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Fimbul

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Summary

Das Ende der Welt. Seit ihrer Entstehung stellt sich der Mensch die Frage, wie und wann es geschehen wird. Und viele Kulturen und Glaubensbekenntnisse haben eine andere Antwort darauf. Und doch verbindet sie dieses eine Ereignis. Kein Mensch und kein Gott kann es aufhalten, doch was kommt danach? Um diese Frage zu beantworten, muss ein einfacher Sterblicher durch die Welten reisen und Zeuge des Unausweichlichen werden. So lange, bis er am Ende angekommen ist. Sofern dieses auch das Ende ist...

Status
Ongoing
Chapters
20
Rating
n/a
Age Rating
18+

Der Name

Ich grüße Euch.

Mein Name ist Unnr.

Und ich komme aus der Siedlung Hassbeil.

Starker Name, nicht wahr? Aber den habe ich mir nicht ausgesucht. Dies war dann wohl mein Ahnherr Byx Bultadrson, der angeblich von den Göttern abstammte. Demgegenüber war ich jedoch immer skeptisch, da sein Name dies nicht gerade vermuten lässt. Bultadrson - Sohn des Plumpen. Ich kenne keinen plumpen Gott. Keinen Asen, keinen Vanen und erst recht keinen Jötunn.

Es gibt in unserem Glauben neun Welten, die alle vom Weltenbaum - dem Yggdrasil - vereint werden. Und hier auf Midgard haben es die Menschen noch vergleichsweise gut, wenn man an die anderen acht Reiche denkt. Einige aus unserem Volk sehnen sich danach, den Göttern zu begegnen. Allerdings bin ich da wohl eine Ausnahme. Für mich hat das Leben alles, was ich brauche.

Was würde ich ohne das Wissen tun, dass alles, was man tut, vergänglich und irgendwann nicht mehr von Bedeutung ist? Man kann seine eigene Saga schreiben und über kleine Fehler hinwegsehen, weil sie im Lauf der Geschichte von der Zeit weggewischt werden. Man blickt zurück und kann sagen, ganz gleich, wie man seine Zeit genutzt hat: es ist vorbei. Bei den Göttern jedoch zählt jedes Missgeschick, weil sich unser Schicksal praktisch in ihrer Hand formt wie weicher Ton.

Die Vorstellung, unter den Göttern zu leben und immer und immer und immer wieder das Gleiche zu tun - sie ist beängstigend. Ich schreibe zwar gerne über sie und ihre Legenden, aber niemals könnte ich mir ihr Leben aneignen - falls man es überhaupt so bezeichnen kann.

Der Tod ist nicht das Ende. Im Gegenteil - er ist ein Neuanfang an einem anderen Ort. Ich werde dies noch auf die harte Weise erfahren. Aber dazu später mehr...

Zunächst muss ich etwas klarstellen: Ich bin Skalde, ein Dichter, der sich Geschichten ausdenkt und in Strophen und Versen erzählt. Diese Geschichte jedoch habe ich mir leider nicht ausgedacht.

Für gewöhnlich sind Skalden die kleinen Männer hinter den großen Männern, die ihre Taten mündlich weitergeben, damit man sie in Erinnerung behält. Dieses Mal jedoch muss ich meine eigenen Taten an Euch, den Leser, weitergeben.

Es begann alles in unserem Dorf. Es ist abgelegen, die Menschen hier sind unfreundlich und es liegt direkt unter einem steilen Berg, der sich über uns beugt, als wollte er jederzeit über uns einstürzen.

Und genau auf der Spitze dieses Berges, der jeden Tag einen ominösen Schatten über uns wirft, steht eine Hütte. In dieser Hütte residiert eine Völva - eine Hexe, die jeder im Dorf um Rat aufsucht. Sie ist ausgesprochen hübsch, doch eine dunkle Aura umgibt sie. Man könnte meinen, sie wäre tot.

Bisweilen helfe ich ihr bei einigen Erledigungen und wir unterhalten uns. Ihren Rat habe ich jedoch nie so sehr gebraucht wie die anderen Bewohner. Und obgleich sie so eine fundamentale Stütze für die Menschen ist, hält sie sich von ihnen fern und lebt abgeschieden.

Wenn ich sie wäre, würde ich das wohl auch tun. Man kommt nur dann zu ihr, wenn man ratlos ist, doch wenn ihre Weisheiten gerade nicht gebraucht werden, wird sie gemieden wie ein wildes Tier, man beleidigt und verflucht sie.

Diese widersprüchliche Situation hat sich nicht gebessert, nachdem meine Mutter gestorben ist. Die Hexe war in ihrer Gegenwart als sie ihre letzten Atemzüge tat, und nun glauben die Bewohner, dass die Hexe sie getötet haben soll.

Ich gehöre nicht zu denen, die das glauben. Die Hexe, so verschlossen und misstrauisch sie auch ist, ist mir eine Freundin. Weshalb sollte sie sowas tun? Die Antwort darauf ist für die Bewohner eindeutig: damit sie einen weiteren Grund haben, sie zu hassen.

Wenn man so viel Feindseligkeit in der eigenen Heimat begegnet, kann es vorkommen, dass man sich selbst verschleiert, um sich unantastbar zu machen. Bis heute hat sie niemandem ihren echten Namen genannt.

Dass sie dies keinem der hasserfüllten Leute in der Siedlung anvertraut hat, verstehe ich, aber sie hat ihn auch mir nicht gesagt. Deshalb nannte ich sie einfach Siggy - wie meine Mutter. Ich fand den Namen schon immer schön und sie schien nichts dagegen gehabt zu haben.

Meine Verbindung zu ihr würde mir allerdings irgendwann zum Verhängnis werden. Auf so unterschiedliche Weise...

Wir haben Siggy lange Zeit nicht mehr gesehen und sie hat auch keine der bitteren Ignoranten aus dem Dorf empfangen, die Antworten von ihr brauchten. Doch irgendwann musste sie herauskommen, um wie gewöhnlich ihr Fleisch bei unserem Markt abzuholen. Sonst tat ich dies für sie, doch ich konnte nicht immer da sein.

Und in dem Moment, wo sie sich von ihrem sicheren Berg traute, erkannte man den Grund für ihr plötzliches Verschwinden: Sie trug ein Kind unterm Herzen.

Für die Dorfbewohner war das eine Unverschämtheit, da sie davon überzeugt waren, dass sie dadurch ihre magischen Fähigkeiten verloren hatte und deshalb keine der Leute mehr empfing.

Da ich der einzige aus unserer bescheidenen Siedlung war, der sie tatsächlich mit Respekt behandelte, kam der Verdacht natürlich sofort auf mich.

Sie haben 'Milde walten lassen' und mich aus dem Dorf verbannt, ohne Pferd und ohne Vorräte. Dafür hätte ich ihnen eigentlich danken sollen, außer Siggy hielt mich nämlich nichts in dem verfallenen Nest.

Doch noch bevor ich ging, habe ich ihr einen Besuch abgestattet. Den Berg hochzumarschieren war jedes Mal mühselig, doch das war es wert, denn die Hütte, die ihn krönte, war ein Vorbote für vernünftige Gesellschaft - ein rares Gut in Hassbeil.

Als ich an ihre Tür klopfte, vernahm ich kurz darauf, wie sie sich mit jemandem unterhielt. Das geschah öfter, doch dieses Mal war sie aufgebracht. Leider konnte ich nicht hören, mit wem sie sprach, doch dafür hörte ich eine zweite Frauenstimme, etwas jünger und gebrächlicher als die von Siggy.

,,Hallo?"

Plötzlich verstummten beide. Nach nervös machendem Rascheln aus dem Inneren sprach sie dann:

,,Tritt ein, Unnr."

,,Hast du Besuch?"

,,Was? Nein ... nein, nicht mehr."

Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich noch eintreten wollte, doch bevor ich es mir anders überlegen konnte, schob ich behutsam die Tür auf und sah mich um.

Wie immer sah das Innere ihrer Hütte größer aus als das Äußere. Und ihr Altar stand in der Ferne, doch er wurde mit jedem Tag größer und aufwendiger. Die Kerzen brannten - wurde also eben noch benutzt -, Stöcke breiteten sich von der Mitte aus wie Flügel, in der Mitte selbst lag der Schädel eines Rehs und darüber hing ein Teppich mit dem Symbol der Totengöttin Hel darauf, den sie wohl selbst genäht hat.

Es war das Gesicht einer jungen Frau, genau in der Mitte geteilt, links in eine lebendige, wunderschöne Seite und rechts in eine tote, albtraumhafte Seite.

Ohne dass ich es bemerkte, trat ich ein und näherte mich dem Altar, als wurde ich von ihm angezogen. Gleichwohl es nur Stoff war, der mich da gerade ansah, wirkte es, als würde ... sie selbst mich durch den Teppich mit ihrem Blick durchbohren.

,,Wolltest du etwas?"

Da erschrak mich Siggy, die hinter der Tür auflauerte. Durch die schwarzen Locken, die ihr aufs Gesicht fielen, schienen ihre Blauen Augen hindurch wie zwei Meereskristalle. Womöglich war es nur sie, die mich so fixierte als ich eintrat.

,,Ähm ... ja. Ich wollte mich verabschieden, bevor ich gehe."

Ein dezentes Lächeln machte sich auf ihr breit. ,,Das ist sehr nett von dir. Und wo gehst du hin?"

,,Nun, man hat mich aus dem Dorf verbannt."

,,Was? Warum? Hast du eine Heldentat vollbracht, um so belohnt zu werden?"

Ich lachte müde und trat weiter ins Haus, damit sie die Tür schließen konnte.

,,Es klingt ... etwas irreführend, wenn man es so bezeichnet."

,,Weswegen?"

,,Dadurch, dass du nun demnächst Mutter wirst, wollten sie den Vater bestrafen, weil sie glauben, dass er dir deinen Seidr geraubt hat."

Siggy runzelte zu dieser Erkenntnis die Stirn. Für alle, die es nicht wissen - Seidr ist unsere Form der Magie, die sich auf das Lenken des Schicksals mithilfe der Kommunikation mit Geistern und der Erweiterung des Bewusstseins konzentriert. Menschen, die dem ihr Leben witmen, nennt man 'Magier' oder 'Hexen'; die, die es als Zeitvertreib tun, nennt man 'Pilzschnüffler'. Die einen erkennen den Unterschied zwischen dem, was echt ist und dem, was nur Vision ist; andere ... eher weniger.

Wie dem auch sei, Siggy schüttelte den Kopf und erklärte: ,,Ich habe meinen Seidr nicht verloren."

,,Das ist gut zu wissen, nur leider werden dir das die Dorfbewohner höchstwahrscheinlich nicht glauben."

,,Das denke ich auch. Aber ... wenn du nun verbannt bist, wohin ziehst du dann?"

Kurz wendete ich nachdenklich den Blick ab, doch sie ging um mich herum und ich konnte ihren Augen einfach nicht entkommen.

,,In der Nähe gibt es die Siedlung Helgasker - dort leben gute Menschen."

,,Aber Helgasker ist weit weg. Wie willst du diese Reise alleine antreten?"

,,So weit weg ist es nicht, dort war ich schon öfter. Nur ... in Anbetracht deiner Lage gehe ich davon aus, dass du nun für eine Weile hier bleibst."

,,Ich muss hier bleiben. Nicht im Dorf, aber auf diesem Berg."

,,Wegen...?", setzte ich an und deutete auf ihren Altar und den Teppich, von dem uns Hel belauschte.

,,Ja.", nickte Siggy. ,,Wegen ... ihr."

Für eine Weile stand ich nur da und musste mir meinen nächsten Ausdruck gut überlegen, weil es schien, als ob ich in eine Situation geriet, die ich nicht deuten konnte, aber äußest heikel war.

,,Betest du zu ... Hel?"

,,Sie begegnet mir. Das ist kein gutes Zeichen, wenn das Leben gerade dabei ist, in einem zu wachsen."

Sie streichelte ihren kugelrunden Bauch und verzerrte besorgt das Gesicht.

,,Glaubst du, dass es eine Totgeburt wird?", fragte ich mit einem zerbrechlichen Ausdruck von Mitgefühl, der viel weniger preisgab als eigentlich da war.

,,Ich will es nicht hoffen. So lange schon ist es dort drinnen und bereitet sich auf diese Welt vor."

,,Könnte es nicht schlimmer werden, wenn du in Hels Nähe bleibst?"

,,Bislang hat sie mich geschützt. Außerdem sehnt sich Hel nach dem Leben wie jeder andere auch. Sie wacht zwar über die Toten, doch sie würde lieber über niemanden wachen müssen. So oder so würde das Schicksal entscheiden. Und was das Schicksal will, will ich auch."

,,Bist du dir sicher?"

,,Ziemlich. Ich habe eine ganz ... einzigartige Verbindung zu ihr. Oder zum Tod selbst."

Sofort musste ich an den Vorfall mit meiner Mutter denken. Und daran, ob sie nun genau darauf anspielte, als sie dies sagte. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich ein wenig naiv, es fühlte sich an, als hätte das Dorf recht gehabt. Aber der Gedanke verflog wieder so schnell wie er kam, da ich wusste, dass das nicht sein konnte.

,,Tja", schnaubte ich, ,,ich denke, du weißt, woran ich gerade denke."

,,Du denkst an Siggy."

,,Ja, tatsächlich.", lobte ich mit einem Schmunzeln und wir beide lachten ein wenig. Bis ich dann eine Frage stellte, die ich vielleicht nicht hätte stellen sollen.

,,Sind ... noch mehr Menschen in deiner Gegenwart gestorben?"

Ich dachte, sie wäre etwas erschütterter über meine Neugier, doch sie fing zu lachen an. Und sie lachte, mehr und mehr. So langsam machte sie mir ein wenig Angst.

Sie schüttelte den Kopf, als wäre ich bloß ein dümmlicher Bengel gewesen, der den größeren Zusammenhang nicht verstand.

,,Wie gesagt - Hel begegnet mir.", erlaubte sie sich zu erklären, als wäre das etwas ganz Normales. ,,Ich kann nichts dagegen machen. Wie gerne würde ich jemanden um mich haben können, ohne sofort zu fürchten, dass die Person gleich dahinscheidet. Es fühlt sich an, als wollte Hel, dass ich alleine bleibe; bloß, weil sie es ist. Damit wir ... gemeinsam einsam sein können, verstehst du?"

Mir fielen gerade keine Worte mehr ein. Ein Phänomen, das Skalden selten passiert. Aber sie hat es geschafft. Sie war wahrlich eine Hexe, denn sie konnte nichts als zu verzaubern.

Mit allen Sinnen.

Ich blickte auf den Wandteppich und fragte: ,,Wie ist sie so?"

Siggy, die sich mit aller Kraft ein paar Tränen zurückhielt, schaute auf Hels Abbildung und ich erkannte, wie sie das ein wenig ablenkte.

,,Sie ist jung, aber zeitlos. Sie ist zerbrechlich, aber nicht gebrochen. Sie ist warmherzig, aber gebieterisch. So liebevoll und doch so grausam. Sie ist ... einfach alles."

,,Aber doch nicht auf einmal, oder?"

Sie schmunzelte. ,,Nein. Ihr Gesicht, ihr ganzes Reich ist ein Sinnbild für ihre Dualität. Sie kann sowohl gut als auch böse sein, aber es kommt alles auf dich an."

Dann sah sie wieder mich an.

,,Würde sie mich mögen?", warf ich trocken in den Raum und tat dabei so, als würde Hel nicht gerade selbst mithören.

,,Sie würde dich lieben.", erwiderte sie, ohne ihren Blick von mir auch nur leicht abzuwenden.

Wir tauschten uns die Blicke aus wie zwei ... ich weiß auch nicht. Es fühlte sich so nah an. So nah wie noch nie. Ungewohnt. Man hört immer, dass sowas etwas Besonderes sei. Etwas, das man gut festhalten und nie mehr loslassen soll. Aber es gab mir so ein befremdliches Gefühl. Als ob ich es nicht verdient hätte - diesen Blick.

Vielleicht konnten wir auch gemeinsam einsam sein.

Sie streckte ihre Hand zum Wandteppich aus und fragte: ,,Möchtest du dich ihr nähern und ihre Anwesenheit spüren?"

Mein Blick schweifte kurz zu Hels Antlitz, bevor ich erwiderte: ,,Kann ich das nicht von hier aus?"

,,Hast du Angst vor dem Tod? Ich verspreche dir, dass sie dir nichts tun wird."

,,Wird nicht sie das entscheiden?"

,,Deine Zeit ist noch nicht gekommen."

,,Und woher weißt du das? Hat sie es dir gesagt?"

,,Ich ... weiß es einfach."

,,So, wie du es bei meiner Mutter wusstest?"

Siggy wirkte wie erschlagen und starrte mich mit einem Anflug von Schuld und Bekümmerung an. Ich war kurz davor, mich zu entschuldigen, doch da entgegnete sie kleinlaut: ,,Da wusste ich es nicht."

Für einen Augenblick rührten wir uns nicht, dann jedoch machte ich einen ersten Schritt zum Altar, Siggy folgte als wäre gerade nichts geschehen.

Trotz dessen, dass wir den Kerzen immer näher kamen, wurde es mit jedem Schritt zum Altar kälter. Ein Frost lief mir den Rücken hinunter, beunruhigende Dämpfe stachen in der Nase, die jedoch ein Aroma von ... Schutz hatten. Als wäre ich weit, weit weg von Zuhause und könnte mich doch sicher fühlen.

Hel blickte auf uns zwei hinab - eine triste Gestalt, für die man glatt eine Träne vergießen konnte. Man spürte, was sie plagte. Eine ewige Bürde. Eine ganze Welt für sich alleine, die einem aufs Wort gehorcht und in der man doch nicht sein will.

,,Setz dich.", bat Siggy und tat es vor.

Im Schneidersitz nahm sie vor mir Platz. Zwischen uns eine Schale aus Holz mit einer viskosen, schwarzen Substanz darin. Man hätte es für Tinte halten können, doch es war viel dicker, wie das Blut der Erde.

,,Was ist das?", fragte ich, als ich darauf deutete.

Sie tunkte zwei Finger in die vermeintliche Tinte, schaute sie an und erklärte: ,,Du würdest es sowieso nicht glauben."

,,Ist es denn etwas Besonderes?"

Dann sah sie mich an. ,,Es stammt nicht aus unserer Welt. Die Göttin hat es für mich hier stehenlassen."

,,Und was tut man damit?"

,,Ich würde annehmen, dass man sich damit schützt. Zumindest tat es das in meinem Fall immer."

Da blickte ich in die Schale auf die Oberfläche dieses schwarzen Nichts, auf der sich mein Gesicht spiegelte, und fuhr fort: ,,Wie hat es dich geschützt?"

Gleichwohl der Anblick dieser Flüssigkeit nichts versprach, konnte ich schwören, dass darin etwas war. Als wäre dieses dunkle Wasser selbst ... lebendig.

Ich hörte nur das Klicken zweier Broschen, die entfernt wurden. Dann das Streifen von Stoff über Haut. Da die Antwort auf meine Frage auf sich warten ließ, blickte ich hoch und wollte die Frage wiederholen.

Plötzlich saß Siggy nicht mehr so da wie zuvor. Ihr Kleid war bis zu ihrem Bauch abgestreift. Ich konnte kaum noch in ihr Gesicht schauen, ihre schneeweiße Haut und ihre weichen Rundungen blendeten mich.

Doch da war noch etwas anderes. Diese Tinte war über ihren ganzen Körper gezogen und formte alle Arten von Symbolen, sie kreisten sich um ihre Arme, flossen von ihren Schultern herab, umschlangen ihre Brüste und schmückten ihren Bauch. Wie der Ouroboros - die Schlange, die sich selbst frisst. Ein Symbol für Leben, Tod und Wiedergeburt.

,,Ich war selbst mal dem Tode geweiht.", erklärte sie und hob leicht den Kopf. An ihrem Hals war eine dünne Narbe, die ich bisher nie sah. Sie strich mit ihrem Finger drüber und fuhr fort: ,,Als dies passierte, floh ich vor meinen Angreifern so schnell ich konnte.

Das Blut floss mir aus dem Hals und dem Mund und es fühlte sich an, als wäre es um mich geschehen gewesen.

Vor einem See kniete ich mich nieder und starrte auf das Wasser wie du gerade auf das Schwarze Nichts.

Verzweifelt tat ich Wasser auf die Wunde. Doch es färbte sich schwarz.

Mein Blut hörte zu fließen auf, ich spuckte noch den letzten Rest davon neben mich in den Kies und ... alles war fort.

Seitdem überlebte ich sechs Morde und vier Brände.

Ich sollte eigentlich nicht mehr leben."

Sie stellte die Schale bei Seite und rutschte auf ihren Knien zu mir nach vorne. Ich erstarrte für einen Augenblick, als hätte sie mir gerade offenbart, dass sie ein ganz anderer Mensch ist, für den ich sie hielt. Mich beschlich das Gefühl, dass ich ... ihre Nähe nicht mehr verdient habe. Sie hat offenbar viel durchgemacht. Und es gab nichts, was ich dazu erwidern konnte.

,,Bevor du gehst", sagte sie leise, ,,möchte ich dir etwas geben. Ein Mal. Du wirst es nicht mehr los, doch es wird dich schützen."

Ich war sprachlos. Sie griff meine Tunika und zog sie mir langsam über den Kopf. Dann näherten sich ihre Finger meinem Körper.

Sie malte Zeichen auf meine Brust und meine Rippen. Es waren keine Zeichen, die ich kannte.

Während sie die Striche über meine Haut zog, lehnte sie sich näher und näher zu mir.

Als sie mir dann zum Abschluss zwei Streifen von meinen Lippen zum Kinn zog, fiel sie auf mich und wir versanken in einem innigen Kuss.

Es ging alles so entsetzlich schnell, doch ich spürte, wie sich ihr Bauch und ihre Brüste sich gegen mich pressten. Sie war eiskalt und dennoch war dies die schönste und wärmste Zuwendung, die sie mir jemals geben konnte.

Alles fühlte sich so unwirklich an. Die Dunkelheit, die Dämpfe, ihre Arme und Beine um mich, die ich kaum noch mehr fühlte.

Von außen war sie kühl wie eine Tote, doch innen war sie so warm und lebendig wie sie es nie vermuten ließ.

Die Stille in ihrer Hütte verflog mit uns. Wie zwei verlorene Geister, die sich fanden. Zwischen uns wurde es warm, es wurde eng und es wurde laut.

Ich legte meinen Kopf auf ihrem weichen Busen ab und hörte zu. Im einen Ohr vernahm ich ihren Atem, ihr heißes Stöhnen, im anderen Ohr ... das Pochen zweier Herzen in ihr. Einem großen, einem kleinen.

Als alles vorüber war, lagen wir vollkommen entblößt auf dem Holzboden und merkten erst dann den kalten Luftzug, der über unsere mit Schweiß bedeckte Haut zog.

Ich wusste, dass dies unsere letzte Begegnung war.

Doch dann fiel mir wieder etwas ein. Etwas, das ich schon lange wissen wollte.

,,Siggy?", sprach ich von ihrer Schulter zu ihr hoch.

,,Ja?"

,,Wer ist der Vater?"

Das heitere Gesicht, das sie machte, verschwand. Sie verzog es in eine immer ernster werdende Miene.

,,Loki.", antwortete sie. ,,Der Vater ist Loki."

Dies ... warf mehr Fragen auf als ich zuvor hatte.

,,Aha. Loki.", wiederholte ich verwirrt. ,,Loki ... wer?"

,,Loki Laufeyson.", erwiderte sie. Zunächst dachte ich, dass sie einen Scherz macht.

Doch sie meinte es ernst. Sie meinte Loki, den Gott des Unheils. Der Lügen. Des Bösen. Der Veränderung. Des Unvermeidlichen.

Und der Vater von Hel.

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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Du hast bei mir einen Nerv getroffen, ich liebe gut Fantasiegechichten😘😘😘😘😘

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