LUNCH DATE
Vor 5 Wochen
Ich rücke die plissierten Ärmel meines Pullovers zurecht und verlagere mein Gewicht auf dem Samtsofa, während ich auf Avas Antwort warte. Der weiche Stoff schmiegt sich an mich und gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit, während in mir die Unruhe wächst.
„Wie läuft die Suche?“, weicht Ava aus und nimmt einen riesigen Bissen von ihrem Croissant. Das Gebäck blättert, als ihre Zähne durch die goldene Kruste schneiden. Meine Lippen zucken, als ich sehe, wie ihre warmen braunen Augen vor Genuss aufleuchten. Gutes Essen ist fast so gut wie guter Sex!
„Ava?“, tadle ich sie. Ich weiß genau, dass sie absichtlich das Thema wechselt – eine Taktik, die sie oft anwendet, wenn sie einer Antwort ausweichen will.
„Im Ernst“, fährt sie fort, während sie weiter kaut, „lass uns ein bisschen über dich reden, dann erzähle ich dir von meinem Date mit Liam morgen Abend.“
Ich schlage ihr auf das Bein, was ihr einen bösen Blick entlockt, aber scheiß drauf. Ich weiche nicht zurück. Sie ist eine Meisterin der Manipulation, nur noch von einer anderen Person übertroffen. Ich beschließe, es gut sein zu lassen, wenn ich daran denke, was sie durchgemacht hat. Fürs Erste kann ich nett sein. „Ungerecht, Ava, du spielst falsch.“ Ich schmolle und betone das Wort „falsch“.
„Das weißt du doch“, lächelt sie zurück. Ihr Grinsen erreicht ihre Augen, und ich kann sehen, wie ein Teil ihres alten Funkelns zurückkehrt.
Ich nehme mir einen Moment Zeit, sie wirklich anzusehen, und zucke innerlich zusammen, als ich sehe, welche Spuren das Erlebte bei ihr hinterlassen hat. Ihr eigentlich so frischer Teint ist nun fahl und erschöpft, und dunkle Ringe liegen unter ihren Augen. Sie schläft immer noch nicht.
Es ist eine Woche her, seit ich sie auf der Autobahn gefunden habe – voller Panik, dehydriert und absolut fertig. Wenn das Arschloch nicht schon tot wäre, würde ich ihn persönlich aufspüren und ihm eine Kostprobe seiner eigenen Medizin geben. Angefangen bei seinem Schwanz, der Mistkerl... Grrrr, VERDAMMT!!!
Ich atme tief durch, nehme mein dunkles Haar zur Seite und zwirble die Enden. „Immer noch nichts. Man sollte meinen, sie hätten meine Akten längst freigegeben, aber Informationen von den Sisters of Sacred Mercy zu bekommen, ist wie Zähneziehen – verdammt schmerzhaft.“
Ich meine, wie schwer kann das sein? Ich kannte meine leiblichen Eltern nie. Meine früheste Erinnerung ist, wie die Nonnen mich für das Zeigen von Gefühlen bestraften, bevor mich meine Ausbilder abholten, als ich noch ein Kind war. Davor existieren keine Erinnerungen, und niemand war in der Lage oder gewillt, mir zu sagen, warum.
Die Suche nach meiner Herkunft hat Priorität. Die Petrovs, meine Ausbilder, waren schon immer dagegen, dass ich meine Vergangenheit erforsche. Aber da mir die Zeit davonläuft, muss ich sie finden.
„Wie auch immer“, füge ich hinzu und erinnere mich an mein letztes Gespräch mit der Verwaltung, „sie sagten, ich sollte die Unterlagen innerhalb der nächsten Wochen bekommen. Aber hey, es sind 28 Jahre vergangen. Was machen da schon weitere 30 Tage?“ Ich versuche, es locker klingen zu lassen, aber innerlich koche ich vor Frust wegen der Verzögerung.
„Was ist mit Geoff?“, fragt Ava und versucht weiterhin, das Thema bei mir zu lassen.
Geoff? Oh, fuck. „Hmmm“, antworte ich und versuche mir eine glaubhafte Ausrede für das mit Geoff einfallen zu lassen.
„Hmmm?“, erwidert sie und zieht eine ihrer hellbraunen Augenbrauen hoch.
Verdammt, ich brauche Zeit, um... „Na ja, weißt du, hmmm“, biete ich an und suche immer noch nach den richtigen Worten.
„Also, kein Geoff mehr!“, schließt sie, kichert und nimmt einen weiteren Bissen von ihrem Croissant.
Danke. Ich murmele es leise vor mich hin. Ava denkt wahrscheinlich, Geoff sei nur eine meiner Betthupferl. Ich hasse es, sie anzulügen, aber ich möchte nicht, dass sie in diesen Teil meines Lebens hineingezogen wird.
Ich lasse sie in dem Glauben, dass ich immer noch eine Männerfresserin bin, zupfe an meinen Fingernägeln und setze einen gelangweilten Gesichtsausdruck auf. „Das würde ich nicht sagen. Ich stehe nur nicht so auf ihn.“
Ava kichert wieder und tätschelt meinen Oberschenkel. „Vielleicht solltest du mal mit Angela über deine Bindungsängste sprechen.“
Ich ignoriere sie. Ich brauche keinen Therapeuten, der mir sagt, dass ich Probleme habe. Das weiß ich selbst. Ich winke Gerald zu, damit er mein Glas auffüllt, und lenke das Gespräch zurück auf sie. „Okay, Schlampe, du bist dran. Spuck’s aus!“
„Also, ich habe mich endlich dazu durchgerungen, mir seine Nachrichten anzuhören.“
Ah, Liam, der gutaussehende Nicht-Entführer. „Wurde auch Zeit“, ziehe ich sie auf. Ich glaube zwar nicht, dass Ava sich jetzt schon auf etwas einlassen sollte, aber wenn Liam sie glücklich macht, unterstütze ich das voll und ganz – besonders, weil ich nur noch begrenzt Zeit habe, um auf sie aufzupassen.
„Willst du den Klatsch hören oder nicht?“, brummt sie, während wir unsere neuen Drinks von Louise entgegennehmen, einer von Geralds Bedienungen. Ich nicke Ava zu, sie soll weitermachen.
„Okay, also habe ich mir die Nachrichten angehört. Sie waren gar nicht so schlimm, wie ich dachte.“
Was? Nein, ich meine, klar! „Habe ich doch gesagt.“ Ava kann gegenüber Männern schüchtern sein, selbst vor dem Überfall. Ich schwöre, ich habe mich manchmal gefragt, ob ihre Vagina überhaupt funktioniert.
Sie starrt mich böse an, verschränkt die Arme vor der Brust und seufzt: „Okay, Entschuldigung, Mutti, ich werde mich benehmen.“ Sie nimmt einen Schluck aus ihrer frischen Tasse und erzählt weiter. Gott, ich hasse es zu warten! Warum können die Leute nicht zum Punkt kommen? Ich mag die Kurzfassung von Gesprächen, aber andere wollen mir den ganzen verdammten Film mit erweiterten Szenen geben. Okay, ich bin ungeduldig, manchmal. Okay, vielleicht die ganze Zeit.
„Wie auch immer“, schnauft Ava, „er war einfach nur in Sorge um mich, von irgendwelchen Dingen, du weißt schon... hat er nichts erwähnt. Er hat allerdings erwähnt, dass der dritte getötete Mann dieser Widerling Russell war.“
„Derjenige, der dich auf dem Parkplatz angegriffen hat?“, frage ich. Noch so ein Arschloch, von dem ich froh bin, dass es nicht mehr atmet. Im Ernst, warum glauben manche Männer, sie hätten Rechte über den Körper einer Frau?
Ava nickt. „Ja, im Ernst Erin, ich muss immerzu daran denken, dass mein Entführer derjenige war, der mich in jener Nacht gerettet hat, und... Gott, ich will gar nicht darüber nachdenken, ob er involviert war.“ Vielleicht ist Mr. Kidnapper gar nicht so böse.
Seufzend nimmt sie noch einen Schluck und hält ihre Tasse fest wie einen Rettungsring. „Also, wie auch immer, ähm, Liam hat vielleicht erwähnt, dass er morgen in der Nähe ist und mich zum Abendessen ausführen wollte, und ich habe ja gesagt.“
Ich klatsche in die Hände und jubele. „Wo? BITTE sag mir, dass er zu dir nach Hause kommt???”
Sie schaut auf ihren Kaffee, grinst und nickt.
„Verdammt ja, so ist meine Kleine.“ Es bricht mir das Herz zu wissen, dass ich sie in diese potenzielle Beziehung dränge, aber Ava braucht jemanden in ihrem Leben.
„Hey, hast du eine Antwort von den Murphys bekommen? Ich glaube wirklich nicht, dass sie sich für den Zustand der Hütte interessieren werden“, frage ich und erinnere mich endlich daran, nachzuhaken.
„Nein, immer noch nichts.“ Ein Anflug von Schuldgefühl huscht über ihr Gesicht, bevor sie den Kopf ganz leicht hängen lässt. Nachdem sie ihrem Angreifer entkommen war, der sie mehrere Tage in der Hütte ihrer Familienfreunde gefangen hielt, hat Ava mehrfach versucht, die Besitzer zu kontaktieren, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie ihr Ferienhaus in diesem Zustand hinterlassen hat, aber ich glaube, sie sind immer noch im Ausland. Sie hat auch kategorisch abgelehnt, dorthin zurückzukehren, um ihre Sachen zu holen, und ich mache ihr absolut keine Vorwürfe.
„Na ja, du solltest dir keine Sorgen machen. Die Murphys lieben dich, und wer würde das nicht? Ich meine, du hast mich als beste Freundin“, sage ich grinsend in der Hoffnung, ihre Sorgen etwas zu lindern.
Sie lacht über meinen Kommentar und geht ihre Pläne für morgen Abend durch – was sie kocht, was sie anziehen will, usw.
Abgelenkt von ihrem lebhaften Geplauder schaue ich auf meine Uhr, um die Zeit zu prüfen, und fluche innerlich über mich selbst, bevor ich aufstehe. „Scheiße, ich muss los, chica“, sage ich zu ihr, schnappe mir meine Tasche und klopfe mir Krümel ab, die sich möglicherweise in meiner Kleidung festgesetzt haben.
„Habe ein Meeting mit den Burnsteins, um ihren Vorschlag für ihre letzten Standorte durchzugehen, und ja, ich kümmere mich für dich um sie.“ Ich lüge, wohlwissend, dass sie mein Wort akzeptieren und nicht nach weiteren Details fragen wird.
Als ich sehe, wie wieder Schuldgefühle in ihrem Gesicht aufsteigen, trete ich mir innerlich selbst in den Hintern. Ich weiß, sie wird sich die Schuld für mein plötzliches Verschwinden geben und dafür, dass ich ihr mehr Zeit bei der Arbeit wegnehme. Ich hätte das besser handhaben sollen. „Hör auf damit“, tadle ich sie und schalte in den Schadensbegrenzungsmodus. „Du hast diese Zeit verdient, Ava, und es ist ja nicht so, als wäre ich super beschäftigt.“ Okay, dieser Kommentar ist größtenteils wahr. Der Großteil meiner Aufgaben besteht darin, wichtige Kunden zu bekochen und zu unterhalten, was der professionelle Begriff dafür ist, sich um die Community meiner Familie zu kümmern.
Ich schaue auf sie hinunter und lächle: „Jetzt, wo deine großen Upgrades abgeschlossen sind und das nächste große Projekt erst in sechs Monaten startet, genieße die Zeit. Ich würde es auf jeden Fall tun, wenn ich du wäre!“ Da ich weiß, dass meine Zeit bei Protech zu Ende geht, füge ich hinzu: „Eigentlich nehme ich mir vielleicht selbst etwas frei, sobald das Burnstein-Projekt abgeschlossen ist. Und bei all deiner Vorarbeit sollte es bis Ende der Woche erledigt sein.“
Ava nickt, steht auf und schlingt ihre Arme um mich. Ihr Duft nach Vanille und Jasmin wärmt mich von innen, als ich sie einatme. Ich tätschle ihren Rücken, bevor ich sie loslasse, und zwinkere ihr zu. „Ich komme am Sonntagnachmittag vorbei, dann kannst du mir alles erzählen, aber schreib mir eine SMS, wenn du nicht allein bist. Ich würde ungern stören.“
Zu sehen, wie das Lächeln in ihr Gesicht zurückkehrt, wärmt mein Herz. Ava ist meine einzige echte Freundin. Meine einzige Familie, oder zumindest die einzige, die mir am Herzen liegt. Zu wissen, dass es ihr gut gehen wird, macht das, was ich tun muss, erträglicher. Ich drehe mich um und gehe auf Gerald zu, der vor dem Ausgang wartet, um mich zu umarmen. Er zieht mich eng an sich, seine massiven Arme umschließen mich, während er mir ins Ohr flüstert: „Etwas knapp geworden, Kleine? Du weißt, er wird nicht erfreut sein, wenn du zu spät kommst.“
Seufzend lasse ich los und trete einen Schritt zurück. Gerald ist ein weiteres Mitglied der Community meiner Familie, einer der wenigen, die ich tolerieren kann. Ich kenne ihn und seine Partnerin, seit ich eine Petrov geworden bin, und habe in seinem Café Zuflucht gesucht, wann immer ich dem Leben entfliehen musste.
Ich drücke seine Schulter, als ich mich abwende, und forme mit den Lippen: „Ich weiß.“ Ich drehe mich um, verlasse das Tin Cup und gehe auf mein kleines rotes Auto zu, ein Geschenk von... Ich schaudere bei dem Gedanken, wie ich ihn nennen soll. Wie dem auch sei, ich liebe mein Auto, und wenn ich schon mit dem Teufel spielen muss, kann ich die Reise in die Hölle wenigstens genießen.
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Ich halte am Parkservice vor L’obscurité, dem neuen 5-Sterne-Franzosen, von dem in der ganzen Stadt alle schwärmen. Ich prüfe mich ein letztes Mal im Rückspiegel, lächle meinem Spiegelbild zu und trage eine weitere Schicht meines liebsten roten Lippenstifts auf. Es ist meine persönliche Rüstung, und ich lasse mir Zeit, um sicherzustellen, dass er perfekt sitzt, bevor ich aussteige.
Ich werfe einem leicht überforderten, jungen Parkservice-Mitarbeiter mit Babyface meine Schlüssel zu, sage ihm, er soll vorsichtig mit Lola sein – ja, mein Auto hat einen Namen – und gehe hinein. Ich kann spüren, wie seine Augen auf meinem Hintern kleben, als ich weggehe, was dazu führt, dass einige ungeduldige Gäste in ihren Autos hupen.
Ich ignoriere den Trubel und lasse meine Vorzüge spielen, während mich eine reizende Rothaarige am Empfang begrüßt.
„Reservierung?“, fragt der Gastgeber mit professioneller und freundlicher Stimme.
„Erin Petr“, beginne ich, doch er erstarrt sofort und schluckt schwer.
„Ihr Tisch ist bereit, Ma’am“, stammelt er fast und signalisiert einem seiner Mitarbeiter, mich auf den privaten Balkon zu begleiten.
Ich bedanke mich und knurre innerlich. Ich weiß genau, wer ihre Nervosität verursacht.
Ich folge meiner kleinen brünetten Führerin mit dem herzförmigen Gesicht und den tollen Kurven und schmunzle, während wir durch das moderne, schicke Restaurant mit Blick auf den Lawson River gehen. Die Einrichtung ist eine Kombination aus dunklem Holz, glattem Leder, unverputzten Ziegelwänden und strahlend weißen Tischdecken. Das Gebäude, in dem sich L’obscurité befindet, ist atemberaubend und eine erstklassige Immobilie. Ich seufze, wohlwissend, dass dies ein weiteres seiner kleinen Projekte ist.
Das junge Mädchen räuspert sich, ihre Nervosität ist offensichtlich, und sie öffnet die verglasten Flügeltüren, um mich auf einen Balkon zu führen. Die Hostess dreht sich zum Fluss hin und weist mich auf einen Einzeltisch hin. Ich beschließe, sie aus ihrem Elend zu erlösen und sage ihr, dass ich von hier aus zurechtkomme, bevor ich auf den leeren Platz zugehe, der auf mich wartet.
Ich weiß, dass ich Ärger habe, noch bevor ich mich auf das weiche, schokoladenbraune Leder setze. Aber andererseits habe ich immer Ärger. Ich neige dazu, ihn mit meinen Taten zu verärgern. Aber im Moment, solange ich noch frei bin, habe ich vor, das Beste daraus zu machen.
„Du bist spät dran“, tadelt er mich mit seiner kräftigen Stimme, während er die Zeitung, die er gerade liest, beiseitelegt. Ich bemerke seine großen, behandschuhten Hände, die das Papier ordentlich zusammenfalten und auf den Tisch legen.
„Ich war beschäftigt“, antworte ich, ohne mir die Mühe zu machen, eine weitere Erklärung abzugeben. Er weiß GENAU, wo ich war und was ich getan habe. Er hat überall Spione, und ich kann nicht einmal kacken gehen, ohne dass einer von ihnen es meldet, um bei ihm zu punkten.
Er hebt ein sauberes Glas Whiskey an seine weichen Lippen, schluckt die bernsteinfarbene Flüssigkeit – wie üblich pur – und stellt das leere Glas wieder ab. „Prinzessin, du strapazierst meine Geduld.“
Ich schmolle. „Jemand muss die Dinge für dich interessant halten. Sonst, was wäre der Sinn davon, all deine kleinen Spione zu haben?“, kontere ich. Ich mag keine Kontrolle über meine Zukunft haben, aber ich kann immer noch kontrollieren, was ich sage.
Er lacht, und seine perfekt geraden weißen Zähne blitzen auf. Er legt den Kopf in den Nacken, und seine auffälligen blauen Augen funkeln im warmen Sonnenlicht. „Du amüsierst mich, мой маленький спитфайр“, antwortet er und fährt sich mit einer in glattes Leder gehüllten Hand durch das wellige dunkle Haar. „Nun, ist das eine Art, seinen Verlobten zu begrüßen?“
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