Weil ich sein Sohn bin (Teil 2)

Summary

Fortsetzung der Geschichte "Weil ich Ihr Sohn bin" Janek findet auf unschönem Wege heraus, was seine Mutter in der Vergangenheit alles abgezogen hat. Seine Psyche kann die ganzen negativen Eindrücke nicht richtig verarbeiten und verschafft sich auf anderem Weg Erleichterung. Natürlich kann er jederzeit auf die Hilfe seines besten Freundes zählen, doch auch in dieser Richtung gibt es eine Entwicklung die die Welt der beiden Jungs auf den Kopf stellt. - boyxboy - ⚠️ Don't like it, don't read it! ⚠️

Genre
Other/Romance
Author
Rojo
Status
Complete
Chapters
28
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Kapitel 1

"Willst du den Rest?" Luke hält mir seine Chipstüte unter die Nase und stöhnt gequält auf, da er sich anscheinend leicht überfressen hat.

"Mhm, gib her!" Hunger habe ich nicht wirklich, aber die Dinger schmecken einfach zu geil. "Was machst du da?" Luke lehnt sich zu mir rüber und hängt sein Gesicht genau vor das Display meines Handys. Mit meiner linken Hand greife ich nach der Chipstüte, während ich mit dem Daumen meiner rechten Hand auf "posten" drücke. "Habe gerade das Bild von uns hochgeladen!", ich weiß ganz genau, dass Luke mich dafür töten wird, deshalb rutsche ich weiter Richtung Autofenster, um seinem Angriff zu entkommen.


"Welches?", fragt er mit weit aufgerissenen Augen. Ich lache leise auf. "Janek!" Lukes Blick verfinstert sich, während sich mein Lachen etwas steigert. "Nein, das hast du nicht getan!" Luke scheint jetzt genau auf die richtige Spur gekommen zu sein und greift sofort nach meinem Handy, das ich gekonnt in den Kofferraum katapultiere. "Hahaha, doch!", mein Lachen vergeht mir sofort, als mir mein Kumpel in die Seite kneift und der Schmerz sich im gesamten Oberkörper ausbreitet. "Aua! Hör auf!", ich versuche Luke von mir weg zu drücken, doch der kneift mich zusätzlich noch in die andere Seite und zieht an meiner Haut. "Hey, du Penner, lass das. Aua!", ich versuche ihm in die Brustwarze zu kneifen, da er dort am empfindlichen ist und bin mir nach einem Schrei seinerseits sicher, dass ich sie erwischt habe. "Jungs! Aufhören!", wettert der Polizist auf dem Fahrersitz vor sich hin und seufzt laut auf.


Als Luke sich frei gekämpft hat, versucht er sich über die Rückbank zu hängen, um an das Handy zu kommen. "Lass das! Finger weg!", ich werfe mich mit vollem Körpereinsatz auf meinen besten Kumpel und sorge dafür, dass ich mich mit meinem Sicherheitsgurt fast stranguliere. "Hey, hört auf! Ich weiß es ist spät und ihr seid hundemüde, aber die zehn Minuten werdet ihr doch wohl noch schaffen!" Papa ist leicht angefressen, da er auch total müde ist und sich noch restlich auf die Fahrt nach Hause konzentrieren sollte.


Vor einer Stunde sind wir auf dem Flughafen gelandet, da unser erholsamer Italien Urlaub leider schon wieder vorbei ist und jetzt sind wir kurz vor unserem Zuhause. Luke schläft heute bei uns, da wir keine Lust hatten uns zu trennen. Phil und Papa haben zwar gemeint, dass wir jetzt lange genug aufeinander geklebt sind, aber wir sind da anderer Meinung. Mit dem Argument, dass unsere Freundschaft erheblich unter den vorhergegangenen Umständen zu leiden hatte, haben wir die Männer doch um den Finger gewickelt bekommen.


"Janek muss erst das Foto löschen!", motzt Luke vor sich hin und versucht, mich mit beiden Händen von seinem Körper abzuwehren. "Nein. Das ist soooooo cool! Hahaha". Wenn ich an das Foto denke, wie Luke kotzend über dem Rand des Schlauchboots hängt, zerreißt es mich fast vor Lachen. "Was für ein Foto?", will jetzt Nesrin wissen und dreht sich zu uns um. "Das, auf dem Luke kotzen musste. Hahaha!" "Ja und wo du daneben stehst und einen auf Cool machst!" "Janek. Man postet nicht ungefragt Bilder von anderen Personen und sowieso nicht solche!", fährt mich Papa an und wirft mir einen scharfen Blick durch den Rückspiegel zu. "Ihr seid voll die Spielverderber!" Damit alle zufrieden sind und keiner mehr motzen kann, schnalle ich mich ab, hänge mich in den Kofferraum und hangele über das Gepäck zu meinem Handy.


Plötzlich fährt Papa rechts ran und stoppt das Auto. "Janek Sindera! Was fällt dir ein, dich während der Fahrt abzuschnallen und im Auto rum zu turnen? Weißt du eigentlich, wie gefährlich das ist?" Kurz nach der Predigt steigt er aus und öffnet die Klappe des Kofferraums. "Könnt ihr euch mal entscheiden? Erst soll ich das Foto löschen... Dann will ich mein Handy holen, um das zu tun, und dann ist es auch wieder nicht richtig. Was denn nun?" Luke der blöde Arsch kneift mir jetzt ungeniert in die Innenseite meines Oberschenkel, worauf ich lauthals aufschreie: "AAAAAAUAAAAA! MAN LUKE! BIST DU BEKLOPPT?"


"Luke Funke! Aussteigen und rein in mein Auto!" Plötzlich taucht Phil auf und wettert sofort drauf los. "Nein!", schreien Luke und ich gleichzeitig, während ich immer noch halb im Kofferraum, halb auf der Rückbank hänge. "Was wird denn das, wenn es fertig ist?" Tom ist natürlich auch ausgestiegen und will jetzt nach dem Rechten schauen. "Ich wollte nur mein Handy holen!", verteidige ich mich sofort, worauf Herr Mayer mir ebenfalls eine Standpauke hält.


Warum müssen die Beiden ausgerechnet Polizisten sein?


Papa's Kumpel macht kurzen Prozess und zieht mich spontan an den Armen aus dem Kofferraum raus. "Sag mal, spinnst du? Das wäre jetzt echt nicht nötig gewesen!", motze ich dem Blonden entgegen, der mich gerade noch so auffangen kann, bevor ich mit der Nase auf dem Boden gebremst hätte. "So wäre das gewesen, wenn dein Vater hätte eine Vollbremsung machen müssen. Allerdings wärst du dann mit dem Kopf durch die Heckscheibe geknallt. Hast du das jetzt verstanden?" "Ja", knurre ich ihm entgegen und reibe mir meinen Oberschenkel, da er immer noch von Luke's Angriff schmerzt. "Was hast du da?", will Phil natürlich sofort wissen. "Ach, ich wurde nur gezwickt!" Als ich meine kurze Hose ein Stück nach oben schiebe, präsentiert sich ein schon mächtig großer blauer Fleck. "Das reicht jetzt! Luke, sofort in unser Auto! Los!" "Nein, das ist..." "Janek! Wenn Phil das sagt, dann ist das so! Punkt. Fertig. Aus. Rein ins Auto!" Mein Vater zeigt mit seinem Finger in den Innenraum des Gefährts und duldet, seinem Gesichtsausdruck nach, keine Widerrede.


Mit bösen Blick begebe ich mich auf meinen Sitzplatz und verschränke die Arme vor dem Körper.


Seit wann sind die denn so pissig?


Nachdem der Autolenker wieder eingestiegen ist, fahren wir auch sofort weiter. "Janek! Jetzt sei nicht so bockig. Das war wirklich gefährlich! Können wir vielleicht einfach friedlich nach Hause kommen und uns jetzt nicht streiten?" Papa versucht sofort die Wogen zu glätten, doch ich verstehe einfach nicht, warum mein Kumpel jetzt nicht mehr mit zu mir kommen darf: "Warum musste Luke dann jetzt zu Phil?" "Weil Phil zufällig sein Vater ist und ich ihm da nicht rein rede. Ganz einfach!" "Ganz einfach!", äffe ich ihn nach und lehne meinen Kopf gegen die Fensterscheibe. Mein Vater kommentiert das nur mit einem genervten Stöhnen und dreht darauf die Musik etwas lauter.


Nachdem das Auto in der Garage geparkt ist, steige ich direkt aus und öffne den Kofferraum. "Lass uns erst eine Runde schlafen. Den Krempel können wir auch später auspacken!", sagt Papa gähnend und streckt sich in alle Richtungen durch. Nachdem ich die Hand auf meiner Schulter abgeschüttelt habe, krame ich weiter nach meinem Handy und werde fast verrückt, da ich es nicht finden kann.

"Was suchst du denn?" Nesrin stellt sich gähnend neben Papa und beobachtet mein wildes Gewühle. "Mein Handy. Was denn sonst?!" "Ach, Großer... Das brauchst du zum schlafen gewiss nicht. Das kann doch warten!" Papa meint das sicherlich nicht böse, aber ich könnte gerade platzen vor Wut. Nicht nur, dass ich heute Nacht ganz alleine in meinem Zimmer sein muss, nein, ich kann mich nicht einmal mit meinem Handy ablenken. "NEIN KANN ES NICHT!", brülle ich einfach drauf los und spüre wieder diese verräterischen Tränen in meinen Augen aufsteigen.


Nicht heulen! Dummer Kopf! Du bist wütend und nicht traurig, darum musst du nicht die Tränendrüse aktivieren!


Da ich so mit meinen Gedanken beschäftigt bin, kann ich gar nicht so schnell reagieren, wie ich in eine Umarmung gezogen werde. Stocksteif hänge ich in den Armen meines Vater's und kämpfe gegen dieses ungute Gefühl unter meinem Brustbein an. "Was ist los? Warum bist du so sauer?", ertönt eine leise Stimme an meinem Ohr.


Weil ich jetzt zwei Wochen nicht alleine sein musste und die Tatsache, dass heute Nacht niemand bei mir ist, mir aus irgendwelchen Gründen sehr zu schaffen macht.


Da ich mir die Tränen und auch die Wut unterdrücken will, fängt mein ganzer Körper an zu zittern. "Pssssscht, ganz ruhig", redet mein Vater nonstop auf mich ein, doch ich kann mich nicht entscheiden, ob mir das hilft oder mich nur noch wütender macht.


Leider habe ich immer wieder solche Attacken, die wie aus dem Nichts auftauchen. Reinsteigern klappt wirklich super, aber bis das ganze abklingt, können schon mal bis zu zwanzig Minuten vergehen.


"Ich hab's!", ruft Nesrin erfreut, worauf ich mich von Papa löse, nach meinem Handy schnappe und ihr dankbar entgegen lächle: "Danke. Gute Nacht zusammen!" So schnell wie möglich kratze ich die Kurve und verschwinde in mein Zimmer. Dort ziehe ich mich bis auf die Boxer aus, werfe meine Klamotten in eine Ecke und schlüpfe unter die Bettdecke. Schnell checke ich, ob Luke mir noch eine Nachricht geschrieben hat und grinse über beide Ohren, als meine Hoffnung bestätigt wird.


Luke, 03:16 Uhr

Sorry, wollte dir nicht weh tun.

Alles okay bei dir? Mein Vater ist stinksauer 🙄


Ich, 03:38 Uhr

Ach was, halb so schlimm! Klar, alles im Lot. Machen wir morgen was? Der soll sich wieder abregen!💀


Luke, 03:41 Uhr

Logo, ich melde mich bei dir, sobald ich weiß, wie die Lage ist. Ich hau mich jetzt aufs Ohr! Nacht!


Ich, 03:44 Uhr

Okay, bis dann. Schlaf gut!


Ich lege mein Handy auf dem Nachttisch ab und schließe meine Augen. Die Stille ist unerträglich laut und wird nur von dem Piepsen im Ohr und meinem hämmernden Herzschlag durchdrungen. An meinem rechten Hüftknochen beginnt ein fieser Juckreiz, den ich sofort mit meinen Fingernägeln bearbeite. Gefühlsmäßig wird es durch mein Kratzen eher schlimmer als besser, weshalb ich meine Finger so fest wie möglich in meine Haut drücke. Erst als alles komplett schmerzt, stellt sich die Befriedigung ein.


Damit in meinem Zimmer die Stille verschwindet, lasse ich meine Playlist abspielen und lausche der Musik, die sich viel besser anhört als das Nichts.

Kaum sind meine Augen geschlossen, muss ich auch schon eingeschlafen sein.