Zuckersüß und ungeplant

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Zusammenfassung

Mein ganzes Leben lang wurde mir vorgeschrieben, was ich essen, was ich anziehen und was ich tun soll. Meine Cousine heiratet, und wie meine liebe Mutter mich die arme Seele nicht müde wird wissen zu lassen: Sie ist schlank, wunderschön – ganz zu schweigen davon, dass sie Klassenbeste war und nun auf dem besten Weg ist, in einer angesehenen Anwaltskanzlei Karriere zu machen. Ob ich mich für Salate interessiere? Nein. Gebt mir verdammt noch mal meinen Kuchen und lasst mich in Ruhe. Interessiert mich Geld? Alles, was ich brauche, ist ein Pappkarton, dann bin ich glücklich. Wenn ich jedoch den nächsten Monat in Spanien überleben will, brauche ich Hilfe. Und mit Hilfe meine ich, meinen besten Freund und lieben Nachbarn, Axel Rodriguez, einzuspannen. Eigentlich sollte alles genau nach Plan laufen. Mama glücklich machen, die Hochzeit überstehen und wieder nach Hause kommen. Das Problem ist nur: Er kann einfach nicht die Finger von mir lassen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
30
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Mein ganzes Leben lang habe ich mit meinem Gewicht gekämpft, und meine Mutter hat dafür gesorgt, dass ich wusste, wie fett ich bin. Ja, ich bin 1,57 m groß und passe in eine Hose der Größe 42, vielleicht Größe 40, wenn ich den Bauch einziehe und die Arschbacken zusammenkneife, aber dann sehe ich aus, als hätte ich Verstopfung.

Nein Mom, ich will weder Zucker noch Speck von meinem Speiseplan streichen. Das ist überlebensnotwendig.

Trotzdem habe ich in dem Versuch, es ihr recht zu machen, alle möglichen Diätprogramme und Sportübungen ausprobiert.

Sie sagt, mein Arsch sei zu dick und ich müsste Kniebeugen machen, um ihn in Form zu bringen. Dann hat sie meinen Hosenbund kommentiert. Ich hätte ein „Muffin-Top“, meinte sie. Ich müsste Bauchmuskeltraining machen oder Runden laufen.

All das, und ich weiß, es klingt so, als würde sie mich nicht lieben, aber das tut sie. Sie will nur, dass ich gesünder lebe, aber was soll ich machen, wenn ich Speck und Kuchen liebe?

Ich habe einen älteren Bruder, der zwei Jahre und neun Monate älter ist als ich. Er heißt Brandon. Er ist meiner Mutter sehr ähnlich – fit und schlau. Ich hingegen komme ganz nach meinem Vater, der Speck und Kuchen mag.

Brandon lebt für sich und besitzt seinen eigenen Fahrradladen. Nachdem er ausgezogen war und ich achtzehn wurde, bin ich auch aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen. Meine Wohnung ist nicht so extravagant wie die von Brandon, aber sie ist gemütlich und heimelig.

Meine Mutter ruft mich nicht sehr oft an, aber wenn sie es tut, kann sie stundenlang reden. Tratschen ist eben alles, weißt du.

Ich arbeitete gerade als Bibliothekarin in der Stadtbücherei, als mein Handy vibrierte. Der Name meiner Mutter leuchtete auf dem Bildschirm auf, und ich schlüpfte in den Hinterraum, um ihren Anruf entgegenzunehmen.

„Hi Mom“, antwortete ich.

„Wirklich, Ryleigh?“ Ich kann praktisch sehen, wie sie die Augen verdreht. Ich kicherte, da ich ganz genau wusste, wie sehr es sie nervt, wenn ich nicht ordentlich spreche.

„Entschuldigung, Mom“, erwiderte ich. „Ich bin gerade bei der Arbeit. Brauchst du irgendwas?“

Ich hörte sie seufzen und das Geräusch von vorbeirauschenden Stadtstraßen, und ich wusste, dass sie beim Shoppen war. „Süße, du musst wirklich einen anderen Job finden. Ich weiß, dass du es besser kannst. Ich meine, Bibliothekarin ist einfach nicht genug.“

Ich verdrehte die Augen. Sie beharrt schon lange darauf, dass ich meine Cousine Emery nach einem Bürojob in der Agentur frage, für die sie arbeitet. Sie ist Anwältin bei einer der größten Kanzleien im Süden Kaliforniens.

„Mom, ich will nicht mit Emery arbeiten. Ich hasse es, Anzüge und so einen Kram zu tragen“, murmelte ich und rümpfte angewidert die Nase. Ich würde sterben, bevor ich mich in eine Stoffhose oder, noch schlimmer, einen Bleistiftrock zwänge.

„Ich verstehe einfach nicht, wie wir Mutter und Tochter sein können. Du bist völlig anders als ich. Du musst nach deinem Vater kommen“, sagte sie enttäuscht.

Und da haben wir es. Sie ist enttäuscht von mir, und gleich wird sie eine Tirade über mein Leben und meine Zukunft halten. Darüber, dass ich keinen Freund habe, weil ich zu fett bin.

„Mom –“

„Ich könnte ewig darüber reden, was du in deinem Leben alles falsch machst, aber deswegen rufe ich nicht an“, unterbrach sie mich. Ich kann ihre Aufregung förmlich durch das Telefon spüren.

„Süße, pack deine Koffer.“

„Was?“ Meine Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen.

„Weil wir nach Spanien fliegen!“, quiekte sie, und ich konnte mir vorstellen, wie sie vor Freude auf der Stelle hüpfte.

„Äh...“, antwortete ich. Sie war begeistert, aber ich konnte nur daran denken, wo zur Hölle ich das Geld hernehmen sollte, um in ein fremdes Land zu reisen.

„Deine Cousine Emery heiratet und die Hochzeit findet in Spanien statt. Sie haben uns eingeladen! Weißt du, wie aufregend das wird? Stell dir all die Geschäfte und Orte vor, die wir sehen können“, fuhr sie fort, ohne eine Pause zu machen.

Sie redete ein paar Minuten über die Hochzeit und alle Pläne. Ich schaltete gedanklich immer wieder ab und murmelte gelegentlich „Cool“ oder „Krass“, damit sie glaubte, ich würde zuhören. Ehrlich gesagt werde ich nicht hingehen, aber ich lasse meine Mutter ihre Freude genießen, bevor ich ihr die Neuigkeit überbringe.

Nach ein paar Minuten fragte meine Mutter: „Hörst du mir überhaupt zu?“

„Cool“, antwortete ich.

„Ryleigh Helen Friedman“, fuhr meine Mutter mich an.

„Was?“ Jetzt hatte sie meine volle Aufmerksamkeit. Wenn sie den vollen Namen benutzt, ist Schluss mit lustig.

„Du hast nicht aufgepasst, oder?“, beschuldigte sie mich.

„Natürlich habe ich das“, log ich, aber meine Mutter kannte mich zu gut. Verdammt, sie hat mich schließlich zur Welt gebracht.

„Du fliegst mit, und da gibt es nichts dran zu rütteln“, bestätigte sie, und damit war meine Hoffnung dahin. Wenn meine Mutter sich etwas in den Kopf gesetzt hat, konnte man sie nicht mehr umstimmen.

„Na ja, ich habe das Geld nicht“, schob ich als Ausrede vor.

„Darum haben dein Vater und ich uns schon gekümmert“, konterte sie meine Ausrede mühelos. Mein Leben ist vorbei. Mein Vater arbeitete für eine Softwarefirma. Er war Softwareentwickler und verdiente ziemlich gut.

„Aber –“

„Du fliegst mit.“

Diese Worte verfolgten mich den Rest meiner Schicht und auf dem ganzen Heimweg. Ich stieg die zwei Stockwerke zu meiner Wohnung hoch und suchte in meiner Tasche nach meinen Schlüsseln. Als ich sie endlich fand und den Schlüssel ins Schloss stecken wollte, hörte ich eine männliche Stimme die Treppe heraufkommen.

„Ja, ich habe heute drei Schichten gemacht. Ich weiß nicht, Mann. Ich bin völlig fertig.“ Axel kam um die Ecke. Er kicherte ins Telefon und machte einen Witz gegenüber demjenigen, mit dem er sprach.

Auf halbem Weg durch den Flur bemerkt er mich. Er hob die Hand zum Gruß. Ich winkte zurück, bevor ich meinen Schlüssel ins Schloss steckte.

„Hey, hör zu, ich ruf dich zurück. Ja, ich meine es ernst. Ich ruf dich an. Mach dir keinen Kopf, Mann.“ Die andere Person muss etwas gesagt haben, denn er lachte wieder. „Fuck you, Javier. Wir sehen uns morgen.“

Ich drehte mich um und sah, wie er auflegte und auf mich zuging. Selbst wenn Axel geduscht hat, rieche ich manchmal noch den Rauch. Er ist Feuerwehrmann und arbeitet meistens sehr lange Schichten.

„Wie war dein Tag, Hermosa (Schöne)?“, fragte er mit rauchiger Stimme. Er musterte mich von oben bis unten, zwinkerte mir zu und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen meinen Türrahmen.

„Beschissen“, murmelte ich, bevor ich den Schlüssel endlich ins Schloss rammte. Die Worte meiner Mutter kamen wieder hoch und verfolgten mich.

Axel grinste: „Wie wäre es, wenn ich deinen Tag besser mache? Wenn du mich reinlässt, mache ich dir meine berühmten Zimt-Churros.“

„Hast du nicht gerade gesagt, dass du müde bist?“, fragte ich, da ich sein Telefonat gehört hatte, als er die Treppe heraufkam.

„Für dich, Hermosa, kämpfe ich sogar gegen den Schlaf an, nur um dich glücklich zu machen“, sagte er geschmeidig.

Ich kicherte über seine dämlichen Anmachsprüche. Ich kenne Axel, seit ich in diese Wohnung gezogen bin. Am Anfang sahen wir uns wegen seiner unregelmäßigen Arbeitszeiten kaum. Wenn wir uns doch mal trafen, hatte er immer eine Frau um sich oder man hörte sie auf der anderen Seite der Wand vor Vergnügen stöhnen. Ja, wenn man hier zur Miete wohnt, kriegt man so ziemlich alles mit, was beim Nachbarn abgeht.

Axel und ich wurden Freunde, als ich versuchte, mir etwas zu kochen. Am Ende stand meine Küche in Flammen. Er hörte mich schreien und wie ich versuchte, das Feuer mit einem Handtuch zu löschen. Als er meine Vordertür eintrat, half er mir, das Feuer zu ersticken.

Er nannte mich verrückt. Ich hustete wie verrückt und er riss schließlich die Fenster auf, um mir frische Luft zu verschaffen. Nachdem ich ihm erzählt hatte, was ich da gerade gemacht hatte, murmelte er ein paar Flüche vor sich hin, verschwand in seiner Wohnung und kam kurz darauf mit Essen zurück, das er gemacht hatte.

Seitdem bringt er mir immer Essen vorbei, bevor er zur Arbeit geht. Wenn ich ihn frage, warum er für mich kocht, sagt er immer, es sei nicht, weil ich so besonders wäre. Er hätte nur Reste und wollte nicht, dass ich seine Wohnung abfackele, während er weg ist.

Es dauerte nicht lange, bis wir beste Freunde wurden.

Ich öffnete meine Tür und bedeutete ihm, einzutreten. Wenn er mir schon was zu essen macht, werde ich mich nicht beschweren. Essen macht mich glücklich. Essen ist Leben.

Ich ließ mich auf einen Stuhl am kleinen Küchentisch fallen und sah ihm dabei zu, wie er meine Töpfe hervorkramte und in den Vorratsschränken nach Zutaten suchte.

„Also, wirst du mir erzählen, was passiert ist?“, fragte er, ohne bei der Arbeit aufzublicken. Er knetete den Teig im Handumdrehen zusammen.

„Meine Mom will, dass ich mit ihnen nach Spanien fliege“, murmelte ich unglücklich.

Er blickte kurz auf, um mich anzusehen: „Und?“

„Es ist die Hochzeit meiner Cousine Emery. Ich weiß, dass es dort die Hölle wird. Mein ganzes Leben lang habe ich nichts als Emery und mich gehört. Meine Mutter liebt es, uns zu vergleichen. Emery ist das komplette Gegenteil von mir“, erklärte ich.

„Warum juckt es dich, was sie denkt?“, fragte Axel, während er etwas Öl in eine Pfanne goss.

„Tut es nicht, aber ich will mir das Gelaber auch nicht anhören“, sagte ich zu ihm.

„Also hat Cousine Emery es besser, laut deiner Mom“, sagte Axel, und ich nickte.

„Sie ist Anwältin mit einem verdammt heißen Körper. Sie ist wie eine verdammte Barbie, während ich eine Kack-Puppe bin“, beschrieb ich es.

Er lachte, und seine schokobraunen Augen funkelten amüsiert. Er begann, den Teig ins heiße Öl zu spritzen.

„Wenn du nicht hinwillst, dann geh nicht“, antwortete er einfach.

Ich spottete: „Meine Mutter ist niemand, mit dem man es sich verscherzen will. Ich kann nicht Nein sagen. Ich muss da hin.“

Er nahm die Zange und beobachtete, wie der Teig anfing zu backen. Sein Rücken war mir zugewandt, und ich sah, wie sich sein schmutziges weißes T-Shirt über seinem muskulösen Rücken spannte. Axel war groß und sexy. Seine Stimme hatte immer einen fremdländischen Akzent, wenn er sprach. Er war tief und rau.

„Dann geh hin, aber scheiß drauf, was irgendwer denkt. Und wenn sie anfangen, Scheiße zu reden, dann verzieh dich in dein Zimmer“, sagte er lässig. Er holte die fertigen Churros aus dem Fett und ließ sie auf einem Küchentuch auf dem Teller daneben abtropfen.

„Ja, genau. Ich soll einen ganzen Monat da bleiben, und ganz zu schweigen davon, dass meine Mutter mich wahrscheinlich mit irgendeinem reichen Freund von Emery verkuppeln will. Ich kann es jetzt schon sehen. Sie wird versuchen, mich wie Vieh zu verkaufen“, jammerte ich und schlurfte regelrecht zu den Churros, die er mit Zucker und Zimt bestreut hatte. Ich nahm einen, aber er war zu heiß. Ich ließ ihn auf den Teller fallen und zischte vor Schmerz.

„Was zum Teufel soll ich nur mit dir machen, Frau? Grundregel im Leben: Fasse nichts Heißes an, sonst verbrennst du dich“, betonte er den letzten Teil, als würde er mit einem Kleinkind sprechen.

„Halt die Klappe“, ich klatschte ihm auf die Schulter, bevor ich mir den leckeren Teller Churros schnappte und zum Esstisch ging.

Er folgte mir und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Küchenwand.

„Ich hab eine Idee“, sagte er.

Ich nahm langsam wieder einen Churro und überraschenderweise war er nicht mehr zu heiß. Ich steckte mir das warme, frittierte Gebäck in den Mund und kaute darauf herum, während ich ihn fragend ansah.

Der Mundwinkel zuckte schelmisch: „Wie wäre es, wenn ich mitkomme?“

Ich verschluckte mich an dem Dessert, hustete einige Sekunden lang, schluckte schwer und sah ihn an, um herauszufinden, ob er das ernst meinte.

„Du machst Witze, oder?“, fragte ich nach ein paar Minuten.

Er zuckte mit den Schultern: „Ich wollte schon immer mal reisen und die Arbeit war stressig. Ein Urlaub käme mir ganz gelegen, und Spanien klingt gar nicht so schlecht. Ich könnte mit dir kommen und sogar so tun, als wäre ich dein Freund, um die potenziellen Kandidaten deiner Mutter abzuwehren. Und wenn die Leute anfangen, Scheiße zu reden, bin ich dein Schutzschild.“

Ich aß meinen zweiten Churro, während ich darüber nachdachte. Ganz ehrlich, das war gar keine so schlechte Idee. Axel Rodriguez, der mit mir nach Spanien fliegt. Was könnte da schon schiefgehen?