Kapitel 1
Willkommen zu meiner neuen Geschichte: Erin - Ein schicksalhafter Winter X3
Wie immer freue ich mich über Kommentare und Anmerkungen, aber auch Kritik! Nur damit kann ich mich verbessern und euch schönere Geschichten liefern ;)
Kleine Anmerkung zu dieser Geschichte: Sie ist komplett ungeplant, das heißt, dass ich außer dem Anfang und dem Ende noch gar keine Ahnung habe, was zwischendrin alles passiert. Daher können auch Logikfehler enthalten sein.
Lassen wir uns gemeinsam überraschen? ;)
Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!
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In einem rhythmischen Takt zog Erin an den Zitzen des Euters, aus denen die weißliche Flüssigkeit in den darunter stehenden Eimer spritzte. Mit jedem Zug füllte er sich mehr, doch um ihn komplett zu füllen, brauchte es Zeit. Zeit, die sie in den späten Sommer- und Herbstmonaten kaum hatte.
Der Herbst in Landahl war ein Schauspiel aus Farben, das jedes Jahr zahlreiche Besucher aus anderen Teilen der Welt anzog. Dadurch kam Geld in die Kassen der Hafenstadt, die südlich des massiven Gebirges im Norden lag und für ihren Blick aufs Meer berühmt war.
Für Erin war es jedoch die stressigste und mühvollste Jahreszeit, die sie seit dem Verlust ihres Mannes an ihre Grenzen brachte. Neben dem Bestellen der Felder kümmerte sie sich um die Tiere des Hofes. Da sich das Handmelken der Kühe und Ziegen hinzog und die Milcheimer stets zur gleichen Zeit abgeholt wurden, stand sie jeden Tag lange vor Sonnenaufgang auf.
„Bleib stehen, Fauna“, schimpfte Erin, als die Kuh sie fast mit dem Huf traf. Das Tier schien heute übelgelaunt zu sein. Mit einem leichten Klaps auf deren Flanke widmete sie sich wieder dem Melken. Sobald der Eimer voll war, erhob sie sich von dem kleinen Schemel und streckte den Rücken durch, ehe sie den Behälter mit einem Deckel schloss und ihn zu den anderen am Stalleingang stellte. Mit einem Leeren ging sie zur nächsten Kuh.
Während des Melkens erklang der Glockenschlag des Kirchturms in Landahl. Obwohl Erins Hof abgeschieden lag, drang das Echo zu ihr vor. Leise zählte sie mit und nickte sich selbst zu. Ihr blieb noch Zeit, bis der Händler vorbeikam.
Ausgerechnet heute waren die Tiere jedoch ungeduldig und erschwerten ihr das Melken. Solche Tage gab es eben, weshalb sich Erin nichts daraus machte. Im Gegensatz zu ihrem verstorbenen Mann verlor sie nie die Geduld und wurde grob. Von klein auf hatte sie gelernt, dass Tiere genauso Gefühle besaßen und respektiert werden sollten.
Trotzdem fiel es ihr manchmal schwer, sich zurückzuhalten. Allein war die gesamte Hofarbeit überwältigend und Hilfe aus Landahl war rar. Die Bauern rund um die Hafenstadt hatten genug mit ihren eigenen Feldern zu tun. Gab es freiwillige Hilfsarbeiter aus anderen Städten, schnappten sie diese vor Erins Nase weg. Sie schaffte es einfach nicht, autoritär aufzutreten und die Menschen zu überzeugen. Ihr fehlte die Durchsetzungskraft ihres Mannes, der durch seine herrische Art leicht Leute angeworben hatte.
So hilfreich er gewesen war: Die Zeit mit ihm hatte auch ihre Schattenseiten.
Schaudernd erinnerte sich Erin an die Bezahlung der Helfer und presste die Zähne so fest zusammen, dass ihr Kiefer schmerzte. Wie sehr hatte sie es verabscheut, wenn ihr Mann Fremde mit nach Hause brachte und sie für deren Bewirtung und teilweise Entlohnung zuständig war ...
Bevor sie jedoch weiter in das dunkle Loch der Vergangenheit fiel, hörte sie Hufklappern. Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf und hätte fast den Milcheimer umgeworfen. In letzter Sekunde bekam sie ihn zu fassen und stellte ihn aus der Reichweite der Kühe, ehe sie – innerlich über ihre Träumerei fluchend – aus dem Stall rannte.
„Entschuldigung, könntet Ihr bitte ein paar Minuten warten?“, rief sie, fest in der Annahme, den Händler mit seinem Wagen zu sehen. Zu ihrer Verblüffung war nicht er für das Hufklappern verantwortlich, sondern zwei Reiter, die auf sie zukamen. Erin runzelte die Stirn. Wer wollte um diese Zeit etwas von ihr?
Flüchtig musterte sie die beiden Männer, die sich ihr mit jedem Herzschlag näherten. Einen von ihnen kannte sie: Stadtherr Allerick, das Oberhaupt von Landahl. Er war streng und hatte keinen Sinn für Humor. Zumindest hatte Erin ihn noch nie lächeln sehen.
Eilig wischte sie sich die Hände an der Schürze ab und steckte sich murrend einige Haarsträhnen zurück unter das Kopftuch. Das widerspenstige Haar hatte sie eindeutig von ihrer Mutter geerbt! Trotz Bänder und Zöpfe kam es ihr ständig in die Quere. Inständig hoffte sie, dass sie nicht zu unordentlich aussah.
Noch bevor die Männer Erin erreichten, knickste sie. „Kann ich Euch helfen?“, fragte sie freundlich.
„Guten Morgen, Erin“, grüßte Allerick. „Wie läuft es auf dem Hof?“, erkundigte er sich.
„Der Tag könnte ruhig mehr Stunden haben“, bemerkte sie mit einem nervösen Lachen und spürte, wie ihr durch den eindringlichen Blick des Fremden das Blut in die Wangen schoss. „Was führt Euch hierher?“, fragte Erin.
Der Stadtherr räusperte sich. „Wie du siehst, habe ich jemanden mitgebracht“, sagte er und rutschte im Sattel zurecht. „Das ist General Arjun Ravenstone. Er und seine Männer kommen vom Kontinent Akath. Sie sind im Auftrag des Königs hier und brauchen eine Unterkunft.“
Leicht neigte Erin den Kopf zur Seite. Worauf wollte Allerick hinaus?
„Seine Männer sind in den Herbergen untergekommen, doch für Arjun und sein Pferd gibt es kein Zimmer mehr. Er war zuvorkommend und hat sie ihnen überlassen. Da du allein lebst und Platz hast, dachte ich ...“, sagte er und setzte zu einer bedeutungsvollen Pause an, in der er zwischen ihr und dem Fremden hin und her sah, und ein merkwürdiges Gefühl beschlich Erin, „ ...könnte er bei dir solange unterkommen.“
Erins Augen weiteten sich und sie öffnete den Mund, doch statt eines vernünftigen Satzes kam ihr kein Wort über die Lippen. Die Forderung kam aus heiterem Himmel! Hätte sie früher davon erfahren, hätte sie ein Zimmer vorbereitet! Jetzt stand sie völlig unvorbereitet da. Sicher hielt der General sie für unfähig, dumm und unhöflich! „A-Aber ...“, stotterte Erin, doch der Stadtherr unterbrach sie mit erhobener Hand.
„Er wird für alle Unkosten aufkommen. Du wirst großzügig entlohnt werden“, versicherte Allerick in einem beruhigenden Ton. „Du weißt, dass die Zimmer in den Unterkünften so gut wie immer besetzt sind. Wir wollen die Gesandten des Königs doch nicht verärgern, oder?“
Seine Bemerkung traf ins Schwarze und ergeben nickte Erin. Leider hatte er recht. Sie hatte genug Platz auf dem Hof, trotzdem wehrte sich alles in ihr, einen Fremden bei sich aufzunehmen.
Flüchtig warf sie Arjun einen Blick zu. Bisher hatte er kein Wort gesagt und sie zweifelte, dass er ihre Sprache verstand. Seine eiserne Miene verriet nichts außer Hochmut, sodass Erin übel wurde. Sicher erwartete er bequeme Betten und vorzügliches Essen. Obwohl sie von klein auf kochen gelernt hatte, würde sie ihre Mahlzeiten nicht als Delikatessen bezeichnen. Sie waren einfach, aber sättigend. Das reichte aus, doch war es genug für jemanden, der Besseres gewohnt war?
Wie stellte sich Allerick das Ganze also vor? Erin hatte genug mit dem Hof zu tun und kaum Zeit für eine zusätzliche Tätigkeit. Warum nahm er ihn nicht auf? Immerhin konnte der Stadtherr leicht mit Menschen aus anderen Ländern kommunizieren. Insgeheim beneidete sie ihn wegen seiner Bildung und seiner offenen Art, obwohl er sich dadurch oftmals Feinde machte.
„Sobald die Kühe gemolken sind, werde ich ein Zimmer vorbereiten“, versprach sie. „Der Händler wartet nicht gern.“
„Das ist mir bewusst, aber Arjun ist von der langen Reise erschöpft und sein Pferd braucht ebenfalls Ruhe“, sagte Allerick in einem Ton, den Erin verstand. Es ärgerte sie, dass der Stadtherr keine Widerrede zuließ und scheinbar nicht bemerkte, wie nötig sie den Verkauf der Milch hatte. „Ich werde veranlassen, dass sein Gepäck hierhergebracht wird. Bewirte ihn gut, Erin“, riet er, ehe er Arjun zunickte und in einem flotten Gang vom Hof trabte.
Zurück blieb Erin, die mit einem mulmigen Gefühl an ihrer Schürze herumnestelte. Nervös sah sie zum General und schluckte. Mit dunkelbraunen, bis zu den Schultern reichendem Haar, dem kurz getrimmten Bart und den vollen Lippen war er ein attraktiver Mann, dem sicher viele Frauen zu Füßen lagen. An der Seite seines Gürtels hing ein Schwert in der Scheide und sie vermutete, dass unter der schwarzen Lederkleidung ein muskulöser Körper steckte.
Als sich ihre Augen trafen und Erin bemerkte, wie ungeniert Arjun sie mit einem spöttischen Lächeln musterte, senkte sie sofort den Blick. Hastig drehte sie sich um und bedeutete ihm mit einer Handgeste, ihr zu folgen.
Das konnte ja heiter werden ...