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Ich wachte auf.
Langsam öffnete ich meine Augen und starrte an die hellblaue Decke in meinem Zimmer. Kleine Lichtstrahlen leuchteten von meinem Fenster aus hinein und warfen Schatten auf meine Wand.
Ich lag in meinem warmen Bett und genoss die Ruhe des Morgens. Vögel twitscherten und ein leichter Wind wehte durch mein gekipptes Fenster. Es war mein letzter Schultag an der Stellavidetur Academia. Eine Schule für Essenzmeister.
Essenzmeister waren Menschen mit besonderen Kräften. Jeder Essenzmeister beherrscht ein Essenz: Licht, Schatten, Feuer, Wasser, Pflanzen, Gestein, Wind, Töne, Illusionen und Blitze.
Eigentlich gab es auch noch Eis aber das war verboten. Leute mit Eiskräften wurden verfolgt und getötet. Ich wusste nicht warum aber man sagte, sie waren bösartig und unberechenbar.
Ich selber beherrschte noch kein Essenz. Man "bekam" es erst wenn man die Schule absolvierte. Ich würde es also heute bekommen.
Deswegen freute ich mich heute ausnahmsweise mal auf Schule. Einbisschen hatte ich aber auch Angst vor der "Zeremonie "bei der man sein Essenz bekam. Niemand, der sie absolviert hatte, durfte von ihr erzählen.
Deshalb wusste ich nicht, was mich erwartete.
Am liebsten hätte ich Gestein als Essenz. Ich fand es einfach so... stark. Ich wusste nicht... Aber ich konnte mir das ja nicht aussuchen. Das entschied mein "inneres".
Man sagte, in jedem Essenzmeister gab es einen "Kern" in dem das Essenz bereits vorhanden war. Es wurde also nur ausgelöst.
Meine Mutter beherrschte Schatten und mein Vater Blitze. Essenze wurden jedoch nicht vererbt. Es kam selten vor, dass Eltern das gleiche Essenz hatten wie ihre Kinder.
Ich konnte also Gestein bekommen...
Ein lautes, tiefes Klopfen ertönte. Unser Türklopfer.
Wer wollte um diese Uhrzeit etwas von uns?
Ich zog meine Augenbrauen zusammen.
Sinnja würde niemals zu früh kommen um mich abzuholen ! Eher zu spät. Und andere Freunde hatte ich nicht.
Nicht dass ich unbeliebt war, aber manche fanden mich speziell... Das machte Sinnja jedoch nichts aus. Ihre quietschige, aufgeweckt Art und die Tatsache, dass die Meinung anderer Ihr egal war, half dabei.
Sie hatte kurze, schwarze Haare und keine langen, hellbraunen Wellen so wie ich. Außerdem war sie immer hilfsbereit und für mich da, egal wann.
Aber sie hatte die Angewohnheit immer zu spät zu kommen.
Deshalb hielt ich es für unwahrscheinlich, dass sie es war, der geklopft hatte.
Wer dann?
Warscheinlich war es Besuch für meine Eltern. Obwohl sie eigentlich fast nie Besuch bekamen...
Ein mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus.
Ich hörte Schritte aus der Richtung von dem Zimmer meiner Eltern, die in Richtung Tür liefen. Die Tür wurde geöffnet und fremde Stimmen ertönten, die sich mit meinen Eltern unterhielten. Erst ganz entspannt und leise, doch dann immer hitziger und lauter, fast als würden sie streiten.
Was war los? Wer war da draußen? Was wollten sie von meinen Eltern?
Ich war kurz davor nachzuschauen was los war, als Schatten an der Wand von meinem Zimmer auf mich zukrochen.
Waren das Schattenkräfte? Ich hörte die Stimme meiner Mutter:
"Schatz! Ich habe nicht viel Zeit: Dort sind Leute vor der Tür die dich suchen. Du musst fliehen! Vater und ich werden sie weglocken damit du entkommen kannst! Sie dürfen dich nicht erwischen!"
Ich schnappte nach Luft. Was? Ich keuchte. Was war passiert? Wieso musste ich fliehen? Wer waren diese Leute?
Ich saß aufrecht im Bett und ich starrte mit aufgerissenen Augen den Schatten an.
"Warum suchen sie mich?" Stotterte ich.
"Du... Schatz du hast Das Essenz des Eises! Vater und ich haben es schon lange gewusst aber wir haben es dir nicht gesagt um... dich zu schützen. Du musst fliehen! Nutze deine Kräfte dafür! Du schaffst das!"
Ich sollte Eiskräfte haben?
Ich schauderte. Wenn diese unbekannten Leute mich finden... dann bringen sie mich um!
Aber wie konnte ich Eiskräfte haben? Das war doch... unwirklich! Ich sollte sie nutzen. Wie?
"Sie sind doch gar nicht ausgelöst." Mein Kopf fühlte sich an wie ein Karrussel.
Wohin sollte ich fliehen? Wie sollte ich das bitte alleine schaffen? Was...?-
"Sie werden durch ein besonderes Ereignis ausgelöst. So ist das auch beim Abschluss der Academia! Du schaffst das Nally!" Unterbrach sie meine Gedanken.
"Aber..."
"Kein Aber! Wir haben keine Zeit mehr. Wenn ich von außen den Klopfer betätige musst du verschwinden! Immer nach Westen! Bis zu einer Höhle. Dort ist ein Eingang zu einem sicheren Ort. Larrt wird mit dir gehen! Aber gib Acht: du wirst verfolgt! Ich muss abbrechen..." der Schatten verschwand und hinterließ eine Stille...
Doch nicht in meinem Kopf.
Wer war Larrt? Wieso immer nach Westen? Was für ein Ort? Was zum?
"Warte...!" Keine Antwort.
Was sollte ich jetzt tun? Ich fühlte mich so an, als hätte man mich mit allen möglichen gefährlichen Geheimnissen geradezu bombardiert. Ich versuchte ruhig zu atmen. Ein, aus,...
Das half mir immer. Ich schaffte das... bestimmt. Obwohl mein Kopf protestierte.
Plötzlich ertönte ein Laut von splitterndem Glaß und eine Stimme flüsterte:
" Bist du Bereit, Nally?"








