Der König und die Tigerin

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Zusammenfassung

Tagsüber rettet Ava-Rose O'Donnell als Krankenschwester Leben. Nachts zerstört sie diese in einem illegalen Untergrund-Kampfring als Tigress – ein tödlicher Schatten mit schwarzer Perücke, blauen Kontaktlinsen und Tattoos, die unter langen Ärmeln verborgen bleiben. Seit sechs Jahren überlebt sie dank Gewalt und Schweigen, geplagt von der Erinnerung an die Folter durch einen spanischen Gangsterboss und im Stich gelassen von einer Familie, der sie nicht mehr vertraut. Dann blutet Zane Fernandez in ihr Leben – wortwörtlich. Der verletzte Fremde, den sie aus einer Gasse zieht, ist kein Opfer. Er ist der Mafia-Boss, der über Sizilien und New York herrscht, und er wird besessen davon, die Frau zu finden, die ihn rettete, ohne Fragen zu stellen. Als Zane Ava-Roses geheime Identitäten entdeckt, hält er sie für eine Spionin seiner Feinde. Seine Verlobte Sofia nutzt diesen Zweifel als Waffe, stachelt ihn zu blinder Wut an – und bezahlt dann die spanische Gang mit seinem eigenen Geld, um Ava-Rose zu entführen und sie zurück in die Hölle zu schicken. Nun muss Zane sich einer brutalen Wahrheit stellen: Die Frau, die er verdammt hat, ist die Frau, die er retten muss. Und Ava-Rose muss entscheiden, ob es ihr Überleben sichert, einem Mafia-König zu vertrauen – oder ob es nur eine weitere Art ist, auszubluten. Manche Käfige sind aus Stahl. Andere aus Narben.

Genre:
Action
Autor:
HeyItsLils
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
20
Rating
4.3 3 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Tigress

Die Luft in der Untergrund-Arena schmeckte nach Schweiß, Blut und Geld.

Ava-Rose stand in dem schmalen Gang, der zum Käfig führte, und öffnete und schloss ihre behandschuhten Hände. Die schwarze Perücke saß perfekt auf ihrem Kopf; das synthetische Haar fiel ihr glatt und streng knapp über die Schultern. Blaue Kontaktlinsen verwandelten ihre grünen Augen in etwas Kaltes und Unkenntliches. Lange Ärmel verdeckten die Tattoos auf ihrer echten Haut. Schwarze Leggings schmiegten sich an ihre Beine und verbargen alles, was sie verraten könnte.

Hier war sie nicht Ava Rose O’Donnell.

Hier war sie die Tigress.

Das Brüllen der Menge vibrierte durch die Betonwände. Zweihundert Menschen drängten sich in einem verlassenen Lagerhaus in der Bronx. Geld wechselte den Besitzer und Stimmen schrien nach Gewalt. Es war die Art von Ort, von dem die Bullen so taten, als gäbe es ihn nicht, denn ihn zu schließen, hieß, sich mit Leuten anzulegen, denen die halbe Stadt gehörte.

„Bist du bereit?“, Will Silva tauchte neben ihr auf. Seine dunklen Augen musterten ihr Gesicht mit der routinierten Sorge eines Menschen, der sie das schon hundertmal hatte tun sehen. Er war schlank, tätowiert und trug sein Haar in einem präzisen Fade-Schnitt. Ihr einziger echter Freund auf dieser Welt.

„Immer“, sagte sie.

Ihre Stimme war fest. Das war sie vor einem Kampf immer.

Will reichte ihr eine Wasserflasche. Sie nahm einen Schluck und spürte, wie die kalte Flüssigkeit ihre Kehle hinunterlief. Ihr Herzschlag war bereits erhöht – nicht aus Angst, sondern vor Vorfreude. Dieser vertraute Cocktail aus Adrenalin und Konzentration vor dem Kampf, der alles messerscharf werden ließ.

„Ein Brocken heute“, sagte Will. „Nennt sich Reaper. Eins-neunzig groß, hundert Kilo schwer. Greco-Roman-Hintergrund, aber er kämpft schmutzig. Er liebt den Nahkampf und das Ground-and-Pound.“

„Gut“, sagte Ava-Rose.

Sie mochte Gegner, die glaubten, Größe sei alles.

Richard Flemings Stimme krächzte durch die Lautsprecheranlage und kündigte den Kampf an. „Meine Damen und Herren, der Hauptkampf des Abends! In der roten Ecke, mit hundert Kilo Gewicht und ungeschlagen in acht Kämpfen – REAPER!“

Die Menge explodierte.

Ava-Rose kreiste mit den Schultern und schüttelte ihre Arme aus. Ihr Körper war eine Waffe, die sie über sechs Jahre geschliffen hatte. Jeder Muskel trainiert, jeder Reflex geschärft. Sie hatte gelernt, in der Hölle zu kämpfen, und hier hatte sie es perfektioniert.

„Und in der blauen Ecke“, dröhnte Richards Stimme, „mit sechzig Kilo Gewicht und ungeschlagen in dreiundzwanzig Kämpfen – TIGRESS!“

Das Brüllen verdoppelte sich.

Sie trat ins Licht.

Der Käfig war aus achteckigem Maschendraht gefertigt und ragte vier Meter hoch auf. Blut befleckte den Boden von früheren Kämpfen. Das Deckenlicht warf harte Schatten und verwandelte den Raum in etwas Urzeitliches. Gladiatorenhaft.

Reaper war bereits darin und tigerte wie ein eingesperrtes Tier umher. Er war massig – breite Schultern, ein dicker Nacken, Arme wie Baumstämme. Oberkörperfrei, voller Tattoos, ein kahl geschorener Schädel, der im Licht glänzte. Er grinste, als er sie sah, und zeigte dabei eine Zahnlücke.

„Die schicken mir ein Mädchen?“, rief er, seine Stimme triefte vor Spott. „Das hier wird schnell gehen.“

Ava-Rose sagte nichts.

Das tat sie nie.

Der Ringrichter – ein abgekämpfter Ex-Boxer namens Tommy – winkte sie in die Mitte. „Ihr kennt die Regeln. Kein Beißen, kein Finger in die Augen, keine Tritte in die Eier. Alles andere ist erlaubt. Der Kampf endet durch Knockout, Aufgabe oder wenn ich abbreche. Handschuhe berühren.“

Reaper streckte lustlos seine Faust aus.

Ava-Rose berührte sie einmal, ihre Augen fest auf ihn gerichtet.

Dann drehte sie sich um und ging zurück in ihre Ecke.

Die Glocke läutete.

Reaper griff sofort an und überbrückte die Distanz mit einer für seine Größe überraschenden Schnelligkeit. Er wollte sein Gewicht einsetzen, sie gegen den Käfig drücken und sie zusammenschlagen.

Ava-Rose wich zur Seite aus, geschmeidig wie Wasser.

Sein Schwung trug ihn an ihr vorbei. Sie drehte sich und schlug mit dem Fuß hart gegen seine Kniekehle. Er strauchelte, fiel aber nicht. Er wirbelte herum und schlug mit einer wilden Rechten zu, die ihr den Kopf abgerissen hätte, wenn sie getroffen hätte.

Sie duckte sich darunter weg und spürte den Luftzug über ihrem Kopf.

Sie kam innerhalb seiner Deckung wieder hoch.

Sie rammte ihm den Ellenbogen in die Rippen – einmal, zweimal, dreimal in schneller Folge. Sie hörte ihn stöhnen. Sie spürte den Aufprall in ihrem Arm.

Er griff nach ihr, versuchte sie festzuhalten.

Sie wand sich heraus und schaffte Distanz.

Die Menge schrie.

Reaper setzte neu an, jetzt vorsichtiger. Er kreiste nach links, die Hände oben, die Augen zusammengekniffen. „Lucky Shots“, murmelte er.

Ava-Roses Atmung war kontrolliert. Durch die Nase ein, durch den Mund aus. Ihr Verstand war eine Klinge – scharf, fokussiert, und sie schnitt durch alles hindurch, außer den Kampf.

Er täuschte einen Angriff oben an und ging tief.

Ein Takedown-Versuch.

Sie machte einen Sprawl, die Hüften zurück, ihr Gewicht drückte auf seine Schultern. Er war stark – er versuchte, sie mit Muskelkraft hochzuwuchten. Aber sie hakte ihr Bein um seines, klemmte seinen Arm ein und rollte ihn.

Sie knallten hart auf die Matte.

Für einen Sekundenbruchteil war sie oben.

Dann zerbrach die Welt.

Dunkelheit. Kalter Beton unter ihrem Rücken. Hände, die ihre Handgelenke festhielten. Die Stimme eines Mannes, leise und giftig, sagte: „Du glaubst, du kannst vor mir weglaufen, pequeña doctora?“

Carlos Perez’ Gesicht war über ihrem, die Augen schwarz und leer. Der Geruch von Zigarren und Blut. Schmerz, der wie Feuer durch ihren Körper strahlte.

„Du gehörst mir.“

Ava-Roses Blick klärte sich wieder.

Reaper hatte die Position umgekehrt. Er war jetzt oben und ließ Schläge auf sie herabregnen. Sie ging in die Deckung, die Ellenbogen eng am Körper, die Unterarme schützten ihr Gesicht. Die Schläge hämmerten auf ihre Deckung ein – schwer und brutal, darauf ausgelegt, sie zu brechen.

Aber sie war schon früher gebrochen worden.

Und sie hatte überlebt.

Sie wartete. Zählte den Rhythmus seiner Schläge. Eins. Zwei. Drei. Er wurde müde und legte bei jedem Schlag alles hinein. Damit ließ er sich offen.

Beim vierten Schlag explodierte sie.

Sie stieß die Hüften vor, fixierte seinen Arm und drehte ihn mit einem perfekten Sweep. Jetzt war sie oben, in der Mount, und ihre Fäuste waren wie Kolben. Sie hämmerte Schläge in sein Gesicht – kontrolliert, präzise und verheerend. Seine Nase brach mit einem nassen Knacken. Blut spritzte über die Matte.

Die Menge war ein einziger Lärmsturm.

Reaper versuchte sich zu schützen, versuchte zu entkommen. Sie wechselte flüssig, nahm seinen Rücken und setzte einen Rear-Naked Choke an. Ihr Unterarm drückte gegen seine Halsschlagader und schnitt die Blutzufuhr zu seinem Gehirn ab.

Er zappelte. Kratzte an ihrem Arm. Versuchte, sie abzuschütteln.

Sie hielt fest.

Eine andere Erinnerung. Wärmer. Sonnenlicht strömte durch ein Küchenfenster. Das Lachen ihrer Mutter – hell und echt. Ihr Vater saß am Tisch und las die Zeitung. Kiran, ihr älterer Bruder, stahl ein Stück Speck von ihrem Teller.

„Hazel, lässt du ihn das etwa durchgehen?“, fragte ihr Vater grinsend.

Sie war damals Hazel. Bevor sich alles änderte.

„Er kann es haben“, sagte sie lächelnd. „Ich habe keinen so großen Hunger.“

Kiran wuschelte ihr durch die Haare. „Das ist meine Kleine.“

Sicher. Geliebt. Ganz.

Dann ein anderes Blitzlicht. Dunkler. Ein Telefonanruf, den sie nicht hätte hören sollen. Die Stimme ihres Vaters, angespannt vor Wut, sagte: „Wir können sie nicht beschützen, wenn sie ständig Fragen stellt.“

Ihre Mutter weinte und sagte: „Sie ist unsere Tochter, Monty.“

„Sie ist ein Sicherheitsrisiko.“

Reapers Körper wurde schlaff.

Ava-Rose hielt den Würgegriff noch zwei Sekunden länger – nur um sicherzugehen – und ließ dann los. Sie stieß sich von ihm ab und stand auf, die Brust hob und senkte sich. Blut spritzte auf ihre Ärmel. Nicht ihr eigenes.

Der Ringrichter packte ihr Handgelenk und hob ihren Arm.

„Siegerin durch Aufgabe—TIGRESS!“

Die Menge brach in Chaos aus. Geld wechselte den Besitzer. Die Leute schrien ihren Namen—ihren falschen Namen. Der Name, der sie beschützte.

Ava-Rose stand in der Mitte des Käfigs und atmete schwer. Ihr Körper bebte vor Adrenalin und etwas Dunklerem. Etwas, das sich wie eine Mischung aus Wut und Leere anfühlte.

Sie hatte gewonnen.

Sie gewann immer.

Aber es füllte niemals die Leere.

Die Umkleidekabine war ein Betonklotz mit einer einzigen flackernden Neonröhre, einem rostigen Waschbecken und einem gesprungenen Spiegel. Ava-Rose saß auf der Bank und zog mit methodischer Präzision ihre Handschuhe aus.

Ihre Hände zitterten.

Sie zitterten immer nach einem Kampf. Der Adrenalinabfall, die Erinnerungen, die sich ihren Weg an die Oberfläche bahnten. Sie schloss die Augen und zwang sich zu atmen.

Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen.

Die Tür öffnete sich. Will kam herein, mit einer Sporttasche und einer Wasserflasche. Er sagte nichts, stellte die Sachen einfach neben sie und lehnte sich gegen die Wand.

„Alles klar bei dir?“, fragte er nach einem Moment.

„Ja.“

„Sicher? Du hast in der zweiten Runde ein paar harte Treffer kassiert.“

„Mir geht’s gut.“

Will musterte sie und nickte dann. Er wusste, dass es besser war, nicht zu bohren. „Richard hat deinen Anteil. Zwölftausend. Nicht schlecht für drei Minuten Arbeit.“

Zwölftausend Dollar. Genug für die Miete, Lebensmittel und die Krankenhauskosten für die kostenlose Klinik, in der sie am Wochenende arbeitete. Genug, um unsichtbar zu bleiben.

Sie griff hoch und nahm die schwarze Perücke ab. Ihr blondes Haar klebte vor Schweiß an ihrer Kopfhaut. Sie fuhr sich mit den Fingern hindurch und spürte die vertraute Erleichterung, die Verkleidung abzulegen.

Als Nächstes die Kontaktlinsen. Sie blinzelte sie vorsichtig heraus und ließ sie in ein kleines Döschen fallen. Ihre grünen Augen starrten sie aus dem rissigen Spiegel an—müde, gezeichnet, aber immer noch ihre eigenen.

Ava-Rose O’Donnell.

Nicht Tigress. Nicht Hazel Lucas.

Einfach nur sie selbst.

„Kommst du mit zu Mannys?“, fragte Will. „Ein paar von den Jungs gehen noch was essen.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss morgen früh zur Schicht.“

„Du musst immer früh zur Schicht.“

„Eben, weil ich immer muss.“

Will seufzte und stieß sich von der Wand ab. „Weißt du, irgendwann musst du die Leute auch mal an dich ranlassen, Ava.“

Sie sah ihn an—wirklich an. Will war ein guter Mensch. Loyal. Nett. Er hatte nie nach ihrer Vergangenheit gefragt und nie auf Antworten gedrungen, die sie nicht geben konnte. Er war einfach da, Kampf für Kampf, und sorgte dafür, dass sie nicht komplett in der Dunkelheit verschwand.

„Ich habe dich an mich rangelassen“, sagte sie leise.

Er lächelte, traurig und flüchtig. „Ja. Das hast du.“

Er ging und schloss die Tür hinter sich.

Ava-Rose saß allein im flackernden Licht und starrte auf ihr Spiegelbild. Blut an ihren Ärmeln. Blutergüsse an ihren Rippen. Der Geist von Carlos Perez’ Stimme hallte immer noch in ihrem Kopf wider.

„Du gehörst mir.“

„Nein“, flüsterte sie in den leeren Raum. „Ich gehöre niemandem.“

Sie stand auf, griff ihre Sporttasche und trat hinaus in die Nacht.

Die Straßen der Bronx waren erfüllt von spätabendlicher Energie—hupende Autos, Musik, die aus offenen Fenstern wummerte, der Geruch von Streetfood und Abgasen. Ava-Rose zog ihre Kapuze tief ins Gesicht, senkte den Kopf und ging weiter.

Niemand würdigte sie eines zweiten Blickes.

Genau das war der Plan.

Tagsüber war sie Krankenschwester im Mount Sinai, rettete Leben und nähte Wunden. Nachts war sie Tigress, brach Knochen und verteilte Schläge. Zwei Identitäten, zwei Welten, die sich niemals berührten.

Es war der einzige Weg zu überleben.

Ihr Apartment war nur zwanzig Minuten zu Fuß entfernt—ein kleines Studio in einem Gebäude, das schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte. Sie stieg die Treppen hoch, schloss die Tür auf und trat ein.

Der Raum war karg. Ein Sofa, das gleichzeitig als Bett diente. Eine Kochnische mit einer Kochplatte und einem Minikühlschrank. Ein Badezimmer so groß wie ein Wandschrank. Keine Bilder an den Wänden. Keine persönlichen Dinge.

Nichts, das sie mit einer Vergangenheit verbinden könnte, die sie seit sechs Jahren zu vergessen versuchte.

Sie ließ ihre Tasche fallen, zog ihre blutverschmierten Sachen aus und stieg unter die Dusche. Das Wasser war brühend heiß, aber sie drehte es nicht kälter. Sie ließ den Schmerz zu, ließ sich den Schweiß, das Blut und die Erinnerungen abwaschen.

Doch manche Flecken gingen einfach nicht weg.

Manche Flecken waren für die Ewigkeit.

Als sie schließlich in ein Handtuch gewickelt herauskam, sah sie ihr Spiegelbild im Badezimmerspiegel. Die Tattoos auf ihrem Körper erzählten Geschichten, die sie laut nicht aussprach—ein Phönix auf ihren Rippen, eine zerbrochene Kette an ihrem Handgelenk und ein einziges Wort in geschwungener Schrift auf ihrem Schlüsselbein: Survive.

Genau das tat sie.

Jeden einzelnen Tag.

Sie überlebte.

Ava-Rose trocknete sich ab, zog ein übergroßes T-Shirt über und ließ sich auf das Sofa fallen. Ihr Körper schmerzte—die Rippen geprellt, die Knöchel geschwollen, die Muskeln brannten. Aber der Schmerz war vertraut. Er erdete sie.

Er erinnerte sie daran, dass sie am Leben war.

Sie schloss die Augen und versuchte zu schlafen.

Doch Schlaf kam nie leicht.

Nicht, wenn die Alpträume warteten.

Sie war wieder zwanzig. Zurück in Spanien. In der Klinik, wo sie als angehende Krankenschwester gearbeitet hatte. An dem Tag, als sich alles änderte.

Carlos Perez kam herein, mit einer Schusswunde an der Schulter. Seine Männer umringten ihn—bewaffnet, gefährlich und mit Augen wie tote Fische.

„Flick ihn zusammen“, sagte einer von ihnen und stieß sie in Richtung Carlos.

Sie tat es. Sie hatte keine Wahl.

Doch als sie fertig war, packte Carlos ihr Handgelenk. Sein Griff war eisern. Sein Lächeln glich einem Messer.

„Du kommst mit uns, doctora.“

Sie kämpfte. Gott, wie sie kämpfte. Aber es waren zu viele.

Sie zerrten sie aus der Klinik, warfen sie in einen Van und fuhren sie direkt in die Hölle.

Zwei Jahre. Siebenhundertdreißig Tage voller Folter, Missbrauch und Überlebenskampf. Carlos wollte sie brechen, wollte sie besitzen, wollte sie zu seiner machen.

Doch sie weigerte sich.

Jeden Tag weigerte sie sich.

Und als sich die Gelegenheit bot—ein Moment der Unachtsamkeit, ein Wächter, der wegsah—lief sie.

Sie rannte und schaute nie wieder zurück.

Ava-Roses Augen rissen auf.

Ihr Herz hämmerte. Schweiß klebte an ihrem Shirt. Das Apartment war dunkel und still, nur das Surren des Kühlschranks war zu hören.

Sie setzte sich auf, presste die Handflächen gegen die Augen und atmete.

Es ist vorbei. Du bist sicher. Er kann dich nicht finden.

Aber sie kannte die Wahrheit.

Sie würde niemals sicher sein.

Nicht wirklich.

Nicht, solange Carlos Perez noch am Leben war.

Und nicht, solange ihre Familie—wo immer sie auch war—immer noch glaubte, sie sei tot.

Oder noch schlimmer.

Dass es sich nicht lohnte, sie zu suchen.

Ava-Rose stand auf, ging zum Fenster und starrte hinaus auf die Stadt. New York glitzerte in der Ferne, eine Million Lichter, die eine Million Geheimnisse verbargen.

Sie war nur eines davon.

Morgen wird sie ihre Arbeitskleidung anziehen, ins Krankenhaus gehen und Leben retten.

Heute Nacht war sie Tigress.

Und Tigress schlief nicht.

Tigress überlebte.