Der Abschied zum Anfang
Lieber Finn,
vielleicht wunderst du dich, dass ich nicht mehr auf deine letzte Nachrichtgeantwortet habe. Ich habe den Teil, den Du von mir wolltest, getötet. Das Du dafür die Weichen gestellt hast, wirst Du bis heute nicht verstanden haben. Wie auch, denn ich reagiere ja über.
Leider war Dir nie bewusst, dass unser Projekt das Einzige war, was mir Freude spendete, welche Kraft ich daraus zog, einen Menschen wie Dich in meiner Nähe zu wissen.
Es war so befreiend, ich selbst sein zu dürfen, ohne Scham und ohne Tabus. Die Möglichkeit einfach weiterzumachen hattest Du mir gegeben, aber ich wollte mehr sein als die Frau, die Dir Nacktbilder schickt, um deine Lust weiter anzufachen, damit Du deine Projekte schreiben kannst.
Der Gedanke, dass ich in deinen Gedanken war, dass diese Lust mir galt und nicht einer anderen fiktiven Frau, erfüllte meinen müden und trostlosen Körper mit Leben, es spendete meiner Seele wieder etwas Licht und Wärme.
Unsere Gespräche, auch wenn diese nicht oft oder die ganze Nacht lang waren, halfen mir sehr. Das Du anderen die ganze Nacht überzuhören konntest, schob ich in meinem Kopf weit weg, denn es freute Dich sehr, noch jemanden wie mich an deine Seite begrüßen zu dürfen. Wir hatten ja jeder noch ein anderes Leben und man muss nun mal Prioritäten setzen. Du warst immer in deinen Entscheidungen frei, genau wie ich.
Deine letzte Nachricht, dass Du unser gemeinsames Projekt aufgibst und dich nur um deine Sachen kümmern willst, verstand ich sofort. Du hast es leider nicht verstanden, dass ich Jahre gewartet hätte, um es gemeinsam mit dir zu beenden. Da Du auch sofort begeistert warst, dass ich es dann alleine beenden würde, zerbrach mich komplett.
Deine Worte, „wer weiß, ob wir es je beenden werden oder nicht, da ist es doch besser Du machst das alleine“ waren wie ein Schlag ins Gesicht. Aber das kannte ich schon, denn es war in meinem Leben immer so. Ich begleite Menschen eine Zeit lang und wenn sie mich nicht mehr brauchen, werde ich verlassen, ersetzt oder einfach gesagt, von sich weggestoßen.
Lag es denn immer an mir? Habe ich je etwas verlangt, erwartet oder Druck gemacht? Das haben doch schon andere vor Dir getötet, daran konnte es nicht liegen. Waren meine Fotos nicht erotisch genug? Nein, daran lag es nicht, denn du möchtest ja weiterhin erotische Bilder von mir haben, das hast Du ja klipp und klar geschrieben.
Aber wollte ich das? Wollte ich nur wieder dazu dienen deine Lust anzufeuern und mich über deine Projekte zu unterhalten? Waren wir denn keine Freunde? All diese Gedanken erschufen wieder einmal eine neue Hölle in mir und dieses Mal werde ich ihr entkommen.
Für Deine Zukunft wünsche ich Dir alles Gute und liebe Grüße an meinen Ersatz. Ich habe für mich einen anderen Weg gewählt, den Du niemals verstehen wirst.
Wir sehen uns bestimmt nie wieder, deine Mia