Die gottverdammte 16
Wie auf glühenden Kohlen sitze ich in dem Seminarraum meiner Universität. Wieso muss immer genau dieser eine Professor überziehen? Reicht es ihm nicht, dass er die spätmöglichste Uhrzeit für sein Seminar wählen konnte? Zum fünften Mal schaue ich auf meine kleine Armbanduhr. 19:47 Uhr. Mist, mein Bus kommt um 58.
Um Punkt 19:50 Uhr entlässt uns unser allzeit geliebter Professor in den wohlverdienten Feierabend. Wenn ich mich jetzt beeile, dann könnte ich tatsächlich meinen Bus noch schaffen. Dafür müsste ich aber quer durch den Campus. Und das dauert. 12 Minuten um genau zu sein. Wenn man schnell geht. Das habe ich alles schon einmal oder zweimal ausgetestet. Oder 23 mal. Rennen habe ich aber noch nie versucht. Das ist mir dann doch wieder etwas zu viel Sport.
Kurz überlege ich noch ob ich es wirklich versuchen sollte meinen Bus zu erwischen. Aber wie ich so überlege und überlege und überlege, vergehen dummerweise ganze 5 Minuten. Und damit war das ganze Überlegen für die Katz’. Denn meinen Bus schaff ich nun wirklich nicht mehr.
Langsam schlendere ich also zu dem Busbahnhof meiner Uni. Jetzt habe ich ja Zeit. Leider. Zur allgemeinen Verständnis: An sich wäre dieses gesamte Drama von vorhin natürlich komplett unnötig gewesen. Denn wie jeder vernünftige Bus fährt auch meiner in regelmäßigen Abständen, in meinem Fall 20 Minuten. Jedoch hat es sich dieser recht vernünftige Bus gedacht, ab 20:00 Uhr will keiner mehr von der Uni weg. Geschweige denn dort hin. Denn wer arbeitet denn noch nach 20:00 Uhr? Genau, keiner! Vor allem nicht an einer Universität.
Und somit stehe ich jetzt hier an diesem schnöden Busbahnhof mit all diesen wundervollen Bushaltestellen und überlege krampfhaft, welchen Bus ich noch nehmen könnte, anstatt meiner ersten Wahl. Mit Entsetzen muss ich dann geschlagene 5 Minuten später feststellen, dass es nur ausschließlich einen weiteren Bus gibt, der mich in irgendeiner Weise annähernd an mein trautes Heim transportieren könnte. Natürlich könnte jetzt an dieser Stelle die Frage aufkommen, wieso ich selbstbewusste und starke Studentin nicht einfach ein Taxi statt dem blöden Bus nehme. Erstens, kostet so ein Taxi dermaßen viel, dass ich mir von dem Geld genauso gut das Essen für eine Woche kaufen könnte und zweitens, bin ich in diesem Moment einfach nicht auf diese tolle Idee gekommen. Und nur mal so, gehen kommt auch nicht infrage. Niemals.
Egal. Zurück zu diesem ominösen Bus. Dieser Bus, der kommt zum Glück. Also er wird bald kommen. Bald ist aber relativ. Und relativ bedeutet 136 Minuten. 136 Minuten, die ich jetzt dank meines Professors warten muss.
Alles was ab diesem Moment geschieht, ist also eigentlich nur einer Sache zu verdanken: der gottverdammten 16.