Kapitel 1 â Die, die zu viel wusste
(Vorleben, 18. Jahrhundert)
> Man nannte sie Hexe.đ§ââïžđ§č
Nicht weil sie fluchte oder zauberte, sondern weil sie sah, was andere nicht sehen wollten.
Sie war eine Heilerin, von denn Göttern gesandt. Mit HĂ€nden, die fĂŒhlten. Mit Augen, die durch Fleisch und LĂŒge blickten. Sie sprach mit KrĂ€utern wie mit Wesen. Und sie stellte Fragen, fĂŒr die es im 18. Jahrhundert keinen Platz gab. Sie war erst zwanzig. Und doch trug sie das Echo vieler Leben in sich. Eine Seele, alt wie die Wurzeln der BĂ€ume. Sie half wo sie konnte. Still, heimlich, mit Demut.
Sie half Kinder aus dem Fieber, Frauen aus der Stille, MĂ€nner aus der Nacht.
Sie hielt das Leben in HĂ€nden wie eine offene Flamme und sie war daran verbrannt. Denn die, denen sie half, verneigten sich nicht. Sie flĂŒsterten und als es gefĂ€hrlich wurde, schwiegen sie. Die Wahrheit, die sie brachte, war unwillkommen. Sie spiegelte das, was man nicht sehen wollte. Sie sah den Missbrauch im Blick des Vaters. Den Fluch im Land, der aus verschwiegenem Leid entstand. Und dafĂŒr liebte man sie nicht man fĂŒrchtete sie. Als die Angst zu groĂ wurde, kamen sie mit Fackeln.
âHexe!â
Kein Dank. Kein Abschied. Kein Schutz und so rannte sie. Ihr rotes Kleid, Symbol fĂŒr alles, was in ihr lebte zerrissen. Ihre FĂŒĂe offen, ihre Seele wund. Sie floh in die Nacht.
Nicht zum ersten Mal, nicht in dieser Welt. Nicht in diesem Leben. Ihre Haut war jung. Doch in ihren Knochen lag der Staub frĂŒherer Tode. Sie erinnerte sich nicht an Namen. Aber sie erinnerte sich an Schuld. Und an einen, der einst kam, als niemand sonst blieb.
Ihre Brust hob sich schwer, als sie den Wald erreichte. Dort, wo das Schweigen tiefer war als das Urteil der Menschen. Dort, wo nur noch das flackernde Licht ihrer Seele blieb und irgendwo dort drauĂen wusste sie war jemand. Einer, dem sie einst vertraute. Einer, der sie sah, bevor sie gejagt wurde. Einer, dem sie das Leben rettete. Und der ihr nun, durch Raum und Zeit, entgegenkam. Nicht als Fremder. Sondern als Erinnerung.
Der Anfang des Seelenvertrags, er war nah.
Ich trug mich nicht mehr.
Es war der Boden, der mich hielt. Der Wind, der mich drĂŒckte. Die Dunkelheit, die mich verschluckte. Ich war ein Körper auf der Flucht. Aber in mir war ich lĂ€ngst gefallen. Jeder Schritt zerriss mich. Jeder Atemzug schmeckte nach Metall. Nach Schuld. Nach einem Leben, das nie ganz mir gehörte. Ich dachte nicht mehr. Ich fĂŒhlte nur und was ich fĂŒhlte, war zu viel. Verlassen. Nicht nur von denen, denen ich half. Sondern von dem, was ich einmal war. Ich war erschöpft. Nicht vom Rennen, sondern vom Sehen.
Ich sah zu lange in Augen, die leugneten. Ich versuchte zu oft das zu retten, was sich nicht retten lieĂ. Und doch: Etwas in mir weigerte sich zu sterben. Es war nicht Trotz. Es war Erinnerung. An WĂ€rme. An NĂ€he. An ein Versprechen, das nicht in dieser Welt gesprochen wurde. Ich konnte sein Gesicht nicht greifen. Nur einen Blick. Hellbraune Augen. Eine Stimme, die keine Worte brauchte. Ich wusste, dass ich nicht allein war. Nicht wirklich. Irgendwo da drauĂen war er. Der, den ich kannte, bevor ich mich selbst verstand. Der, der mich berĂŒhrte, ohne mich zu fassen. Ich fĂŒhlte seine NĂ€he wie einen Nebel im Innern. Nicht körperlich. Sondern seelisch. Und in diesem einen Moment, als der Wald sich öffnete, der Boden weicher wurde und die Stimmen hinter mir endlich verstummten, da spĂŒrte ich ihn. Nicht wie einen Retter. Sondern wie eine RĂŒckkehr. Ich hob den Kopf. Und da stand er.









Ganz tolle Idee, bin sehr gespanntâŠ.