0. Initiation

In einem schlagartigen Aufblitzen der Ewigkeit, wo selbst das Licht zu einem Flüstern erstirbt, fand er sich unvermittelt aus dem Nichts gerissen, erwachend im Herzen einer undurchdringlichen Finsternis.
Ein Schweigen, so dicht gewoben, dass es schien, als könnte es die Zeit selbst in ihren endlosen Bahnen zum Erliegen bringen, umhüllte ihn mit einer fast greifbaren Präsenz.
Zunächst war es lediglich die kalte Berührung des Bodens unter seinen Füßen, die ihm die bittersüße Gewissheit seiner Existenz verlieh. Doch nach und nach, als würden seine Sinne sich behutsam aus dem dichten Nebel der Ungewissheit lösen, begann er, die Feuchtigkeit in der Luft zu spüren, den leisen Widerhall eines Tropfens zu vernehmen, der auf harten Stein traf.
Langsam, als müsste er sich mit jeder Faser seines Seins durch die erdrückende Schwere dieses allumfassenden Schweigens kämpfen, begann der Fremde, sein Umfeld zu erfassen.
Die Dunkelheit, die ihn so vollständig umfing, war nicht einfach eine Abwesenheit von Licht; sie pulsierte mit einem eigenen, unheimlichen Leben, atmete beinahe schwer in den Tiefen einer Zeit, die unlängst vergessen schien.
Diese ersten Eindrücke, flüchtig und dennoch von einer immensen Intensität, waren wie Funken in der allumfassenden Dunkelheit, in welcher sich ein schwaches grünes Leuchten zu entfachten schien.
Die absolute Leere, die den Raum durchdrang, begann erste Konturen zu enthüllen, als würden die Schatten selbst beginnen, ihm in geflüsterten Worten die Geschichte dieses Ortes zu erzählen.
Er machte einen tiefen Atemzug und füllte seine Lungen mit der ihn umgebenden Dunkelheit. Dann nahm er einen Schritt. Ein schwacher hall erklang, scheinbar von allen Seiten kommend. Er wagte einen weiteren. Dann noch einen, und bald darauf erhaschte er einen Blick auf eine Wand vor sich, verziert mit unbekannten, doch scheinbar bedeutungsschwangeren Zeichen.
Während er diese Zeichen zu verstehen suchte, bemerkte er, dass ein grüner Schimmer dem Fokus seiner Augen folgen zu schien.
Die Quelle jenes schwachen Lichts, das es ihm ermöglichte, die Umrisse zu erkennen, schienen seine eigenen Augen zu sein, die in einem dunklen Grün schimmerten. Doch weder jenes Licht, noch sein Geist waren stark genug, um die tiefe Bedeutung, die in den rätselhaften Symbolen verborgen lag, zu enthüllen.
Bevor er sich tiefer in das Rätsel, das vor ihm lag, vertiefen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit jäh von einem Geräusch erfasst, das in der erdrückenden Stille umso bedrohlicher wirkte:
Ein Atmen, tief und schwer, hallte durch die Dunkelheit, ließ sein Blut in den Adern zu Eis erstarren. Mit einer abrupten, fast reflexhaften Bewegung wandte er sich um, doch der geheimnisvolle grüne Schimmer, der von ihm ausging, reichte nicht aus, um gegen diese Schwärze anzukämpfen und so die Quelle jenes unheilvollen Atems zu enthüllen.
Ein Gedanke zuckte durch seinen Geist – hatte dieses Wesen bereits seine Anwesenheit bemerkt, bevor er selbst es tat?
Innerlich bebend und zitternd, wagte er dennoch, erneut einen Fuß vor den anderen zu setzen, schritt langsam, doch entschlossen, auf die Quelle jenes Geräusches zu.
Jeder Schlag seines Herzens schien ein Echo in der Finsternis zu finden, als würde die Welt selbst seinen rasenden Puls mitschwingen lassen. Ein Donnern in seinen Ohren, so laut, dass er fürchtete, es müsse seine Position verraten – denn was auch immer da in der Dunkelheit lauerte, es befand sich nur noch wenige Schritte von ihm entfernt.
Plötzlich, ein Fehltritt – ein unerwartetes Hindernis, das ihn ins Straucheln brachte. Eine Stufe!?
Ein flüchtiger Moment der Panik ergriff ihn, als er taumelte, gefangen im Sog der Unsicherheit, als würde sich der Boden zu seinen Füßen auftun. Doch in einer Bewegung, die ebenso viel von Verzweiflung wie von einem tief verwurzelten Überlebensinstinkt zeugte, fand er wieder festen Halt. Sein Atem ging schnell, während er versuchte, die aufkeimende Angst zu dämpfen und seinen pochendes Puls zu beruhigen.
Vor ihm, kaum wahrnehmbar im schwachen Schimmer des grünen Lichts, das die Dunkelheit nur zögerlich zu durchdringen schien, offenbarte sich nun eine Struktur, die zunächst wie eine hüfthohe Mauer wirkte. Doch bei näherer Betrachtung, als er sich vorsichtig einen weiteren Schritt näherte, entpuppte sich das Hindernis als etwas weitaus Komplexeres – ein Gefäß von ungewisser Tiefe und Zweck, das geheimnisvolle Schatten warf und im flackernden Licht ein Labyrinth aus Reflexionen erschuf.
Das grüne Leuchten, karg und doch erfüllt von einer unbegreiflichen Aura, ließ das Gefäß in einem gespenstischen Glanz erstrahlen, als wäre es ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit, ein Wächter alter Geheimnisse. Der Anblick zog ihn magisch an, weckte eine Mischung aus Faszination und einem tiefen, unerklärlichen Unbehagen.
In dieser erdrückenden Finsternis, die jeden Atemzug zu stehlen und jeden klaren Gedanken erstarren ließ, brach nun einzig der geisterhafte Schimmer eines schwarzen Monolithen die Allgegenwart der Dunkelheit. Er thronte in der Mitte eines unsichtbaren Meeres aus Schatten, eine sanft glühende Insel in einem Ozean der Schwärze. Dieser fragile Schein, so zart und doch mit unnachgiebiger Präsenz, verriet nicht die Geheimnisse, die sich im Raum verbargen, sondern tauchte alles in ein Licht, das zugleich eine Einladung als auch eine Warnung zu sein schien.
In diesem Augenblick des abrupten Erwachens, so unerklärlich und voller Geheimnisse, fand er sich gefangen zwischen der Neugier, die tief in seinem Inneren brodelte, und einer uralten, instinktiven Furcht, die seine Sinne schärfte.
Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, bereit für den nächsten Schritt, doch sein Geist verlor sich in den Wirren der Metaphorik dieser Begegnung – ein Tanz mit einem Geheimnis, das ebenso viel über ihn selbst verriet wie über die Welt, in der er sich befand. Das grüne Licht, das das Gefäß umspielte, schien fast wie eine Einladung, tiefer in die Geheimnisse einzutauchen, die jenseits der sichtbaren Grenzen lagen.
Mit jedem seiner vorsichtigen, kleinen Schritte schien ein Flüstern, das leise Murmeln der Wände, lauter zu werden – ein Geräusch, das scheinbar von überall und nirgendwo zugleich seinen Ursprung nahm.
Als er schließlich den letzten Schritt wagte und den Monolithen erreichte, legte sich eine eisige Stille über den Raum, so tief und absolut, dass selbst der Klang seines eigenen Atems darin zu verschwinden schien.
Er wagte einen Blick in das innerer dieser Struktur und kurz stockte ihm der Atem: Sie schien Bodenlos. Doch als seine Hand den kalten, undurchdringlichen Stein berührte und künstlerisch geformte Reliefs ertastete, zuckte plötzlich etwas in seinem Inneren – ein unbestimmtes Gefühl, als würde sich tief in der Dunkelheit des Monolithen, etwas Unfassbares regen.
Er lehnte sich ein wenig vor und wagte einen Blick in diesen Abgrund, der seinen Blick zu erwidern schien. Im schwachen Schimmer, der die Finsternis nur zögerlich zu durchbrechen vermochte, begannen sich die schemenhaften Konturen einer Gestalt vor seinen Augen abzuzeichnen. War dies ein Grabmal? Ein Sarkophag?
Doch diesen Gedanken musste er sofort verwerfen - völlig fassungslos beobachtete er, wie sich die Brust des Wesens in einem leisen, doch unverkennbaren Rhythmus hob und senkte.
Fragen wirbelten durch seinen Kopf: Wie war es möglich, dass hier Leben existierte? Wie konnte es in dieser erdrückenden Schwärze überleben? Würde ihm dasselbe rätselhafte Schicksal widerfahren? Oder wurde er gar... beobachtet? Panisch wandte er sich bei diesem Gedanken um. Doch dieser Nebel aus purster Dunkelheit schenkte ihm keinen Trost.
Mit einer Mischung aus Vorsicht und unausweichlicher Neugier streckte er dennoch seine Hand aus und seine Finger berührten eine kühle Haut, die teils von einem dünnen Stoff umhüllt war. Sein Finger ertastete einen anderen – steif, kalt, ein unwiderlegbares Zeichen des Todes!
Und doch, wider jegliche Logik, trotzte dieses Wesen dem Wissen um seinen eigenen Tod und atmete gegen alle Wahrscheinlichkeit.
Er zuckte zurück, als sein Blick auf zwei verwitterte Hände fiel, die scheinbar mit letzter Kraft etwas umklammert hatten. Einen rechteckigen Gegenstand, der gegen alle Vernunft zu pulsieren schien, mit einem Rhythmus, der das Echo eines weit entfernten Herzschlags in sich trug.
Etwas Unfassbares, eine Kraft, die weder benannt noch verstanden werden konnte, schien von diesem rätselhaften Objekt auszugehen, lockte ihn näher heran, als wäre er durch unsichtbare Fäden mit ihm verbunden. Mit einer Hand, die kurz in der kalten Luft verharrte, als fürchtete er, die kleinste Berührung könne die zerbrechliche Grenze zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen zerreißen, streckte er sich schließlich nach dem pulsierenden Objekt aus.
In diesem flüchtigen Moment, als seine Haut die raue, kalte Oberfläche berührte, einem Moment, der sich anfühlte, als würden Jahrhunderte zu Atem kommen, geschah es:
Plötzlich, ohne ein Geräusch, das die Stille hätte durchbrechen können, zuckten aus der Finsternis neben ihm zwei Augenpaare auf – weit aufgerissen, glühend vor einer unheimlichen, übernatürlichen Intensität. Die Luft um ihn herum schien zu erstarren. Die Zeit selbst hielt den Atem an, als diese blickenden Abgründe ihn mit einer Intensität fixierten, die das Blut gefrieren ließ.
Diese Augen, alt und doch erfüllt von einer Intensität, die das Fleisch überdauerte, starrten ihn an, durchbohrten ihn mit einem Blick, der gleichzeitig aus tiefster Qual und der Resignation unzähliger Jahrtausende gespeist wurde. Sie brannten sich förmlich in seinen Geist.
Diese Augen... Voll Leid und Qual. Voll Wissen und Trauer. Erfahren und alt.

TO BE CONTINUED:
Jeden Sonntag um 12 Uhr
Willkommen zu meinem Debütwerk! Euer Feedback wäre mir unglaublich wichtig und wertvoll.
Nachdem die Geschichte vollständig erzählt ist, habe ich vor, sie in eine Graphic Novel zu transformieren. Doch mein primäres Ziel ist es, die Erzählung in ihrer Gesamtheit zu vollenden.
Ich werde jedoch bereits beim wöchentlichen Release mit verschiedenen Formaten experimentieren.Wundert euch also nicht, falls ein paar Kapitel Bilder haben, andere nicht.
Ich freue mich darauf, diese spannende Reise gemeinsam mit euch anzutreten.
Eure Meinungen und Anregungen sind herzlich willkommen!