Kapitel 1: Erwachen in der Dunkelheit
Dunkelheit.
Schwere.
Kälte.
Ein dumpfes Pochen hämmerte gegen seinen Schädel, wie ein Echo aus einer anderen Welt. Sein Körper fühlte sich taub an, als wäre er zu lange regungslos gewesen, zu lange ausgesetzt einer Stille, die nicht mehr menschlich war.
Er blinzelte. Ein Fehler.
Ein gleißender Lichtblitz schnitt sich durch seine Netzhaut, ließ ihn keuchen, den Kopf zur Seite drehen. Schwarz und Weiß, Dunkelheit und Licht – doch keine Orientierung. Sein Herzschlag setzte aus, nur für einen Moment, dann setzte er wieder ein. Schneller, unkontrollierter. Sein Atem keuchte durch seine Kehle, als er sich zwang, die Augen erneut zu öffnen.
Die Welt war verschwommen.
Ein kahler Raum, graue Wände, Deckenfluter, die wie starre Augen auf ihn herabblickten. Ein metallischer Tisch. Ein Stuhl, umgeworfen. Ein Spiegel an der Wand, so dunkel, dass er nur seine Silhouette erkannte – oder war da noch jemand?
Sein Magen krampfte sich zusammen.
Etwas stimmte nicht.
Er spürte es nicht nur – er wusste es.
Doch er wusste nicht, wer er war.
Panik.
Sie kam nicht langsam. Sie kam mit einem Ruck, einem rasenden Herzschlag, der durch seinen Körper jagte wie ein Elektroschock. Sein Verstand suchte nach Halt, nach einem Ankerpunkt. Erinnerungen. Ein Name. Ein Gesicht.
Nichts.
Nur eine klaffende Leere.
Sein Atem beschleunigte sich, seine Finger gruben sich in den harten Boden unter ihm, während sein Kopf nach einer Antwort schrie. Wer war er? Wo war er? Warum war er hier?
Dann – ein Geräusch.
Metall auf Metall. Ein Echo in der Stille.
Jemand war hier.
Er presste sich gegen die Wand, sein Herz ein wilder Trommelschlag. Schritte. Schwer. Präzise. Kein Zögern, kein Suchender – jemand, der wusste, wohin er ging.
Ein Schatten glitt durch die Öffnung einer Tür, die er nicht bemerkt hatte.
Ein Mann. Schwarz gekleidet. Präzise Bewegungen, eine Stille um ihn, die tödlicher war als jede Waffe.
„Endlich wach.“
Die Stimme war kalt. Sachlich.
Max sagte nichts.
Max.
Woher kam der Name?
War es sein Name?
Er wollte es fragen. Doch seine Kehle war trocken, seine Zunge wie Sandpapier. Er konnte nur starren, nur lauschen auf das Rauschen seines eigenen Blutes.
„Ich bin nicht hier, um zu reden“, sagte der Mann und zog eine Waffe.
Dann fiel der erste Schuss.