Eine schöne Bescherung

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Summary

Dieses Weihnachten wird heißer als je zuvor! Als Sabine am Heiligabend ihr Geschenk von ihrem Mann Martin erhält, trifft sie eine unerwartete Überraschung. Martin schenkt ihr einen Gutschein – aber nicht für das, was sie erwartet hatte! Mit gemischten Gefühlen löst Sabine schließlich den Gutschein ein und findet sich dabei in einer Welt voller neuer, aufregender erotischer Entdeckungen wieder. Dieses Abenteuer entfacht ein Feuer, das nicht so leicht zu löschen ist. – Die perfekte Lektüre für einen heißen Winterabend!

Status
Complete
Chapters
5
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Würstchen mit Kartoffelsalat

„Wie lange dauert es denn noch?“

„Bestimmt nicht mehr lange“, antwortete Sabine und trocknete nebenbei die hässliche, beige Keramikschüssel mit dem roten Rand ab, die sie damals von ihren Schwiegereltern zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte. Heute gab es Würstchen mit Kartoffelsalat zum Abendessen, wie an jedem Heiligabend. Manche nennen es „Tradition“, die anderen „Langeweile“.

Nico begann zu quengeln.

„Das Christkind hat heute viel zu tun. Es muss so vielen Kindern Geschenke bringen. Lange wird es aber bestimmt nicht mehr dauern. Möchtest du noch einmal das Bilderbuch mit der Weihnachtsgeschichte ansehen?“

Sabine wusste ganz genau, wo sich das „Christkind“ gerade aufhielt. Im bürgerlichen Leben hieß es Martin Hoffmann und war seit sieben Jahren mit Sabine verheiratet. Martin war 47 Jahre alt und arbeitete, wenn er nicht gerade kunstvoll Geschenke unter dem Weihnachtsbaum drapierte, „nebenberuflich“ als IT-Spezialist. Eigentlich war er Netzwerkadministrator, aber Sabine hatte keine Ahnung, was das eigentlich ist und was Martin den ganzen Tag auf der Arbeit macht. Momentan war das „Christkind“ damit beschäftigt, im Wohnzimmer die kleine Modellbahnanlage zusammenzubauen, die Nico, ihr Sohn, an diesem Abend bekommen sollte. Sabine konnte sich noch genau an den Tag ihrer Hochzeit erinnern. Es war ein sonniger Freitag im Mai. Viele Gäste waren nicht zu ihrer Hochzeit geladen, denn für Martin war es bereits die zweite Ehe. Er wollte kein großes Brimborium, und so feierten sie nur mit ein paar Freunden und Verwandten. Tante Ilona zum Beispiel, die beim Mittagessen das Rumpsteak in ihrer Handtasche verschwinden ließ, da sie es mit ihren Zähnen nicht beißen konnte. Verliebt bezogen die beiden ein kleines Reihenhaus mit einem gemütlichen Garten auf der Rückseite, der ihnen einen stillen Rückzugsort bot. Im November kam dann Sohn Nico auf die Welt – vier Wochen zu früh.

Ihren Mann hatte Sabine während eines Urlaubs in Italien am Gardasee kennengelernt. Sie wohnte mit einer Freundin in einer kleinen Pension, und er campte mit Freunden auf einem nahegelegenen Campingplatz. Damals verbrachten sie endlose Stunden miteinander, sprachen über alles und nichts, hielten Händchen und saßen eng aneinandergekuschelt auf einer Bank, den Blick in die weite Ferne der Landschaft gerichtet. Oder sie knutschten wie Teenager vor der Eingangstür der kleinen Pension, in der Sabine ihren Urlaub verbrachte, bis die Dunkelheit ihre Silhouetten im Nichts verschwinden ließ. Harmonie stand bei den beiden an erster Stelle. Auch im Bett. Doch soweit waren sie am Gardasee noch nicht. Als der Urlaub vorbei war und sie wieder nach Hause fahren mussten, trennten Sabine und Martin zweihundertsiebenunddreißig Kilometer voneinander. Trotz dieser räumlichen Distanz trafen sie sich jedes Wochenende. Gemeinsame Kinobesuche, Stadtbummel, lange Spaziergänge, gemütliche Tapas-Abende oder ein Late-Night-Cocktail in „Edy’s Lounge“ – sie genossen ihre gemeinsame Zeit, und es dauerte nicht lange, bis ihre Nähe in einer Nacht der Leidenschaft gipfelte. Sie ließ ihn tun, was er wollte, und fand dabei eine stille Freude. Das herrliche Gefühl der Intimität, als er sie zum ersten Mal entkleidete und sie beide, Körper an Körper, Haut an Haut, nebeneinander lagen und sich dicht aneinander kuschelten. Das Prickeln, als er sie das erste Mal zärtlich berührte. Die euphorische Erregung, als er ihre intimsten Stellen zum ersten Mal liebkoste. Alles war so neu für Sabine und so aufregend!

Damals lebte Sabine noch in ihrer kleinen Einzimmerwohnung und schlief in einem schmalen Einzelbett. Es war herrlich eng! Und das beschränkte sich bei weitem nicht nur auf das Bett. Ihr sexueller Erfahrungsschatz war recht gering, aber sie genoss es, ständig neue Erfahrungen zu machen oder die bestehenden zu vertiefen. Martin wiederum genoss es, sich immer wieder an Sabines Oase der Lust zu laben, die jedes Mal übervoll mit weiblichem Nektar gefüllt war, wenn er sie nur voller Begehren ansah. Nach ein paar Wochen wich das Einzelbett einer größeren Spielwiese, auf der die beiden in innigster Verbundenheit ganze Sonntage verbrachten und den Rest der Welt um sich herum vergaßen. Martin war überglücklich, als Sabine einen Termin beim Frauenarzt wahrnahm. Nach diesem Besuch konnte er endlich die letzte Gummibarriere fallen lassen, die sie bislang noch voneinander getrennt hatte. Mit der Zeit wuchs Sabines Erfahrungsschatz. Nicht, dass Martin sie in die tiefsten Geheimnisse und außergewöhnlichsten Praktiken der Liebeskunst eingeweiht hätte. Eigentlich kamen die beiden über ausgedehnten Blümchensex nicht hinaus. Mittlerweile wusste sie zwar, dass Martin gerne mit ihr Hündchen spielte, sie gerne eine Reitstunde auf ihm einlegte und dass ein Löffelchen viel mehr war als ein Teil des Bestecks, mit dem man das Dessert einnimmt. Zu viel mehr kam es dennoch nicht, denn beide waren glücklich mit dem, was sie hatten und taten. Sabine reichte es, wenn ihre Schatzkammer mit der kraftvollen Essenz des Mannes gefüllt war, den sie liebte, und sie sich dann neben ihm ins Bett fallen lassen konnte. Mehr brauchte es nicht – dachte sie zumindest.

„Wie lange noch?“

„Gleich, mein Schatz. Es ist bestimmt gleich so weit.“

Sabine räumte das Besteck aus der Spülmaschine und verstaute den Topf, in dem die Würstchen zubereitet wurden, blankpoliert im Küchenschrank.

„Ich schaue mal nach, ob es vielleicht schon erste Anzeichen gibt, dass das Christkind in der Nähe ist. Bleib du schön hier in der Küche. Du weißt ja: Wenn du ins Wohnzimmer schaust und das Christkind erschreckst, dann fliegt es weg und nimmt die ganzen Geschenke wieder mit!“

„Wo ist eigentlich Papa?“

„Der ist... beschäftigt.“

Flink eilte Sabine durch den Flur und öffnete lautlos die Wohnzimmertür.

„Wie lange dauert es denn noch?“, flüsterte sie mit einem drängenden Unterton.

„Es ist schon halb acht und Nico wird ungeduldig!“

„Ich muss nur noch den Trafo für die Beleuchtung der Häuschen anschließen, dann bin ich fertig!“

Früher wäre das der Moment gewesen, bei dem Sabine durch die halboffene Wohnzimmertür geschlüpft wäre, um sich zu Martin zu gesellen. Gemeinsam hätten sie für eine schöne Bescherung gesorgt. Nicht nur dass Sabine geholfen hätte alles liebevoll vorzubereiten, sie hätte Martin schließlich dabei zugesehen, wie er, ganz langsam und vorsichtig, den Stecker in die Dose gesteckt hätte. Voller Experimentierfreude hätten sie die Stellungen am Schalter des Trafos gewechselt um die Spannung allmählich zu erhöhen, bis ein elektrisierendes Gefühl ein Leuchten im Raum erstrahlen ließ, das heller und schöner war als die Kerzen am Weihnachtsbaum. Doch heute musste Sabine ihren hausfraulichen Pflichten nachkommen und nebenbei Nico bei Laune halten, bis das Christkind endlich fertig war.

„Denkst du nachher an das Glöckchen? Ich habe es auf den Wandschrank gestellt.“

Sabine musste noch schnell die Geschenke für Martin, die sie im Schlafzimmerschrank versteckt hatte, bereitlegen. Dieses Jahr sollten es ein Kochbuch, eine Kuscheldecke und eine Wintermütze sein. Hoffentlich passte sie ihm. Martin hatte einen Dickkopf und trug Hutgröße 62. „Schließlich muss die Intelligenz ja irgendwo hin!“, bemerkte er immer, wenn man ihn darauf ansprach. Sabine stellte sich schon darauf ein, den obligatorischen Weihnachtsgutschein von einem Drogeriemarkt oder einem Online-Versandhaus geschenkt zu bekommen. Nicht dass sie darüber unzufrieden gewesen wäre, aber Sabine sehnte sich nach einem Überraschungsmoment. Wie schön war es früher, als sie Martin kennengelernt hatte und er sie immer wieder überraschte. Mittlerweile wich Martins Ideenreichtum einer gewissen Kontinuität oder sagen wir besser: Eintönigkeit. Gutscheine sind praktisch, zumindest nach seiner Auffassung. „Da kannst du dir genau das aussuchen, was du möchtest, mein Schatz!“ Sollte es diesmal wieder ein Ammazon-Gutschein werden? Dann wusste sie auch schon, was sie sich bestellen würde.

Es klingelte. Allerdings kam der Glockenton nicht vom Weihnachtsglöckchen des Christkinds. Irgendjemand klingelte draußen an der Haustür.

„Ich mache auf!“, rief Sabine laut durch den Hausflur, damit Nico nicht auf die Idee kam, die Küchentür zu öffnen.

„Brrrrr! Ist das ein Sauwetter!“, beschwerte sich Sabines Schwiegervater, der gerade ziemlich durchnässt von draußen hereinkam und den Boden des Hausflurs mit seinen dreckigen Straßenschuhen verschmutzte. Nach dem Essen hatten Sabines Schwiegereltern noch einen kleinen Verdauungsspaziergang gemacht. „Dann passen nachher mehr Plätzchen hinein!“, meinte ihr Schwiegervater. Außerdem wollten sie in der Küche nicht hinderlich sein, wenn Sabine den Abwasch erledigte. Sie wussten ja sowieso nicht, wo die ganzen Töpfe und Teller hingehörten, und dann gab es auch kein Durcheinander, wenn sie nicht mithalfen und sich stattdessen ein wenig die Füße vertraten. Auch Martin hatte seine Tätigkeiten als Christkind beendet und kam wieder aus dem Wohnzimmer hervor. Sabine nutzte den Trubel, um noch schnell Martins Weihnachtsgeschenke unter den Baum zu legen. Dort sah sie schon den Umschlag mit dem obligatorischen Weihnachtsgutschein stehen. Sie atmete tief durch und wollte das Wohnzimmer gerade wieder verlassen, als sie das Glöckchen auf dem Wandschrank stehen sah. Vorsichtig und mit Bedacht hob sie es an. „Dieser Mann hat ein Gedächtnis wie ein Sieb! Wie soll das Christkind denn ohne Glöckchen klingeln?“

„Ich bin so durchgefroren, ich brauche jetzt erst einmal einen Schnaps!“, hörte Sabine die Stimme ihres Schwiegervaters über den Gang schallen.

„Wie wäre es denn, wenn wir jetzt erst einmal Bescherung machen?“, stoppte Sabine dieses Unterfangen und ließ das Glöckchen ertönen, das wie jedes Jahr mit seinem hellen und freundlichen Klang die Bescherung einleitete.

„Später gibt es bestimmt noch einen Schnaps!“, konnte man Sabines Schwiegermutter im Hintergrund sagen hören, während Nico die Küchentür aufriss und freudestrahlend in Richtung Wohnzimmer lief. Es bahnte sich der ganz normale Wahnsinn an. Sabine, die über den Besuch ihrer Schwiegereltern überhaupt nicht begeistert war, warf Martin einen strengen Blick zu. „Schenk bloß nicht so oft ein! Hinterher habe ich wieder eine Schnapsleiche im Wohnzimmer liegen!“, konnte Martin aus ihrem Gesichtsausdruck herauslesen. Martins Augen sprachen ebenfalls Bände: „Jaja, ich passe schon auf!“ Während Nicos Augen strahlten und er begierig darauf wartete, nun endlich die Geschenke auspacken zu dürfen, betraten auch Sabine, Martin und ihre Schwiegereltern das Wohnzimmer.

Die Kerzen am Weihnachtsbaum leuchteten festlich, die Dampflok zog schnaufend ihre Kreise, das Kind freute sich und Opa richtete seinen Blick in Richtung der Hausbar. Sabine fasste Martin zärtlich bei der Hand. Sie spürte, dass auch er sich auf die Bescherung freute, genau wie ihr kleiner Sohn. Alles war perfekt vorbereitet und somit konnte die Bescherung nun beginnen. Ihr Blick fiel auf den Umschlag mit ihrem Gutschein, der etwas versteckt ganz hinten hinter dem Weihnachtsbaum lag.

Alles würde so werden wie immer... – Oder vielleicht doch nicht?