Jenseits der Wirklichkeit

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Summary

Sie ist ehrgeizig im Job, aber eigentlich eher schüchtern und brav. Als die junge Faith eines Abends am Bahnhof die Gleise überqueren will, so wie sie es jeden Abend nach der Arbeit macht, passiert etwas sehr Eigenartiges: Ein tiefes, endlos erscheinendes Loch tut sich mitten in der Straße vor ihr auf. Anscheinend kann nur sie es sehen. Als sie es umlaufen will, zieht es Faith hinein… und die junge Frau landet plötzlich in einer völlig bizarren, fremden Welt, die unter der Erde im Untergrund existiert. Dort leben neben düsteren Gestalten, unsterblichen Kreaturen und Fabelwesen auch ganz normale Menschen. Diese Wanderer, wie sie genannt werden, stammen ursprünglich aus der Welt, in der Faith lebt. Sie besitzen die Fähigkeit, zwischen dem so genannten Underground und der oberen Welt zu wandern und wollen zwischen beiden Welten eine geheime Co-Existenz bewahren. Ihnen schließt Faith sich an und wird schnell zu deren Anführerin. Jedoch sind ihr die Rebellen, die seit Jahren Krieg gegen die Wanderer führen, bereits auf den Fersen. Erst nach und nach versteht Faith, warum das so ist: Sie ist eine Gejagte, da sie scheinbar über seltsame Mächte verfügt... Fantasy und Romance vereint in einer spannenden Story, die fast schon ein Thriller ist. Der Start der brandneuen Urban-Fantasy-Serie THE UNDERGROUND WARS von Elias J. Connor und seiner Co-Autorin Bloody Rose.

Status
Complete
Chapters
23
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

KAPITEL 1 - DAS ZEICHEN

Der Weg schlängelt sich durch das einsame riesige Feld. Obgleich er sich gerade anfühlt, hat er viele Kurven und Windungen. Das leise Rauschen der Blätter, die sich an den Bäumen am Wegrand befinden, streift mein Ohr nur schwach. Ich höre es fast nicht, aber ich nehme es irgendwie wahr.

Über mir ist eine sternklare Nacht, und es scheint angenehm warm hier draußen zu sein, wo immer ich gerade bin.

Ich renne. Ich spüre meinen schnellen Atem, und mein Herz rast, auch wenn ich nicht weiß, warum. Da ist einfach dieses blöde Gefühl, ich müsste rennen. Und das ohne ersichtlichen Grund.

In der Ferne sehe ich hinter dem riesigen, endlos erscheinenden Feld einen Hügel. Mehrere, um genau zu sein, aber der höchste von ihnen ist mir ins Auge gestochen. Dort müsste es einen Wald geben, denke ich. Vielleicht würden sie mich dort nicht finden.

Mich nicht finden? Wer? Vor wem renne ich denn weg?

Immer wieder drehe ich mich um und sehe nach, ob sie mir gefolgt sind. Ich kann sie nicht sehen, aber ich weiß, dass sie da sind.

Ich habe Angst. Große Angst. Das merke ich schon alleine daran, wie sehr mein Herz pocht, im Rhythmus meiner Schritte. Ich weiß, ich kann nicht anhalten. Jetzt nicht.

Sie sind da irgendwo. Keine Ahnung, wer, aber ich glaube, sie sehen mich. Und wenn ich nicht schnellstmöglich ein Versteck finde, dann würden sie mich kriegen.

Plötzlich höre ich einen Ast knarren. Er scheint zu brechen und zu Boden zu fallen. Ich sehe mich ängstlich um.

Jetzt haben sie mich, überlege ich vor Angst. Sie verstecken sich hinter den Bäumen und lauern mir auf.

Ich muss weiter. Ich bin total außer Puste und kann fast keinen klaren Gedanken fassen, aber ich weiß und spüre, dass ich weiter rennen muss.

Diese Hügel am Horizont, wo vielleicht der schützende Wald gewesen sein könnte, kommen einfach nicht näher. Aber es muss doch etwas geben – etwas hier in der Nähe – wo ich mich verkriechen kann.

Nichts. Hier ist nichts, außer diesem anscheinend geraden Weg, der sich kurvenreich durch die Gegend schlängelt.

„Bleib’ stehen“, höre ich auf einmal eine tiefe Stimme rufen. Sie klingt weit weg, aber gleichzeitig sehr nah.

Das gibt mir Recht in meiner Vermutung, dass sie mich verfolgen. Reflexartig hüpfe ich hinter einen Busch, der plötzlich am Wegrand auftaucht. Ich hatte ihn wohl vorher nicht bemerkt, aber er ist groß genug, damit ich mich wenigstens für ein paar Sekunden verstecken kann. So lange, bis sie an mir vorbei gelaufen sind. Und inständig hoffe ich, dass dies gleich geschieht und sie mich dabei nicht bemerken.

„Bleib’ stehen!“

Der Stimme geht ein eigenartiges Echo voraus. Normalerweise kommt das Echo immer erst am Schluss. Dass ich es höre, bevor ich die Stimme rufen höre, macht das alles hier sehr gruselig.

Hier stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Aber meine Angst ist zu groß, um darüber nachzudenken.

Ich weiß noch immer nicht, wo ich hier eigentlich bin, geschweige denn, wie ich hierher kam. Ich versuchte es schon ein paar Mal in meinen Kopf zu kriegen, versuche mich zu erinnern – aber das Letzte woran ich mich erinnern kann, ist dieser Weg inmitten dieses großen Feldes.

Mein Atem geht immer noch schnell, während ich hier hinter diesem Busch ausharre. Ich spitze die Ohren und versuche etwas wahrzunehmen. Ob sie schon vorbei gegangen sind? Ich höre nichts.

Das Rascheln der Blätter verstummt. Der Wind scheint damit aufzuhören, sich durch meine langen dunklen Haare zu kämpfen. Das Rufen, welches gerade noch an mein Ohr drang, ist weg.

Habe ich es geschafft? Sind sie vorüber gerauscht und haben mich nicht bemerkt?

Es wird auf einmal mucksmäuschenstill. Ich spüre, dass sich mein Atem langsam beruhigt.

Was ist denn jetzt los?

Seltsam. Es fühlt sich an, als ob auf einmal die Zeit still steht.

Wer sind sie? Warum sind sie hinter mir her? Ich habe nichts getan, und ich habe niemandem gegenüber irgendwelche bösen Absichten. Aber ich komme mir so verurteilt vor, und tief in mir weiß ich, dass ich Grund habe, ängstlich zu sein. Wenngleich ich auch nicht weiß, warum.

Was also wollen sie von mir?

Plötzlich geschieht etwas unglaublich Seltsames, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Gerade jetzt, wo ich anfange, mich sicher zu fühlen…

Die Erde links und rechts neben mir scheint sich auf einmal zu erheben. Zuerst sehe ich kleine Maulwurfhügel aus ihr wachsen, anschließend richtige Erhebungen, die ähnlich aussehen wie Dünen, nur aus Erde eben.

In der weiteren Umgebung wächst der Boden noch viel schneller und höher an. Regelrechte Felswände formieren sich auf einmal und schießen aus dem Boden.

Die ganze Gegend – das ganze Feld mitsamt dem Weg – scheint verschluckt zu werden.

Die Sterne über mir verschwinden, als der Boden sich absenkt und die aus ihm entstandenen Wände sich über mir verschließen wollen.

Im immer matter werdenden Lichtschein erkenne ich oberhalb die Wurzeln von Bäumen, die aus der Fels- und Erddecke ragen. Ich recke mich nach oben, um sie zu ergreifen, weil ich nur raus will und nicht hier eingeschlossen sein will, aber es scheint zu spät zu sein.

Kurz darauf schließt sich die Decke über mir ganz, und es wird stockfinster.

Die Fläche, auf der ich hier hinter dem Busch kauere – einfach alles – wird plötzlich von der Erde und den Felsen komplett eingeschlossen. Ich befinde mich mitten in einer riesigen Höhle. Links, rechts und über mir ist nur noch reine Felswand. Und im Dunkeln kann ich nicht mal erkennen, wie viel von der Gegend hier eingeschlossen ist.

Mir stockt der Atem. Mein Puls rast und mein Herz schlägt wie das eines Kolibris.

Was ist nur geschehen? Was um alles in der Welt geschieht hier?

„Faith!“

Das ist jedenfalls nicht die tiefe Stimme meiner Verfolger, die ich gerade eben leise höre. Sie klingt auch nicht aufgebracht, eher ruhig. Und vor allem klingt sie nicht Angst einflößend.

„Faith“, ruft die helle Stimme erneut.

Ich sehe mich um, aber hier scheint niemand zu sein.

„Hallo?“, sage ich zaghaft. „Ist hier wer?“

Keine Antwort. Es ist still.

Hat mir mein Gehirn nur einen Streich gespielt, oder hat wirklich jemand gerade meinen Namen gerufen?

„Da ist doch jemand“, sage ich mit etwas festerer Stimme.

Mist, dass es so dunkel ist. Könnte ich doch nur etwas sehen…

Plötzlich dringt – als hätte ich es herauf beschworen – ein mattes Licht durch die Höhle. Ich weiß nicht, wie das möglich ist, und ich habe keine Ahnung, woher es kommt. Aber es ist auf einmal da.

Und dann sehe ich auch, wie groß die Höhle ist.

Eine ganze Stadt hätte hier unten Platz. Die Höhle ist so riesig, dass das Echo eines Rufes Minuten braucht, um die eigene Stimme zurückzuwerfen. Sie ist so groß, dass man nicht mehr merkt, dass man in einer Höhle ist. Fast das ganze Feld ist in ihr, und in der Mitte davon sitze ich hinter diesem Busch und sehe mich fragend um.

Dieses kleine Haus unweit von mir ist mir vorher nicht aufgefallen. Aber es ist plötzlich da.

Nachdem sich mein Puls senkt, mein Herz langsam wieder normal schlägt und ich mich einiger Maßen sicher fühle, recke ich mich hoch und laufe ein paar Schritte.

Plötzlich packt jemand mich an meiner Schulter. Ruckartig bleibe ich stehen und drehe mich langsam um.

„Moyava lanika len missa“, spricht sie zu mir.

Ich sehe verwundert in ihre dunkelblauen Augen. Dieses kleine Mädchen mag nicht älter als zehn oder elf Jahre alt sein, also niemand, vor dem ich davon laufen sollte oder müsste. Ihre schulterlangen blonden Haare schimmern glänzend im Licht, welches man für das Mondlicht halten könnte, wenn wir nicht in einer riesigen Höhle wären.

„Wer bist du?“, frage ich sie ruhig.

Sie scheint aufgebracht. Möglicherweise hat sie mehr Angst als ich, aber ich habe die Hoffnung, dass sie vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkle bringen könnte und mich aufklären könnte, wo ich bin und was meine Verfolger von mir wollen.

„Lana mes mia tender“, redet sie in einer mir unverständlichen Sprache.

Ich lächele sie an. „Du musst keine Angst vor mir haben“, sage ich zu ihr. „Ich bin selbst auf der Flucht. Ich weiß nur nicht, vor wem.“

„Sala lem Faith“, sagt sie leise.

„Ja“, antworte ich, ohne zu wissen, was sie meint. „Mein Name ist Faith.“

Sie sieht mich mit schräg gelegtem Kopf an. Dann hebt sie einen Arm und beginnt, mir mit ihrer Hand über meine langen, schwarz-violetten Haare zu streicheln.

„Hast du auch einen Namen?“, frage ich sie.

Aber das seltsame Mädchen sagt nichts.

Dann nimmt sie meine Hand und läuft mit mir über eine kleine Anhöhe zu dem Haus, welches mir vorhin aufgefallen ist. Vorsichtig öffnet sie die Türe.

„Wohnst du hier?“, will ich wissen.

Das Mädchen macht keine Anstalten, meine Fragen in irgendeiner Weise zu beantworten. Aber instinktiv merke ich, dass sie mir nicht böse gesinnt sein kann.

Schließlich bittet sie mich hinein.

Das Haus ist zweistöckig. In der unteren Etage kann ich den großen Wohnraum ausmachen, der mit einer sehr altmodischen Küche verbunden ist. Merkwürdig ist es schon, dass inmitten des Raumes eine offene Feuerstelle ist. Das kenne ich nur aus Filmen, die im Mittelalter spielen.

Ein mit Blumenmuster verziertes Sofa – oder etwas Vergleichbares – steht in der Ecke. Dort nimmt das fremde Mädchen Platz.

Ich schaue mir noch ein paar Minuten lang die wundervollen Gemälde an den Wänden an und bewundere den geknüpften Teppich auf dem Fußboden, dann setze ich mich neben sie.

„Du wohnst sehr schön“, sage ich zu ihr.

Aber plötzlich verschwinden all die Gemälde. Die Wand wird karg.

Ein Couchtisch, kunstvoll verziert, der eben noch hier stand, löst sich ebenso in Luft auf wie der Teppich.

Die Kochstelle verschwindet genauso plötzlich.

Und auf einmal ist hier alles aus Stein. Wie in einem Kerker. Wir sitzen plötzlich nicht mehr auf einem schönen Blumensofa, nein, wir sitzen auf einmal auf einer in Stein gemeißelten Bank. Das, was sich eben noch so weich anfühlte, ist jetzt hart und unbequem. Das fremde, blondhaarige Mädchen, das eben noch ein wunderschönes Kleid trug, hat auf einmal einen alten Kartoffelsack als Bekleidung an.

Fragend, fast flehend blickt sie mich stumm an.

„Was geschieht hier?“, will ich von ihr wissen. „Ich verstehe gar nicht, was hier los ist.“

Daraufhin steht sie schließlich auf. Wie von Zauberhand hat sie einen Gegenstand in der Hand. Ich habe nicht bemerkt, woher sie ihn genommen hat, denn hier liegt nichts herum. Aber sie hat ihn plötzlich in ihrer zitternden Hand. Ihre Lippen scheinen vor Angst zu beben, als sie ihn mir gibt.

Ich nehme den Gegenstand an mich, und ich sehe, dass es eine kleine Schiefertafel ist, so wie man sie früher in den Schulen hatte. So groß wie ein Buch, nicht größer.

Plötzlich verschwindet das Mädchen.

Ich hätte schwören können, dass ich meine Augen nicht für eine Sekunde lang geschlossen habe, aber ich sehe sie nicht mehr. Ich weiß nicht, wann sie ging, aber sie ist weg, und ich sitze hier alleine in irgendeinem Haus mitten in einer riesigen Höhle.

Ich betrachte die Tafel. Sie ist schwarz und leer.

Daraufhin bemerke ich auf dem Fußboden ein kleines Stückchen weißer Kreide. Sie muss zur Tafel gehören. Vorsichtig hebe ich es auf.

Was hat das alles zu bedeuten?

„Bist du noch hier?“, rufe ich in den Raum. „Was ist das, was du mir gabst?“

Und auf einmal knarrt es. Anschließend kommen mehrere unheimliche Geräusche von irgendwo her.

„Mädchen, komm zurück“, höre ich mich rufen.

Aber sie ist weg.

Und die Angst einflößenden Geräusche werden bedrohlich lauter.

„Was passiert denn hier?“, rufe ich ängstlich.

Eilig will ich mir einen Weg nach draußen bahnen, aber da ist es schon zu spät.

Das Haus kracht über mir zusammen. Die Decke stürzt ein und droht, mich zu begraben. Die Wände fallen ebenfalls zusammen.

Ich lasse die Tafel und die Kreide fallen. Fast wie in Zeitlupe schweben sie zu Boden.

Plötzlich trifft mich ein riesiges Stück aus der Decke.

Ich zittere. Ich hechele wie ein Hund. Und mein Puls rast wieder genauso schnell wie mein Herzschlag vor Angst.

Nur eine Sekunde darauf höre ich dieses monotone Piepen. Im Sekundentakt ertönt das Signal, und ich weiß sofort, was es ist.

Kerzengerade sitze ich in meinem Bett. Schweiß gebadet starre ich an die Zimmerdecke, an der sich im Morgenrot der Lichtschein des Weckers widerspiegelt, der neben mir auf dem Nachtschrank steht.

Ich drehe mich um und sehe auf die blaue Digitalanzeige. Viertel nach sechs zeigt sie an. Die Uhrzeit, zu der ich jeden Morgen aufstehen muss.

Noch immer vor Angst zitternd lasse ich mich zurück auf mein weiches Kopfkissen fallen.

Es war also nur ein Traum? Aber es erschien mir so real. Diese Verfolgung von den Leuten, von denen ich nicht weiß, warum sie hinter mir her sind. Diese einsame Gegend. Dann dieser Busch und dieses Haus. Wie es dann immer surrealer wurde und mir gleichzeitig trotzdem immer wirklicher erschien, als die Erde und die Felsen mich verschlangen, der Boden sich absenkte und mich in einer riesigen Höhle einschlossen.

Alles war so unglaublich echt, dass ich jetzt noch Angst habe, obwohl ich schon realisiere, dass nur es ein Traum gewesen sein muss. Um sicherzugehen blicke ich noch einmal auf meinen digitalen Wecker.

Und auf einmal liegt auf meinem Nachtschrank diese kleine Schiefertafel. Ich habe sie außer in diesem Traum zuvor noch nie gesehen. Ich habe sie auch nirgendwo her – weder von einem Flohmarkt noch aus dem Kaufhaus. Ich besaß niemals so eine Tafel. Aber es ist genau die gleiche kleine Tafel, die mir das fremde mysteriöse Mädchen im Traum gab.

Warum ist sie hier? Warum ist dieses kleine Geschenk, das nicht real existieren kann, bei mir – hier in meinem Schlafzimmer, in meiner Wohnung in East Los Angeles, Kalifornien?

Ich habe es doch nur geträumt. Oder nicht?

Plötzlich spüre ich etwas, das ich nicht erklären kann. Ich nehme die Kreide in die Hand, die ich auf meinem Nachtschrank finde. Dann beginne ich, zu zeichnen. Ich male, ohne es zu wollen – ohne überhaupt malen zu wollen – auf die Tafel. Aber es ist so, als steuert mich irgendwie eine fremde Macht, das zu tun.

Ich zeichne ein Symbol, das aus einem umgekehrten U bestehen muss und zeichne anschließend ein Schwert in dieses Symbol.

Ich bin wie weggetreten, während ich das mache.

Aber auf einmal werde ich wieder klar im Kopf. Was habe ich da gemalt? Warum habe ich es gemalt? Es war doch nur ein Traum. Und ich bin doch nur eine brave junge Frau, eine Angestellte in einem renommierten Haus der Werbebranche für Drogerieartikel.

Ich, Faith Nawroth aus Los Angeles, 24 Jahre alt, bin doch kein Mensch, dem Unglaubliches widerfährt. Ich bin Realist. Ich glaube nie an Übernatürliches oder Unerklärliches. Ich bin doch nur ein einfaches Mädchen ohne große Träume.

Was ist da letzte Nacht geschehen?

Wo bin ich gewesen? Wer war dieses seltsame Kind, und warum fand ich mich plötzlich in einem surrealen Traum wieder, der mir realer vorkommt als alles sonst was ich je erlebte?

Und dann diese Zeichnung auf der Tafel. Warum habe ich das gemalt? Und wie kommt diese Tafel zu mir?

Es war doch nur ein Traum. Es war nicht real. Das kann es nicht sein. Und je öfter ich das zu mir selbst sage, desto mehr glaube ich es.

Ich schließe die Tafel dann in der unteren Schublade meines Nachtschranks ein und schwöre mir, nicht mehr daran zu denken.