Mobbing

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Summary

In diesen paar Zeilen, geht es um Mobbing, wie der Titel schon sagt. Handlungsort dafür ist eine Schule und es wird aufgezeigt, was Mobbing bei einem Teenager auslösen kann, zu welchen Taten es ihn bringen kann. Wie sehr eine Sache einen Jungen verletzen kann, die andere aus Spaß und zu ihrem eigenen Vergnügen denjenigen antun. Und welche Konsequenzen es haben könnte. Natürlich ist hier alles fiktiv und die Charaktere frei erfunden. Dennoch... heißt das nicht, dass es eine Situation nicht doch irgendwo in unserer Realität geben könnte oder sogar schon gab. Triggerwarnung: Mobbing, Tot.

Genre
Other
Author
YuriyKajomi
Status
Complete
Chapters
1
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Mobbing

Man erzählt sich immer, die Schulzeit ist die beste Zeit in deinem Leben. Auch wenn du in der Schule lernen musst, für deine Zukunft, kannst du da deinen Spaß haben. Du kannst mit deinen Klassenkameraden und Freunden Unsinn verzapfen ohne großartige Konsequenzen, jedenfalls solange man es nicht übertreibt. Gerade die Pausen waren gut geeignet, um herum zu albern, mit seinen Freunden Pläne für die freie Zeit zu schmieden und einfach alles zu machen, was einem Spaß bereitet.

Allerdings zählte das nicht für alle Schüler. In jeder Schule gibt es den einen und anderen, für den die Schule die reinste Hölle ist. Dank den Klassenkameraden. Auch Nick ist einer dieser Schüler, die jeden Tag aufs Neue Angst davor haben, an diesen für ihn verhassten Ort zu gehen. Momentan ist er in der zehnten Klasse und hat sechs Jahre hinter sich, in denen er Tag für Tag erfahren musste, wie unerwünscht er von den Anderen eigentlich ist. Jeden Tag musste er sich Beleidigungen anhören, wurde herumgeschubst, in seinen Spind eingesperrt, Beine gestellt, mit Papierkugeln beworfen oder auch anderen Sachen, angespuckt, konnte nach dem Sportunterricht seine Sachen aus der Mülltonne fischen, wurden ihm immer wieder Sachen geklaut und damit vor ihm herum gewedelt, so dass er sie aber nie zurückholen konnte, auch den ein oder anderen Drohbrief hat er in dieser Zeit bekommen und die Toilette mied er so gut es ging, um nicht dort noch auf irgendeiner Weise fertig gemacht zu werden. Es gab auch noch andere Dinge, womit seine Schulkameraden ihm zeigten, dass sie ihn nicht in ihrer Nähe haben wollten. Nur möchte er nicht alles aufzählen, einfach weil er nicht ständig daran denken möchte. Im Grunde will er gar nicht an seine Zeit in der Schule denken, nur blöd dass er da immer noch hin muss.

Anfangs hat er noch versucht, mit einem Erwachsenen darüber zu reden, damit diese das stoppen können. Doch haben diese es nur klein geredet. Seine Eltern meinten, dass es schon nicht so schlimm sei, dass er sich vieles nur einbildet und alles nur Neckereien unter Freunden sei. Auch die Lehrer meinten, dass es halt so unter Kindern ist. Er sollte das nicht alles so ernst nehmen, immerhin ist es doch nur Spaß. Sie wollen einfach nicht sehen, dass es Mobbing ist, denn so etwas gibt es an der Schule ja nicht. Und alle Kinder und Jugendliche sind doch lieb zueinander. Niemand würde eine einzelne Person wirklich schaden wollen. So grausam ist an dieser Schule keiner.

Wie unrecht sie doch alle haben. Doch das sieht nur Nick und ein paar Andere, die es genauso wie ihn trifft und vielleicht auch noch einige, die sich allerdings zurückhalten und schweigen, um nicht selbst ins Visier der Mobber zu kommen.

Auch wollte er es zu anfangs etwas lockerer sehen, hat noch versucht mit den anderen Schülern was zusammen zu machen, doch als man ihm immer deutlicher zeigte, dass niemand etwas mit ihm zu tun haben wollte, wobei er den Grund dafür nie erfuhr, kapselte er sich selber ab. Versuchte niemanden im Weg zu stehen, keine Aufmerksamkeit mehr auf sich zu ziehen und stand lieber allein auf dem Pausenhof, als die ganze Zeit über blöde Sprüche und Beleidigungen über sich ergehen zu lassen. Allerdings wurde das von den Lehrern auch nicht gut aufgenommen. Man hat ihm gesagt, er solle sich mehr einbringen in der Klasse, solle bei seinen Klassenkameraden stehen, sich mit ihnen unterhalten. So findet er doch nie Freunde, wenn er immer alleine ist. Nur haben sie leider nicht verstanden, dass es nicht an ihm liegt. Nicht er hat angefangen sich auszugrenzen. Es waren die Anderen, die ihn von sich gestoßen haben, seine Gesellschaft nicht wollen. Aber das interessiert niemanden. Er ist derjenige, der allein ist, also muss er derjenige sein, der keinen Kontakt möchte. Wie unrecht sie doch alle haben…


Auch heute ist wieder einer dieser Tage, wo sich Nick schon einiges von seinen Klassenkameraden gefallen lassen musste. Im Moment erhofft er sich allerdings etwas Ruhe, dafür hat er sich auf dem Pausenhof in eine äußere Ecke zurück gezogen, wo er hofft, dass man ihn dort einfach übersieht. Auch wenn es ein Lehrer schon mal nicht getan hat, der zu ihm meinte, hier doch nicht allein herum zu stehen und sich lieber zu den Anderen zu stellen. Nick meint allerdings nur, dass er keine Probleme damit hat, allein zu sein und somit verschwindet der Lehrer wieder kopfschüttelnd.

Eine Weile geht sein Plan auch auf, er steht allein hier, sein Blick auf sein Handy gerichtet und in ein Spiel vertieft. Dabei merkt er leider nicht, wie sich ihm eine kleine Gruppe von Jugendlichen in seinem Alter nähern. Erst als diese um ihn herum stehen, fällt es ihm auf, doch da ist es schon zu spät um noch zu fliehen.

»Sieh mal unser Nicki. Was machst du hier denn so alleine?«, fragt einer der Jungs mit einem gehässigen Unterton, während er nach dem Smartphone greift, welches Nick in der Hand hält. »Oh.. Ein Spiel. Was soll man auch sonst von so einem Loser erwarten?« Immer noch spricht derselbe Junge, der auf den Namen Jim hört , während die Anderen die Szene mit einem verspottenden Grinsen oder gar leisem Kichern verfolgen. Auch wenn Nick nicht versteht, was daran so witzig sein soll.

Weil er aus Erfahrung weiß, dass er jetzt erst mal nicht wieder an sein Handy dran kommt, versucht er es auch gar nicht erst. Jedenfalls war das der Plan, doch als der Andere Jugendliche anfing, auf seinem Smartphone herum zu klicken, riss ihm doch der Geduldsfaden. Er hat so viele private Sachen auf seinem Handy, die einfach nicht für die Augen seiner Klassenkameraden bestimmt sind. Daher stürzt er nun doch nach vorn, rammt Jim und reißt ihm gleichzeitig sein Smartphone wieder aus der Hand. Der Andere, der mit dieser Reaktion nicht gerechnet hat, verliert sein Gleichgewicht und stürzt nach hinten. Auch Nick kann sich nicht halten und fällt mit, auf den Anderen drauf, dabei verliert er auch sein Handy wieder. Doch in dem Moment denkt er nur daran, sich selbst noch irgendwie abzufangen.

Nachdem sein Klassenkamerad sich nach der Überraschung wieder gefangen hat, sieht er wütend zu den Anderen und stößt ihn von sich herunter, wobei er ihn anschreit: »Was fällt dir ein? Willst du wirklich ärger mit mir?« Bei den Worten holt er ein Messer heraus, wobei niemand weiß, woher er dieses so plötzlich hat und wieso er es mit in die Schule nahm. Doch eigentlich interessiert es auch niemanden. Schon gar nicht die kleine Gruppe, die sogar noch amüsiert darüber ist, immerhin schaut nun Nick ziemlich geschockt auf die Klinge. Geschieht diesem auch Recht, was wehrt er sich auch, geht es nicht nur einem der Umstehenden durch den Kopf.

Jim bemerkt, dass sein Klassenkamerad nun eher eingeschüchtert ist, weswegen er grinsend auf ihn zu geht, während er mit dem Messer in der Hand herum fuchtelt, dabei erklärt er drohend: »Du solltest lieber aufpassen, was du machst, sonst fange ich dich nach der Schule ab und lasse dich die Klinge spüren.« Dabei lacht er, aber nicht nur er, auch die Anderen der kleinen Gruppe finden das amüsant. Nur einer nicht. Nick. Er kann darüber überhaupt nicht lachen.

Immer noch sitzt er auf dem Boden, während der Andere vor ihm hockt, das Messer in der Hand in seine Richtung haltend. Nicks Blick ist nun auf die Klinge gerichtet, dabei sieht er schon vor seinen Augen, wie diese auf ihn nieder rast und seine Haut durchdringt. Genau in diesem Moment zerbricht etwas in ihm, endgültig. All die Gefühle, die er die ganze Jahre empfand und sich in ihm angestaut haben, die bei jeder Beleidigung, bei jedem Wegstoßen, jedesmal wenn man ihm auf irgendeiner Art zeigte, dass er unerwünscht ist, entstanden sind, stürzen über ihn herein. Es ist ein Schmerz, den sich niemand vorstellen kann, ein Schmerz, geboren aus Verzweiflung, aus Selbsthass, aus dem Hass auf diejenigen, die ihn verstoßen, ein Schmerz, der ihn nun Blind für seine nächsten Handlungen macht.

Immer noch lachen die Jugendlichen um ihn herum, als er sich mit einem herzzerreißenden Schrei auf den Jungen vor sich stürzt, dabei das Messer aus dessen Hand reißt und es diesem in den Hals rammt. Nur um ihn endlich zum Schweigen zu bringen. Was er damit auch geschafft hat, aber nicht nur ihn, auch die anderen Jugendlichen sind nun ruhig, schauen geschockt auf die Szene vor ihnen, nicht verstehend, was gerade passiert ist.

Eine Zeitlang ist nur das schwere Atmen von Nick zu hören, dessen Herz bis zum Zerbersten schlägt und dem ein Strom von Tränen aus den Augen rinnt, der scheinbar kein Ende nimmt. Erst ein Schrei von einem der Mädchen aus der Gruppe bringt wieder Bewegung in die Jugendlichen. Während Nick langsam registriert, was er getan hat, entfernen sich die Anderen. Außerdem hört man, wie ein Lehrer angerannt kommt und wissen möchte, was passiert ist.

Die Minuten danach ist Nick wie erstarrt, sein Blick ist auf seinen Klassenkameraden gerichtet, der am Boden liegt und verblutet, während er selber noch immer das Messer in der Hand hält, schützend vor sich, um zu verhindern, dass sich ihm jemand nähert. Auf die Fragen, was das sollte, was mit ihm nicht stimme, reagiert er nicht, dafür hört er, wie seine Klassenkameraden meinen, dass sie selber nicht wissen, wie das passieren konnte. Sie haben sich doch nur unterhalten und plötzlich hätte Nick ein Messer in der Hand und auf den Anderen eingestochen. Einfach so. Ohne Grund.

Dabei stimmt das gar nicht. So war das doch alles nicht. Geht Nick durch den Kopf, doch sagen tut er es nicht. Weiß er doch, dass man es ihm eh nicht glaubt. Hat man es doch sonst auch nie getan. Und diejenigen, die die Wahrheit kennen, werden diese nie zugeben. Wollen sie doch nicht selber, als die Bösen dastehen. Also schieben sie lieber alles auf Nick. Und wer sollte an der Darstellung der Geschehnisse, so wie sie es erzählen, zweifeln? Immerhin hat er doch das Messer in der Hand. Er hat auf Jim eingestochen. Außerdem ist er derjenige, der sich immer abgegrenzt hat, derjenige, der sich seltsam verhalten hat, weil er keinen Anschluss fand. Also ist auch er der Böse in dieser Sache, der Täter, der Mörder. Dabei wollte er das nicht. Er wollte nie jemanden verletzen.

Wieder entweicht seiner Kehle ein Schrei, der all seinen Schmerz beinhaltet, während er mitbekommt, dass einige Polizeiautos und ein Krankenwagen an der Schule halten. Die Beamten kommen zügig auf ihn zu, doch stoppen sie, als sie das Messer in seiner Hand sehen. Können sie ihn doch nicht einschätzen. Würde er auch auf sie einstechen? Wollen sie noch mehr Verletzte oder Tote riskieren?

Immer noch aufgewühlt und mit rasendem Herzen schaut sich Nick auf den Schulhof um, bemerkt somit die Polizisten, die auf ihn einreden, damit er das Messer fallen lässt, sieht die Schüler, die sich tuschelnd unterhalten und auf ihn zeigen, aber auch die Lehrer bemerkt er, die fassungslos zu ihm schauen, nicht fassen können, dass sowas ausgerechnet an ihrer Schule passiert. Und in diesem Moment wird ihm klar, dass es nur noch einen Ausweg gibt. Es nur noch eine Möglichkeit gibt, dem allem endlich zu entkommen.

Als er für sich den Entschluss fasst, seine nächste Handlung, seine Entscheidung akzeptiert, legt sich mit einem Mal eine Ruhe über ihn. Das Gefühlskarussell in ihm bleibt stehen, sein Herzschlag wird langsamer und der Schmerz, der ihn gefangen hält, wird stumpf.

Mit den Gedanken bei seinen Eltern, an denen er stumm eine Entschuldigung sendet, umfasst er das Messer fester und rammt es sich selbst mit einem Ruck in den Hals.

Während die Umstehenden fassungslos zu Nick schauen, sackt dessen Körper in sich zusammen. Kurz darauf ist ein Rettungssanitäter bei ihm, aber auch bei den anderen Jungen, dessen Augen starr nach oben schauen. Allerdings kommt für beide die Hilfe zu spät. Es kann nur noch deren Tod festgestellt werden.


An diesem Tag gibt es keinen Unterricht mehr an dieser Schule, dafür treffen später einige Psychologen ein, die spezialisiert auf solche traumatischen Erlebnisse sind, um die beteiligten Jugendlichen zu betreuen. Aber auch Reporter kommen hin, um über die Geschehnisse zu berichten und eine unfassbare sensationelle Story daraus zu machen. Natürlich wird dabei Nick als das Monster dargestellt, das grundlos einen Mitschüler erstochen hat und danach sich selbst. Niemand von den Schülern gibt zu, dass sie ihn seit Jahren fertig gemacht haben und auch die Lehrer beteuern immer wieder, dass es kein Mobbing an ihrer Schule gibt und diese Tat einfach nicht vorhersehbar war. Dafür wird erzählt, dass sich der Täter eher zurückgehalten hatte, er hatte keine Freunde, war aber immer sehr ruhig und zeigte nie eine Art von Gewaltbereitschaft, was diese Tat noch schockierender und unfassbarer macht.