Welcome to the League
Das Dröhnen des Stadions erreichte Sophie Bennett, noch bevor sie den Tunnel durchquert hatte.
Es vibrierte durch den Beton unter ihren Stiefeln und setzte sich direkt in ihrer Brust fest.
Siebzigtausend Menschen.
Ihre Handflächen begannen sofort zu schwitzen.
„Erster Tag?“, fragte der Sicherheitsmitarbeiter grinsend, während er ihren vorläufigen Ausweis scannte.
„Ist das so offensichtlich?“
„Du hast diesen verängstigten Blick drauf.“
Großartig.
Sophie erzwang ein Lachen und rückte den Riemen ihrer Laptoptasche zurecht. Sie hatte den ganzen Morgen damit verbracht, sich fertig zu machen, um älter, professioneller, kurzum NFL-worthy auszusehen. Stattdessen fühlte sie sich immer noch wie eine Studentin, die nur so tat, als würde sie hierhergehören.
Die riesigen silbernen Buchstaben erstreckten sich über die Wand im Flur:
DENVER MUSTANGS FOOTBALL
Ihr Magen drehte sich um.
Das war echt.
Vor drei Wochen hatte sie noch ihre Abschlussprüfungen in Texas beendet.
Jetzt arbeitete sie für eines der größten Profi-Football-Teams des Landes.
Ihre Mutter weinte immer noch jedes Mal, wenn sie darüber sprachen.
„Einfach atmen“, murmelte Sophie vor sich hin.
Der Flur um sie herum explodierte förmlich vor Betriebsamkeit. Spieler, Trainer, Medienleute. Zeugwarte, die Karren voller Helme schoben.
Jeder ging schnell.
Jeder sah beschäftigt aus.
Jeder wirkte, als wüsste er genau, was er tat.
„Sophie Bennett?“
Sie drehte sich schnell um.
Eine Frau in schwarzer Stoffhose und mit Headset kam mit einem iPad in der Hand auf sie zu.
„Ich bin Rachel. Leitung der Digitalabteilung. Du bist bei mir.“
Sophie straffte sofort ihre Haltung. „Ja, Ma’am.“
Rachel hob eine Augenbraue. „Wenn du noch einmal Ma’am sagst, altere ich zehn Jahre.“
„Entschuldigung.“
„Ganz entspannt. Du wirst es überleben.“
Hoffentlich.
Rachel bedeutete ihr zu folgen und schlug ein Tempo an, das in High Heels fast unmöglich erschien.
„Hier geht es schnell zu. Der Content stoppt nie. Die Spieler nicht. Die Fans nicht. Wenn dein Handy-Akku leer ist, bist du für mich gestorben.“
„Verstanden.“
„Heute läufst du bei mir mit. Hauptsächlich Social-Media-Clips, Behind-the-Scenes-Material, Spieler-Interaktionen. Geh den Trainern aus dem Weg und unterbrich niemals Behandlungen.“
Sophie nickte eifrig, während sie versuchte, sich im Kopf alles zu merken.
Sie bogen um eine weitere Ecke des Flurs –
—und Sophie lief direkt gegen eine Wand aus Muskeln.
Starke Hände griffen nach ihren Schultern, bevor sie auf dem Boden landen konnte.
„Whoa.“
Tiefe Stimme.
Warme Hände.
Sehr warme Hände.
Sophie blickte auf.
Weit nach oben.
Oh nein.
Jedes Molekül in ihrem Körper hörte auf zu funktionieren.
Denn direkt vor ihr stand Jaxon Reid.
Der Jaxon Reid.
Starting Quarterback. Liga-Superstar. Das Objekt der Internet-Begierde.
Und in echt sah er irgendwie noch unverschämter aus.
Dunkles Haar, noch feucht vom Training. Die Ärmel seines schwarzen Hoodies waren hochgeschoben und entblößten kräftige Unterarme. Konzentrierte haselnussbraune Augen, die nun amüsiert auf sie herabsahen.
„Alles okay bei dir?“, fragte er.
Sophie öffnete den Mund.
Nichts kam heraus.
Ausgezeichnet.
Jaxons Mund zuckte, als würde er versuchen, nicht zu lachen.
Rachel rieb sich den Nasenrücken. „Bitte sag mir nicht, dass du dir am ersten Tag eine Gehirnerschütterung von unserem Quarterback geholt hast.“
„Mir geht’s gut“, brachte Sophie hervor.
Gerade so.
Jaxon ließ ihre Schultern schließlich langsam los.
„Bist du neu?“
„S-Social Media Abteilung.“
„Ah.“ Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er es verstand. „Also bist du eine von denen, die uns mit Kameras verfolgen und uns online dumm aussehen lassen.“
Etwas in Sophie rastete plötzlich wieder ein.
„Das schaffst du schon ganz alleine ziemlich gut.“
Rachel sog scharf die Luft ein.
Sophie bereute sofort jede Lebensentscheidung, die sie jemals getroffen hatte.
Aber dann –
Jaxon lachte.
Kein falsches, höfliches Lachen.
Echtes Lachen.
Tief und überrascht.
„Na dann“, sagte er und grinste immer noch leicht, „ich glaube, diese Saison wird gerade um einiges interessanter.“
Und aus irgendeinem Grund überkam Sophie plötzlich das beängstigende Gefühl, dass er nicht vom Football sprach.








