?“

„Melissa hat erwähnt –“

Natürlich hat sie das.

„– und ich dachte, vielleicht könnten wir zusammen hingehen. Als Freunde. Ohne Druck. Nur um zu sehen, wie es sich anfühlt.“

Ich wollte lachen. *Freunde.* Als könnte ich fünf Stunden neben ihm sitzen, ohne an das zu denken, was ich gesehen hatte. Als könnte ich für Fotos posieren, Smalltalk führen und so tun, als würde es mich nicht die ganze Zeit innerlich zerreißen.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“

„Warum nicht?“

Weil ich dir vertraut habe. Weil ich gesehen habe, was ich gesehen habe. Weil ich es jedes Mal sehe, wenn ich in dein blödes Gesicht schaue.

„Ich will einfach nicht“, sagte ich.

Er nickte. Geduldig. So verdammt geduldig, als würde er ein bockiges Kind beruhigen.

„Ich habe es ihnen noch nicht gesagt“, versuchte er es erneut. „Dass wir getrennt kommen. Du wahrscheinlich auch nicht, oder?“ Eine Pause. Das Lächeln – das ich früher mal charmant fand. „Es wird so einfacher, Tess. Für uns beide.“

Er lächelte, als würde er mir eine Lösung anbieten. Als hätte ich einfach nicht genug nachgedacht. Also tat ich das Einzige, was ich tun konnte.

„Tatsächlich habe ich Emma schon angerufen.“

Habe ich nicht.

„Ich gehe mit jemand anderem.“

Tue ich nicht.

Er versuchte mich zu lesen, wollte herausfinden, ob ich bluffte. Erst blitzte Überraschung in seinem Gesicht auf, dann Zweifel.

Ich hielt seinem Blick stand. Ohne zu blinzeln.

„Ich muss jetzt los“, sagte ich.

Ich drehte mich um und ging, bevor er antworten konnte.

Ich musste mich bewegen.

Brauchte Luft.

Musste einfach weg von diesem Fleck, keine Sekunde länger.

Und eine Sekunde später lief ich direkt gegen eine Wand.

Nur war es keine Wand.

„Whoa –“ Hände packten meine Schultern und hielten mich fest, bevor ich straucheln konnte.

Ich sah auf.

Theo.

Meine Hände lagen flach auf seiner Brust, und irgendwie war es beruhigend, ihn unter meinen Handflächen zu spüren. Er roch nach Sandelholz und etwas Wärmerem darunter, für das ich keinen Namen hatte, aber es fühlte sich friedlich an.

Ich trat zurück, bevor ich den Gedanken zu Ende führen konnte.

„Alles okay.“ Mein Gesicht brannte. „Sorry. Ich habe nicht darauf geachtet, wohin ich gehe.“

„Das habe ich gemerkt.“ Sein Mund zuckte – fast ein Lächeln. „Du warst ziemlich flott unterwegs.“

„Ich bin nicht *gerannt*. Ich bin gegangen. Zielstrebig.“

„Ach ja?“ Er hob eine Augenbraue. „Weg von Charles?“

„Du hast das gesehen?“

„Schwer zu übersehen.“ Er nahm einen Schluck von seinem Bier. „Er hatte dieses ganze Aufrichtig-Hände-in-den-Taschen-Ding drauf. Sehr RomCom-mäßig.“

Ein überraschtes Lachen entwich mir. „Das ist… tatsächlich treffend.“

„Das Neigen des Kopfes. Der bedeutungsvolle Blickkontakt. Ich bin mir ziemlich sicher, das hat er vor dem Spiegel geübt.“

„Oh mein Gott, hör auf.“

„Ich sage ja nur, falls Hallmark einen Hauptdarsteller sucht –“

„Ich gehe jetzt lieber.“

„Das hast du vorhin schon versucht. Ging schief.“

Ich schüttelte den Kopf, musste aber lächeln. Wirklich lächeln, zum ersten Mal heute. Das Engegefühl in meiner Brust ließ ein kleines bisschen nach.

Plötzlich änderte sich die Musik. Das Eröffnungsriff von *TNT* krachte aus den Lautsprechern.

Wir sahen beide zu Cole, der eine schreckliche Luftgitarre spielte.

Dann sahen wir uns an.

Ein kurzes Wiedererkennen blitzte zwischen uns auf. Eine Erinnerung.

„Toller Song“, sagte Theo.

„Ja.“

„Da kommen Erinnerungen hoch.“

„Allerdings.“


Ich erinnerte mich an sein Schlafzimmer.

Wie wir auf seinem Bett sprangen, bis seine Mutter schrie.

Wie wir so heftig lachten, dass wir nicht mehr aufhören konnten.

Und dann fiel er runter, schlug so hart auf dem Boden auf, dass er eine Narbe davontrug. Man sieht sie sogar heute noch, wenn man genau weiß, wo man suchen muss.


Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. Und dann aus meinem.

„Ich sollte zurückgehen“, sagte er und deutete vage Richtung Ryan. „Nachsehen, ob nichts angebrannt ist.“

„Stimmt.“ Meine Stimme klang seltsam. „Ja.“

Er nickte einmal. Ging weg.

Ich sah ihm nach, meine Hände kribbelten immer noch dort, wo sie auf seiner Brust gelegen hatten.

Ich blickte an mir herunter.

Emmas Hochzeit war in einer Woche.

Anscheinend hatte ich genauso lange Zeit, um einen neuen Freund aufzutreiben.