Hoodie girl
Oktober.
Der Regen hatte schon vor Sonnenaufgang eingesetzt.
Tessa Gray saß am kleinen Schlafzimmerfenster. Sie hatte ihre Knie an die Brust gezogen, während Wassertropfen am Glas herunterliefen. Das Zimmer roch nach alten Büchern, Staub und der Lavendelkerze, die ihre Mutter Monate vor ihrem Tod gekauft hatte.
Sie hatte sie nie angezündet.
Sie konnte es nicht.
Noch nicht.
Im Haus war es still, abgesehen vom Fernseher unten und dem gelegentlichen Knarren alter Rohre. Ihre Tante Sandy war schon zur Arbeit gegangen. Jack schlief noch auf dem Sofa.
Zumindest hoffte sie das.
Tessa warf einen Blick auf die Uhr.
6:14 Uhr.
Sie hatte noch vierzig Minuten bis zur Schule.
Vierzig Minuten bis zu einem weiteren Tag des Verstellens.
Langsam stand sie auf und ging zum Spiegel an der Schranktür. Der blaue Fleck auf ihrer Schulter war über Nacht dunkelviolett geworden. Der an ihren Rippen schmerzte noch immer, wenn sie zu tief einatmete.
Vorsichtig zog sie den Ärmel ihres übergroßen Hoodies höher.
Versteckt.
Genau wie immer.
Ihre Finger wanderten zu der silbernen Kette um ihren Hals – das Einzige, was ihr von ihrer Mutter geblieben war.
„Lass nicht zu, dass die Welt dich klein macht.“
Die Stimme ihrer Mutter war mittlerweile nur noch eine Erinnerung.
Drei Monate.
Drei Monate seit der Beerdigung.
Drei Monate, seit Tessa jede Nacht in den Schlaf geweint hatte.
Drei Monate, seit sie vollkommen allein war.
Sie öffnete ihr Skizzenbuch, das neben dem Bett lag.
Auf der ersten Seite war eine Zeichnung von einem Wald.
Auf der zweiten eine kleine Hütte.
Auf der dritten ein Mädchen, das am Ende der Welt stand.
Auf der Flucht.
Immer auf der Flucht.
Ein lauter Knall von unten ließ sie zusammenzucken.
Jack.
Ihr Herz begann sofort zu rasen.
„Tessa!“, hallte seine Stimme durch das Haus.
Sie schloss das Skizzenbuch.
„Tessa!“
„Ich komme ja schon.“
Als sie nach unten ging, saß Jack am Küchentisch und hatte schon ein Bier geöffnet.
Es war nicht einmal sieben.
Seine Augen wanderten langsam über sie.
Sie hasste es, wenn er sie so ansah.
„Deine Tante hat Geld für das Frühstück dagelassen.“
Er warf zwei Dollar auf den Tisch.
Tessa griff danach.
Plötzlich packte seine Hand ihr Handgelenk.
Sie erstarrte.
„Du könntest wenigstens Danke sagen.“
„Danke.“
Seine Finger drückten fester zu.
Einen Moment lang bewegte sich keiner von beiden.
Dann lächelte er.
Dieses Lächeln.
Das, bei dem ihr die Haut schauderte.
„Du wirst jeden Tag hübscher.“
Sie riss ihre Hand los.
„Ich verpasse sonst den Bus.“
Er lachte.
„Du rennst immer weg.“
Weil Bleiben schlimmer war.
Draußen schlug ihr die kalte Luft ins Gesicht.
Der Bus kam drei Minuten später.
Niemand sprach mit ihr.
Das tat nie jemand.
Tessa saß allein auf dem letzten Platz und zog ihre Kapuze tief ins Gesicht.
Als die Schule schließlich im Nebel auftauchte, zog sich ihr Magen zusammen.
Flure.
Geflüster.
Gelächter.
Madison Carter.
Chloe Bennett.
Brianna Cole.
Und die Jungs.
Besonders Dylan Smith.
Der Vorzeigejunge.
Der Erbe der Ranch.
Der Junge mit den dunklen Augen, der manchmal mit ihnen lachte und manchmal wegsah.
Sie hatte nie verstanden, welcher von beiden der echte Dylan war.
Aber das spielte keine Rolle.
Leute wie er bemerkten Mädchen wie sie nicht.
Tessa senkte den Blick und stieg aus dem Bus.
Ein weiterer Tag.
Einfach nur den Tag überleben.









He is. 😉
This is such a sad start.
this book seems toxic and depressing 😕 as the storyline..some books likewise movies I don't watch or read
period!!leaves you traumatized
loading oneself with with other individuals trauma or toxic thoughts of imagination ..