Prolog: Die Liste der Katastrophen
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen freuen sich auf Klassenfahrten, als wäre es das Highlight ihres Lebens. Die anderen haben schon Wochen vorher Bauchweh. Ich bin definitiv Team Bauchweh – bewaffnet mit Notfall-Kaugummis, einer Wasserflasche in Übergröße und dieser Liste. Meiner offiziellen Liste der Dinge, die garantiert schieflaufen werden. Denn wenn es eins gibt, was ich aus den letzten drei Jahren Schulalltag gelernt habe, dann das: Nichts bleibt heile, wenn 24 Jugendliche zusammen verreisen – vor allem nicht die Nerven.
Katastrophe Nummer 1: Die Zimmeraufteilung. Jedes Jahr das gleiche Desaster. Wer mit wem, wer auf gar keinen Fall mit wem, wer schmollt, weil sie „nicht bei den Coolen“ ist. Ich schwöre, wenn ich noch einmal „Kann ich bitte doch in ein anderes Zimmer?“ höre, schmeiße ich mein Kissen freiwillig vom Balkon. Und egal wie sehr man plant – irgendwer wird immer schnarchen, fremde Socken klauen oder mit offenem Mund schlafen. Oder alles gleichzeitig.
Katastrophe Nummer 2: Die Lehrer. Man denkt ja, sie sind nur dabei, um aufzupassen. Falsch gedacht. Sie mutieren auf Klassenfahrten zu wandelnden Nervenzusammenbrüchen. Frau Rieger zum Beispiel. Die hat in der letzten Woche mehr Checklisten geschrieben als ich in meinem ganzen Leben. Und Herr Kießling? Hat angekündigt, dass er mit uns Lagerfeuer-Lieder singen will. Mit Gitarre. Ohne Ironie.
Katastrophe Nummer 3 bis 99: Der Rest. Heimweh-Drama. Koffer vertauscht. Jemand verliert sein Handy, jemand verliert den Verstand. Es regnet genau dann, wenn wir wandern sollen. Die Heizung fällt aus. Es gibt nur vegetarisches Essen, und plötzlich ist das der Weltuntergang. Und immer, wirklich immer, verliebt sich irgendwer in irgendwen – und alles endet in Tränen, Gruppendiskussionen oder Kakaopulver im Bett.
Ich schreibe diese Liste nicht, weil ich Panik schieben will. Ich schreibe sie, weil ich vorbereitet sein will. Weil ich weiß, dass in dieser einen Woche mehr passieren wird als in zwei Monaten Schulalltag. Und weil ich mir geschworen habe, dieses Mal nichts dem Zufall zu überlassen. Nur dass das mit dem „Kontrollieren“ bei dieser Klassenfahrt… völlig aus dem Ruder laufen wird.