Lesbarkeit anpassen
Aa

Das verborgene Erbe

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Lyla wurde ihr Leben lang beschützt. Für ihr Rudel ist sie nur die wolfslose Tochter des Beta – bemitleidet, abgeschirmt und sicher hinter den Kulissen gehalten. Doch Lyla trägt seit ihrer Kindheit ein Geheimnis mit sich: Ihr Wolf war immer da. Als Michael Rivers als Alpha in seine Heimat zurückkehrt, beginnt Lylas sorgsam aufgebautes Leben zu bröckeln. Er ist ihr Jugendfreund, ihr Beschützer und ihr von Schicksals wegen bestimmter Mate. Doch Michael weiß, was es bedeutet, alles zu verlieren, und sein Drang, Lyla um jeden Preis zu beschützen, könnte ihn genau das kosten, was ihre Verbindung am dringendsten braucht: Ihr Vertrauen. Während die Gefahr näher rückt und alte Geheimnisse ans Licht kommen, muss Lyla sich der Wahrheit über ihre Abstammung, ihre verborgene Macht und die Menschen stellen, die sie mit Lügen in Sicherheit wiegen wollten. Jeder hielt Lyla für harmlos. Sie haben sich geirrt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
102
Rating
3.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
18+

Kapitel Eins

Lyla

Der schrille Klang der Alarmglocken durchschnitt die Stille – ein metallischer Schrei, bei dem jeder im Rudel wusste, was er bedeutete: Gefahr. Wenn das Wörterbuch ein Bild für Chaos bräuchte, wäre unser Rudel in dieser Nacht die Vorlage gewesen. Die Luft war schwer von brennendem Zedernholz und Angst. Ich presste mich gegen den Stamm einer Zypresse, deren raue Rinde sich in meinen Rücken grub, während ich zusah, wie rot gefleckte Wölfe unsere Häuser zerfetzten. Das Brüllen von Alpha O’Ryan ließ die Erde beben, als er sich in den Kampf stürzte. Mein Vater, sein Beta, war ein verschwommener Schatten aus mandelfarbenem Fell und Muskeln an seiner Seite, ein treuer Gefährte, der das Herz unseres Rudels verteidigte.

„Lyla!“ Die Stimme von Luna Addison hallte durch die Nacht und ließ mich zusammenzucken. „Schätzchen, du musst ins Rudelhaus. Such Michael und versteckt euch.“ Sie rannte los; ihr goldener Wolf war wie ein Leuchtfeuer aus wilder Kraft, als sie ihrem Gefährten folgte.

Ich rannte so schnell ich konnte, mein Kopf war wie gelähmt vor Panik. Ich sollte eigentlich ins Rudelhaus gehen, um Michael zu finden, aber meine Füße trugen mich die Treppen hinauf, direkt zum Zimmer meines Vaters. Der Flur bebte von entferntem Geheul und klirrendem Glas. Vor seiner Tür blieb ich stehen und hörte Stimmen, die ich nicht kannte. Langsam öffnete ich die Tür und nutzte den Lärm der Zerstörung, um das Quietschen zu übertönen.

Es waren zwei Leute im Raum. Einer schien etwas zu suchen. Der andere redete mit sich selbst, ging auf und ab und hielt ein Foto in der Hand. In seinem Gesicht spiegelten sich Wiedererkennen und Verwirrung.

„Such weiter. Schau, ob du noch etwas findest“, sagte er zu dem anderen Mann. „Ich muss los und dieses Foto zum König bringen.“

Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern sprang aus dem Fenster. Die ganze Begegnung war seltsam. Ich wusste nicht, warum er da war oder was das für ein Foto war, das er mitgenommen hatte.

„Da bist du ja! Komm schon, Ly.“ Michaels Stimme war ein stammelndes Gemisch aus Erleichterung und Angst. Er musste meiner Fährte die Treppen hoch gefolgt sein. Sein Blick lag nur auf mir, zu fixiert, um den Eindringling auf der anderen Seite zu bemerken. Es war zu spät. Die Tür flog auf und knallte gegen die Wand. Die Augen des Eindringlings trafen meine mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten konnte.

„Lauf!“, schrie Michael und riss mich mit sich.

Wir stürmten die Treppen wieder hinunter, unsere Atemzüge waren stoßweise, während uns die Panik überkam. Das Geräusch der Schritte des Eindringlings hämmerte hinter uns her. Als ich mich umsah, hatte er sich in seinen Wolf verwandelt. Ich stolperte, prallte gegen Michaels Rücken und wir stürzten beide, was dem Wolf Zeit gab, uns einzuholen. Sein Knurren war mörderisch, Speichel tropfte von seinem Maul und seine Augen waren auf den zukünftigen Alpha fixiert. Er hätte an mir vorbei gemusst, um ihn zu erreichen, aber das tat er nicht. Er lief unruhig hin und her, griff uns aber nie an. Warum griff er nicht an? Wie dem auch sei, mein zwölfjähriges Herz war dankbar dafür. Ich sagte Michael, er solle weiterlaufen, und ich würde hinter ihm bleiben.

Wir waren dem Fremden entkommen, ohne zu wissen, dass wir direkt auf Melinda, Michaels Tante, zuliefen. Als wir unten am Treppenabsatz um die Ecke bogen, stießen wir mit ihr zusammen.

„Er kommt!“, schrien wir und zogen an ihrem Arm, damit sie mit uns kam.

„Geht schon“, befahl sie. „Ich halte ihn auf.“

Michael und ich flehten Melinda an, mitzukommen.

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, als sie uns in die Augen sah. Sie nahm Michaels Gesicht in ihre Hände. „Geht zu unserem Lieblingsversteck“, sagte sie. „Ich treffe euch beide dort.“

Wir nickten. Unser Fluchtinstinkt hatte die Oberhand gewonnen. Wir gehorchten und rannten zu der Höhle unter dem Wasserfall. Wir warteten stundenlang auf sie, aber sie kam nie. Das Knurren war verstummt und wurde durch das heulende Klagen ersetzt, als wir spürten, wie die Bindung zu unseren Anführern riss.

Michael krümmte sich vor Schmerz und krallte seine Hände in sein Shirt über der Brust.

„Es tut mir so leid, Michael“, flüsterte ich mit Tränen im Gesicht. „Es tut mir so leid.“

Mein Vater hatte uns gefunden und ins Rudelhaus zurückgebracht. Reihen von Häusern waren halb vom Feuer verschlungen; Dächer waren eingestürzt und legten die verbrannten Balken wie gebrochene Rippen frei. Türen hingen schief in den Angeln oder fehlten ganz. Schaufenster waren zertrümmert, Glas lag auf der Straße wie ein schwarzer See aus Kristallen.

Unsere Ernten waren jedoch unberührt. Das Rudelhaus hatte nur ein kaputtes Fenster. Das, aus dem der Eindringling gesprungen war. Es gab nur wenige Dinge, die durch denjenigen kaputt gegangen waren, der uns verfolgt hatte.

Später erfuhren wir, warum Melinda uns nie erreichte. Sie hatte ihr Leben gelassen, um unseres zu retten. Wir hatten unsere Luna und unseren Alpha verloren, aber Michael hatte seine Eltern verloren.

Die Trauer hielt meinen Vater am längsten fest. Nach dem Tod von Alpha O’Ryan und Luna Addison wurde er paranoid und verlor den Schlaf, überzeugt davon, dass jemand das Rudel verraten hatte. Fast ein Jahr nach dem Angriff war er wie ein Geist in unserem Haus. Ich wusste nur, dass er den Großteil des Tages in „den Zellen“ unter dem Rudelhaus verbrachte und die Nächte damit, Papiere zu lesen. Jedes Mal, wenn ich fragte, wo er war, lautete die Antwort „Beta-Angelegenheiten“, und sie wechselten das Thema. Er fand kaum Ruhe, bis er eines Tages einfach anfing... wieder da zu sein.

Er tauchte beim Training auf. Er lud Michael zum Abendessen ein. Er lachte, lächelte... er war wieder er selbst. Er erklärte nie, was sich geändert hatte; alles, was er sagte, war, dass er präsent sein musste, um die Zukunft zu schützen. Ich verstand nicht ganz, was er meinte, aber Michael und ich brauchten ihn, und es war eine Erleichterung, ihn zurückzuhaben. Es dauerte weniger als ein Jahr, bis wir wieder heil wirkten. Mauern wurden wieder hochgezogen. Neue Türen ersetzten die zersplitterten und fehlenden. Fenster wurden repariert.

Gemeinsam entfernten wir den Schutt und die Trümmer aus unseren Flüssen, sodass ihre gläsernen Oberflächen wieder die uralten Bäume spiegelten, die sie umgaben. Unser Blätterdach aus smaragdgrünem Laub war wieder zum Leben erwacht und warf ein weiches, tanzendes Muster auf uns. Der Gestank von brennendem Holz und Rost war durch den Geruch von feuchter Erde und Leben ersetzt worden.

Die Heilung verlief langsamer. Dieser Teil dauerte länger als jeder Wiederaufbau. Zu lernen, zu schlafen, ohne bei jedem entfernten Heulen aufzuwachen, und zu lernen, durch die Straße zu gehen, ohne jeden Schatten zu überprüfen. Nicht jedes Mal zu weinen, wenn man das Rudelhaus betrat, und zu lernen, wieder zu atmen, ohne sich schuldig zu fühlen, noch am Leben zu sein.

Kapitel
1. Kapitel Eins
Lass Mercedez Steward wissen, was du von diesem Kapitel hältst!
Ich liebe es

0

Ich liebe es

Lustig

0

Lustig

Pikant

0

Pikant

Spannend

0

Spannend

Emotional

2

Emotional

Tiefgründig

0

Tiefgründig

Herzerwärmend

0

Herzerwärmend

Schockierend

0

Schockierend

Gutes Schreiben

0

Gutes Schreiben

Überzeugende Handlung

0

Überzeugende Handlung

Toller Charakter

0

Toller Charakter

Starker Dialog

0

Starker Dialog

Weitere Empfehlungen

Be my Dude

Petra : Eine wunderschöne und süße Liebesgeschichte!Die Handlung und die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt und ich konnte mich beim Lesen wunderbar entspannen. Eine Wohlfühl-Geschichte! Einfach die Gedanken abschalten und anfangen zu lesen.Dieses Buch bekommt vo...

Jetzt lesen
 Ich war dein Plan B – jetzt bin ich meine erste Wahl

Maria: Tolle Geschichte, mit viel Gefühl und Emotionen geschrieben.

Jetzt lesen
In Sneakers ins neue Leben

Tanja : Eine wirklich wunderschöne Geschichte. Sehr schön geschrieben mit Gefühl. Man konnte sich sehr gut in die Charaktere hinein versetzen. Lia hat mir sehr gut gefallen,wie sie sich verändert hat im lauf der Geschichte,selbstbewusster geworden ist und sich gegen Joachim und seine Familie durch gesetzt h...

Jetzt lesen
Deal mit meinem Chef

123alec456: Allein nach ein paar seiten konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, denn sonst hätte ich mch nur gefragt was als nächstes käme

Jetzt lesen
Grimveil Gamma - Im Schleier der Schatten

Amy: Ich mochte Kirrok schon im letzten Teil, seinen Zynismus, der ihn oft in die Klemme bringt, aber auch so herrlich sympathisch macht 🥰😅😍 es ist sooo mitreißend und spannend geschrieben, dass sie Zeilen verfliegen und man am Ende angekommen ist. Hervorragende Unterhaltung, ich freue mich schon auf ...

Jetzt lesen
Der Wolf in mir

kuesterinfo: Toll geschriebene Geschichte, super Charaktere und spannende Abschnitte. Bin gespannt wie es weiter geht!!!

Jetzt lesen
White Diamond and Black Heart

Daydreamerin: Diese Geschichte ist dark, gut geschrieben, mit sehr unerwarteten Plotwendungen und auch Brutalität. Die Wendung, die Glee durchläuft, passiert nicht in drei Kapiteln und ist gut über alle Kapitel verteilt. Was es realistischer macht.Insgesamt eine interessant durchdachte Geschichte, für die man Ner...

Jetzt lesen
Die Rudel-Saga - Buch 1

Bettina: Das Buch hätte auch in galathea erscheinen können. Ich liebe Werwolf Geschichten seit ich galathea entdeckt habe. Will noch mehr von der Autorin lesen.

Jetzt lesen
Icebreaker

Stephanie J.: Im Großen und Ganzen gefällt es mir sehr gut. Teilweise ein wenig vorhersehbar,

Jetzt lesen