Der erste Arbeitstag.
Kapitel 1 –
Der erste Blick
„Es wird Zeit“, sagte ich leise zu mir selbst.
Ich betrachtete mich ein letztes Mal im Spiegel.
Meine langen blonden Haare hatte ich zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden. Dazu trug ich eine schwarze, enge Jeans, eine weiße Bluse und dezentes Make-up.
Ich sah gut aus.
Selbstbewusst.
Zumindest nach außen.
Ich legte den Kopf leicht schief und musterte mein Spiegelbild.
Du schaffst das, Mia.
Das sagte ich mir oft.
Die meisten Menschen hielten mich für eine starke Frau. Und vielleicht war ich das auch. Ich hatte gelernt, alleine zurechtzukommen, Entscheidungen zu treffen und mich nicht davon abhängig zu machen, was andere über mich dachten.
Was niemand sah, war die andere Seite.
Die Zweifel.
Die Angst, nicht genug zu sein.
Und diese kleine, verletzliche Stimme in meinem Kopf, die manchmal viel lauter war, als ich es mir eingestehen wollte.
Ich schob die Gedanken beiseite.
Heute war mein erster Arbeitstag.
Ich arbeitete bereits seit meinem 16. Lebensjahr in der Gastronomie. Mittlerweile war ich dreißig und hatte in den vergangenen Jahren einiges erlebt. Ich wusste, wie ein Restaurant funktionierte, konnte mit Stress umgehen und ließ mich normalerweise nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
Normalerweise.
Heute war es anders.
Ich hatte schon einiges über das Restaurant gelesen und mir Bilder im Internet angesehen. Es war bekannt für seine amerikanische Küche und seine besondere Atmosphäre.
Trotzdem fühlte sich dieser Tag wie ein kleiner Neuanfang an.
Ich griff nach meiner Tasche, schnappte mir die Autoschlüssel und verließ meine Wohnung.
---
Zehn Minuten später erreichte ich das Restaurant.
Ich parkte mein Auto und blieb noch einen Moment sitzen.
Meine Hände lagen auf dem Lenkrad.
„Durchatmen, Mia.“
Ich atmete tief ein.
„Du packst das.“
Dann stieg ich aus.
Die Eingangstür öffnete sich, und ich betrat das Restaurant.
Mein Blick wanderte durch den Raum.
Rot- und Schwarztöne dominierten die Einrichtung. An den Wänden befanden sich beeindruckende Wandmalereien, und trotz der Größe wirkte das Restaurant gemütlich und einladend.
Ich lächelte.
Das könnte mir gefallen.
Mein Blick fiel auf eine junge Frau, die gerade eine Bestellung aufnahm. Sie hatte lange blonde Haare, eine zierliche Figur und ein hübsches Gesicht.
Ich ging auf sie zu.
„Hi. Mein Name ist Mia. Ich bin zum Einarbeiten hier. An wen muss ich mich wenden?“
Sie blickte zu mir auf und lächelte.
„Hallo. Ich bin Laura. Du bist also die Neue.“
„Sieht ganz danach aus.“
Sie lachte.
„Warte kurz. Ich hole schnell den Chef. Der kann dir alles Weitere erklären.“
„Danke.“
Laura verschwand durch eine Drehtür in Richtung Küche.
Ich ließ meinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen.
Dann hörte ich Schritte.
„Mia?“
Ich drehte mich um.
Ein großer Mann mit kurzen blonden Haaren kam auf mich zu. Seine athletische Figur und die freundliche Ausstrahlung fielen mir sofort auf.
„Ja.“
„Ich bin Chris Schmitz. Schön, dass du da bist.“
Er reichte mir die Hand.
„Freut mich.“
„Dein Kollege, der dich einarbeiten wird, kommt auch jeden Moment. Vorerst kommst du mit in mein Büro. Wir schauen uns gemeinsam deinen Arbeitsvertrag an.“
Ich nickte.
„Gerne.“
Im Büro setzte ich mich und ging den Vertrag aufmerksam durch.
Chris erklärte mir einige Einzelheiten und machte dabei einen entspannten Eindruck.
„Und noch etwas“, sagte er. „Du kannst mich ruhig Chris nennen. Wir sind hier eher ein Familienunternehmen.“
Ich lächelte.
„Okay, Chris.“
Gerade als ich die letzten Zeilen las, klopfte es an der Tür.
„Ja“, rief Chris.
Die Tür öffnete sich.
Und plötzlich war da dieser Mann.
Ich hob den Kopf.
Unser Blick traf sich.
Braune Augen.
Tief und aufmerksam.
Für einen Moment vergaß ich, was ich gerade gelesen hatte.
Er blieb in der Tür stehen und sah direkt zu mir.
„Nabend, Chris. Wenn ihr fertig seid, warte ich vorne auf euch.“
Seine Stimme war tief und rau.
Etwas in mir reagierte darauf.
Ich wusste selbst nicht warum.
Mein Herz schlug plötzlich schneller.
Reiß dich zusammen, Mia.
Ich senkte den Blick wieder auf den Vertrag.
Doch ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.
Chris bemerkte davon offenbar nichts.
„Marco, kommst du gleich mit nach vorne?“
„Ja.“
Marco.
Jetzt wusste ich wenigstens seinen Namen.
Ich schaute noch einmal zu ihm.
Er war ungefähr 1,85 Meter groß, hatte kurze braune Haare und ein markantes Gesicht. Nichts an ihm wirkte übertrieben. Gerade das machte ihn so interessant.
Dann lächelte er.
Nur ganz leicht.
Aber es reichte.
Ich spürte diese seltsame Spannung wieder.
Und gleichzeitig ärgerte ich mich über mich selbst.
Ich war dreißig.
Keine Teenagerin.
Ich wusste genau, was ich wollte.
Zumindest redete ich mir das gerne ein.
„Alles in Ordnung?“, fragte Chris.
Ich blinzelte.
„Ja. Alles bestens.“
Marco sah mich noch einen Moment an, bevor er sich abwandte.
Ich atmete langsam aus.
Das darf nicht sein.
Ich wusste nicht, was genau gerade passiert war.
Aber ich wusste, dass ich diesen Mann nicht einfach ignorieren konnte.
---
Nachdem ich den Vertrag unterschrieben hatte, folgte ich Chris durch die Küche zurück ins Restaurant.
Marco wartete bereits vorne.
Sein Blick fand mich sofort.
„Marco, das ist Mia“, sagte Chris. „Sie arbeitet ab heute bei uns. Ich möchte, dass du ihr alles zeigst und sie bis zum Ende der Schicht begleitest.“
Marco nickte.
„Mach ich.“
Chris wandte sich an mich.
„Wenn du Fragen hast, wendest du dich an Marco. Ich bin hauptsächlich für die Büroarbeit zuständig.“
„Alles klar.“
Chris lächelte.
„Dann wünsche ich dir einen guten ersten Tag.“
Er zwinkerte mir zu und verschwand wieder Richtung Büro.
Marco sah ihm kurz nach.
Dann wandte er sich mir zu.
„Also, Mia. Hast du schon Erfahrungen in der Gastronomie?“
Seine Stimme klang plötzlich etwas weicher.
„Seit ich sechzehn bin.“
Er hob überrascht die Augenbrauen.
„Dann hast du ja einiges erlebt.“
„Mehr, als du vielleicht denkst.“
Ich grinste.
„Das glaube ich dir sofort.“
Und da war es wieder.
Dieses Lächeln.
Ich musste selbst lächeln.
Den Rest der Schicht verbrachten wir damit, dass Marco mir alles zeigte. Das Kassensystem, die Abläufe, die Getränke und die verschiedenen Stationen.
Er erklärte mir alles geduldig.
Und je länger wir zusammenarbeiteten, desto wohler fühlte ich mich.
Es war nicht nur seine Ausstrahlung.
Es war die Art, wie er mit mir sprach.
Wie er mir zuhörte.
Wie seine Augen manchmal länger auf mir ruhten, als es eigentlich nötig gewesen wäre.
Und jedes Mal spürte ich dieses leichte Kribbeln.
Trotzdem versuchte ich, professionell zu bleiben.
Ich wollte diesen Job.
Ich brauchte diesen Job.
Und ich wollte ganz sicher nicht wieder eine Entscheidung treffen, die mein Leben komplizierter machte.
---
Nach Ladenschluss räumten wir gemeinsam auf und machten die Kassenabrechnung.
Ich zählte gerade das Geld, als ich plötzlich seine Nähe hinter mir wahrnahm.
Ich hielt inne.
Ein warmer Atemzug streifte meinen Nacken.
Gänsehaut breitete sich über meinen Armen aus.
„Spürst du das?“, fragte Marco leise.
Ich schloss für einen Moment die Augen.
Natürlich spürte ich es.
Viel zu deutlich.
Ich drehte mich langsam zu ihm um.
Unsere Blicke trafen sich.
Er sagte nichts.
Ich auch nicht.
Für einen Augenblick war nur dieses Schweigen zwischen uns.
Dann erinnerte ich mich daran, wer er war.
Mein Chef.
„Marco …“
Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Ich kann das nicht.“
Sein Blick veränderte sich.
„Ich spüre die Spannung genauso wie du“, fuhr ich leise fort. „Aber du bist mein Vorgesetzter. Und ich möchte, dass es dabei bleibt.“
Er sah mich lange an.
Nicht wütend.
Nicht enttäuscht.
Einfach nur nachdenklich.
Dann nickte er.
„Okay, Mia.“
Nur zwei Worte.
Aber irgendetwas in seinem Blick ließ mein Herz schneller schlagen.
Wir beendeten die Abrechnung und schlossen gemeinsam den Laden ab.
Als ich später in mein Auto stieg, lehnte ich mich kurz gegen die Kopfstütze.
Ich schloss die Augen.
Was ist nur los mit mir?
Ich hatte diesen Mann erst heute kennengelernt.
Und trotzdem hatte er es geschafft, etwas in mir zu berühren, das ich seit langer Zeit tief vergraben hatte.
Etwas, von dem ich dachte, dass es gar nicht mehr existierte.
Ich startete den Motor.
Doch während ich nach Hause fuhr, wusste ich bereits:
Dieser erste Arbeitstag würde mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Und Marco vermutlich auch.









fängt schon mal nicht schlecht an. liest sich gut…
Liest aich gut, dürfte spannend und ziemlich 🔥🔥 werfen