Kapitel 1
Die Kleinstadt erwachte langsam zum Leben, während der letzte Hauch des Tages in die Dämmerung überging. Es war Halloween, und die Vorbereitungen für die Nacht begannen schon in den frühen Abendstunden. Kleine Gruppen von Kindern und Jugendlichen liefen kreischend und lachend durch die Straßen, ihre Stimmen vermischten sich mit dem Rascheln der Blätter, die der kühle Herbstwind über die gepflasterten Wege trieb.
Vor den Häusern baumelten flackernde Kürbislaternen, deren ausgehöhlte Fratzen von Kerzenlicht erfüllt wurden. Manche Fenster waren mit falschen Spinnweben bedeckt, in denen kleine Plastikspinnen hingen, während aus den Gärten gespenstische Geräusche drangen – mechanische Geister, die auf Knopfdruck heulten, und Hexenfiguren, die bei Bewegung auf vorbeieilende Kinder herabblickten.
Im Zentrum der Stadt, auf dem kleinen Marktplatz, herrschte reges Treiben. Die Bäckerei hatte ihren Duft von frischgebackenem Brot gegen den verführerischen Geruch von süßen Kürbiskuchen und Zimtstangen eingetauscht. Überall gab es Apfelringe, in Karamell getaucht und mit gehackten Nüssen bestreut, während in den Backöfen Hexenfinger – knusprige Plätzchen in Fingerform, mit roten Mandelspitzen als Nägel – auf Backblechen lagen. Eltern stellten Schalen voller Bonbons bereit, und an einigen Türen waren Schilder befestigt: „Süßes, sonst gibt’s Saures!“
Die kostümierten Kinder konnten kaum stillstehen. Kleine Vampire, Hexen, Zombies und Geister sammelten sich in Gruppen, ihre Körbe und Taschen bereits zur Hälfte gefüllt mit Süßigkeiten, obwohl die Jagd nach Leckereien noch nicht richtig begonnen hatte. Ein Junge in einem schiefen Frankenstein-Kostüm rannte aufgeregt auf und ab, während seine Schwester – als gruselige Puppe verkleidet – geduldig auf ihn wartete, ihre große Augenmaske in der Hand, um besser sehen zu können.
Die älteren Teenager, die das Kleinstadtleben oft als langweilig empfanden, waren heute Nacht voller Energie. Sie hatten ihre eigene Art, Halloween zu feiern: Manche von ihnen planten Streiche, wie Toilettenpapier über die Bäume der Nachbarschaft zu werfen, oder jüngere Kinder zu erschrecken, indem sie sich hinter den Büschen versteckten und schaurig heulend hervorsprangen. Andere schmückten sich mit aufwendigen, gruseligen Masken, in der Hoffnung, sich gegenseitig mit Horrorgefühlen zu überbieten.
In den Küchen der Halloween-Freunde dampfte es. Die Erwachsenen waren eifrig dabei, ihre eigenen kleinen Halloween-Partys vorzubereiten und Snacks zuzubereiten, die so unheimlich wie köstlich waren. Monster-Brownies mit grüner Zuckerglasur und Schokoladenaugen standen neben roten Getränken, die mit „Blut-Cocktail“ beschriftet waren, während in einer Ecke eine große Schüssel mit dampfendem Punsch darauf wartete, serviert zu werden.
Die Abendluft füllte sich mit dem Klang von Glocken, Türklappen und Kinderlachen. Hier und da stieg Rauch von kleinen Lagerfeuern auf, die die Bewohner der Stadt für ihre Halloween-Partys entzündet hatten. Doch hinter dem Lachen und dem Spaß, dem Glitzern der Kostüme und der fröhlichen Hektik lag eine kaum wahrnehmbare Spannung in der Luft – eine unbestimmte Unruhe, die jenseits des Kinderspiels lag.
Ein älterer Mann, der vor seinem Haus Kürbisse schnitzte, hielt inne, als er einen kalten Schauer über den Rücken fahren spürte. Sein Blick wanderte zum Waldrand, der knapp hinter seinem Haus begann, und für einen Moment schien die Dunkelheit dort tiefer und schwärzer zu sein als gewöhnlich. Er rieb sich die Hände, als wollte er die Gänsehaut vertreiben, bevor er seine Arbeit fortsetzte. Doch etwas blieb in der Luft hängen – eine leise Vorahnung, die sich wie ein Flüstern durch die Nacht zog, kaum bemerkbar, aber doch präsent.
Halloween war die Nacht der Geister und Monster, das wusste jeder. Doch es gab Gerüchte, alte Geschichten, die nur die Ältesten den unartigen Kindern in der Nacht erzählten – Geschichten über Dinge, die in der Dunkelheit lauerten und mehr waren als nur harmlose Streiche oder kostümierte Kinder.
Geschichten über Werwölfe und Vampire ...








