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Kill me softly

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Zusammenfassung

Saige Leighton hat immer davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Als sie das begehrte Stipendium an der Ashford Academy erhält, glaubt sie, ihrem Traum endlich näherzukommen. Im Kurs kommt es jedoch zu einer Debatte zwischen ihr und Blaze - einem aufbrausenden, unberechenbaren Studenten, dessen intensiver Blick und scharfe Argumente sie sofort aus der Fassung bringen. Was Saige nicht weiß: Blaze ist der Sohn von Elijah Callum, einem der einflussreichsten Verleger Connecticuts. Jenemselben Verleger, bei dem sie schon mehrfach ihr Manuskript abgelehnt bekam. Die Wahrheit kommt ans Licht, als Saige Blaze und seinen Zwillingsbruder Cedar näher kennenlernt. Cedar ist das komplette Gegenteil von Blaze - ruhig, charmant, ein wahrer Gentleman. Doch beide Brüder verbindet ein Geheimnis: Jedes Jahr wetten sie, wer zuerst eine der neuen Studentinnen um den Finger wickelt. Als Saige beiden Brüdern näher kommt, wird allen drei klar: Dieses Mal geht es um weit mehr als nur eine Wette.

Genre:
Young Adult
Autor:
Grace
Status:
In Arbeit
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Ashford Academy.

Ich kann nicht glauben, dass ich tatsächlich hier bin.

Wochenlang hatte ich gezittert, gehofft, gebangt nur um irgendwann endlich diese eine erlösende E-Mail zu bekommen.

Die Nachricht, dass ich doch noch nachrücken durfte, war ohne Zweifel die schönste, die ich je erhalten hatte.

Und jetzt stand ich hier, vor der Tür meines Studentenzimmers, mit meinen letzten wichtigen Utensilien, die ich sorgfältig in einen viel zu großen Karton gepackt hatte. Er sollte für die nächsten Jahre mein Zuhause sein.

Ungläubig glitt mein Blick über die Zimmernummer 322, als müsste ich mich selbst davon überzeugen, dass das wirklich geschah.

Okay, Saige, tief durchatmen.

Mir war schwindelig. Doch ich zwang mich, mich zusammenzureißen.

Es war Zeit. Zeit, durch diese Tür zu gehen, offiziell zu den Ashes zu gehören und meine neue Mitbewohnerin kennenzulernen.

Mit leicht zitternden Fingern drückte ich die Klinke herunter und öffnete die Tür.

Das Zimmer war leer.

Zumindest auf den ersten Blick. Keine Spur von meiner Mitbewohnerin doch ihr ungemachtes Bett, die Rockband-Poster an der Wand und das verstreute Make-up auf der Kommode verrieten, dass ich mir den Raum tatsächlich mit jemandem teilen würde.

Ich stellte den Karton auf den Boden, drehte mich langsam um und inspizierte das Zimmer genau. Es war ein typisches Studentenzimmer: nicht besonders groß, aber funktional eingerichtet. Zwei schmale Betten standen sich gegenüber, und ein schlichter Schreibtisch unter dem Fenster bot gerade genug Platz zum Lernen. 

Die Umzugsfirma hatte ganze Arbeit geleistet. Meine übrigen Sachen waren ordentlich in einem Stapel Kartons aufgetürmt, der bereits seit Samstag hier stand. 

Ein kurzer Stich der Sorge durchzuckte mich.

Hoffentlich hat niemand etwas daraus genommen.

Doch nach einem schnellen Check konnte ich aufatmen. Alles war noch genau so verpackt, wie ich es abgegeben hatte.

Nachdem ich auch das kleine Badezimmer inspiziert hatte, ließ ich mich schließlich rücklings auf das unbezogene Bett fallen. Mit ausgestreckten Armen starrte ich an die Decke und lächelte.

Ich war wirklich hier. 

Es fühlte sich noch immer unwirklich an. Erst die Absage. Dann, Wochen später, doch noch die Zusage. Und jetzt sollte ich tatsächlich hier studieren.

Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. Als ich es hervorholte und einen Blick auf das Display warf, verdrehte ich die Augen.

»Hi, Mom.«

»Hi, mein Schatz. Bist du gut angekommen?«

»Jep. Ich hab dir doch gesagt, dass ich mich melde. Seit unserem letzten Telefonat sind gerade mal zwanzig Minuten vergangen.«

»Ich weiß aber ... als du mich gebeten hast, dich nicht zu fahren, war ich schon ein bisschen enttäuscht. Ich hätte diesen neuen Abschnitt gern mit dir begonnen.«

Ich kniff die Augen zusammen und atmete leise aus.

»Ich weiß, Mom. Ich glaube aber nicht, dass hier jemand seine Eltern mit zum Einzug gebracht hätte. Nicht, dass du mir peinlich wärst, ich meine nur, das ist etwas, das ich allein schaffen muss. Ich hoffe, du verstehst das.«

Natürlich verstand sie es nicht.

Wenn es nach meiner Mutter ginge, würde sie mich am liebsten in eine Kuscheldecke wickeln und persönlich von Vorlesung zu Vorlesung tragen. Sie war schon immer überfürsorglich.

Seit Dad vor zwei Jahren den Autounfall hatte, waren wir beide alles, was der andere noch hatte. Die Wunde war noch lange nicht verheilt und wir haben uns gegenseitig so gut es ging gestützt.

Aber das hier ... das war mein Neuanfang. Ein Ort, an dem es nur um mich ging. Ein Ort, an dem ich für einen Moment nicht ständig an den Verlust erinnert wurde. Alles, an ihn, hatte ich vorerst in New York City zurückgelassen.

Und ich wusste: Wenn er mich jetzt sehen könnte, wäre er stolz.

Ein leises Schluchzen riss mich aus meinen Gedanken.

»Mom ... weinst du etwa?«

»Tue ich nicht«, erwiderte sie sofort – viel zu schnell.

Ich schnaubte leise.

»Connecticut ist nicht mal zwei Stunden von Manhattan entfernt. Rein theoretisch könntest du mich jeden Abend nach der Arbeit zum Essen einladen.«

Ich kicherte leise, um die Situation etwas aufzulockern. Und es funktionierte. Sofort hellte sich ihre Stimme auf und sie begann begeistert, mir von den besten mexikanischen Restaurants in New Haven zu erzählen.

Ich hörte ihr lächelnd zu, bis die Tür plötzlich aufschwang.

»Äh, ich rufe dich zurück, okay?«

Ich legte auf, kaum dass sie sich verabschiedet hatte.

Zwei Mädchen traten hinein. Oder besser gesagt: Sie stolperten.

Die eine stützte die andere, die sich kaum auf den Beinen halten konnte. Die Blonde hatte ein knallrotes Gesicht, torkelte auf viel zu hohen High Heels und trug einen Rock, der mehr versprach, als er verhüllte.

»Du feierst nie wieder bis in den Nachmittag hinein, hast du mich verstanden?«, keuchte die andere, ließ sie schließlich auf das Bett sinken und pustete sich eine pinke Strähne aus dem Gesicht.

Ich warf einen Blick auf mein Handy.

Viertel nach vier.

Hat sie wirklich die ganze Nacht und den halben Tag durchgefeiert?, fragte ich mich.

»Komm schon, Maddy«, murrte die Blonde. »Du weißt genau, dass niemand Tylers Party bereits um acht Uhr morgens verlässt.«

»Tyler kann es sich leisten, auf die Uni zu pfeifen«, schnappte sie. »Der landet sowieso in der Firma seines reichen Vaters. Aber du? Du wirst morgen, so verkatert wie du bist, keinen einzigen Kurs überstehen. Wahrscheinlich überleben dich nicht einmal die Professoren, wenn du sie mit deiner Alkoholfahne killst.«

Die Blondhaarige hielt sich die Hand vor den Mund, hauchte hinein und roch daran.

Ein leises Lachen entwich mir. Damit habe ich allerdings die falsche Aufmerksamkeit auf mich gezogen. 

Blitzschnell drehten sich beide zu mir um und starrten mich mit ihren mit Kajal umrandeten Augen unverhohlen an.

»Was ist daran so witzig?«, fauchte mich die Pinkhaarige an. Ihren Namen hatte ich nur beiläufig aufgeschnappt. Maddy. Also musste die Blonde auf dem Bett meine Mitbewohnerin Hannah sein.

»Nichts, ich ... ähm ...«, stammelte ich verlegen und suchte hastig nach einem Ausweg aus der Situation. »Ich bin Saige. Die Neue an der Academy.«

Mein Blick glitt zur Blonden. »Und du bist dann wohl meine Zimmergenossin Hannah, oder?«

Maddy prustete laut los und drehte sich halb von uns weg. Ihre Freundin musterte mich derweil kühl von oben bis unten – langsam und abschätzig, als würde sie mich in eine Kategorie stecken wollen, in die ich garantiert nicht gehörte.

Dann verschränkte sie die Arme. »Lektion eins«, begann sie mit einem Unterton, der mir sofort klarmachte, dass das hier kein Spaß war. »Wenn du das Zusammenleben mit mir überleben willst, nenn mich nicht Hannah. Ich bin Hazel.«

Eine kurze Pause.

»Und Lektion zwei: Vergiss sofort diese Collegefilm-Fantasie! Wir werden keine Freundinnen sein. Keine Schminktipps, keine Herz-zu-Herz-Gespräche. Verstanden?«

Ich war sprachlos.

Natürlich mussten wir keine Best Freinds Forever werden, aber ich hatte schon erwartet, dass wir uns zumindest ein wenig kennenlernen. Immerhin teilten wir uns ein Zimmer.

»Okay«, brachte ich schließlich hervor und zuckte leicht mit den Schultern, als wäre es mir egal.

Ich wandte mich ab, ging zu meinen Kartons und begann, sie auszupacken.

Doch ich spürte ihre Blicke in meinem Rücken. Und das Tuscheln, das folgte, war unmöglich zu ignorieren.

»Hey, die Kleine hat dir nichts getan«, meinte Maddy schließlich. »Drew ist ja wohl selbst schuld, wenn sie ihren Platz so leichtsinnig für eine Neue freigibt.«

Ich hielt unwillkürlich inne. Ihren Platz freigegeben?

Gehörte dieses Zimmer früher dem Mädchen, dem ich meinen Studienplatz zu verdanken hatte? Ich wollte wirklich nicht lauschen. Aber es war kaum zu vermeiden, wenn sie sich nicht einmal bemühten, leise zu sein.

»Ich weiß«, erwiderte Hazel scharf. »Aber es macht mich trotzdem wütend. Hätte sie sich nicht von diesem Penner schwängern lassen, wäre sie immer noch hier. Ohne sie überlebe ich dieses spießige Collegeleben doch nicht.«

»Danke auch«, murmelte Maddy trocken. »Ich bin ja wohl auch noch da. Und wer weiß, vielleicht wird es mit der Neuen sogar ganz witzig.«

Langsam drehten sie sich zu mir um und ein unangenehmes Gefühl breitete sich in mir aus.

Sie starrten mich an, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Das identische schiefe Grinsen auf ihren Lippen ließ keinen Zweifel daran, dass sie etwas ausheckten.

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