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Rise of the Phoenix

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Zusammenfassung

Erika Sloan hat ihr Leben dem Tanz geopfert. Ihren Körper. Ihre Zukunft. Sich selbst. Schmerz ist für sie kein Hindernis – sondern der Preis für Größe. Als man ihr in der entscheidenden Nacht ihre Rolle nimmt, bricht nicht nur ein Traum. Etwas in ihr zerreißt. Zurück bleibt nur ein einziger Gedanke: Sie ist der Phoenix. Und niemand wird ihr das nehmen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
3
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Akt eins: The Gold Cage

Eine kleine Schar Motten tanzte über der warmen, flackernden Flamme eines Messingleuchters um deren Gunst. Neidvoll blickten die flatternden Wesen auf all jene hinab, die es hinter die schier undurchdringliche Barriere aus Glas schafften. Das gasbetriebene Licht, so voller Wärme und Geborgenheit, versprach still und heimlich, alle Leiden von ihnen zu nehmen, wenn sie es nur erreichten.

Einer der silbern schimmernden Falter brach aus der Gruppe aus und beschrieb einen flachen Bogen direkt über der Flamme. Mit nur einem Flügelschlag spürte er den zarten Kuss des Lichtes und wie er langsam zu einer wohligen Umarmung aufloderte. Wärme breitete sich von der Spitze seiner rechten Schwinge bis zu seinem Herzen aus.

Es war herrlich. Surrend glitt die silberne Motte den schmalen Korridor hinter der Bühne entlang. Vorbei an den malerisch roten Wänden, über allerlei Kostüme und Dekorationen, und hinunter zu den alten, mit Leinöl getränkten Holzdielen des Bodens. All die anderen Lichter, die diesen Ort in einen märchenhaften Schleier voller Möglichkeiten tauchten, spiegelten sich darin.

Das winzige Wesen landete und neigte den Kopf von der einen zur anderen Seite. Aus seinen Facettenaugen bewunderte es die Schönheit seines eigenen Leuchtens. Die Motte konnte ihr Glück kaum fassen. Das Licht hatte sie erwählt, selbst eines zu werden.

Dann kam Dunkelheit über sie, löschte den aufkeimenden Funken und schritt, ohne Notiz von der winzigen Motte zu nehmen, weiter den Flur entlang.

***

Silvia Durants High Heels hallten unbeirrt durch den engen Korridor des Backstage-Bereiches ihres Theaters und verstummten abrupt, begleitet von einer sachten Linksdrehung ihres Absatzes. Sie richtete ihre schwarz umrahmte Brille, umklammerte das Klemmbrett eine Spur fester und klopfte an der hölzernen Tür vor ihr.

E. S. stand auf einem in schummriges Licht getauchten Papierstern, der laienhaft am Türblatt angebracht war.

Als auch nach dem dritten Klopfen niemand antwortete, schnaubte Silvia, packte nach dem Knauf und öffnete. Naserümpfend betrachtete sie die zarte Elfe von einer Frau, die vor ihr auf einer hölzernen Bank saß, und deren kohlschwarzes Haar zu einem perfekten Dutt hochgesteckt war.

»Was tust du da?«, ertönte Silvias Stimme harsch.

Erika Sloan schenkte der Direktorin keinerlei Beachtung. Stattdessen band sie weiter hochkonzentriert ihre vom langen Training geschundenen Füße ab, um die nötige Stabilität für eine optimale Performance zu erzielen. Ohne eine Miene zu verziehen, zog sie einen Streifen des weißen Klebebands stramm über die aufgeplatzte Blase zwischen ihren Zehen und fixierte ihn mit einem zusätzlichen Streifen. Das war der Preis des Erfolges. Zumindest, wenn man keine reichen Eltern hatte, die einem alles bezahlten. Mit einem gleichgültigen Augenaufschlag hob Erika ihren Blick. »Mich für den Auftritt vorbereiten«, entgegnete sie knapp und widmete sich wieder ihren Füßen.

Silvia Durant korrigierte noch einmal den Sitz ihrer Brille und wandte den Blick von den kaum noch vorhandenen Fußnägeln ihrer Tänzerin zu dem längst vergilbten Wandplakat der preisgekrönten Valerie Ottosch – der besten Balletttänzerin, die je gelebt hatte. Mit ihrer Aufmerksamkeit verweilte sie auf dem Kleid, das an einem Bügel direkt daneben hing.

Silvia machte einen Schritt darauf zu, inspizierte den aschfarbenen und mit glitzernden, roten Steinen besprenkelten Stoff, der im richtigen Licht die Illusion von feuriger Glut erzeugte, und räusperte sich. »Tessa DeLarough wird heute deinen Part übernehmen.«

Erika antwortete nicht. Ohne erneut zu Silvia aufzublicken, stemmte sie mehrfach ihre Zehen auf die Bodendielen, um ihr Werk zu testen. Seufzend begann sie anschließend damit, ihre Knöchel mit einem Stützverband zu bandagieren, um ihre gereizten Muskeln und Sehnen zu schonen.

»Hast du gehört, was ich gesagt habe?« Silvia trat einen halben Schritt zur Tür zurück, als sie Erikas Stocken bemerkte. Nur zögerlich positionierte die Direktorin sich neu, streckte die Brust raus und zog ihren dunkelblauen Seidenblazer zurecht. »Ich werde keine Diskussion dazu dulden«, ergänzte sie mit fester Stimme. »Du hast die Ärzte gehört. Muskeln, Sehnen und Knochenstabilität sind durch dein exzessives Training bereits enorm in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn du so weiter machst und dir keine Auszeit nimmst, wirst du nie wieder tanzen können. Dann platzt dein Traum von der besten Tänzerin der Welt.«

Erika zögerte einen Moment, wickelte anschließend weiter Tape um ihre Knöchel und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Das ist der letzte Auftritt der Saison. Das große Finale. Moon und Goldstein sitzen heute im Publikum. Sie schreiben für die einflussreichsten Magazine der Branche.«

»Ich weiß.«

»Ihre Worte werden in Gold gewogen.«

»Ich weiß«, wiederholte Silvia, begleitet von einem künstlichen Räuspern.

»Und sie sind extra angereist, um die Darbietung des Phoenix zu sehen. Meine Darbietung!«, stieß Erika hervor. Ein kämpferischer Unterton lag in ihrer Stimme.

Silvia beugte sich vor und hob Erikas porzellanweißes Kinn. »Sie wollen den Phoenix und den bekommen sie. Tessa DeLarough beherrscht die Rolle ebenso gut wie du. Sie wird dich würdevoll vertreten.«

Ein Gemisch aus ohnmächtiger Wut und Fassungslosigkeit funkelte in Erikas Augen auf. Sie wusste so gut wie Silvia, dass die Chance, ein Urteil dieser beiden Kritiker zu erhalten, im Leben einer Tänzerin nur ein einziges Mal kam. Vorausgesetzt, man schaffte es überhaupt, deren Aufmerksamkeit zu gewinnen. Erika war gelungen, was nur einer Handvoll Tänzerinnen auf der Welt bisher gelungen war. Jetzt wollte man ihr ausgerechnet das wegnehmen? Das war nicht fair. Nicht nach allem, was sie hatte erdulden müssen, um so weit zu kommen.

Erika streifte Silvias Hand von ihrem Kinn, schwang ihre Beine über die hölzerne Bank und wandte sich dem beleuchteten Wandspiegel ihrer Garderobe zu, um ihr Make-up nachzubessern. »Tessa beherrscht vielleicht die Choreografie, aber sie versteht nichts davon, der Phoenix zu sein«, presste Erika hervor, so ruhig, wie sie konnte, während sie gegen jede Emotion ankämpfte, die als Zeichen von Schwäche gedeutet werden könnte. »Sie ahmt nur nach, was sie vom Rand der Bühne sieht!« Auch wenn sie es vermeiden wollte – Erikas Stimme bebte leicht. »Sie mag tanzen können, aber ihr fehlt das Herz und die Leidenschaft, um auf der Bühne echt zu sein. Wenn du sie da rausschickst, werden Moon und Goldstein in ihr nur eine weitere Aufziehpuppe sehen, die ihre Hausaufgaben gemacht hat. Nicht mehr, nicht weniger«, zischte Erika und funkelte Silvia über den Spiegel hinweg scharf an. »Lächerlich! Du lockst die einflussreichsten Kritiker der Ballettwelt mit echter Kunst in dein Theater und speist sie dann mit einer billigen Imitation ab.« Zwischen zwei Tupfern mit dem Puderpinsel schaute Erika noch einmal zu Silvia auf. »Lächerlich!«

Silvias Gesichtszüge verhärteten sich mit jedem Wort aus Erikas Mund. »Goldstein und Moon sind nicht der einzige Weg, dein Ziel zu erreichen, wann kapierst du das? Wahre Größe entsteht nicht an einem Abend!«

Erika ließ ihren Blick über Silvia Durants Spiegelbild vom Scheitel bis zu den Sohlen wandern. Ihre Aufmerksamkeit blieb an der Schiene haften, die sich fest um Silvias rechtes Beines schloss, und sie stieß ein verächtliches Schnauben aus. »Ich hoffe, diese Entscheidung hat dir zumindest genug eingebracht, um die nächste Miete zahlen zu können, denn …«

»Genug!« Silvia kämmte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und bemühte sich, ihre Züge unter Kontrolle zu halten. »Du wirst heute nicht auftreten. Finde dich damit ab«, erklärte sie kühl, machte auf dem Absatz kehrt und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

4

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1 vorherigen Kommentar anzeigen...
author

Ganz lieben Dank.

2 Monate
3
author

Brutal ehrlich. Macht neugierig.

2 Monate
4
author

Heftig! Man spürt den starken Ehrgeiz von Erika, dass sie sogar ihre Gesundheit riskieren würde, nur um tanzen zu dürfen.

ein Monat
1

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