Hail Mary

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Summary

"Wenn das Vertrauen erstmal weg ist, fällt es einem schwer dieses neu aufzubauen. Wer anderen zu viel Vertrauen schenkt, bezahlt am Ende oft mit Tränen." Ella Thomson die Tochter eines berühmten Football-Trainers, weiß nicht mehr, wie man anderen Menschen richtig Vertrauen schenkt. In der Footballwelt, wurde sie oft wegen ihres Herkunft ausgenutzt. Ein kurzer Akt des völligen Vertrauens und der Hingabe hatte sie beinah ruiniert. In der Eishockeywelt hat sie ihren Frieden gefunden, bis ihr auffiel, das sie der exakte Frauentyp der meisten Spieler ist, groß, blond und blauäugig. Aus Angst vor einer Wiederholung ihres letzten Vertrauensfehlers, zieht sie sich immer mehr zurück und will eigentlich nur schreiben und als Journalistin ernst genommen werden solange ihr Roman noch nicht steht. Doch durch ihre stille und zurückhaltende Art gestaltet sich das sehr schwierig. Das alles ändert sich, als sie einen Sportartikel über Football schreiben muss, weil ihr Studentenkollege ausfällt und ihre Titelstory vor einem Jahr über Kendall nicht mehr ausreicht um sich rauszureden. Jetzt soll sie ein Exclusive-Interview mit dem Luke Moore ergattern und ihren Erfolg wiederholen. Wäre da nicht ihre heimliche Jahre lange Schwärmerei für Luke. Doch das kommt nicht in Frage. Schließlich ist er nicht anderes als alle anderen Männer oder? (Teil 3 von 4) ACHTUNG ANSCHLUSS AN “Roughing in Rush”!!! Spoiler enthalten für das erste und zweite Buch!

Status
Ongoing
Chapters
31
Rating
5.0 4 reviews
Age Rating
16+

Prolog| Vertrauensbruch

Ein paar Jahre zuvor -High School Abschluss von Ella und Venus.

Der Schein der Lichter spiegelte sich auf meinem Nagellack, als ich nervös an meinem Kleid zupfte. Es war hellblau, schimmernd wie Wasser – Venus hatte gesagt, es bringe meine Augen zur Geltung. Ich hatte es gewählt, weil es Wyatt gefiel.

„Du siehst aus wie deine Mutter", murmelte mein Dad hinter der Kamera, die er beinahe liebevoll in der Hand hielt.

Er sah durch das Objektiv, stellte scharf, und dann blitzte das Licht auf.

Ich zwang mich zu lächeln.

Nicht für das Bild. Für ihn.

Er hatte alles gegeben, um mich allein großzuziehen. Und obwohl er sonst stoisch und zurückhaltend war, glänzten seine Augen gerade verdächtig.

„Dad", murmelte ich warnend.

Er grinste nur und winkte ab.

„Ich sag ja nichts. Nur, dass ich dich auf keinen Fall vor Mitternacht hier sehe."

„Mitternacht?" mischte sich Venus ein. Ihre goldene Robe glitzerte im Licht, ihre dunklen Locken lagen perfekt.

„Ich dachte, wir dürfen dieses Mal bis zwei!"

„Venus, wenn du mit Alex unterwegs bist, vielleicht bis ein Uhr. Ella..."

„Ich weiß, ich weiß. Kein Alkohol, keine Dummheiten und Wyatt ist der Sohn vom Bürgermeister. Es geht alles gut. Ich dachte du magst ihn, schließlich hast du ihm geholfen in ein gutes Collegeteam zu kommen."

Er schnaubte.

„Weil ich dich liebe Ella-cake. Ich will, dass du respektvoll behandelt wirst. Das ist alles."

Ein dunkler SUV bog langsam in die Auffahrt ein. Wyatt.

Ich fühlte, wie mein Herz schneller schlug. Trotz allem, der Aufregung, der Vorfreude, spürte ich auch das altbekannte Ziehen im Bauch. Diese Unruhe, die ich zu lange ignoriert hatte.

„Na los, Prinzessin." Venus zwinkerte mir zu.

Alex stieg gerade aus und wirkte wie aus einem Hochglanzmagazin gefallen.

Wyatt hingegen blieb sitzen. Die Musik in seinem Wagen wummerte dumpf, das Seitenfenster war einen Spalt geöffnet.

Ich verabschiedete mich hastig von meinem Vater, umarmte ihn flüchtig.

„Mach dir keinen Kopf, Dad. Es wird ein ganz normaler Abend."

Das glaubte ich in dem Moment wirklich.

Ich öffnete die Beifahrertür.

„Hi", sagte ich sanft.

Wyatt warf mir einen kurzen Blick zu, dann schielte er auf sein Handy.

„Hey. Steig ein."

Irgendwas stimmte nicht. Sonst stieg er immer aus, machte mir Komplimente, berührte meine Hand.

Heute? Nichts davon.

Ich schloss die Tür und schnallte mich an.

„Ist alles okay?"

Er startete den Motor.

„Klar. Nur ein bisschen viel los gerade. Stress mit Dad."

Ich nickte, obwohl sein Ton mich frösteln ließ. Seine Kiefermuskeln arbeiteten, als würde er etwas runterschlucken.

Ich blickte aus dem Fenster und versuchte das Zittern meiner Hände zu ignorieren.

Vielleicht bildete ich mir das alles nur ein. Vielleicht war es nur Nervosität.

Ich ahnte nicht, dass dieser Abend alles verändern würde.

**

Die Tanzfläche war voll, das Licht gedimmt, goldene Konfetti-Funkeln schwebten durch die Luft. Venus tanzte irgendwo mit Alex, lachte, drehte sich im Kreis wie in einem Musikvideo. Ich aber sah mich suchend um, die Kamera meines Dads in der Hand.

Wyatt war verschwunden. Seit zwanzig Minuten.

Ich wollte die typischen Bilder, die man Jahre später aufheben und anschauen konnte. Die, auf denen alles perfekt aussah. Aber es gab keine Spur von ihm. Nicht an der Bar, nicht draußen.

Mit vorsichtigen Schritten näherte ich mich dem Flur. Und da war er.

Wyatt.

Sein Rücken gegen die Wand gelehnt.

Seine Hände an der Taille eines Mädchens in einem pinkfarbenen Kleid. Ihre Gesichter... verschmolzen.

Ich wusste nicht, wie lange ich dort stand. Vielleicht nur Sekunden. Vielleicht ewig.

Die Kamera glitt mir aus der Hand und baumelte nutzlos an ihrem Riemen.

„Was zum...?" hörte ich mich sagen.

Wyatt zuckte zusammen. Das Mädchen drehte sich erschrocken um, dann lief sie davon. Aber Wyatt blieb stehen. Kein schlechtes Gewissen. Kein Schock. Nur genervt.

„Ella", sagte er tonlos. „Es ist nicht so wie du denkst."

„Nicht... so wie ich denke?"

Ich lachte bitter auf.

„Du hast sie geküsst, Wyatt. Was genau soll ich da falsch interpretieren?"

Er seufzte, fuhr sich durchs Haar.

„Ich wollte eh Schluss machen. Hätte ich früher tun sollen. Aber du... du bist so klammernd. Es hätte nie funktioniert."

Ich stand da wie versteinert.

„Wir wollten es versuchen. Ich dachte, wir—"

„Du hast gedacht, ja", fiel er mir ins Wort.

„Aber ich war realistisch. Fernbeziehung? Bitte. Und ganz ehrlich..."

Er sah mich an, seine Augen kalt und leer.

„Ich habe dich nicht wegen dir gedatet, Ella. Dein Vater hat Kontakte. Ich brauchte einen Weg in ein gutes College. Mehr nicht."

Stille.

Ein paar Schüler liefen hinter mir vorbei und lachten über irgendetwas, völlig ahnungslos, dass für mich gerade eine Welt in sich zusammenfiel.

Ich sagte nichts. Nicht weil ich nichts zu sagen hatte, sondern weil jedes Wort wie ein Splitter in meiner Kehle brannte.

Ich drehte mich um und ging. Langsam, Schritt für Schritt. Das Kleid wirbelte um meine Beine, aber ich spürte es nicht.

Ich war fast am Ausgang, als die Musik stoppte. Dann kam der Ruf:

„Und unsere diesjährige Abschlussballkönigin ist... Ella Thomson!"

Alles klatschte. Die Menge jubelte. Ich stand wie angewurzelt.

Venus rief meinen Namen, drängte mich zur Bühne. Ich stieg langsam die Stufen hinauf. Meine Knie fühlten sich an wie aus Gummi.

Eine Krone wurde auf mein Haar gesetzt. Ein Strauß in meine Hand gedrückt. Blitzlichter flackerten.

Und ich lächelte.

Ich lächelte, während mein Herz zerbrach.