Gekrönt vom Feind

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Zusammenfassung

Sie kam, um den König zu töten, der ihre Welt zerstört hatte. Er zwang sie dazu, seine Königin zu werden. Doch keiner von beiden ahnte die Wahrheit – Dass sie niemals nur Feinde waren. Sie waren des jeweils anderen größte Schwäche.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
30
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
18+

Die Braut, die kam, um zu töten

Das Königreich fürchtete einen Geist.

Einen Mörder, den noch nie jemand gesehen hatte.

Ein Name, der nur voller Angst geflüstert wurde –

Der Geist von Veyra.

Und heute Nacht … stand sie am Hof des Königs.

Nicht als Schatten.

Nicht als Waffe.

Sondern als Braut.

Aarya hielt den Kopf gesenkt, während sie durch die riesige Marmorhalle schritt. Jeder Schritt war abgemessen, jeder Atemzug kontrolliert.

Die Luft war schwer von Weihrauch und Erwartung. Adlige säumten beide Seiten des Saals; ihre juwelenbesetzten Seidengewänder raschelten wie ruhelose Stimmen. Augen folgten ihr – neugierig, urteilend, gierig.

Niemand von ihnen wusste, wer sie wirklich war.

Gut so.

Die lange Schleppe ihres purpurroten Kleides zog sich wie vergossenes Blut hinter ihr her. Unter den schweren Stoffbahnen ruhte ein Dolch an ihrem Oberschenkel – dünn, scharf und perfekt ausbalanciert.

Verborgen.

Lauernd.

Ihre Finger streiften für einen winzigen Moment das Metall.

Eine Erinnerung.

Du bist nicht hier, um ihn zu heiraten.

Du bist hier, um ihn zu töten.

Am anderen Ende der Halle thronte der Königssitz.

Und darauf –

Saß der Mann, für den sie ganze Königreiche durchquert hatte, um ihn zu töten.

König Kael.

Er rührte sich nicht, als sie näher kam. Er beugte sich nicht vor. Er flüsterte auch nicht seinen Beratern zu.

Er beobachtete sie einfach nur.

Selbst aus der Entfernung lastete seine Präsenz auf ihr wie eine Klinge an ihrer Kehle.

Dunkles Haar. Ein ausdrucksloses Gesicht. Eine Krone ruhte achtlos auf seinem Kopf, als wöge sie rein gar nichts.

Als wäre es schon immer sein Recht gewesen, über die Welt zu herrschen.

Aarya zwang sich dazu, ihn nicht direkt anzusehen.

Noch nicht.

Attentäter überlebten durch Beobachtung.

Durch Warten.

Durch den Schlag im perfekten Moment.

„Heb deinen Kopf.“

Der Befehl schnitt durch die Halle – leise, ruhig, absolut.

Ihre Schritte wurden langsamer.

Also so würde es beginnen.

Aarya hob das Kinn.

Ihre Blicke trafen sich.

Und für einen Moment –

Stand die Welt still.

Sein Blick war anders, als sie erwartet hatte.

Nicht grausam.

Nicht höhnisch.

Es war schlimmer.

Er war wissend.

Ein Flackern – Erkennen? Belustigung? – huschte über seine Augen, bevor es verschwand und der gleichen undurchdringlichen Ruhe wich.

Aaryas Puls veränderte sich nicht.

Jahre des Trainings hatten diese Kontrolle in ihre Knochen gebrannt.

Doch in ihrem Inneren spannte sich etwas an.

Warum sieht er mich so an?

Er hatte sie noch nie zuvor gesehen.

Das konnte er gar nicht.

Der Geist von Veyra hinterließ keine Zeugen.

„Komm näher“, sagte Kael.

Keine Einladung.

Ein Befehl.

Aarya gehorchte.

Jeder Schritt auf ihn zu fühlte sich an, als würde sie tiefer in eine Falle tappen, die sie noch nicht sehen konnte.

Als sie schließlich am Fuß des Thrones stehen blieb, legte sich Stille über die Halle.

Selbst die Luft schien den Atem anzuhalten.

Kael erhob sich.

Die Bewegung war langsam, bedächtig – wie bei einem Raubtier, das entscheidet, ob es zuschlagen soll.

Aus der Nähe war er noch schlimmer.

Größer, als sie gedacht hatte. Breiter. Er besaß diese Art von Präsenz, die keine Waffen brauchte, um gefährlich zu sein.

Und doch –

Da war noch etwas anderes.

Etwas Kontrolliertes.

Zurückgehaltenes.

Wie ein Sturm, der hinter eisernen Mauern gefangen gehalten wurde.

„Du kommst zu spät“, sagte er.

Ein kaum merkliches Lächeln umspielte seine Lippen.

Aarya begegnete seinem Blick gelassen.

„Ich habe auf den richtigen Moment gewartet.“

Ein Raunen ging durch den Saal.

Kaels Augen dunkelten nach – nicht vor Zorn, sondern vor Interesse.

„Wirklich?“, murmelte er.

Für einen Herzschlag bewegte sich keiner von beiden.

Dann –

Er trat einen Schritt näher.

Zu nah.

So nah, dass sie seine Wärme durch die Schichten aus Seide und Stahl zwischen ihnen spüren konnte.

So nah, dass sie, wenn sie nur zugreifen würde –

Ihr Dolch würde sein Herz finden.

Ihre Finger zuckten.

Noch nicht.

Nicht hier.

Zu viele Zeugen.

Zu viele Variablen.

Kael lehnte sich leicht vor und senkte die Stimme so sehr, dass nur sie ihn hören konnte.

„Sag mir, kleine Braut“, sagte er leise, „kommt deine Geduld immer mit einer Klinge daher … oder erweist du mir heute die Ehre?“

Die Welt geriet ins Wanken.

Zum ersten Mal seit ihrem Eintritt in den Saal –

Stockte Aarya der Atem.

Nur für eine Sekunde.

Er richtete sich wieder auf, bevor sie antworten konnte, als hätte er nicht gerade mit einem einzigen Satz ihre sorgsam aufgebaute Fassade eingerissen.

Unmöglich.

Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.

Er durfte nicht.

Doch in ihrem Kopf raste es.

Weiß er es?

Nein.

Das konnte nicht sein.

Und doch –

Dieser Blick.

Dieser Tonfall.

Diese Gewissheit.

Ein Diener trat vor und trug ein goldenes Tablett. Darauf lagen zwei Ringe.

Das Symbol eines Bundes, den keiner von beiden gewählt hatte.

Oder vielleicht –

Hatte es einer von ihnen getan.

Kael nahm einen der Ringe und drehte ihn zwischen den Fingern.


„Sollen wir fortfahren?“, fragte er, seine Stimme nun wieder für den gesamten Hof bestimmt.

Aarya streckte ihre Hand aus.

Ruhig. Ohne zu zittern.

Falls er die leichten Schwielen einer Kämpferin unter der Seide bemerkte, sagte er nichts dazu.

Der Ring glitt an ihren Finger.

Kalt.

Schwer.

Fesselnd.

Eine Kette, getarnt als Gold.

Als sie nach seinem Ring griff, streiften ihre Finger seine Haut.

Warm.

Lebendig.

Sterblich.

Töte ihn.

Der Gedanke kam scharf und klar.

Das war ihre Chance.

Eine Bewegung.

Ein Stoß.

Beende es.

Beende ihn.

Beende alles.

Sie drückte fester zu.

Kael wich nicht zurück.

Er reagierte nicht.

Er beobachtete sie einfach nur.

Und dann –

So leise, dass es niemand sonst hören konnte –

Sagte er:

„Ich habe auf dich gewartet.“

Ihre Hand erstarrte.

Zum ersten Mal seit Jahren –

Zögerte Aarya.

Denn in diesem Moment …

Erkannte sie etwas, das weitaus gefährlicher war als ein Scheitern.

Dies war nicht nur eine Mission.

Das war nicht nur Rache.

Dies –

War ein Spiel, das er bereits begonnen hatte.

Und sie hatte gerade das Spielfeld betreten.