Tusculum Sammelsurium

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Summary

Damals, als ich noch ein Kind war und meine Tante besuchte, stand auf der Ablage in Ihrer Küche eine kleine, gelbe Keramikdose mit der Aufschrift „Tuscullum Sammelsurium“. - Ich fragte sie: „Was ist das?“ Sie antwortete: „Das ist eine Dose, in der ich kleine Dinge aufbewahre, die ich finde, die ich brauchen kann und wo ich nicht weiß, wohin damit.“

Status
Ongoing
Chapters
7
Rating
n/a
Age Rating
13+

Warum ich keine Geschichten bei Inkitt veröffentliche

Als ich neulich wieder einmal ziemlich erregt aus dem Supermarkt kam fragte ich mich:

"Warum regst du dich eigentlich so auf?" - Schreibe es lieber auf!

Dies war der Grundstein für diese Sammlung von Geschichten, die ständig erweitert wird: Meine persönlichen Höhepunkte, in allen Lebensstellungen...

Eins werden Sie hier jedoch nicht finden: Sex. - Zumindest habe ich mir das mal vorgenommen...


Ich wollte ins Bett.

Es war schon spät, und ich hatte lange an meiner neuen Geschichte gearbeitet. Meine Augen brannten, und ich wusste, dass ich morgen früh um Viertel vor fünf, wenn mein Wecker mich aus dem Schlaf reißen würde, wohl nur schwer oder gar nicht aus dem Bett kommen würde.

„Nur noch eins! Nur noch schnell das vorläufige Manuskript hochladen und ein paar Einstellungen speichern. Gar nicht so einfach bei meiner langsamen Internetverbindung. Neuerdings stellt schon das Einloggen bei Inkitt eine beträchtliche Hürde dar. Oft muss ich den Vorgang abbrechen – weiß der Teufel, warum.

„Bitte bestätigen Sie, dass Sie ein Mensch sind…“

Natürlich bin ich ein Mensch! – Auch wenn ich mich meist nicht so fühle. Vielleicht bin ich auch eine Art Maschinenmensch, der in einer Matrix lebt und arbeitet. Die Schokokekse vor mir scheinen jedenfalls real zu sein. Die Wirkung, die sie verursachen, vermutlich auch, wenn ich der Waage Glauben schenken darf, auf die ich mich jeden Abend stelle.

Ich genehmige mir einen Keks, auch wenn es ungesund sein soll, so spät noch Nahrung zu sich zu nehmen. Schließlich muss ich die Zeit für den Dateiupload irgendwie überbrücken.

Den bereits erstellten Klappentext kopiere ich dann in das dafür vorgesehene Formularfeld und konfiguriere die Einstellungen. Beim Eintrag „KI-unterstützte Geschichte“ werde ich stutzig. Was ist denn das schon wieder?

Ist das neu, oder kann das weg?

Mein Körper beginnt, Adrenalin zu produzieren.

Hatte ich nicht gerade noch ganze Textpassagen durch die KI gejagt? Bestimmt die KI nicht mittlerweile große Teile meines (weniger als) amateurhaften Schreiberdaseins? Logge ich mich nicht bei ChatGPT ein, noch bevor ich das Manuskript, an dem ich aktuell arbeite, in meiner Textverarbeitung geöffnet habe?

Ich fühle mich ertappt. Ich benutze KI. Ich bin ein Betrüger.

Die Reste meiner Lateinkenntnisse – ich habe es nicht einmal bis zum kleinen Latinum geschafft – sind mittlerweile zerbröselt wie das Kolosseum in Rom. „Manus bedeutet ‚Hand‘, scribere ‚schreiben‘“, erinnere ich mich vage. Mit der Hand schreiben? Das ist old school. War das nicht zu meiner Schulzeit, in den Achtzigern und Neunzigern des letzten Jahrhunderts? Damals, als ich noch jung und… – Als ich jung war?

Selbst meine gute, alte elektrische Schreibmaschine, damals ein Novum, ist mittlerweile einem modernen Laptop mit Textverarbeitungssoftware gewichen.

Und nicht nur das: Rote Schlangenlinien zieren meine Texte, blaue Doppelstriche warnen mich mahnend: „Du hast da ein Komma vergessen, du Noob!“

Sollte es da bei Inkitt nicht auch einen Tag für Texte geben, bei denen der Schreiberling (mir ist jetzt kein besseres gegendertes Wort für ‚Autor‘ eingefallen) auf solch technischen Schnickschnack verzichtet und die Kommata nach guter Väter Sitte setzt, so wie er es in der Schule in jedem Schuljahr immer und immer wieder lernen musste?

Ich esse noch einen Keks und stöbere im Internet, um mich abzulenken. Eigentlich gehöre ich längst ins Bett.

Kunst. – Kunst kommt von Können.

Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Galerie zu besuchen. Mir ist nach Bildern.

Wie wäre es mit einem Besuch in der Kunsthalle? Die Webseite präsentiert Fotos der Ausstellungsräume mit Projektionsflächen, Beamern, Monitoren…

Kein einziges Stück Leinwand mit Rahmen drumherum?

Kein Pinsel, keine Farbe?

Alles digital? – Kein Können?!?

Ich überfliege die Beschreibung: „In performativen Videoarbeiten…isoliert die…Künstlerin…alltägliche, routinierte Bewegungs- und Arbeitsprozesse aus ihrem funktions- und produktionsorientierten Kontext.“

Auf Deutsch: „Ich filme alltägliche Gegebenheiten und spiele sie in Endlosschleife wieder ab.“

Dafür brauche ich keinen Eintritt zu bezahlen. Das ist einfach, bilde ich mir ein. Das kann ich auch! Genau wie Kekse essen. Ich genehmige mir noch einen.

Falls ich mich entschließen sollte, die Kunsthalle zu besuchen: Sollte nicht auch ein Warnschild an der Kasse stehen: „ACHTUNG! Diese Kunstausstellung enthält Elemente, die mithilfe von technischen Hilfsmitteln und automatisierten Prozessen erschaffen wurden“?

Ich bekomme Hunger und durchforste den Kühlschrank. Eine Wurst bietet sich mir an – „Iss mich, iss mich!“ höre ich sie rufen.

Gebongt!

Der Zeiger der Digitaluhr zeigt zwanzig vor elf, als ich die Pfanne anheize. Eine Handvoll Pommes landet parallel dazu in der Heißluftfritteuse.

„Wenn einer eine Bratwurst brät, hat er ein Bratwurstbratgerät! – Und eine Kartoffeloberflächenverfettungsmaschine für die Pommes.“

Ich kann den Moment kaum erwarten, in dem ich meine Bratwurst kunstvoll auf dem Teller drapiere. Gleich daneben werde ich das knusprige Pommes-Arrangement anrichten, dessen Geruch sich – dank Gebläse – vermutlich auch seinen Weg ins Schlafgemach bahnen wird. Getoppt wird das Ganze mit fruchtigem Tomatenketchup, von kupfer-goldenem Currypulver bestäubt.

Eine Viertelstunde später steht der fertige Teller vor mir: die Ikone deutscher Kulinarik: Currywurst mit Pommes à la Bianca Wildherz.

Wie das duftet!

Der erste Bissen – ein Traum!

Wussten Sie, dass in Deutschland pro Jahr achthundert Millionen Currywürste gegessen werden? Achthundert Millionen pro Jahr!

Doch dann überfielen sie mich wieder, die Gewissensbisse. Ich wollte doch so spät abends nichts mehr kochen.

Kochen?

Eine Wurst warm zu machen, ist doch auch keine Kunst, oder? Die Wurst stammt vom Metzger, der mir höchstpersönlich versichert hat, dass nur glückliche Schweine in das Wurstbrät hineingekuttert wurden… Also, die Schweine sollen glücklich gewesen sein, als sie noch am Leben waren. Jetzt lagen sie teilweise emotionslos in meinem Magen.

Und das Ketchup? Habe ich die Tomaten selbst vom Strauch geschnitten? Habe ich sie in einer stundenlangen Prozedur gekocht, um sie dann im finalen Stadium mit ausgesuchten Gewürzen zu verfeinern?

Nein.

Was ich getan habe, um dieses Kunstwerk, das vor mir auf dem Teller lag, zu schaffen, war: die Angebotsprospekte der örtlichen Discounter zu studieren, um den geeigneten Moment abzupassen, der einen erheblichen Rabatt auf den Normalpreis (über sechs Euro verlangen diese Halsabschneider für ein bisschen mit Zucker und Essig verlängertes Tomatenmark!) gewährte, und dann erbarmungslos zuzuschlagen, die Flasche in mein persönliches Eigentum zu überführen, um diese vorgefertigte Industrieware ohne Hemmungen zu konsumieren.

Wer von Ihnen schneidet seine Pommes noch selbst? – Hand hoch!

Ich muss zugeben, ich besitze noch einen Pommesschneider – dieses Ding, mit dem man eine Kartoffel durch ein Gitter drückt. Hinten fallen dann lauter lustige Kartoffelstäbchen heraus…

Doch ich spare mir den Aufwand und greife meist auf vorgefertigte Industrieware zurück – wie fast die gesamte Gastronomie.

Seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Wir alle tun es…

Ob Instant-Suppenbrühe, Bratensoße, Maggi Fix für alles und nix… Wir alle lieben sie, die kleinen Helferlein, die uns den Alltag erleichtern und für das perfekte Geschmackserlebnis sorgen.

Warum sollte es dann bei der schreibenden Zunft anders sein?

Was ist daran verwerflich?

Ich muss Ihnen noch ein Geheimnis verraten: Seit ich bei Inkitt aktiv bin, habe ich noch ein neues Hobby für mich entdeckt: Ich pflastere fremde Pinwände mit KI-generierten Bildchen zu! Meine Stammleser wissen jetzt vermutlich, wovon ich spreche…

Dank Adobe Photoshop, Antares Autotune und vieler anderer Programme leben wir in einer perfektionierten Welt. Die KI ist nur ein weiterer Teil davon, sonst nichts. Sie ist nicht besser oder schlechter als das, was wir sowieso schon kennen. Sie ist nur anders. - Und alles was anders ist, macht uns Angst.

Darum möchte ich mich hiermit an offizieller Stelle outen:

Ich finde KI toll! – Ich liebe sie!! – Ich bin geradezu verrückt nach ihr!!!

Jaaa, ich benutze sie! – Und ich habe KEINE Angst vor ihr!

KI hat Dinge möglich gemacht, von denen ich vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren nur geträumt habe. Also werden Sie, liebe Leser, in Zukunft vermutlich immer diesen neckischen kleinen Schriftzug „KI unterstützt“ an meinen Geschichten sehen.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich mit ChatGPT, Microsoft Designer, Suno & Co. auseinanderzusetzen – es lohnt sich!