Prolog
Man sagt, das Geräusch eines brechenden Herzens könne man nicht hören. Das ist gelogen. Ich habe es ganz deutlich gehört. Es klang nicht wie klirrendes Kristall, sondern wie ein dumpfes, feuchtes Knacken irgendwo in seiner Brust, als die Worte meiner Schwester wie eine schwere, unausweichliche Guillotine in der Luft hingen.
„Das ist ihr Racheplan für dich, Heartbreaker.“
Ich sah in seine Augen – dieselben tiefblauen, bodenlosen Augen, die noch vor einer Minute vor bedingungsloser Liebe gestrahlt hatten. Genau die Art von Liebe, für die er seine zynische Rüstung abgelegt hatte. Jetzt waren sie leer. Absolut, beängstigend leer. Als hätte jemand sein Leben mit einem einzigen Klick ausgeknipst.
„Rose, ich flehe dich an, sag mir, dass es nicht wahr ist“, seine Stimme brach und wurde zu einem verzweifelten, schmerzhaften Keuchen. Seine großen, warmen Hände umschlossen mein Gesicht. In seinen Fingern zitterte so viel Hoffnung, dass ich mir am liebsten die eigene Haut vom Leib gerissen hätte. „Sag mir, dass sie lügt!“
Ich musste einfach lügen. Ich musste das tun, was ich die letzten Monate so meisterhaft beherrscht hatte. Doch als ich den Mann ansah, den ich zerstören sollte, begriff ich, dass ich mich selbst zerstört hatte. Tränen brannten auf meinen Wangen. Jedes Wort, das ich nun aussprechen wollte, fühlte sich an, als würde ich Glasscherben schlucken. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter, sah direkt in seinen verzweifelten Blick und fällte das Urteil über uns beide:
„Es ist … wahr.“
Seine Hände glitten langsam von meinem Gesicht, als wäre ich aussätzig. Die Maske des selbstbewussten, unantastbaren Vladislav Ognev, der Schrecken aller Mädchen in der Stadt, zerfiel zu Staub. Vor mir stand ein betrogener Junge, der zum zweiten Mal in seinem Leben alles verloren hatte. Er schrie nicht. Er schlug nicht gegen die Wand. Er drehte sich einfach um, trat über die Schwelle und knallte die Tür zu, wodurch er mich für immer aus seiner Welt ausschloss. Ich brach auf dem kalten Boden zusammen und erstickte fast an meinem eigenen Schluchzen.
Meine Rache war vollbracht. Der Plan war perfekt ausgeführt worden. Warum habe ich also das Gefühl, gerade den einzigen Menschen getötet zu haben, für den es sich zu leben lohnte?
Vor sechs Monaten …








