Herz aus Glas

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Summary

Sex mit der Ex? Seit neun Monaten ist Julian mit Sylvia zusammen. Ihre gemeinsame Zeit scheint Glück und Erfüllung zu versprechen. Doch trotz ihrer Nähe fühlt sich Julian nicht wirklich von Sylvia verstanden. Als ihr erster Schritt in die Intimität in einer Katastrophe endet, begegnet Julian seiner alten Liebe Katja wieder und alte Gefühle flammen auf. Wird er der Versuchung nachgeben oder kann er seine Beziehung mit Sylvia retten?

Status
Complete
Chapters
4
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Ohne Liebe

„Aha. - Ähmmm… - Was ist denn das da?“

Julian stand etwas irritiert in Silvias Schlafzimmer. Irgendwie hatte er sich das alles etwas anders vorgestellt.

„Das ist dein Bett.“

„Sollte das nicht unser Bett sein?“

„Ist es ja auch. Hier schlafe ich und du...“, Silvia deutete mit dem Zeigefinger auf die linke Seite dessen, was sie für ein gemeinsames Bett hielt, „du schläfst da!“

„Aber mein Bett ist gut dreizehn Zentimeter höher als dein Bett!“

„Ich hatte nur das“, entgegnete Silvia lakonisch und ging.

Julian stand da wie ein begossener Pudel und verstand die Welt nicht mehr. Er war mittlerweile seit fast einem dreiviertel Jahr mit Silvia zusammen und fand, dass es an der Zeit war neben dem Tisch auch einmal das Bett miteinander zu teilen. Und da stand es nun, das „Bett“. Zwei Einzelbetten in unterschiedlicher Ausführung, mit unterschiedlichen Matratzen, unterschiedlichen Höhen und vermutlich vollkommen unterschiedlichen Auffassungen für welche Aktivitäten dieses „Bett“ in Zukunft genutzt werden sollte. Silvia sah für ihr Alter durchaus ansprechend aus. Sie trug einen schwarzen Kurzhaarschnitt und benutzte kein Make-Up. Hatte sie auch nicht unbedingt nötig, denn ihre Augen strahlten wie leuchtende Sterne wenn sie lachte und ihre Lippen waren fein wie Silberstreifen am Horizont. Obwohl sie Halbitalienerin war, fehlte ihr das lebhafte und leidenschaftliche Temperament und sie gab sich eher schüchtern und zurückhaltend. Natürlich gibt es Frauen, die etwas länger brauchen um mit einem Mann ins Bett zu gehen. Aber ein dreiviertel Jahr? Julian war ziemlich rollig. Vielleicht war es ein Fehler eine Beziehung einzugehen ohne die Frau vorher (natürlich völlig unverbindlich) in allen Lebenslagen (oder sagen wir mal besser Lebensstellungen) ausgiebig getestet zu haben. Er wollte ihr die Zeit geben, die sie benötigte; schließlich meinte er es ernst. Julian wollte die Frau fürs Leben; reichlich Spaß hatte er in der Vergangenheit gehabt. Außerdem passten die beiden so gut zusammen: Beide liebten ausgedehnte Spaziergänge. Beide spielten ein Instrument und waren musisch interessiert, liebten Kunst, Kultur, Konzerte. Beide waren Mitte dreißig. Für Julian wurde es langsam Zeit, sesshaft zu werden. Julian bekam Zweifel. Silvia war eine starke Frau, die mitten im Leben stand. Sie stemmte ihren Job als Musiklehrerin, leitete nebenbei noch mehrere Chöre und engagierte sich kulturell sehr stark. Da geht unter der Woche viel Zeit drauf und am Wochenende muss dann erledigt werden, was unter der Woche liegengeblieben ist. So weit, so gut. Aber bei Julian war es nicht anders: Er war geschieden, kinderlos und hatte auch einen stressigen Job. Seinen Haushalt musste er alleine schmeißen und auch er hatte einige abendliche Verpflichtungen. Bei einer dieser Verpflichtungen hatte er auch Silvia kennengelernt. Sie hat ein Chorprojekt geleitet und er hat mitgesungen. Ein Tenor! Das ist quasi eine aussterbende Spezies. Darum war auch Silvia sofort an ihm interessiert. Sie leitete noch andere Chöre und überall verzeichnete sie chronischen Männerstimmenmangel, ein Phänomen, das überall weit verbreitet ist. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Julian eroberte mit seiner Sangeskunst schließlich Silvias Herz und die beiden wurden offiziell ein Paar. Leider eroberte er bis jetzt nicht ihren Unterleib. Silvia lies bis jetzt jedwede Aktivität in diese Richtung vermissen.

Gerne hätte er Silvia in den vergangenen Wochen und Monaten beglückt. Dazu wollte er sich jetzt Gelegenheit verschaffen. Gänzlich schien sie der Sache nicht abgeneigt zu sein. Aber dreizehn Zentimeter Höhenunterschied? Julians Gedanken kreisten um die kommende Nacht. „Löffelchen scheidet da schon mal komplett aus. Und wo sollen wir es dann treiben? Sie, Cowgirl, Bett oben und ich, auf dem Rücken, Bett unten?

„Magst du noch was essen?“ riss Silvia Julian aus seinen Überlegungen heraus.

„Ja, ich komme gleich. Was gibt es denn?“

„Was im Kühlschrank liegt!“

„Also mal wieder fast nichts...“, dachte Julian leicht deprimiert. Der Kühlschrank zeigte immer irgendwie chronische Mangelerscheinungen. Das lag nicht daran, dass das Haushaltsgeld knapp gewesen wäre; es lag vielmehr an der Einkaufsstrategie. Silvia kaufte immer das gleiche: Butter, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Mozzarella, Parmesan, Marmelade, Chilisoße.

„Eine Wurst wäre jetzt toll!“ rief Julian aus dem Badezimmer heraus.

„Puhhh, das ist viel zu fleischlastig“ schallte es zurück.

Im Kühlschrank fand Julian noch eine Packung angetrockneten Schnittkäse, den er vorletzte Woche mitgebracht hatte und ein paar hartgekochte Eier. „Ei mit Maggi!“, das wäre es jetzt.

„Wo hast du den Maggi?“

„Es steht alles im Schrank über dem Herd!“

„Da steht nur Salz und Pfeffer und sonst nichts!“

„Ich brauche kein Maggi, darum hab‘ ich auch keins.“

„Na toll“, dachte Julian und deckte den Esstisch im Wohnzimmer. Silvia saß im Hängesessel und las ein Buch.

„Wohin fahren wir den dieses Jahr in Urlaub?“ fragte Julian, während er das Besteck zurechtlegte.

„Ich weiß noch nicht.“

„Wo würdest du denn gerne mal hinfahren?“

„Da wo es schön ist.“

„Wie wäre es mit den Malediven? Sonne, Strand, Meer…“

„Am Baikalsee soll es auch schön sein.“

„Baikalsee? Wo liegt der gerade noch mal?“

„In Russland.“

Julian verkrümelte sich wieder in die Küche und plünderte den Kühlschrank. Er drapierte dessen Inhalt so ästhetisch es ging auf dem Wohnzimmertisch. Aus dem Mozzarella und den Tomaten zauberte er, wie immer, Caprese und dekorierte das Ganze mit einigen Spritzern Olivenöl und ein paar Basilikumblättchen. Wenigstens gehörte ein Basilikumtöpfchen zu Grundausstattung der halbitalienischen Küche.

„Ta - ta - ta - taaa! Essen ist fertig!“

Silvia und Julian setzten sich an den Esstisch und begannen mit der Einnahme des Nachtmahls.

„Was hältst du davon, wenn wir morgen ein bisschen einkaufen?“ fragte Julian.

„Mozzarella ist alle.“

„Ich meinte, ob wir uns für den Rest der Woche etwas bevorraten sollen. Ich könnte uns vielleicht etwas Leckeres kochen, die nächsten Tage.“

„Ich weiß doch noch gar nicht, auf was ich in den nächsten Tagen Appetit habe.“

„Naja, darum wollte ich mit dir ja mal darüber reden. Ich könnte am Mittwoch ein Hühnercurry mit Reis machen oder so etwas und am Donnerstag vielleicht einen Nudelauflauf.“

„Vielleicht habe ich darauf ja gar keinen Appetit.“

„Aber ich weiß, auf was du Appetit haben wirst!“

„Auf was denn?“

„Auf Caprese.“

Julian räumte resigniert den Tisch ab. Seine Planungen für die gemeinsamen kulinarischen Highlights dieser Woche gestalteten sich etwas schwierig, ebenso wie die Urlaubsplanung für den Sommer. Vielleicht würde etwas heißer Sex die eingefrorenen Debatten auftauen? Immerhin, Silvia war Halbitalienerin und da sollten doch irgendwo verborgene Temperamente in ihr schlummern. Vermutlich musste man nur die richtigen Knöpfe drücken und die waren hoffentlich heute Nacht unter ihrem Nachthemd zu finden.

„Hilfst du mir beim Abwasch?“ schallte es aus der Küche.

Silvia kam Julians Bitte nach und ging in die Küche. Julian hatte mittlerweile das Spülwasser ins Becken eingelassen. Außerdem dachte er wäre es nicht schlecht, das Vorspiel schon ein wenig in die Küche zu verlagern.

Wenn sie doch nur in seine Wohnung hätte kommen wollen! Nicht nur, dass der Kühlschrank dort für die Gestaltung des Nachtmahls eine wesentlich breitere Variationsvielfalt zuließ. Ein Teil der Arbeitsplatte war auf „Frauenhöhe“ abgesenkt. Frauenhöhe bedeutete nicht nur, dass eine Frau die optimale Arbeitshöhe vorfand, um Lebensmittel zu verarbeiten, sondern, dass Julian auch seine optimale Arbeitshöhe vorfand um eine Frau in der Küche zu beglücken! Erfahrungswerte hatte er in der Vergangenheit schon reichlich gesammelt.

Als Silvia hereinkam stellte sie sich neben das Spülbecken und fing an abzutrocknen. Silvia hatte eine Achtzigerjahre-Küche in der es noch keine Spülmaschine gab, also war Handarbeit angesagt. „Apropos Handarbeit…“, Sylvia hatte zierliche Künstlerhände, die trotzdem einen kraftvollen Anschlag auf dem Klavier hervorzaubern konnten. Ob sie auch bei Ihm kraftvoll und gefühlvoll zugleich…?“

„Du tropfst!“

„Du hoffentlich bald auch…“ dachte Julian. Vom nassen Geschirr war ihm etwas Wasser auf den Boden geronnen. Er nahm ein Wischtuch und machte die Sauerei weg. „Stichwort: Sauerei“, dachte er.

„Sollen wir dann nicht bald ins Bett gehen?“

„Ja, das können wir machen.“

„Und es dann mal ausprobieren?“

„Am Samstag habe ich ein Musikschulvorspiel. Da muss ich hin. Es kommt auch der Bürgermeister. Das ist wichtig.“

„Ich hätte auch gerne ein Vorspiel und würde dann auch gerne mal kommen...“ dachte sich Julian und machte das Spülbecken sauber.