Tintenflügel

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Summary

Die junge Hobbyautorin Cora schreibt gerade an einer neuen Story, als einer ihrer Leser ihr eine Nachricht hinterlässt. Schon bald merken die beiden, dass sie in derselben Stadt leben und sie entscheiden sich dazu, sich zu treffen. Es bleibt nicht bei einem Treffen und sie kommen sich immer näher, bis Micahs mentale Gesundheit sich immer weiter verschlechtert.

Status
Complete
Chapters
38
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Es geschah vor langer Zeit, da lebte eine junge, begabte, aber arme Müllerstochter. Sie war glücklich mit ihrem Leben, sie wollte nichts anderes als das, was sie hatten. Das einfache Leben genügte ihr. Ihre Mutter jedoch erwartete mehr, mehr, als ihr Ehemann, der Vater der jungen Müllerin, ihr geben konnte. Und so begann sie, Pläne zu schmieden.

Während die junge Müllerstochter dort draußen über die Wiesen streunte und sich an den dort wachsenden Blumen erfreute, suchte die Mutter einen Zauberer auf. Er sollte ihr helfen, ihre Tochter mit einem Liebestrank in die höhere Gesellschaft einheiraten zu lassen. Und denkt nicht, dass ein Baron ihr reichen würde. Der König war auf der Suche nach einer Frau für seinen Sohn, den Prinzen, den Thronerben. Das kam der Mutter doch wie gerufen.

Der Liebestrank, so sagte der Zauberer, hatte einen Preis. Das Herz einer liebenden Person. Die Mutter sollte ein solches Herz rauben und es ihm bringen, bevor der nächste Vollmond am Himmel stand. Und so geriet sie in Bedrängnis. Die Müllerstochter hingegen lebte der Sonne entgegen, glücklich und unbeschwert.

Doch es kam, dass sie sich verliebte. Der Schmied hatte einen Sohn. Sie kannten sich aus Kindertagen, doch war es ihnen lange nicht möglich, sich zu sehen. Nun aber konnte ihre Liebe erneut entflammt werden. Und selbst nach so langer Zeit schien er sie besser zu kennen, als jeder andere. Ihr Glück war vollkommen.

Zumindest so lange, bis ihre Mutter davon erfuhr. Sie erinnerte sich an den Preis, den sie dem Zauberer noch zahlen musste. Sie war zerrissen. Einerseits erfreute sie sich am Glück ihrer Tochter, andererseits wollte sie mehr. So fasste sie einen Entschluss.

Als der Sohn des Schmiedes die Müllerstochter am Abend nach Hause brachte, erwartete ihn die Mutter bereits mit gierigen Augen. Ihre Tochter hatte Besseres verdient und sie ebenfalls. Fest entschlossen holte sie die Axt ihres Mannes aus dem Schuppen und lockte den Sohn des Schmiedes hinters Haus in das kleine, anliegende Wäldchen. Der Sohn des Schmiedes, nichts Böses ahnend, folgte ihr in dem Glauben, dass die Mutter seiner Liebe ihm ihren Segen geben wollte, doch als er ihr den Rücken zuwandte, erschlug sie ihn und holte sich sein Herz.

Noch mit Blut befleckt brachte sie dem Zauberer das Herz, das Herz eines liebenden Menschen.

Ihre Finger schwebten über der Tastatur. Wie sollte es weitergehen? Sie hatte schon eine ungefähre Vorstellung vom Schicksal der Müllerstochter, aber andererseits fand sie es doch ein wenig makaber. Würde überhaupt jemand so etwas lesen wollen?

Das würde sich wohl herausstellen. Langsam scrollte sie nach oben und las das bisher geschriebene stumm vor sich hin. Ein paar Stellen störten sie, aber das konnte sie später immer noch ändern. Oder doch lieber jetzt? Andererseits würde es darin enden, dass sie alles löschte und komplett von vorne anfing, so wie immer. Letztendlich war es dann eine komplett veränderte Version von dem, was dann dabei herauskam. Langsam schüttelte sie den Kopf. Nein, jetzt würde sie es nicht korrigieren, dazu war später immer noch Zeit.

Außerdem las ohnehin niemand ihre Geschichten, also war es im Prinzip egal. Es war ihre Welt, dort konnte sie tun und lassen, was sie wollte. Manche würden es als Gottkomplex bezeichnen, aber so dunkel wie diese war sonst keine ihrer Geschichten. Normalerweise klangen ihre Geschichten auch nicht wie ein Märchen, aber irgendwie hatte es ihr die Geschichte der armen Müllerstochter angetan.

Zugegeben, ihr geplantes Schicksal war grausam, aber irgendwie fand Cora es schön. Sie mochte es nicht, irgendetwas zu beschönigen. Sie wollte alles so zeigen, wie es war. Ohne rosarote Brille, die einem die beste Sicht auf alles verschaffte.

Auch, wenn viele das störte. Vielleicht war das der Grund, warum niemand ihre Geschichten las, an denen sie so hing?

Das war vermutlich der Preis, den alles Gute mit sich zog. Das sollte ihr eigentlich egal sein. Es hatte sie noch nie gestört, nur für sich zu schreiben.

Mit einem Seufzen speicherte sie den Anfang ihrer neuen Geschichte ab und lud es auf der Seite hoch. Es waren nur wenige Leute dort, aber genug, um sich hin und wieder mit anderen Autoren austauschen zu können.

Na ja, Autoren. Geschichtenschreiber, Blogger. Nichts anderes.

Ihr Computer piepte und Cora sah auf. Eine Nachricht in ihrem Postfach. Das hatte sie nicht oft, mit den meisten anderen schrieb sie über andere Seiten und Programme.

Eine einzelne Nachricht war eingetroffen, von einem User namens DunkleRose.

„Ich mag deine Geschichten.“