Erbin des Schattens

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Summary

Quarinah hat nie viel Liebe, geschweige denn Aufmerksamkeit von ihrer Mutter Christel, Flavio oder ihrem Stiefvater Beta Ramon erfahren. Hinzu kam, dass sie im Blackoutrudel leben musste. In diesem Rudel wurden die Kinder, die sich an ihrem fünften Lebensjahr nicht verwandelt haben, vom Rudelleben ausgeschlossen, angeblich um sie zu härten und zur Verwandlung zu bringen. Diese Kinder waren auf sich allein gestellt. Das Einzige, was ihnen das Rudel zur Verfügung stellte, waren die Unterkunft und die Mahlzeiten im Haus der Eltern, doch wurden sie von allen ausgeschlossen und konsequent ignoriert, ganz besonders von den Erwachsenen. Kinder, die sich bereits verwandelt hatten, durften zwar nicht mit ihnen reden oder gar freundlich zu ihnen sein, aber sie dennoch mobben und verspotten. All dies störte Quarinah zwar nie ernsthaft, als sie jedoch kurz nach ihrem sechsten Geburtstag mit ihrer Familie eine Reise antreten musste und in einen Hinterhalt geriet, den ihre Mutter selbst geplant hatte, verlor sie das letzte bisschen Zuneigung, dass sie für sie übrighatte. Quarinah starb zwar in jener Nacht, doch sollte ihr Tod nicht endgültig sein. Statt in den Himmel zu reisen, wurde in ihr etwas Dunkles, Geheimnisvolles geweckt, das sich nach Rache und etwas anderem sehnte, gepaart mit einer unheilvollen Macht, die nicht nur ihr, sondern auch anderen Gerechtigkeit verschaffen sollte.

Status
Complete
Chapters
40
Rating
4.9 14 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1


Wenn ihr wissen möchtet, wann es weitergeht, schaut gerne auf meiner Pinnwand vorbei.😉


Quarinah

Wieder einmal saß ich in einer Zelle für etwas, das ich nie getan hatte.

Ich landete etwa alle drei Wochen hier drin.

Es stank nach Schimmel und anderweitigen Dingen, was wahrscheinlich von den Leuten kam, die zuvor gefoltert und hier in den anderen Zellen eingesperrt worden waren.

Die Zelle war gerade mal zwei mal drei Meter groß und ließ kaum Platz zwischen mir und den Eisengittern.

Zendrik, der Sohn des Alphas, hat mich wie schon so oft mit seinen Freunden verspottet und in eine Falle gelockt. Er war 1,90 Meter groß, hatte braune kurze Haare, braune unauffällige Augen, eine Narbe am Kinn und einen trainierten Körper, den er gern zur Schau stellte.

Sein Charakter war der gleiche wie der seines Vaters, Alpha Balko Markotoz.

Sie trampelten auf Schwächeren rum, ganz besonders auf denen, die sich noch nicht verwandelt hatten. Respekt gab es nur unter den oberen Rängen und das galt für die Alphas, Betas, Rudelkrieger, wichtigen Ärzte, Anwälte oder die wohlhabenden Familien. Jeder, der nicht dazugehörte, galt als billige Arbeiterschaft, deren Anwesenheit nur ausgenutzt und geduldet wurde.

Und genau zu diesen unbeliebten Leuten gehörte ich, und das schon seit meinem vierten Lebensjahr.

Meine Mutter hatte mich ein paar Mal dabei erwischt, wie ich Selbstgespräche geführt hatte, was auch meinem Stiefvater, dem Beta des Rudels, nicht verborgen blieb. Sie schleppten mich zum Rudelarzt in der Annahme, dass ich verrückt war.

Beide brannten darauf, mich loszuwerden, und hofften, dass ich in einer Klinik für Gestörte landete. Es gab da auch nur eine Klinik, sie wurde heimlich die Klinik des Todes genannt, denn niemand kehrte je von dort zurück.

Würde unser Rudelarzt nicht zu den Guten gehören, wäre ich da wahrscheinlich auch gelandet.

Meine Mutter hatte mich nie mit anderen Kindern spielen, geschweige denn interagieren lassen, was jeder im Rudel wusste. Ihr Mann, der Beta des Rudels, hatte dies auch eisern durchgesetzt und jeden bestrafen lassen, der sich nicht daran hielt.

Da der Rudelarzt natürlich auch davon wusste, tat er meine Selbstgespräche einfach als Resultat der Isolation ab, was sich mit dem Alter verlaufen sollte.

Doch was niemand wusste, war, dass es keine Selbstgespräche waren.

Ich sprach mit meinem Freund Mamoru. Er war ein schattenähnliches Wesen, das nur ich sehen konnte und war schon seitdem ich denken konnte immer an meiner Seite.

Sein Körper war schwarz und ähnelte dem einer menschlichen Form, die genauso wuchs wie ich, nur dass er kein richtigr Gesicht hatte. Er war einfach nur eine schwarze Schattengestalt, die sprechen und sich bewegen konnte.

Er sagte schon sehr früh, dass seine Anwesenheit unser Geheimnis bleiben müsse und dass ihn niemand außer mir sehen oder gar hören werde, es sei denn, ich befehle es ihm. Er drückte es so aus, als wäre er mein Beschützer, mein Lehrer, mein Diener und mein Verbündeter.

Doch war das noch nicht alles.

Ich konnte nicht nur seine Anwesenheit, sondern auch seinen Körper spüren. Er hatte mich schon in die Arme genommen oder mich zugedeckt. Mamoru war auch so etwas wie ein bodenloses Behältnis, in dem man alles Mögliche hineinstecken und herausholen konnte.

Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nicht mal ein Kissen oder eine Decke für die Nacht gehabt.

Mein Kinderzimmer hatte nur das Nötigste, dazu zählten nur ein einfaches Bett und eine Matratze. Ein einfaches offenes braunes Holzregal für die wenigen Kleidungsstücke, die ich besaß, und ein kleiner Holztisch mit einem harten Holzstuhl.

Hätte ich jemals jemandem von Mamoru erzählt. Wäre ich wahrscheinlich wirklich in der Klinik gelandet.

Mamoru war der Einzige, der jemals wirklich für mich da war. Er tröstete mich, wenn ich traurig war, sorgte dafür, dass ich nie allein war und brachte mir viele Dinge, wie Sprechen, Lesen, Kämpfen und viele weitere Dinge, bei.

Meine sogenannte Mutter hatte noch nie viel für mich übrig, sie hat mich schon immer ignoriert, genauso wie mein Stiefvater.

Als ich drei war, kamen wir in dieses Rudel und meine Mutter sagte nur, dass wir von nun an hier leben würden und dass ich ihren Gefährten Beta Ramon niemals verärgern oder auch nur anschauen dürfte.

Ich erinnerte mich nicht an viel aus dieser Zeit, doch einmal, als ich etwa vier Jahre alt war, sah ich ihn aus Versehen an. In seinem Blick lagen pure Abscheu und ich durfte daraufhin die Nacht wie ein Hund vor der Tür verbringen.

Meine Mutter tat nichts für mich, als ich vor der Tür heulend darum bettelte, wieder hereindürfen zu dürfen, doch riss sie nur die Tür auf, gab mir eine Ohrfeige und schrie mich mit den Worten an: „Wir wollen schlafen, halt deinen verdammten Mund, sonst lasse ich dich eine Woche draußen schlafen!“

Dann knallte sie die Tür zu und ließ mich dastehen, als wäre ich nichts weiter als eine Last, ein Ärgernis, das geduldet wurde.

Seid da an habe ich nie wieder geweint.

Meine Mutter war für mich auch nicht mehr länger meine Mutter, auch wenn ich noch hoffte, dass sie mir irgendwann sagen würde, dass sie mich liebte, doch die Worte hörte ich nie aus ihrem Mund, zumindest nicht mir gegenüber.

Ich hatte mir auch schon oft Gedanken darüber gemacht, wieso sie sich so kalt, so abweisend mir gegenüber verhielt, doch kam ich nie zu einem sinnigen Schluss.

Ich hatte sogar schon mal einen Mutterschaftstest gemacht, den mir Mamoru ermöglicht hat. Mamoru war sehr schlau und hatte das Wissen eines Erwachsenen mit einem sehr hohen IQ. Er nahm das Haar meiner Mutter und ging damit zum Labor des Rudels. Er wusste genau, was er tun musste, um herauszufinden, ob wir wirklich Mutter und Tochter waren. Doch war sie leider Gottes wirklich meine Mutter, was das alles noch unverständlicher machte.

Zum Glück war Mamoru aber immer an meiner Seite.

Ohne ihn und seine Warnungen wäre ich wahrscheinlich durchgängig in der Zelle eingesperrt.

Er konnte durch Wände gehen, Gegenstände berühren und sie auch ohne sie anzufassen bewegen.

Das hatte mich schon viele Male vor einer Standpauke und einem Zellenaufenthalt bewahrt. Schon oft hatte er Dinge aufgefangen oder heimlich zurück an ihrem ursprünglichen Platz zurückgelegt, ohne dass es jemand merkte.

Man warf mir schon vieles vor: gestohlen zu haben oder etwaige Dinge zerstört zu haben, selbst wenn ich nicht mal in der Nähe des Ortes des Geschehens war. Selbst wenn ich zu Hause war, verteidigte mich meine Mutter nicht einmal, obwohl sie wusste, dass ich es nicht getan haben konnte, weil sie mich in meinem Zimmer eingesperrt hatte. Der Strippenzieher war immer Zendrik, der Sohn des Alphas.

Wieso der Sohn des Alphas es so extrem auf mich abgesehen hatte, wusste ich nicht. Ich vermutete, weil ich die Einzige war, von der er wusste, dass ich allein dastand.

Auch wenn viele Eltern kaum mit ihren Kindern, die sich nicht verwandelt hatten, interagierten, so standen sie ihnen bei solchen Vorwürfen zur Seite.

Davon konnte ich nur träumen.

Und wie kam ich wieder hierher in die Zelle?

Zendrik und seine Freunde hatten einen Kreis um mich gebildet und mich umhergeschubst, bis ich auf dem Boden landete. Dadurch quoll eine Staubwolke auf und beschmutzte das Designerkleid von Alicia Klawood, der Geliebten von Zendrik.

Alicia passte perfekt zu Zendrik.

Sie war arrogant, hochnäsig und dachte immer, sie sei etwas Besseres. Ihr Aussehen spiegelte auch ihr Verhalten. Lange, blonde, lockige Haare, die immer aussahen, als wären sie von einem Friseur gemacht worden und zehn Tonnen Schminke im Gesicht. Falsche Wimpern und ihre pink angemalten Lippen sorgten für ein passendes Bild. Was auch ihr rosa Kleid widerspiegelte.

Sie war durchtrainiert und hatte ihre innere Wölfin bereits mit ihrem fünften Lebensjahr erhalten, was dazu beitrug, dass sie sich überlegen fühlte und es auch jedem, der ihr nicht passte, spüren ließ.

Viele verwandelten sich zwischen ihrem fünften und zehnten Lebensjahr. Es gab zwar viele Spätzünder, aber wer sich nicht nach dem siebzehnten Lebensjahr verwandelte, galt als Mensch.

Doch jeder Spätzünder hatte großes Pech, genau in diesem Rudel aufwachsen zu müssen und genau dazu zählte ich.

Ich wahrscheinlich die Einzige, die es fast durchgehend zu spüren bekam. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mir aus ihren Beleidigungen nichts machte. Ich wehrte mich auch nicht gegen sie, denn ich wusste genau, dass sie mir nicht sonderlich wehtun konnten.

Wir hatten ein Rudelkrankenaus und an dem gab es eine Besonderheit.

Um in jedem Rudel fähige Ärzte zu haben, tauschten die Rudel die Angestellten untereinander zeitweise aus. So konnte jedes Rudel vom Heilungsaspekt her wachsen und immer auf dem neuesten medizinischen Stand sein.

Unser Rudel, das Blackoutrudel, galt als eines der stärksten und größten im Land, was auch an der grausamen Erziehung der Kinder lag. Nur so erzogen sie starke, unabhängige Krieger, die nicht um ihre Eltern weinten, wenn sie in den Kampf ziehen mussten.

Doch sahen viele Rudel den Erziehungsaspekt anders, was zur Folge hatte, dass unser Rudel ungewollt unter Beobachtung stand. Ja, unser Rudel war größtenteils unabhängig, doch ohne den Güterhandel mit den anderen Rudeln würde das schlecht ausgehen.

Und genau das geschah durch den Austausch der Ärzte.

Wenn jemand mit Wunden im Krankenhaus auftauchen würde, die nicht altersentsprechend oder erklärbar wären, würde das Fragen aufwerfen, die mein Alpha auf keinen Fall beantworten wollte.

Hinzu kam, dass die Rudel zusammenhalten mussten, denn es gab noch viele andere Wesen wie Vampire und Hexen.

Es gab natürlich auch die Menschen, doch stellten diese nicht so eine große Bedrohung dar wie die anderen Spezies.

Alle fünf Jahre gab es eine Versammlung oder eher ein Bankett, das einen Monat dauerte, um einen Friedensvertrag mit allen Parteien zu vereinbaren. Sollte das mal fehlschlagen, mussten die Rudel einstimmig vereint sein, um gegenüber den anderen standzuhalten.

Der Alpha unseres Rudels war allerdings gewieft und unterhielt private Beziehungen mit hochrangigen Vampiren und einigen Menschen, die man nicht verärgern sollte.

An sich sollte ich von all dem nichts wissen, aber ich hatte Mamoru, der sie für mich ausspionierte, was später sehr nützlich für mich sein würde.

Mamoru war auch der, der mir alles über die Werwölfe, Menschen, Hexen und die Vampire beibrachte.

Ich wusste alles über jede Spezies. Das bezog sich nicht nur auf ihre Fähigkeiten, sondern auch auf ihre Namen, ihren Rang und ihre Macht.

Was meine Zukunft betraf, so wusste ich bereits, seitdem ich ein Kind war, dass ich nie ein Werwolf werden würde.

Ich war bei weitem nicht wie sie.

Das Einzige, das ich mit ihnen teilte, war die innere Wut, die sich wie ein Anker an meinem Inneren festkrallte.