Mein Schicksal bist du

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Zusammenfassung

Dies ist die Geschichte zweier Fremder, die durch das Band der Ehe miteinander verbunden sind. Nach der Hochzeit glaubten beide, sie seien nicht füreinander bestimmt, bis sie eines Tages von der göttlichen Liebe berührt wurden. Rithu, eine 23-jährige junge Frau, ist intelligent, herzlich und ein liebenswerter Mensch mit einem guten Herzen. Vikram, 31, ist ein gutaussehender, hart arbeitender Geschäftsmann mit einer distanzierten und schroffen Art. Ihre Eltern haben ihre Ehe arrangiert, doch obwohl sie unter einem Dach leben, liegen Welten zwischen ihnen. Vikram hat beschlossen, sich ihr nicht zu öffnen, und Rithu verabscheut seine introvertierte Art. Aber die Liebe geht ihre eigenen Wege, oder? Sie sorgt dafür, dass ihre Herzen einander näherkommen, sie sich verstehen und unwissentlich ein starkes Band zwischen ihnen entsteht. Werden sie im Laufe der Zeit erkennen, dass sie sich ineinander verliebt haben?

Genre:
Romance/Humor
Autor:
Rosini
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
55
Rating
4.6 86 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1.

Rithu

Es war ein sonniger Montagmorgen und ich saß im Bus. Es war 8:30 Uhr. Um diese Zeit hetzen alle zur Schule, zur Uni oder zur Arbeit. Ich saß am Fenster, hörte meine Lieblingslieder und starrte ins Leere. Dabei dachte ich über mein Leben nach und was ich eigentlich damit anfangen will. Obwohl es draußen recht sonnig war, genoss ich die Wärme auf meiner Haut.

Heute hatte ich meinen üblichen Bus verpasst, in dem ich sonst immer mit meinen Freunden fahre. Die Busfahrt vergeht wie im Flug, wenn man jemanden zum Quatschen oder Lästern dabei hat. Aber heute fehlte mir das.

Als ich an der Universität ankam, schlurfte ich mit gesenktem Blick lustlos zu meinem Kurs. Plötzlich zog jemand von hinten an meiner Tasche. Ich zuckte zusammen und drehte mich um. Da stand meine Freundin Nithya und strahlte mich an. Ich nahm meine Kopfhörer ab und lächelte zurück.

„Guten Morgen, Schlafmütze“, sagte sie und legte mir den Arm um die Schulter.

„Guten Morgen“, antwortete ich mit einem kleinen Lächeln und wir gingen los. Nithya war eine gute Freundin, die ich hier an der Uni gefunden hatte.

„Ich dachte, du wärst schon früher da, Nithya. Warum bist du so spät dran?“

„Ich habe unseren Bus auch verpasst, Rithu. Ich saß im selben Bus wie du. Ich habe dich gesehen, aber du warst so vertieft in deine Musik, dass ich dich nicht stören wollte“, erklärte sie.

„Oh, tut mir leid, dass ich dich nicht bemerkt habe, Nithya“, entschuldigte ich mich.

„Schon okay, zieh morgens nicht so ein Gesicht. Lass uns zum Kurs gehen“, sagte sie motiviert. Wir machten uns auf den Weg zu unserer Fakultät, die am anderen Ende des Campus lag.

Wir hatten kaum noch Vorlesungen, da es unser letztes Semester war und wir nur noch an unseren Abschlussarbeiten saßen. Nithya, Shana und ich sind sehr enge Freundinnen. In nur zwei Monaten habe ich meinen Master in der Tasche. Deshalb arbeite ich gerade hart daran, mein Abschlussprojekt fertigzustellen.

Andererseits planten meine Eltern bereits meine Hochzeit. Mein Vater war vor Kurzem im Krankenhaus gelandet, weil er bei der Arbeit wegen starker Schmerzen in der Brust ohnmächtig geworden war. Die Diagnose lautete Atherosklerose und er musste sofort behandelt werden. Der Arzt hat ihm geraten, keine schweren Arbeiten mehr zu verrichten und sich viel auszuruhen. Deshalb machte er sich um alles Sorgen, besonders um meine Zukunft. Er wollte, dass ich so schnell wie möglich heirate.

Eigentlich will ich arbeiten und mindestens zwei Jahre lang mein eigenes Leben führen, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. Aber der Druck meines Vaters und sein Gesundheitszustand haben mich dazu gebracht, die Situation zu akzeptieren.

Nachdem ich ein paar wichtige Dinge für mein Projekt erledigt hatte, wollte ich heute früher Schluss machen, weil ich mich so müde fühlte. Ich packte meine Sachen. Nithya gab mir noch Dokumente auf einem USB-Stick für die Thesis, die ich in zwei Tagen fertig haben muss. In einer Woche ist nämlich schon Abgabe. Ich muss alles perfekt machen, um gute Noten zu bekommen. Ich war schon immer eine gute Studentin und manchmal sogar Kursbeste. Aber was bringen mir gute Noten, wenn ich bald einen Fremden heiraten soll? Ich habe keine Ahnung, was das für ein Typ ist.

Um 17:30 Uhr kam ich zu Hause an. Meine Eltern saßen im Wohnzimmer und diskutierten angeregt. Sie sahen so aus, als hätten sie nur auf mich gewartet. Da lag was in der Luft.

„Rithu, da bist du ja!“, rief meine Mutter mit einem aufgesetzten Lächeln.

„Ja, Mama“, antwortete ich und ging in mein Zimmer.

Ich zog mich um und ging in die Küche, um mir einen Kaffee zu holen. Gerade als ich den ersten Schluck nehmen wollte, rief mich meine Mutter. Ich ging zu ihnen ins Zimmer.

„Was ist denn, Mama?“, fragte ich und sah sie an.

Nach kurzem Schweigen fing mein Vater an zu sprechen.

„Rithu, du kennst doch meinen Freund Kishore. Sein Sohn führt ein Unternehmen in Chennai. Am Freitag kommen sie vorbei, um dich kennenzulernen.“ Als ich das hörte, wurde ich nervös. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Es kam so plötzlich. Meine Mutter lächelte mich an, als wäre das alles gar keine große Sache.

Ein Schock war es nicht direkt. Ich wusste ja schon, dass mein Vater gestern am Telefon mit jemandem über mich gesprochen hatte. Gestern Abend ist er auch weggegangen, um ihnen mein Foto zu geben. Trotzdem kam es jetzt sehr unerwartet.

„Aber Papa, bitte warte doch wenigstens noch einen Monat“, sagte ich zu ihm. Ich hatte ja noch nicht einmal meine Abschlussprüfungen hinter mir.

„Nein, Rithu, wir können nicht warten. Es ist die beste Partie und du weißt ja, wie es steht“, sagte er in einem Ton, der keine Widerworte duldete.

Ich sagte nichts mehr. Ich musste erst einmal nachdenken, also ging ich auf die Dachterrasse und setzte mich auf die Bank. Ich starrte in den grauen, wolkenverhangenen Himmel, der genau so aussah wie mein derzeitiges Leben.

Was habe ich in meinem Leben bisher erreicht? Was habe ich geschafft?, fragte ich mich selbst.

Nichts!!, antwortete mir mein Unterbewusstsein spöttisch.

In diesem Moment kam meine Mutter und setzte sich neben mich. Sie legte ihre Hand auf meine. Ich wusste genau, was jetzt kommen würde.

„Rithu, ich weiß, was du denkst. Aber du weißt, dass es Papa gesundheitlich nicht gut geht. Wir wollen nur das Beste für dich, also versuch, dich darauf einzulassen. Das Leben bringt uns oft in schwierige Situationen. Wir müssen sie annehmen und das Beste daraus machen. Mach dir nicht so viele Gedanken und sag einfach ja“, sagte meine Mutter. Sie hatte ja recht. Wenn ich mich querstelle, leiden nur meine Eltern. Also fasste ich den Entschluss zu heiraten.

„Okay Mama, ich verstehe“, sagte ich halbherzig mit einem gezwungenen Lächeln.

Meine Mutter freute sich über meine Entscheidung und nahm mich in den Arm.

„Mach dir keine Sorgen, Schatz. Wir sind immer für dich da und wir würden nie etwas tun, das nicht gut für dich ist“, versicherte sie mir.

In dieser Nacht schlief ich kaum. Ich ging alle Möglichkeiten durch, wie ich aus der Sache wieder rauskommen könnte. Aber dann wäre ich keine gute Tochter.

Am nächsten Tag in der Uni war alles wie immer. Ich verlor kein Wort über das Heiratsangebot gegenüber Nithya und Shana, weil es mir einfach peinlich war.

In der Pause ging ich in die Bibliothek, um etwas zu lesen. Ich liebe Bücher. Das ständige Lernen aus Fachbüchern und Forschungsberichten für mein Projekt ging mir nach fünf Monaten echt auf die Nerven. Ich schnappte mir wahllos eine Zeitung. Im Wirtschaftsteil sah ich ein Foto von einem Mann. Er war gutaussehend und hatte ein markantes Lächeln. Der Artikel handelte von ihm.

Ein junger Geschäftsmann namens Vikram, dem ein Architekturbüro gehört. Er baut gerade ein modernes Einkaufszentrum in Chennai. Er stammt ursprünglich aus Coimbatore, genau wie ich. Ich betrachtete sein Gesicht. Er sah so jung aus und hatte schon so viel erreicht. Und ich? Der Gedanke deprimierte mich.

Aber ich wurde abgelenkt, als ein Stuhl knarrte. Ich blätterte automatisch um und las ein paar Lokalnachrichten und Berichte aus dem ganzen Land. Irgendwann wurde mir auch das zu langweilig. Ich legte die Zeitung weg und ging zurück in meinen Kurs.

Die Tage vergingen und mein Projekt war fast fertig. Mein Dozent hatte meine Thesis bereits unterschrieben und ich kümmerte mich nur noch um den Feinschliff. An einem stressigen Tag rief Nithya an und fragte, ob ich in die Mensa komme. Da wir unsere Projekte bei verschiedenen Dozenten machten, sahen wir uns kaum noch.

Nithya winkte mir zu, während sie an ihrem Erdbeer-Milchshake nippte. Ich lächelte und sah, dass für mich auch schon einer auf dem Tisch stand.

Ich wollte ihr sagen, dass ich bald heirate, aber ich genierte mich immer noch. Wenn es um Liebe und Hochzeit geht, bin ich extrem schüchtern. Aber ich musste es ihr sagen. Sonst wäre sie sauer, wenn sie es hintenrum erfährt.

Da ich keine Wahl hatte, erzählte ich ihr alles. Shana kam währenddessen dazu und hörte mit. Zuerst glaubten sie mir nicht und gratulierten mir neckisch. Aber als ich klarmachte, dass es mein Ernst war, waren sie völlig baff.

Nithya löcherte mich mit Fragen: Wen triffst du? Was arbeitet er? Aber ich konnte ihr keine einzige Antwort geben.

Ich sagte ihnen, dass ich nicht einmal seinen Namen wusste.

Das machte sie nur noch sprachloser.

„Und wann triffst du ihn?“, fragte Nithya.

„Diesen Freitag, glaube ich“, sagte ich und presste die Lippen zusammen.

„Herzlichen Glückwunsch!“, stichelte Nithya wieder. Ich warf ihnen einen bösen Blick zu, weil sie mich aufzogen. Aber ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Wir lachten gemeinsam und fingen an, über meine Hochzeit zu quatschen.

Die Zeit verging wie im Flug. Wir drei Mädels waren so vertieft in das Gespräch über unsere Zukunft und unsere Ehemänner, dass wir völlig vergaßen, wie spät es schon war.