Bensamlar - Der Knochensammler

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Summary

Schwedens dunkle Straßen bergen ein grausames Geheimnis. Ein unbekannter Serienmörder treibt sein Unwesen entlang des Länsväg 108, ein Phantom, das sich seine Opfer aus ahnungslosen Trampern sucht. Man nennt ihn nur "Bensamlar" - den Knochensammler. Seine Signatur? Er entnimmt seinen Opfern stets ein anderes Knochenstück als grausame Trophäe. Als die ersten Leichen auftauchen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Polizei steht vor einem Rätsel, und der Killer wird immer kühnender. Doch während die Ermittlungen laufen, steigt bereits das nächste Opfer in sein Auto... Ein packender, eiskalter Thriller inspiriert von den düstersten Fällen skandinavischer Serienmörder.

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1: Der Anhalter

Der schwedische Sommer 1991 war heiß und drückend, doch entlang der dicht bewaldeten Länsväg 108 war es angenehm kühl. Nur wenige Fahrzeuge fuhren an diesem Tag auf der verlassenen Landstraße, welche die vielen isolierten Dörfer miteinander verbindet. Wo die einzigen Geräusche das Singen der Vögel und das Rascheln der Bäume waren. Hendrik hatte nie viel für die Gesellschaft übrig. Ein Einzelgänger durch und durch. Die Straße war sein einziges Zuhause, der Motor seines Wagens das einzige Geräusch, das ihm je wirklich vertraut war. Er war immer unterwegs, immer auf der Suche nach dem nächsten Ziel, dem nächsten Abenteuer – oder eher nach der Flucht vor dem nächsten Tag. Heute war kein besonderer Tag, eher sogar ein langweiliger, wenn jedoch schöner, genauso wie Hendrik es mag. Er fuhr die abgelegene Landstrasse in Richtung Röstånga, an den Feldern und kleinen Seen der schwedischen Provinz vorbei. Die Sonne war kurz davor, hinter dem Horizont zu verschwinden, tauchte alles in das sanfte, blutrote Licht der Dämmerung.

Auf einem ruhigen Rastplatz, mitten im Nirgendwo, hielt Hendrik an. Hier fand man als durchreisender alles was man brauchte. Tische und Bänke für ein Picknick, ein paar Toiletten und Waschbecken für die Hygiene und sogar ein kleiner Spielplatz mit Schaukel und einer Rutsche. Und vor allem fand man hier Ruhe. Kein Mensch weit und breit, nur das Summen der Insekten und das Rauschen des Windes. Alle paar Minuten kam hier gelegentlich ein Wagen vorbei, der für kurze Zeit die Stille unterbrach. Als er aus dem Wagen stieg, um frische Luft zu schnappen, fiel ihm der Mann auf, der am Straßenrand stand. Er war ein Anhalter, wie man sie öfters an schwedischen Landstrassen vorfindet. Zersauste, leicht lockige, hellbraune Haare die kurz vor dem Nacken endeten. Eine verdreckte Wind/Regenjacke umgebunden und einen Mehrtagerucksack der Geschichten erzählen kann. Geschichten von unerwarteten Wetterumschwünge, vom Staub der Grossstadt und den warmen, geschützten Nächten der Hostels. Ganz zu schweigen von der Wanderschuhen, bei denen man vor lauter Dreck nicht mehr erkannte wie die eigentliche Farbe aussah.

Hendrik überlegte nicht lange. Normalerweise wäre er einfach weitergefahren, aber an diesem Abend war alles anders. Vielleicht war es die Stille, die ihn drückte. Vielleicht war es das Gefühl, dass er für einen Moment jemanden brauchte, mit dem er reden konnte. Vielleicht war es einfach nur die Langeweile, die er anfangs wollte, ihn aber nun belastete. So oder so – Hendrik entschloss sich, den Anhalter mitzunehmen.

„God dag, vandrar“, begrüsste Hendrik freundlich den Mann, ehe er sich nach dem Zielort erkundete «Vart kan jag ta dig?» - «Norrköping“, antwortete der Mann knapp, ohne ihn wirklich anzusehen. Hendrik kam sein Verhalten erst etwas seltsam vor, jedoch schob er dies auf seine fehlende Sozialkompetenz, vielleicht war der Anhalter einfach nur sehr müde. Mit einem «Mhm» startete den Motor. Er konnte den Blick des Mannes immer spüren und dies obwohl er ihn nicht einmal ansah. Als sie die Straße entlang fuhren, wurde er dieses düstere Gefühl einfach nicht los, dass der Anhalter nicht so war, wie er schien. „Schon länger unterwegs?“ Hendrik versuchte, das Gespräch zu beginnen, doch der Anhalter blieb stumm, der Blick weiterhin auf den leeren Straßenabschnitt gerichtet. Hendrik wandte sich ab, um die Landschaft zu betrachten. Die Bäume entlang der Straße standen dicht beieinander, ihre Äste wie knorrige Finger, die sich im Wind bewegten. Zwischen den Stämmen konnte er das schwache Glühen der Dämmerung sehen, die die Welt in einen blutroten Schimmer tauchte. Der Himmel war fast schwarz, und die Felder auf beiden Seiten der Straße zogen sich in dunkle, leere Weiten. Nicht ein einziges Licht war zu sehen, nur der fahle Schein der Scheinwerfer, der den Weg durch die fast geisterhafte Leere schnitt.„Ja“, kam die knappe Antwort. Ein weiteres Mal war es still zwischen den beiden. Die raue Landstraße zog an ihnen vorbei, die Dunkelheit verschlang alles um sie herum. Doch der Anhalter sagte nichts mehr. Kein weiteres Wort. Hendrik fragte sich, ob er sich vielleicht einfach zu viele Gedanken machte. Oder ob er zuviel von diesen Gruselgeschichten gehört hatte. Aber das Gefühl der Unruhe blieb.

Die Minuten verstrichen, und die Dunkelheit wurde dichter. Hendrik bemerkte, dass gleichzeitig die Luft im Wagen kälter wurde. Er schaltete die Zusatzlichter ein, drehte die Heizung auf, aber die Kälte blieb. Ein unwohles Gefühl breitete sich in seiner Brust aus. Etwas an diesem Fremden störte ihn. Der Mann saß reglos da, seine Hände auf den Oberschenkeln, als würde er darauf warten, dass etwas passierte.

Hendrik fuhr weiter, doch sein Blick blieb immer wieder an den dunklen Weiten des Waldes hängen. Die Bäume standen dort wie stumme Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Die Nacht hatte den Wald verschluckt, und mit ihr die Geräusche der Natur. Nur das gelegentliche Knistern der Autoreifen auf dem Asphalt brach die Stille. „Es ist seltsam, wie der Wald sich hier alles zurückholt“, murmelte Hendrik, fast mehr zu sich selbst als zu dem Anhalter. Der Mann neben ihm sagte nichts, doch Hendrik spürte, dass er die Worte gehört hatte.“

Plötzlich drehte sich der Anhalter zu Hendrik und sah ihn mit einem Blick an, der Hendrik fast den Atem nahm. Die Dunkelheit in seinen Augen war tief und unergründlich.

„Du bist ein netter Kerl“, sagte der Anhalter mit einem Grinsen, das sich wie ein kalter Hauch über die Luft legte. „Aber du solltest vorsichtiger sein, mit wem du unterwegs bist.“ Hendrik versuchte, das Grinsen zu ignorieren. „Was meinst du?“, fragte er, doch der Anhalter antwortete nicht sofort. Stattdessen griff er plötzlich nach etwas, das Hendrik nicht bemerkt hatte – einen Hammer, der im Fußraum lag. Hendrik starrte ihn an, unfähig zu reagieren, als der Anhalter sich den Hammer schnappte, ihn erhob und mit einem vernichtenden Schlag auf Hendriks Schädel einschlug.

Hendrik starrte entsetzt auf das glänzende Metall, als der Mann mit einem grausamen Ruck zuschlug. Der Aufprall war überwältigend. Hendrik fühlte, wie sein Schädel nachgab, als das Metall auf ihn traf. Der Schmerz war ein dumpfes Dröhnen, das in seinem Kopf widerhallte, und bevor er überhaupt richtig begreifen konnte, was gerade passierte, setzte der Anhalter nach – noch ein Schlag, diesmal mit solcher Wucht, dass Hendriks Gesicht wie ein zerrissenes Papier zerbarst.

Blut spritzte in alle Richtungen, verteilte sich auf dem Lenkrad, der Windschutzscheibe und dem Beifahrersitz. Hendrik konnte den Schock nicht einmal fassen, als er den Anhalter nur noch als verschwommene Silhouette vor sich sah, der ruhig und methodisch auf ihn eindrosch. Der Mann war wie ein kaltes Tier, das keinen Funken Mitleid kannte.Hendrik konnte nichts mehr tun. Die letzten Erinnerungen, die durch seinen Kopf schossen, waren ein verschwommener Film von seinem eigenen Blut, das sich auf dem Boden des Wagens sammelte.

Doch der Anhalter war noch nicht fertig. In einem rituellen Akt der Grausamkeit griff er nach einem Messer aus seiner Tasche und begann, Hendrik mit präzisen Schnitten zu bearbeiten. Der Mörder war der „Bensamlar“ – der Knochensammler. Er hatte ein Hobby, das er mit einer bizarren Hingabe pflegte. Kein Mord war vollständig, ohne das perfekte Stück Beute zu holen. Heute war es der Oberschenkelknochen. Der Knochensammler schnitt das Fleisch mit einem eiskalten Blick aus und nahm sich, was er wollte. Den brach er mit der Spitze der Hammers heraus.

„Du bist nun Teil meiner Sammlung“, murmelte der Mörder, während er das letzte Stück des Oberschenkelknochens entfernte. Er betrachtete sein Werk. Hendriks Leichnam war eine groteske Leinwand aus offenen Wunden und heraushängendem Fleisch. Der Geruch von Kupfer lag in der Luft, und ein leises Tropfen von Blut klang wie das Ticken einer Uhr. Der Knochensammler fuhr mit den Fingern über den bloßgelegten Knochen, spürte seine Festigkeit, seine Perfektion eher er ihn in eine Abdeckplane einwickelte.

Mit dem Fundstück in der Tasche und einem zufriedenen Blick auf den leblosen Körper verließ der Mörder das Auto. Der Nachtwind kühlte die Blutlachen, die vom Auto raustropften und sich langsam auf dem Asphalt ausbreiteten. Der „Bensamlar“, der Knochensammler, verschwand mit seiner grausigen Beute in der Dunkelheit mit der nächsten „Erinnerung“ an einen seiner „Freunde“.