Das Kindermädchen der Mafia

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Summary

Die Familie geht über alles, sie zu schützen und weiterzuführen ist das oberste Gebot. Ich dachte, ich bin der letzte Überlebende in dieser Fa-milie. Überraschung, ich bin es nicht und jetzt brauche ich eine Nanny, denn ich werde mir mein Erbe zurückholen und diese Welt ist kein Spielplatz für ein kleines Mädchen. Wie praktisch das Gegenüber ein perfektes Kindermädchen lebt. Sie weiß nur noch nichts von ihrem Glück. Ein Umstand, den ich nun ändern werde.

Status
Ongoing
Chapters
8
Rating
5.0 4 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 Dima

Ein heiserer Schrei entringt sich ihren Lippen, während sie ihren Kopf auf die Brust drückt, die Beine anzieht und presst. Ich stehe vor ihr und habe keine Ahnung, was ich tun soll. Wo bleibt dieser verfluchte Arzt?

Ihre Schreie werden immer schwächer und auch wenn ich einerseits froh darüber bin, ist mir bewusst, dass sie es nicht tun sollten. Ihre Hände zittern, während sie sich die verschwitzten Haare aus der Stirn streicht, ihre Beine zittern genauso und klappen links und rechts von ihrem Körper weg.

»Ich kann nicht mehr«, keucht sie erschöpft und lässt den Rest ihrer Worte in erneute Schreie untergehen.

»Du musst pressen«, fordere ich sie auf. Zwischen ihren Beinen bildet sich eine Lache frisches Blut, ich bin unsicher, ob dies so sein sollte.

»Ich schaffe das nicht!«, kreischt sie und presst erneut.

Alles an mir verkrampft sich mit ihr, ich spüre, wie die Muskeln sich anspannen, wenn ich könnte, würde ich ihr die Schmerzen nehmen. Ich bin kein Ungeheuer, ich weiß nur nicht, wie mein Mitgefühl ihr in dieser Situation helfen soll. Wir kennen uns kaum alles, was uns verbindet, ist eine heiße Silvesternacht und unser plötzliches, erneutes Aufeinandertreffen.

Vor ein paar Minuten habe ich erfahren, dass meine gesamte Familie ausgerottet wurde und jetzt steht mir diese schwangere Frau gegenüber und hat allen Anschein vor, ihr Kind auf meiner Türschwelle zu bekommen.

»Pressen«, fordere ich erneut, denn der Kopf ist zu sehen. Sie beißt ihre Zähne zusammen, schließt die Augen und presst. Ihre Schreie zerreißen die Nacht, sie werden wieder kräftiger und lauter, bis sich ein weiterer Schrei daruntermischt. Er ist zaghafter, sanfter und kündigt ein neues Leben an. Ich ergreife das Baby, wickle es in saubere Handtücher und klemme die Nabelschnur ab. Ich reiche es ihr und sehe in ihr blasses Gesicht. Sie verdreht die Augen und ich rüttle an ihr.

»Wach auf Anna!«, brülle ich, doch sie rührt sich nicht.

»Verflucht!« Mit einer Hand halte ich das Neugeborene, mit der anderen fasse ich in ihren Nacken und hebe ihren Kopf an.

Ihre Augenlider flattern auf. »Es ist dein Kind«, keucht sie und sackt in sich zusammen.

Mein Schrei klingt unmenschlich und doch drückt er alle Gefühle aus, die mich in dem Moment befallen. Mein Blick gleitet panisch über ihren Körper, sie blutet viel zu stark. Wo bleibt der Arzt? Das Baby wimmert in meinen Armen. Ich betrachte es genauer und versuche es zu beruhigen. Ich lege es neben ihr ab und beginne mit den Wiederbelebungsversuchen. Der Arzt kommt endlich an und übernimmt, ich stehe daneben und sehe fassungslos dabei zu, wie sich mein Leben innerhalb weniger Sekunden komplett verändert.



Es ist nicht genug, es zu versuchen, du musst es auch wirklich wollen!

Ein Spruch, den ich zu oft in meinen Leben schon zu hören bekommen habe. Er kam meinem Vater fast täglich über die Lippen. Ebenso wie sein Leitbild, dass ein Mann einen Nachkommen braucht, um die Familie aufrechtzuerhalten. Ich bin der Letzte unserer Familie, der einzig Überlebende. Jedenfalls dachte ich das, bis ich die kleine Nutte von der Silvesterparty wiedertraf. Ihr Leib wölbte sich mir rund entgegen und sie war nur zu bereit, zuzugeben, dass es sich um mein Kind handelt. Eine überraschende, wenn auch erfreuliche Nachricht. Dumm nur, dass sie bei der Geburt für immer von uns ging und mich mit dem Kind zurückließ. Ich habe keine Zeit, mich um ein Kind zu kümmern, die Geschäfte verlangen nach mir und ein Nachtclub ist keine vernünftige Unterbringung für ein Neugeborenes. Schnaufend werfe ich das Handy auf den Schreibtisch. Eine Agentur nach der Nächsten entschuldigt sich und sagt ab, liegt es an meinem Namen oder daran, dass es dieses Jahr einen wahren Babyboom gibt? Ich habe keine Wahl, ich muss eine Lösung finden. Mein Blick gleitet aus dem Fenster zum Nachbarhaus herüber. Gedankenverloren wiege ich den Säugling in meinen Armen und beobachte die Silhouette der jungen Frau von gegenüber. Das kleine Bündel in meinen Armen rührt sich und protestiert, als ich aufhöre, mich zu bewegen.

Sofort setze ich mit den kontinuierlichen Schaukelbewegungen wieder ein und atme erleichtert aus, als sich das Baby beruhigt.

Mein Handy vibriert, es ist Oleg, die rechte Hand meines Vaters. Nein, es ist meine rechte Hand, wie mir sofort wieder bewusst wird.

»Was?«, raune ich in den Hörer, einen Blick nach unten gerichtet, um zu sehen, ob sich das Baby an den Gesprächen stört. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es zu vermeiden, dass es weint, denn wenn es das erst einmal tut, hört es nicht mehr auf.

»Dima, wir müssen die Beerdigung planen. Es ist viel zu erledigen, wo zur Hölle steckst du?«

Allein der Tatsache geschuldet, dass Oleg mich bereits seit ich ein kleines Kind war, kennt, erlauben ihm so mit mir zu sprechen.

»Ich habe zu tun!«

»Es wird erwartet, dass …«, beginnt er, doch ich schneide ihm das Wort ab.

»Ich weiß, was erwartet wird und sie werden ihr Schauspiel bekommen. Aber jetzt habe ich zu tun und sobald ich das erledigt habe, melde ich mich!«, brülle ich in den Hörer und bringe dabei das Baby zum Weinen.

»Was zur… Ist das ein Baby? Wo bist du?«, knurrt Oleg in den Hörer.

»Zu Hause!« Damit lege ich auf, es wird keine zehn Minuten dauern, bis er hier ist und mit viel Glück bekommt er das Kind dazu, mit dem Schreien aufzuhören. Oleg überrascht mich und braucht nur acht Minuten, er hämmert so fest an die Tür, dass er sie auch gleich hätte einschlagen können.

»Hey Mann!«

»Ich bin ja schon auf dem Weg.« Ich reiße die Tür genau in dem Moment auf, in dem er erneut ausholt, um dagegen zu hämmern. Ich weiche ihm aus und starre ihn wütend an das Baby immer noch fest in meinem Arm.

»Was ist hier los, wer ist das?« Er deutet auf das Kind, nachdem er eingetreten und die Tür hinter sich geschlossen hat.

»Der Abend an Silvester hat eine freudige Überraschung beschert«, knurre ich.

»Die Nutte?« Selbst würde er sich niemals eine Frau bezahlen. Ich sehe die Vorzüge darin, sie hängen einem nicht am Hals und wissen, was Sache ist, am nächsten Morgen sind sie fort und man hat seine Ruhe.

»Nenn sie nicht so«, knurre ich aus dem Reflex heraus, immerhin hat Anna mir einen Sohn geschenkt.

»Du weißt, dass du sie loswerden musst«, zischt er.

»Schon geschehen.« Die Umstände gehen ihn nichts an.

»Bist du sicher, dass es dein Sohn ist?«

»Sie ihn dir an«, es ist nicht mehr als ein Flüstern, doch irgendwas am Anblick dieses kleinen Menschen in meinen Armen lässt mich weich werden.

»Du bist meine größte Schwäche und mein stärkster Stolz.« Die Worte meines Vaters kommen mir in Erinnerung und zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich, was sie wirklich bedeuten.

»Verdammt!« Oleg läuft unruhig im Zimmer herum.

»Du brauchst ein Kindermädchen.«

»Sag bloß?«, frage ich zynisch, »jede verdammte Agentur in dieser Stadt ist belegt!«

Oleg schaut zu mir herüber. »Dima, die Beerdigung ist in zwei Tagen und du musst dein Gesicht zeigen.«

»Ich weiß, was von mir erwartet wird, und ich werde mir mein Erbe zurückholen, dieser Mudak kommt damit nicht durch.«

»Regle das und ruf mich an, ich kümmere mich um den Rest!«, Oleg verschwindet zur Tür hinaus. Zum Glück ist er Vater genug, sie nicht zu knallen und das Baby aufzuwecken.

»Was mache ich nur mit dir?«, seufze ich leise und gehe zum Schreibtisch zurück. Sobald ich mich hingesetzt habe, fällt mein Blick auf das schlafende Gesicht und alles andere rückt für den Moment in den Hintergrund. Es ist einzig und allein meiner Unpünktlichkeit zu verdanken, dass ich jetzt hier sitze. Wäre ich mit im Flugzeug gewesen, hätten sie mit einem Schlag unsere gesamte Familie ausgerottet. Sie konnten nicht wissen, dass ich nicht drinnen bin, doch das werden sie bei der Beerdigung erfahren und dann hole ich mir meine verdammte Stadt zurück. Sie haben mir nicht nur meine Brüder und Eltern genommen, sondern auch die Zeit, um ordnungsgemäß um sie zu trauern. Dafür gibt es nur eine gerechte Strafe, wenn ich mit ihnen fertig bin, werden sie ihr eigenes Gift schmecken.

Der kleine Mund beginnt im Schlaf zu schmatzen, es wird Zeit für das nächste Fläschchen. Ich habe mich die gesamte letzte Nacht zwischen Flasche geben und Windeln wechseln abgewechselt. Mein Zeitgefühl ist komplett dahin und meine gesamte Welt scheint in meinen Armen zu liegen. Kommen wir zum nächsten Problem, er braucht dringend einen Namen. Seine Augen öffnen sich und schauen mich an, die kleinen Fäuste strecken sich in die Luft und sein winziger Körper biegt sich durch, während er wach wird.

»Wie wäre es mit Waldemar nach deinem Opa?«, frage ich, und er verzieht das Gesicht. »Du hast recht zu altmodisch, wie wäre es mit Sila Waldemar Iwanov?«

Sein kleines Gesicht verzieht sich zu einem engelsgleichen Lächeln und ich grinse mit. Das hätte Vater gefallen.