PROLOGUE
Tate
Meine Augen huschten durch die Hotellobby. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas sah nicht richtig aus, aber was? Ich wollte, dass alles perfekt war – nein, besser als perfekt. Es musste makellos sein, einfach spektakulär. Obwohl mein Hotel nur die absolute Elite beherbergte, wollte ich, dass die Bewertungen glänzend ausfielen. Parker Ryan, der gefeierte Reisejournalist und Hotelkritiker, durfte auf keinen Fall enttäuscht werden.
Er sollte alles bekommen, was sein Herz begehrte.
Und falls ich dabei zufällig einen neuen Freund finden würde, umso besser.
Mein Therapeut meinte, ich sei einsam und müsse Freunde finden.
Ich war mir nicht sicher, ob ich das so sah, aber was soll’s.
Ich war viel zu beschäftigt, um einsam zu sein. Meine Tage waren voll ausgefüllt. Es lag in meiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass meine Gäste glücklich waren und mein Personal bestens versorgt wurde.
Es ist unmöglich, Freunde zu finden oder einsam zu sein, wenn man der Big Kahuna ist und achtzig Stunden pro Woche arbeitet.
Für beides hatte ich keine Zeit.
Ich hatte arrangiert, dass Mr. Ryan in der luxuriösesten Villa wohnen würde: der Präsidentenvilla. Er würde tägliche Massagen bekommen, Hochseefischen mit unserem besten Guide, eine Wanderung zum Belvedere Lookout bei Sonnenaufgang, Dinner am Tisch, serviert vom Chefkoch, und wenn er Lust hätte, Speerfischen, Parasailing und Fallschirmspringen – mit mir höchstpersönlich.
Ja, alles musste perfekt sein.
Ich musste Parker Ryan beeindrucken, und zwar gewaltig.
Es spielte keine Rolle, dass mein Resort einer der begehrtesten Urlaubsorte der Welt war und sich nur das eine Prozent der Elite den Aufenthalt hier auf dem tropischen Inselparadies Moorea leisten konnte; ich hatte noch andere Häuser, und die brauchten ebenfalls mehr Aufmerksamkeit.
Wenn Parker Ryan also hierher nach Moorea kommen wollte, um mich zu interviewen, dann würde er von vorne bis hinten wie ein Star behandelt werden.
Er durfte nur keine Fotos von mir machen.
Ich starrte weiterhin auf das gerahmte Gemälde eines tropischen Sonnenuntergangs, das über einigen Korbsesseln hing. Irgendetwas stimmte nicht; irgendwo gab es einen Makel.
Ah!
Es hing schief.
Ich eilte hinüber und rückte es gerade, dann bemerkte ich etwas Staub auf dem Rahmen. Ich nahm das Taschentuch aus meiner Brusttasche und fing an, zu putzen.
Während ich vor mich hin murmelte, machte ich mich daran, den gesamten Sitzbereich abzustauben.
„Das ist verdammt nochmal nicht mein Job. Wo bleibt der Zimmerservice?“ Wahrscheinlich erledigten sie gerade woanders ihre Arbeit; sie würden schon noch zu diesem Raum kommen. Sofort schalt ich mich für diesen Gedanken.
Mein Personal war eigentlich fantastisch, und ich hatte keinen Grund, mich zu beschweren.
Die Nervosität machte mir zu schaffen. Ich hatte noch nie zuvor einem Interview zugestimmt, und es stresste mich enorm. Ich war stolz darauf, unter dem Radar zu bleiben und mich aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Ich wahrte eine Anonymität, die den meisten Menschen mit meinem Vermögen schwerfiel.
Ich könnte jetzt in jede Bar der Welt gehen, und niemand würde wissen, wer ich bin – niemand würde wissen, dass ich Tate McAllister bin, ein Milliardär und Hotelmagnat. Und genau so sollte es auch bleiben.
Ich warf einen Blick auf meine Uhr, während ich weiter putzte und verzweifelt versuchte, einen Fleck auf der Glasplatte des Beistelltischs wegzureiben. Keine Flecken. Es durfte keine Flecken in der Bewertung meines Hotels geben, absolut keine.
Scheiße, es war fast so weit. Mr. Ryan würde jeden Moment hier sein. Verdammt noch mal!
Ich hob den Kopf vom Glas und war wie vom Schlag getroffen.
Eine Erscheinung.
Sie sah aus wie ein rothaariger Engel, umgeben von einem ätherischen Lichtkranz, als sie durch die offene Tür hereinspazierte.
Die warme Brise erfasste den Saum ihres Rocks und ließ ihn hinter ihr wie einen elfenbeinfarbenen Schleier flattern, während dunkle, karmesinrote Locken bei einem plötzlichen Windstoß hochgewirbelt wurden und wie ein Feuerbogen um ihren Kopf tanzten.
Sie versuchte halbherzig, ihre wilde Mähne zu bändigen, gab es aber schließlich auf, als ihre Bemühungen zwecklos blieben.
Als sie weiter in die Lobby trat und aus dem hellen Sonnenlicht herauskam, überkam mich plötzlich Panik.
Ihr Gesicht war fast so rot wie ihre Haare, und ihre Augen brannten vor etwas, das man nur als rasende, siedend heiße Wut bezeichnen konnte.
Ohne nachzudenken, eilte ich auf sie zu. „Hallo und herzlich willkommen im The Windward Hibiscus Hotel. Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“
Blaue Augen, so klar wie der Ozean vor der Tür, blitzten mich voller Feuer an … und noch etwas anderem.
„Ja!“, schnaubte sie und hob ihre perfekte kleine, sommersprossige Nase ein Stück in die Luft. „Du kannst mich in den nächsten Besenkammer-Schrank zerren und mich so richtig durchficken.“









