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ROOT

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Zusammenfassung

Levin Falkenberg hat alles, wovon andere nur träumen: Geld, Zukunft und einen Account in EIDOLON, den man nicht mehr erspielen kann – nur kaufen. Als sein Charakter Veyr während eines Raids ein schwarzes Objekt aufnimmt, das „nicht für Spieler vorgesehen“ ist, kippt sein perfektes Leben in wenigen Minuten. Plötzlich versagt die Grenze zwischen Spiel und Realität. Eine anonyme Warnung erreicht ihn zu spät. Eine Neuro-Capsule. Ein verschwundener Freund. Ein Konzern, der mehr über sein Gehirn weiß als er selbst. Und ein altes System namens ROOT, das nie für Spieler gedacht war – sondern für Entscheidungen, die kein Mensch allein treffen sollte. Je tiefer Levin in das Geheimnis von ROOT gerät, desto klarer wird: Es geht längst nicht mehr um Loot, Rankings oder Geld. Es geht um Identität, Kontrolle und die Frage, wem ein Mensch gehört, wenn seine Muster, Reaktionen und Erinnerungen längst in fremden Systemen weiterleben. Ein düsterer Techno-Thriller über VR, Macht, Überwachung und die Dinge, die sich nicht einfach zurückholen lassen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
22
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1. 0,8 Prozent

Der Boss hatte noch 0,8 Prozent Leben, als Levin Falkenberg achtzehntausendvierhundert Euro verbrannte.

Nicht ungefähr. Nicht auf dem Papier.

Achtzehntausendvierhundert.

Er wusste es, weil er das Chronosiegel am Dienstag gekauft hatte. Offizielle Auktion, drei Bieter, einer davon irgendein Sammler aus Seoul, der nach vierzig Minuten endlich ausgestiegen war.

Jetzt zerbrach das Siegel zwischen Veyrs Fingern.

Für einen Moment passierte gar nichts.

Dann blieb die Welt stehen.

Der schwarze Regen hing über dem Innenhof der Festung, Tropfen wie Glasperlen. Ein abgerissener Armbrustbolzen schwebte zwei Meter vor Levins Gesicht. Hinter ihm stand Phex mit offenem Mund und halb gehobenem Stab. Selbst der Stumme König war eingefroren, das Schwert noch im Körper ihres Tanks.

Nur Veyr konnte sich bewegen.

„Nein.“

Sables Stimme kam über den Gruppenkanal.

„Sag mir, dass du das nicht gerade gemacht hast.“

Levin lief am Boss vorbei.

Drei Sekunden.

Das Chronosiegel hielt exakt drei Sekunden.

„Doch.“

„Levin.“

„Konzentrier dich.“

Zwei.

Er stellte sich hinter den Stummen König, zog Sternenfall und setzte die Klinge genau in den schmalen Spalt zwischen Halsplatte und Helm.

Eins.

Die Zeit sprang wieder an.

Der Schlag registrierte.

KRITISCH — 1.482.771

Der Lebensbalken des Königs verschwand.

Für eine halbe Sekunde stand die Gestalt noch da. Dann knickten die Knie ein, die schwarze Rüstung schlug auf den Stein, und irgendwo über der Festung begann eine Glocke zu läuten.

Im Voicechat schrie jemand.

„YES!“

Phex wahrscheinlich.

Gorn sagte nur: „Heilige Scheiße.“

Sable sagte gar nichts.

Vor Levin öffnete sich das Lootfenster.

DER STUMME KÖNIG — ERSTABSCHLUSS

Weltregion: Europa-3

Gruppe: Veyr / Sable / Gorn / Phex / Lio

Bonus: Niemand gefallen

Darunter liefen die Drops durch.

Zwei mythische Materialien.

Ein Klassenrelikt für Gorn.

Eine Mantelgravur.

Ein Reittier, das sie schon alle hatten.

Schrott.

Levin wischte das Fenster weg.

„Das war’s?“

„Du hast gerade achtzehn Riesen für einen Kill ausgegeben“, sagte Sable.

„Und?“

„Für einen Kill.“

„Wir wären gewiped.“

„Dann hätten wir noch mal gepullt.“

„Keine Lust.“

Es wurde still.

Levin grinste.

Er konnte Sable nicht sehen, weil ihre Spielfigur vier Meter entfernt neben der Leiche des Königs stand. Aber er wusste ziemlich genau, welches Gesicht sie gerade machte.

Das war einer der Gründe, warum er sie gern im Raid hatte.

Sable war eine der besten Raid-Leaderinnen auf Europa-3 und hielt Levin für eine Krankheit, die irgendwann aus Onlinegames herausoperiert werden musste.

Leider brauchte sie sein Gear.

Und Levin brauchte Leute, die nicht scheiße spielten.

Die Beziehung funktionierte.

„Das Ding gab es zwölfmal“, sagte sie.

„Elfmal.“

„Jetzt.“

„Ja.“

„Du bist komplett bescheuert.“

Phex lachte.

„Ich nehm das Siegel gern, falls ihr euch trennen wollt.“

„Halt die Fresse, Phex.“

„Ich helf doch nur.“

Gorn hatte inzwischen sein Relikt aufgehoben.

„Kann ich kurz daran erinnern, dass wir World First auf EU-3 haben?“

„Regional First“, sagte Sable.

„Welt klingt besser.“

„Es ist trotzdem falsch.“

„Mara.“

„Was?“

„Lass mich diesen Moment haben.“

Levin hörte nur halb zu.

Hinter dem Thron war etwas.

Vor dem Kampf hatte dort eine Wand gestanden.

Da war er sich sicher.

Er ging näher.

Der Innenhof des Schwarzen Archivs gehörte zu den saubersten Gebieten in EIDOLON. Keine zufällig gesetzten Trümmer, keine dekorativen Türen, die nirgendwohin führten. Alles hatte entweder eine Funktion oder Lore.

Jetzt verlief hinter dem Thron ein schmaler Gang in die Dunkelheit.

Keine Fackeln.

Keine Markierung.

Keine Minimap.

Levin blieb stehen.

„Sable.“

„Nein.“

„Ich hab noch gar nichts gesagt.“

„Du hast diesen Ton.“

„Welchen Ton?“

„Den, bevor etwas teuer wird.“

Phex kam herüber.

Seine Spielfigur war ein zwei Meter großer Waldpriester mit Hirschgeweih und einem leuchtenden Pilz auf der Schulter.

„Oh.“

Gorn drehte sich um.

„Was?“

„Da ist ein Gang.“

„War der vorher da?“

Lio antwortete als Erster.

„Nein.“

Das war alles.

Lio sagte selten mehr, wenn weniger reichte.

Fünf Sekunden später standen sie vor dem Eingang.

Sable zog eine kleine blaue Kugel aus ihrem Inventar und warf sie hinein.

Normalerweise hätte der Scout-Orb den nächsten Raum kartiert, Fallen markiert und lebende Ziele zumindest als Bewegungspunkte angezeigt.

Die Kugel flog drei Meter.

Dann verschwand sie.

Nicht explodiert.

Nicht zerstört.

Einfach weg.

Phex bewegte den Kopf.

„Okay.“

Gorn sagte: „Das mag ich nicht.“

„Du bist Tank“, sagte Levin.

„Genau deswegen.“

Sable öffnete ihr Interface.

„Im Raidlog steht nichts.“

„Geheimgang“, sagte Phex.

„EIDOLON hat keine nicht geloggten Gebiete.“

„Offensichtlich schon.“

„Nein. Selbst Dev-Räume hängen an einer Zone-ID.“

Levin sah in die Dunkelheit.

Das Spiel hatte vor neun Tagen Patch 12.4 bekommen. Neue Gildenkriege. Zwei Klassen-Reworks. Ein Gebiet im Norden.

Vom Schwarzen Archiv hatte nichts in den Patchnotes gestanden.

Genau deshalb waren sie hier.

Ein Sechserteam aus Brasilien hatte vor zwei Tagen zufällig den Zugang gefunden und dreiundvierzig Sekunden Gameplay hochgeladen, bevor das Video gelöscht worden war.

Dreiundvierzig Sekunden hatten gereicht.

Seitdem suchte halb EIDOLON nach dem Eingang.

Levin hatte ihn zuerst gefunden.

Na ja.

Gefunden war vielleicht nicht ganz richtig.

Er hatte jemanden gefunden, der jemanden kannte, dessen Gilde einen Screenshot hatte. Dann hatte er den Mann bezahlt, dem das Grundstück im Spiel gehörte. Danach noch eine Frau in Prag, die einen alten Questmarker aus der Beta besaß.

Und schließlich hatte er Sable angerufen.

„Wir gehen rein“, sagte er.

„Natürlich sagst du das.“

„Warum sind wir sonst hier?“

„Um den Boss zu killen.“

„Er ist tot.“

„Ich sehe das.“

Levin betrat den Gang.

„Veyr.“

Er ging weiter.

Hinter ihm fluchte Sable.

Dann hörte er Schritte.

Natürlich kamen sie mit.

Nach ungefähr zehn Metern verschwand das HUD.

Kein Übergang.

Die Lebensanzeige war einfach weg.

Levin blieb stehen.

Er versuchte, das Menü mit der linken Hand aufzurufen.

Nichts.

„Habt ihr UI?“

„Nein“, sagte Gorn.

„Nope“, sagte Phex.

Sable schwieg kurz.

„Nicht bewegen.“

Levin ging weiter.

„Ich hasse dich.“

„Du sagst das ziemlich oft.“

„Weil du mir ziemlich oft Anlass gibst.“

Der Gang wurde enger.

Die Texturen änderten sich.

Zuerst war es kaum zu erkennen. Der Stein verlor nur ein wenig Struktur. Keine Risse mehr. Kein Moos. Dann verschwanden die Fugen zwischen den Blöcken.

Nach weiteren zwanzig Metern liefen sie durch glatte graue Wände.

Nicht Metall.

Nicht Stein.

Einfach grau.

„Das ist unfertig“, sagte Phex.

„Oder kaputt“, meinte Gorn.

Lio sagte: „Aufnahme läuft nicht.“

Jetzt blieb auch Levin stehen.

„Was?“

„Mein Capture ist schwarz.“

Sable versuchte es offenbar ebenfalls.

„Meins auch.“

„Stream?“

„Unterbrochen.“

Phex lachte leise.

„Cool.“

Niemand antwortete.

Levin merkte erst jetzt, dass auch der Umgebungston fehlte.

EIDOLON war nie still.

Selbst in Instanzen hörte man Luft, Kleidung, Schritte, irgendwo Wasser oder Tiere oder Maschinen.

Hier gab es nur ihre Stimmen.

Nicht einmal die eigenen Schritte machten Geräusche.

Levin hob Sternenfall.

Die Klinge war noch da. Schwarzsilber, fast einen Meter lang, mit dem feinen roten Leuchten entlang der Schneide.

Drei Exemplare auf allen europäischen Servern.

Eines gehörte ihm.

Er hatte das erste vor zwei Jahren verpasst und sich darüber so geärgert, dass sein Vater ihn beim Frühstück gefragt hatte, ob jemand gestorben sei.

Beim zweiten hatte Levin nicht mehr geboten.

Er hatte den Verkäufer direkt angerufen.

Sable ging jetzt vor ihm.

„Wenn du irgendwas anklickst, ohne vorher was zu sagen, bringe ich dich um.“

„Im Spiel?“

„Ich finde eine Lösung.“

Der Gang endete.

Dahinter lag ein quadratischer Raum.

Vielleicht fünf mal fünf Meter.

Keine Tür.

Keine Fenster.

Keine Dekoration.

In der Mitte stand eine schwarze Kiste.

Phex sagte sofort: „Nein.“

Levin sah zu ihm.

„Was nein?“

„Einfach nein.“

„Fundierte Analyse.“

„Danke.“

Gorn umrundete die Kiste mit Abstand.

„Keine Interaktion.“

„Bei mir auch nicht“, sagte Sable.

Lio ging näher.

„Nichts.“

Levin trat vor.

Ein Fenster erschien.

Nur bei ihm.

Klein.

Schwarz.

Weiße Schrift.

OBJEKT ERKANNT

Er sagte nichts.

Sable sah ihn an.

„Was?“

„Nichts.“

„Du hast gerade dieses Gesicht gemacht.“

„Welches Gesicht?“

„Levin.“

Er mochte es nicht, wenn sie seinen echten Namen im Spiel benutzte.

Keine Ahnung warum.

Vielleicht weil Veyr jemand war, bei dem die Dinge funktionierten.

Levin war der Typ, dessen Mutter ihm seit drei Tagen schrieb, dass er am Sonntag zum Essen kommen sollte.

„Ich hab ein Fenster.“

Sable kam näher.

„Was steht da?“

„Objekt erkannt.“

„Sonst?“

„Nein.“

„Screenshot.“

„Capture geht nicht.“

„Dann lies vor.“

Levin berührte die Kiste.

Sable packte seinen Arm.

Ihre Spielfigur war kleiner als seine, aber der Strength-Wert ihres Builds reichte locker.

„Was hab ich gerade gesagt?“

„Ich hab noch nichts gemacht.“

„Deine Hand liegt drauf.“

„Technisch gesehen—“

„Finger weg.“

Die Kiste öffnete sich.

Nicht, weil Levin etwas gedrückt hatte.

Der Deckel bewegte sich von allein.

Sable ließ ihn los.

Im Inneren lag kein Schwert.

Kein Edelstein.

Kein Questgegenstand.

Da lag ein kleiner schwarzer Würfel.

Vier Zentimeter vielleicht.

Völlig glatt.

Phex beugte sich vor.

„Das ist alles?“

Levin bekam ein zweites Fenster.

NICHT IDENTIFIZIERT

Typ: —

Stufe: —

Seltenheit: —

Darunter stand eine Zeile.

Levin las sie zweimal.

„Was?“, fragte Sable.

Er antwortete nicht.

„Veyr.“

„Da steht: Nicht für Spieler vorgesehen.“

Diesmal sagte niemand etwas.

Dann:

„Lass es liegen“, sagte Sable.

Levin sah den Würfel an.

„Warum?“

„Weil da verdammt noch mal steht, dass es nicht für Spieler gedacht ist.“

„Könnte ein verstecktes Dev-Event sein.“

„Oder ein Bug.“

„Dann rollbacken sie es.“

„Levin.“

„Was?“

„Lass.“

Da war etwas in ihrer Stimme.

Kein genervtes Raid-Leader-Ding mehr.

Sie meinte es.

Levin sah wieder auf den Würfel.

In acht Jahren EIDOLON hatte er fast alles gesammelt, was ihm interessant genug erschienen war.

Founder-Skins.

Entfernte Waffenmodelle.

Zwei Mounts, die wegen eines Lizenzstreits nur sechs Stunden im Shop gewesen waren.

Ein kaputtes Questbuch aus Version 2.1, das eigentlich nicht handelbar sein sollte.

Die meisten Leute verstanden das nicht.

Sein Vater schon gar nicht.

Für Gregor Falkenberg war Besitz nur interessant, wenn er Dividenden abwarf.

Levin fand Dinge interessanter, die niemand sonst bekommen konnte.

Er nahm den Würfel.

„Du Idiot“, sagte Sable.

Das Systemfenster verschwand.

Ein neues erschien.

ROOT

Darunter:

Bindung abgeschlossen.

Übertragung nicht möglich.

Entfernung nicht möglich.

Levin runzelte die Stirn.

„Was steht da?“, fragte Gorn.

Dann kam die letzte Zeile.

Authentifizierung erfolgreich.

Alles wurde schwarz.

Levin riss die Augen auf.

Die Innenseite der Kapsel hing dreißig Zentimeter über seinem Gesicht.

Für einen Moment wusste er nicht, wo er war.

Dann löste sich das Gelpolster an seinem Nacken, und die Verriegelung sprang mit einem leisen Klicken auf.

„Was zum…“

Er drückte den Deckel hoch.

Kühle Luft strich über sein Gesicht.

Das Schlafzimmer war dunkel. Nur Berlin leuchtete durch die breite Glasfront: Fenster, Werbeflächen, die roten Positionslichter der Lieferdrohnen und weiter unten die Züge, die am Hauptbahnhof ein- und ausliefen.

Levin setzte sich auf.

Sein Herz schlug zu schnell.

Das Synapse-Rig blinkte orange.

VERBINDUNG UNTERBROCHEN

Ursache unbekannt

„EIDOLON.“

Keine Antwort.

„System. EIDOLON öffnen.“

Die Wand neben dem Bett hellte sich auf.

Dienst derzeit nicht erreichbar.

Levin starrte darauf.

„Netzstatus.“

Online.

Also nicht sein Anschluss.

Er griff nach dem Handterminal.

Vierundzwanzig neue Nachrichten.

Der Raidchat explodierte.

Phex: WAS WAR DAS

Gorn: alle raus?

Phex: ja

Gorn: Lio?

Phex: ???

Sable: Levin antworte.

Dann direkt darunter:

Sable: SOFORT.

Er tippte.

Levin: bin da

Die Antwort kam nach zwei Sekunden.

Sable: Hast du das Ding?

Levin hielt inne.

Levin: Inventar kann ich schlecht prüfen.

Die drei Punkte erschienen.

Verschwanden.

Erschienen wieder.

Sable: Ich meine ernsthaft.

Levin: Keine Ahnung.

Sable: Was stand zuletzt da?

Er schrieb:

Authentifizierung erfolgreich.

Löschte es wieder.

Tippte:

Levin: irgendeine Fehlermeldung

Diesmal dauerte ihre Antwort länger.

Sable: Du lügst beschissen.

Levin lächelte.

Nur kurz.

Dann vibrierte das Handterminal.

Unbekannte Nummer.

Er drückte weg.

„Getränk.“

Die Küchenzeile am anderen Ende des Raums aktivierte sich.

„Was?“, fragte die Wohnungs-KI.

„Kalt. Egal.“

„Das schränkt die Auswahl unnötig wenig ein.“

Levin stand auf.

„Wasser.“

„Danke.“

„Du wirst langsam frech.“

„Diese Option ist laut deinen Einstellungen aktiviert.“

Er hatte vergessen, dass er das irgendwann eingestellt hatte.

Levin zog das Sensorhemd aus und warf es über die Rückenlehne eines Stuhls.

Auf der Wand lief inzwischen eine Diagnose des EIDOLON-Clients.

Keine beschädigten Dateien.

Keine Sperre.

Kein Serverausfall.

Merkwürdig.

Das Terminal vibrierte erneut.

Dieselbe unbekannte Nummer.

Levin ging zur Küche, nahm das Wasser aus dem Ausgabefach und nahm beim dritten Klingeln ab.

„Ja?“

Stille.

Er trank.

„Hallo?“

Eine Männerstimme sagte:

„Herr Falkenberg.“

Levin nahm das Glas vom Mund.

„Wer ist da?“

„Sie haben etwas, das Ihnen nicht gehört.“

Er sah automatisch zur Wand.

Der EIDOLON-Client war noch offen.

„Okay.“

Die Stimme schwieg.

Levin wartete.

„War’s das?“

„Geben Sie es zurück.“

„Was?“

„Den Schlüssel.“

Levin stellte das Glas langsam auf die Arbeitsplatte.

„Sie haben die falsche Nummer.“

„Nein.“

Kein Drohen.

Kein dramatischer Ton.

Der Mann klang müde.

Fast gelangweilt.

Das machte es unangenehmer.

„Woher haben Sie meine Nummer?“

„Loggen Sie sich nicht wieder ein.“

Levin lachte einmal.

„Alles klar.“

„Herr Falkenberg.“

„Wenn das irgendein Scheiß aus dem Raid ist: Respekt. Bisschen übertrieben, aber—“

„ROOT ist kein Item.“

Levin sagte nichts mehr.

Die Küchen-KI fragte:

„Möchtest du das Glas gekühlt halten?“

Er sah sie an, als hätte sie gerade den falschen Moment persönlich ausgesucht.

„Nein.“

Am anderen Ende war noch jemand.

Levin konnte ihn atmen hören.

„Wer sind Sie?“

„Geben Sie es zurück.“

„Wie?“

Eine Pause.

Zum ersten Mal wirkte der Mann nicht vorbereitet.

„Das finden wir heraus.“

„Wir?“

Die Verbindung brach ab.

Levin hielt das Terminal noch ein paar Sekunden ans Ohr.

Dann rief er die Nummer zurück.

Teilnehmer nicht verfügbar.

Er versuchte es noch einmal.

Dasselbe.

„Nummer identifizieren.“

Die Wohnungs-KI antwortete sofort.

„Keine öffentlich zuordenbaren Teilnehmerdaten.“

„Provider?“

„Nicht verfügbar.“

„Land?“

„Nicht verfügbar.“

Levin lehnte sich mit beiden Händen an die Kücheninsel.

Das war neu.

Nicht die Tatsache, dass jemand seine Nummer hatte.

Seine Nummer war nicht geheim. Nichts war wirklich geheim.

Aber sie war nicht mit Veyr verbunden.

Dafür bezahlte er Leute.

Seit Jahren.

Er öffnete Sables Chat.

Tippte:

Hat dich jemand angerufen?

Bevor er abschicken konnte, erschien eine Meldung auf der Wand.

GEBÄUDESICHERHEIT

Besucherzugang bestätigt.

Levin sah hin.

Darunter stand:

Ziel: Wohnung 31.04

Seine Wohnung.

Er stellte das Terminal ab.

„Sicherheit, Besucher widerrufen.“

„Nicht möglich.“

„Was heißt nicht möglich?“

„Der Zugang wurde extern autorisiert.“

Levin ging zur Tür.

Nicht schnell.

Noch nicht.

„Von wem?“

„Berechtigungsstufe Hausverwaltung.“

Das Display neben dem Eingang zeigte die Aufzüge.

Einer bewegte sich nach oben.

Levin berührte das Panel.

„Tür verriegeln.“

Tür ist verriegelt.

„Zusatzriegel.“

Aktiv.

Das Handterminal auf der Kücheninsel vibrierte.

Eine Nachricht.

Keine Nummer.

Kein Absender.

Nur vier Wörter.

Mach die Tür nicht auf.

Levin starrte darauf.

Zum ersten Mal an diesem Abend dachte er nicht an das Chronosiegel.

Nicht an den Raid.

Nicht daran, was ROOT wert sein könnte.

Er dachte an seinen Vater.

Der Aufzug hielt.

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author

wow...also bis jetzt gefällt mir Kapitel 1 sehr gut....
habe selbst viele Jahre online gespielt und war kurz wieder im Spiel beim RAID...🖤 cool geschrieben
lese sehr gerne weiter

ein Tag
1
author

i likeed

17 Stunden
2

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