Untold Stories of a Galaxy - Kysaek: Der Anfang

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Summary

Ehrenhaft und rühmlich, Botschafter der Menschheit, Verteidiger und Held der Allianz: Das alles repräsentiert Elaine Kysaek nicht! Was bewache ich eigentlich? Das ist die spannendste Frage, die sie sich hin und wieder stellt, während sie ihren Dienst bei einem riesigen Privatunternehmen verrichtet und um sie herum eine lebhafte, wenn auch angeschlagene Galaxie existiert. So viele Welten, so viele verschiedene Lebensformen und intelligente Lebewesen, die die Menschheit seit ihrem Aufstieg zur interstellaren Spezies entdeckt und mit denen zusammen sie im schlimmsten Krieg gegen das bisher größte Unheil gekämpft hat. Fast fünfzig Jahre ist jener Krieg her - eine Zeit, die Kysaek bloß aus Geschichten kennt. Sie dagegen lebt in einer friedlichen Gesellschaft. In einer so enormen Galaxie werden jedoch ständig neue Kapitel geschrieben und bald schon wird Kysaek ihre eigenen Seiten zu dieser Geschichte beitragen.

Status
Complete
Chapters
72
Rating
5.0 4 reviews
Age Rating
18+

PGI - Eifriger Dienst

Gras raschelte, wie es nur durch Bewegungen verursacht werden konnte. Hastige, stampfende Schritte mischten sich dazu und verrieten, dass der Boden fest war. Schattenhaft huschte eine Gestalt durch das Grün. Eine zweite folgte, eine dritte und vierte. Sie alle hatten eines gemeinsam – alle waren Menschen und trugen die Hightech-Elitepanzerungen der Ranger. Wer dieser Truppe angehörte, zählte zu den Besten der Galaxie und das war auch nötig, denn Ärger haftete an ihren Fersen. Fiepende Energieschüsse hallten durch die Luft und Granaten explodierten um die Ranger herum.

Nacheinander riefen sich die Männer und Frauen zu:

»Bewegung, Bewegung!«

»Wir sind direkt hinter Ihnen, Captain.«

»Vorsicht, Feind rückt vor!« Der Captain deutete auf eine Reihe grauer Steinbrocken. »Stellung hinter diesen Felsen beziehen!«, befahl er und stachelte seine Soldaten an. »Räumen wir sie aus dem Weg!«

Gemeinsam erwiderten die übrigen Ranger: »Jawohl!«, und alle sprangen und rollten sich zu den dicken Steinen. Noch währenddessen wurden die Sturmgewehre gezückt und auf die Deckungen gelegt.

Gebannt starrte die Gruppe zum Horizont, zu einer Lichtung voll schmächtiger Bäume. Zwischen jenen tauchte eine Meute lumpiger Söldner auf. Sie bestand aus Menschen und Galig, den amphibischen Bewohnern des von Wasser dominierten Planeten Aran, und sie trugen, so wie es für ihre Spezies üblich und nötig war, ihre das Gesicht verhüllenden Glasmasken.

Beeindruckt waren die Ranger nicht, als sie ihre Waffen entsicherten und sich spöttisch austauschten. »Ich hasse diesen Abschaum ...«

»Keine Sorge, die erledigen wir.«

»Wir sind die Elite!«

Der Kampf stand bevor und wurde vom vereinten Ruf der Gruppe eingeleitet. »WIR SIND DIE RANGER!« Gemeinsam entfesselten sie alle ihre Feuerkraft und der fielen schnell einige Vagabunden zum Opfer.

Es war ein stümperhaftes Vorgehen der Vagabunden, aber selbst als diese ihre Taktik änderten und hinter einer dichten Baumreihe Schutz suchten, war das nur ein vergeblicher und fataler Fehler. Die durchschlagkräftigen Schüsse der Ranger durchschlugen das Holz und rafften Söldner um Söldner dahin, bis nur noch wenige am Leben waren. Verzweifelt suchten die Überlebenden ihr Heil in der Flucht und verschwanden im Nebel der Zerstörung.

»Feuer einstellen!«, befahl der Captain mit einem entsprechenden Handzeichen dazu.

Knarzend barsten die beschädigten Bäume, während sie von dunklen Qualm umweht wurden und winzige Feuer auf ihrer Oberfläche und um sie herum glimmten.

Dieser Anblick war ausgesprochen zufriedenstellend für den Captain. »Und wieder einmal haben wir gesiegt!«

»Haben Sie etwas anderes erwartet, Captain?«, fragte ein Ranger selbstsicher.

»Nein!«, stellte der Captain klar und erhob sich. »Uns besiegt niemand!« Er riss den rechten Arm hoch in die Luft und präsentierte so das Abzeichen der Ranger auf seinem Unterarm, den goldenen und von züngelnden Flammen umschlossenen Meteor. »VITA!«

Im Chor schallte es nach: »VITA!«, und alle imitierten die Armgestik – das war das Motto der Ranger und war mit dem Glauben an Unsterblichkeit gleichzusetzen. So standen die Elitesoldaten da, als eine raue, durch eine Maske gedämpfte und doch laute Stimme von hinten erscholl: »Hier stecken Sie alle also!«

Vereint und hastig, ohne dass sie von Angst getrieben waren, wandten sich alle Ranger um. »Sir!«, salutierten sie, als hätten sie gewusst, dass er dort war: ihr Galig-General.

Der Befehlshaber stand auf dem höchsten Felsen, der wie eine perfekt vorbereitete Bühne schien, und er hob den Arm. »Vita!«, rief er, und während der stumme Armgruß der Ranger folgte, nahm der General eine stramme und observierende Pose ein. »Ich sehe, Sie haben den Feind wie erwartet geschlagen. Nicht umsonst sind wir das Aushängeschild der galaktischen Gemeinschaft, die Hüter von Sicherheit und Ordnung! Nur die High Sentinels stehen über uns, aber das sind Einzelkämpfer und keine eingeschworene Armee, im Gegensatz zu uns.«

»Vita, Sir!«

Wenn man es genauer betrachtete, wirkte alles ein wenig surreal, diese ganze Szene. Keiner der Ranger hatte auch nur einen Kratzer vom Kampf oder war schmutzig wegen der Wiesen und Wälder.

Eine männliche Stimme, die eindeutig nicht vor Ort war, kommentierte. »Komm schon, ist das dein Ernst?!«

Nein, diese Worte hatte keiner der Ranger vernommen und der General fuhr ungehindert fort. »Es gibt nichts, was wir nicht schaffen, und nichts, was uns aufhält. Alles ist möglich!«, sagte er strikt. deutete plötzlich nach vorne, als würde er einen Zuschauer ansprechen. »Und was ist mit Ihnen? Wann treten Sie den Rangern bei? Helfen Sie uns! Beschützen Sie die Galaxie – wie der legendäre Magna!«

»Schalte endlich um!«, beschwerte sich die nicht anwesende Männerstimme und jetzt war es klar – die Ranger gehörten zu einer Werbung und flimmerten auf einem hochauflösenden Bildschirm.

»Ja, ja, gleich«, wimmelte eine Frauenstimme ab.

Das Zeichen der Ranger wirbelte um den General und seine Soldaten, bis es sich unter ihnen festsetzte und wie ein eiserner Stempel eingebrannt wurde. »Wir sind die Besten! Wir sind die Beschützer!«, wiederholte der General. »Treten Sie uns noch heute bei! Wir wollen Sie!« Abermals zeigte er nach vorne.

»Schaltest du jetzt endlich mal um?!«, murrte die Männerstimme und die Werbung verschwand in einem unübersichtlichen Rausch des ständigen Kanalwechsels.


»Bist du nun zufrieden?«, fragte Kysaek. Sie war ein Mensch und richtete sich mit ihrem drehbaren Stuhl zu ihrem Wachpartner Jim Baker aus. Ihre Lippen formten ein freches Schmunzeln und sie strich sich durch ihr kurzes, brünettes Haar.

Jim war ein Mann mittleren Alters und drehte seinen Stuhl ebenfalls, auch wenn seine Drehung wegen seiner massigen Körperfülle langsamer vonstattenging. »Wir haben eine klare Regel: kein Zappen!«

»Zappen, nicht zappen ...« Kysaek zuckte mit den Schultern. »Über 10 000 Kanäle auf diesem Planeten und von den nahen Clustern, und trotzdem gibt es nichts Anständiges zu sehen.«

Jim griff nach einem dampfenden Becher Kaffee. Das koffeinhaltige Heißgetränk von der Erde war in der Galaxie beliebt und für mehrere Spezies verträglich. »Also ich mag ja die Stunde mit dem Fugianer.«

Kysaek wirkte wenig begeistert und schaltete den Bildschirm ab. »Du meinst, wo man sich hinterher noch blöder vorkommt, weil man mit diesen superintelligenten Pflanzen nicht mithalten kann? Da schau ich mir ja sogar lieber Haus Erde an.«

Genüsslich schlurfte Jim vom seinem Becher. »Ein paar Idioten ein Jahr lang in einem Haus mit Kameras beobachten? Nein danke!«

»Du hast ja irgendwo recht«, gab Kysaek zu. Ihr Job bestand sowieso schon darin, Nacht für Nacht einen Haufen Bildschirme zu beobachten. »PGI hat mich wohl zur Voyeurin gemacht.«

Da kam Jim ein Gedanke. »Wo wir von beobachten reden«, sagte er und rollte näher an das Sicherheitspult, das mit einer Vielzahl von Überwachungsschirmen bestückt war. »Das Update müsste jede Sekunde kommen.«

»Stimmt.« Kysaek nickte und nahm ihren Platz neben ihrem Partner ein. Sie rief eine digitale, blau leuchtende Wand auf. Es war der Grundriss des Gebäudes, in dem die zwei saßen. Er war rund und in mehrere Ringe aufgeteilt. »Hast du unseren geliebten Sicherheitschef eins schon auf dem Schirm?«, fragte sie sarkastisch. Sie mochte SC1 nicht.

Jim ging schon Kamera um Kamera ab. »Mal sehen ... Wo ist er, wo ist er?«, grummelte er. »Als ob wir ihn vermissen würden ...«

»Mach es dir doch nicht so schwer«, meinte Kysaek und tastete die Bereiche des äußersten Ringes ab. So erschienen jedes Mal Punkte auf dem Plan, die Peilsignale anderer Wachen. »Gefunden!«

»Wo ist er denn?«

»Bei Patrouille zwei. Ich wette zehn Devisen, dass er sie zusammenstaucht.«

Locker stieß Jim an Kysaeks Schulter. »Wette nennst du das? Es ist sein Ritus. Und heute ist er besonders mies drauf.«

»Wen wundert es?«, erwiderte Kysaek, ohne dass sie ihre Augen vom Plan nahm. »Liegt sicher daran, dass er heute nicht SC2 geworden ist« Nun machte sie sich ebenfalls einen Becher Kaffee und trank. Die andere Hand setzte sie über dem Grundriss an und vergrößerte ihn.

Die Details und Anzahl der Ringe, fünf Stück, stachen hervor. Von außen nach innen waren die Abschnitte unterteilt. Es fing bei Level eins an und endete im Zentrum bei Level fünf, das die größte Fläche des Gebäudes einnahm.

Gehässig plauderte Kysaek ihre Gedanken zu dem Schema aus. »Glaubst du, unser SC verirrt sich mal aus Versehen nach Level zwei und wird von den Bots erschossen?«

»Ach, Kysaek!« Jim schüttelte seinen Kopf. »Ich arbeite hier seit drei Jahren mit ihm. Das ist und bleibt ein Traum.«

Kysaek arbeitete erst seit sechs Monaten für PGI und winkte ab. »Du hast einige Träume. Auch welche über Level fünf?«

»Willst du eine neue Was-ist-wohl-in-Level-fünf-Diskussion starten?«

»Nach all den Jahren«, grinste Kysaek, »interessiert dich da nicht, was du bewachst?«

Zunächst stellte Jim seinen Kaffee ab, bevor er mahnend den Finger hob. »Ich weiß nur eines – ich kriege jeden Monat meine Devisen und mehr will ich nicht wissen. Der Job ist einfach und gut bezahlt.«

»Vergiss nicht langweilig ...«

»Ich sag ja – einfach«, wiederholte Jim. »Von so einem Job träumt doch jeder!« Er warf die Arme sachte hoch. »Wir werden praktisch fürs Sitzen bezahlt!«

»Dagegen lässt sich nichts sagen. Du hast gewonnen.«

»Kysaek, Jim«, meldete sich eine junge Männerstimme über das Pult. »SC1 ist zu euch unterwegs und er hat wieder die beste Laune.«

Die Augen von Kysaek und Jim trafen sich, aber er übernahm die Antwort. »Wart ihr auch nett zu ihm?«

»Ja. Wir haben ihm Küsschen gegeben«, übertrieb die Stimme. Sie funkte auf einem Kanal, den SC1 nicht mithören konnte. »Und die gibt er jetzt euch.«

»Das brauch ich nicht«, wimmelte Kysaek die Stimme ab. Sie sah auf die Uhr ihrer Vortex-Manschette. »Ich dachte, wir entgehen ihm heute, aber es sind noch sieben Minuten, bis unsere Schicht vorbei ist.«

Jim stichelte. »Hast du es eilig?«

»Allerdings. Ich will ins Eternity

»Eternity?«, staunte Jim. »Glaubst du, die lassen dich rein?«

»Auf den Versuch kommt es an, und wenn nicht, muss es halt eine Bar werden.«

»Dann beeile dich lieber«, schlug Jim vor. »Lauf noch eine Patrouillenrunde und dann kannst du direkt zu den Umkleiden, ohne SC1 zu sehen.«

»Gute Idee.« Kysaek ging zum Raumeingang, wo der Waffenschrank an der Wand hing. Den gesicherten Kasten konnte sie nur über ein Codefeld an der Seite entriegeln, ehe sie eines von zwei Plasmagewehren samt Munition aus dem Schrank nehmen konnte.

Jim sah Kysaek zu, wie sie sich die handlichen Munitionszellen an den Waffengurt steckte, neben ihre Plasmapistole. Dabei erinnerte er sich an etwas. »Ach, Kysaek! Wenn ich dich heute schon früher gehen lasse, erzählst du mir morgen aber endlich mal von deinem Eintritt in die Armee und wie du dann bei PGI gelandet bist.«

Nickend lud Kysaek ihr Gewehr durch. »Mache ich«, versprach sie, obwohl sie nicht sonderlich erpicht darauf war, darüber zu plaudern, und das hatte seine Gründe. Ihre kurze Zeit bei der Armee empfand sie als großes Versagen und das wollte sie für sich behalten. »Wir sehen uns morgen, Jim.«

»Bis dann, Kysaek. Viel Spaß!« »Danke«, lächelte Kysaek, justierte die Lampe an ihrer Schulter und stülpte sich ihren Helm über. Arglos betätigte sie den Schalter der automatischen Schiebetür und lief fast in ihren Vorgesetzten hinein, der wie sie ein Mensch war.

Douglas Phonor konnte einem Angst machen, was vor allen an seinem vernarbten Gesicht und den strengen Augen lag. Das silbergraue und flach geschnittene Haar rundetet das klischeehafte Bild des fiesen Kommandeurs ab. »Wohin so eilig, Kysaek?«

»SC1!«, stand Kysaek stramm. »Ich wollte einen letzten Rundgang machen, bevor meine Schicht endet.«

Auf die Antwort hin warf Douglas seinen Begleitern einen Blick zu. Da war Ten’Dis, ein schweigender Galig. Der andere hieß Mac und zeigte die Menschen stets von ihrer schlechten Seite. »Wozu einen Rundgang?«, fragte Douglas und sah mit Spott zu Kysaek. Noch nie hatte er ein Geheimnis aus seiner Geringschätzung für sie gemacht. »Für Rundgänge gibt es uns und Sie können Ihren Arsch wieder auf dem Sitz neben Baker parken.«

Äußerlich wahrte Kysaek die Fassung, aber innerlich brodelte sie. Zu gerne hätte sie dem Kerl mal die Meinung gesagt, wie so oft. »Verzeihung, Sir«, begann sie formell und legte einen überheblichen Ton ein. »Rundgänge sind Bestandteil unserer Arbeitsverträge. Sollte Ihnen das missfallen, müssen Sie sich an die Personalabteilung wenden.«

»SC1! Anscheinend ist Kysaek unausgelastet«, stieg Mac in das Gespräch ein. »Wir sollten sie etwas Nützliches verrichten lassen ... der Hausmeister braucht sicher Hilfe beim Putzen.«

Der Vorschlag sagte Douglas zu. »Ja, das wäre was«, nickte er, aber er spielte den Einfall herunter. »Doch das wäre ja eine Beleidigung für den guten Mann.«

Kysaek blieb trotz dessen bei ihrer Linie. »Sir, Sie haben meine Frage nicht beantwortet – darf ich jetzt meine Arbeit erledigen oder meine Zeit mit Reden nutzen, bis meine Schicht vorbei ist?«

Douglas trug keinen Helm, der hing an seinem Gürtel und seine Lider verengten sich. »Gehen Sie mir aus den Augen und machen Sie Ihre Arbeit ja ordentlich!«

Für Kysaek war die Aussage des SC1 eine Wohltat und sie setzte noch einen drauf. »Sir«, salutierte sie und trat ihren Patrouillengang an.


Außerhalb des Überwachungsraumes war es wesentlich dunkler und mehr Licht bekam Kysaek nur durch ihre Schulterlampe. So oft war sie schon durch diese Korridore marschiert und trotzdem waren sie ihr unheimlich. Wie immer erschien alles so steril, klinisch sauber und nicht eine Seele kam ihr entgegen. Wirkliche Action oder ein schwerwiegendes Problem gab es hier schon lange nicht mehr, aber am Ende beschwerte sich Kysaek nicht und stimmte mit Jim überein. Der Job war einfach und brachte dennoch genug Devisen und von denen wollte sie später einige im Eternity ausgeben, denn das Ende ihrer Schicht war da.


In der leeren und ruhigen Umkleide setzte sie sich auf eine Bank vor ihrem Spind. Für sie war es ein guter Zeitpunkt, den sie öfter zum Abschalten und Nachdenken oder eher Tagträumen nutzte.

Wie wäre es wohl, wenn sie einmal den großen Volltreffer landen würde? Wenn sie genug Devisen auf dem Konto hätte und damit das Leben richtig genießen könnte? Oder wenn sie einfach jemand von Namen wäre – eine Unternehmerin, eine Heldin, der Star oder sogar eine raubeinige Nummer unter den Verbrechern und nicht einfach nur die, die sie bisher und jetzt war?

Aber Kysaek kam in die Realität zurück und entledigte sich an ihrem Spind jeglicher Ausrüstung und der eher praktischen Unterwäsche. Hin und wieder sah sie an ihrem nackten Körper hinab und zupfte an der Haut. Von Fett war Kysaek weit entfernt, aber sie fand, dass ihr Körper nur noch leicht trainiert war, seit sie die Armee verlassen hatte.

»Was wir alles machen könnten ...«, raunte Mac anzüglich. Der Möchtegernmacho stand mit überkreuzten Armen am Eck einer Spindreihe.

Kysaek kümmerte das nicht und sie zeigte ihm bewusst die blanke Rückseite, die kalte Schulter und zog sich gemächlich wieder an. »Für einen kleinen Drecksack wie dich müssen Unisex-Umkleiden ja das Paradies sein.«

»Sie haben ihre Vorzüge.«

»Natürlich«, verzog Kysaek ihr Gesicht. »Sonst hast du ja nie etwas von nackten Frauen.«

»Keine Sorge, Süße«, wich Mac überzeugt aus. »Es gab da schon eine Menge Damen, die das Vergnügen mit mir haben durften.«

»Imaginäre Vorstellungen passen zu dir. Dass so was in echt passiert ist, glaubt dir nämlich niemand.«

»Deine scharfe Zunge, die mag ich besonders.«

Auf die Anspielung ging Kysaek nicht ein. »Hat dich SC1 von der Leine gelassen? Oder warum bist du hier?«

»Abgesehen von dem Ausblick?«, grinste Mac und sah Kysaek ungeniert an, wobei es immer weniger Haut zu sehen gab. »Ich habe jetzt auch Feierabend und wollte fragen, was du noch so vorhast?«

Endlich streifte Kysaek ihr Trägertop über und war mit dem Anziehen fertig. »Nichts mit dir.«

»Komm schon«, forderte Mac dezent und stieß sich von der Ecke ab. »Wenn du nur ein wenig netter zu mir wärst, könnte ich mal mit dem SC reden und dich für sein Patrouillenteam vorschlagen. Das gibt ein paar mehr Devisen.«

Nicht eine Sekunde dachte Kysaek daran, dieses Angebot anzunehmen. »Auch wenn ich gerne mehr Devisen hätte«, gab sie offen zu. »Eher mache ich den verschleimtesten Nyrnka sauber, als in irgendeiner Form nett zu dir zu sein.«

Macs Überzeugung war ungebrochen und wurde sogar stärker. »Früher oder später wirst du das, glaube mir«, meinte er und ging.

Davon ließ sich Kysaek jedoch nicht beirren und sie hübschte sich noch auf für den bevorstehenden Ausgehabend. Zuletzt streifte sie noch ihre schwarze Jacke über und fischte eine Packung Zigaretten aus deren Innentasche.

Von denen zündete Kysaek aber erst im Freien eine an, da Rauchen im Forschungskomplex eins absolut untersagt war. Lästig für sie als Raucherin, auch wenn sie nicht so sehr davon abhängig war wie so manch anderer. Dennoch genoss sie den Tabakgeschmack nur umso mehr, während der Wind kräftig blies und sie deswegen in der Dunkelheit etwas fröstelte. Um sich davon abzulenken, versuchte Kysaek den nahen Horizont zu fixieren – die prächtige Skyline von Auranis.

Eine auf- und absteigende Reihe von dünnen Bürotürmen, die selbst in so einer Nacht klar zu sehen waren. Ihre Architektur stammte ausnahmslos von den Talin, die weiche Formen und eine erhabene Bauweise verwendeten. Es waren eierschalenweiße Paläste in Hochhausform, gepaart mit der modernen Technologie des interstellaren Zeitalters.

Jene Aussicht half Kysaek, über die Kälte hinwegzukommen, denn sie erreichte das schwer bewachte Eingangstor der Firma und hier zog der Wind nicht so stark.

Am Geländeeingang gab es viele Wachen, schwere Geschütze und verschiedene Scannersysteme. Gerade die Überprüfungen, egal ob sie hinaus oder hinein ging, kostete Kysaek beinahe eine Viertelstunde. Das führte sie jedes Mal zu der Frage, warum eigentlich so eine Kontrolle nötig war. Vor allem nachdem sie endlich draußen war und sie die drei Haupttürme PGIs, von denen der zentrale der höchste war, mit einem Rückblick betrachtete, kam ihr jener Gedanke: PGI – was genau treiben die hier so alles? Von der riesigen Fertigungshalle für Raumschiffsteile mal abgesehen, kannte Kysaek sich auf dem Gelände nicht aus. Alles andere hütete PGI gut, und jedes Mal wenn sie die enormen Befestigungsanlagen um den Firmensitz sah, wuchs ihre Neugier und doch wollte sie Jims Ratschlag beherzigen –Mund halten und Geld verdienen. Außerdem wartete nun das Nachtleben von Auranis auf Kysaek und das nahm ihren Geist rasch ein.