Erste Begegnung
Faith
Ich erwachte mit einem bleiernen Geschmack im Mund, eine Finsternis umfing mich. Es zog ein stechender Schmerz durch meinen Körper, als ich versuchte mich zu bewegen. Die Wand an meinen Rücken war rau und kalt, Eisenketten schnürten sich bei jeder Bewegung schmerzhaft in meine Hand- und Fußgelenke. Sie hatten mich also erwischt!
Ich seufzte und versuchte mich zu erinnern. Ich war mit meiner besten Freundin Cinthya, in Wolfsgestalt durch den Wald gelaufen. Während Cinthya von der Größe aussah wie ein ganz normaler Wolf, mit Grau schimmernden Fell, war ich sehr auffällig. Ich war fast doppelt so groß und mit Schneeweißen Fell bedeckt. Ich, die Tochter eines mächtigen Alphas, eines Urwolfes.
Nun zurück zu meinem Problem. Magier waren aufgetaucht und hatten sofort angefangen uns zu jagen. Ich wollte zuerst kämpfen, aber Cinthya lief in Panik blind tiefer in den Wald hinein. Ich rannte ihr hinterher, dann… keine Ahnung, ich konnte mich nicht mehr dran erinnern was danach passierte, ich hatte einen Blackout. Wie konnten sie mich so schnell fangen? Wie konnte das nur passieren?
Ich musste hier raus!
Ich zog mit voller Kraft immer wieder an meinen Ketten, bis sie endlich mit einem Lauten „Rums" aus der Wand rissen. Nun musste ich sie nur noch von meinen Gelenken lösen, mit freien Händen nichts leichter als das, dachte ich mit einen breitem Grinsen. Ich brach mir meine Knochen und konnte so aus den Fesseln schlüpfen, danach blieb ich noch einige Zeit sitzen. Mir war schwindlig und ich hörte ein Rauschen in den Ohren. Ich konnte fühlen wie meine Knochen wieder anfingen zusammen zu wachsen, mit etwas Heilungsmagie half ich dem nach. Die Knochen heilten schneller, als ich dachte. Das Aufstehen tat zwar noch weh trotzdem ging ich entschlossen zur Tür um diese Einzutreten. Kurz darauf stand ich im düsteren Flur und ging los, dabei versuchte ich Cinthyas Witterung aufzunehmen. Ich strengte mich so sehr an, aber ich konnte sie einfach nicht riechen.
Ein plötzliches lautes Poltern lies mich erschrocken aufhorchen. Es hörte sich an, als wenn jemand gegen einen alten metallischen Eimer getreten hätte. Ich hielt sofort an und duckte mich lauernd, als nach mehreren Minuten nichts geschah, ging ich langsam weiter. Der Gang war dunkel und feucht, außerdem roch es hier bestialisch. Es war eine Mischung aus Verwesung und Moder, trotzdem atmete ich immer wieder tief ein, um Cinthyas Fährte aufzunehmen. Nur schien es mir absolut, nicht zu gelingen. Da war das Geräusch wieder zu hören, es war so dunkel, ich konnte kaum meine Hand vor den Augen sehen. Mit einen lauten *zisch* rauschte etwas Metallisches an mir vorbei. Ich drehte mich zu meinen Gegner, es war ein Magier mit einen verzauberten Schwert in seiner Hand. Wollte er mich töten? Er holte gerade wieder mit seinen Schwert aus. Ich reagierte blitzschnell und ging mit Schwung auf die Knie, dabei rutschte ich zwischen seine Beine durch und schnappte nach den Schwertgriff. Es fiel ihm aus den Händen und landete auf dem Boden. Er schrie erschrocken auf und fing an unverständliche Wörter zu murmeln. Ich zögerte keine Sekunde und ergriff das Schwert, es traf ihn mit voller Wucht. Es roch sofort nach Blut, ich stand nun direkt vor ihm und sah die klaffende Wunde die quer über seine Schulter bis zur Hüfte ging. Das Blut floss schwallartig heraus. Er tat seinen letzten Atemzug, mir kam ein leichtes lächeln über die Lippen, dann hob ich das Schwert und packte es während ich mich umdrehte auf meine Schulter. Kämpfen ist meine große Leidenschaft und ich fühlte mich, dadurch schon viel besser.
Nur einen Moment später kam auch schon mein nächster Gegner. Ich erledigte ihn schnell und suchte weiter nach Cinthya. Doch es nahm kein Ende ich musste gegen eine ganze Horde ankämpfen, ich besiegte sie alle. Zum Glück war es hier heller, da ich nicht mehr unterirdisch war und es hier Fenster gab. Ich schmiss das Schwert auf den Leichenberg vor mir und ging weiter.
. ..
Währenddessen versammelten sich, die verschiedenen Rudel aus ganz Deutschland. Nicht weit entfernt am Ende des Waldes, auf einen atemberaubenden Grundstück, zu dem eine riesige Villa gehörte.
Das Oberhaupt der Alphas, ihr König war Ryu und alle schauten ihn gespannt an, sie wollten wissen, wie es weiter ging.
Ryu
Ein Krieg stand bevor, wir wussten es alle. Jahrtausende konnten wir uns verstecken.
Im Mittelalter wurde mal hier und mal da einer von uns gesichtet, aber damals waren die Menschen keine wirkliche Bedrohung. Die sie tatsächlich töteten, waren Ausgestoßene oder Menschen wie sie, die sie beschuldigten einer von uns zu sein, als wenn sie Gründe suchten nur um zu töten!
Aber nun im 21 Jahrhundert, besaßen sie Hightech Waffen und könnten dadurch, für uns zu einer echten Bedrohung werden. Trotzdem waren sie am wenigsten gefährlich. Es gab schon immer andere Wesen. Welche die so stark waren wie wir und Wesen mit mehr Macht. Doch wir hatten uns immer von ihnen ferngehalten. Zu der Gruppe von gleichstarken Wesen zählten wir die Magier. Sie sahen aus wie gewöhnliche Menschen, doch sie besaßen Magie und kamen aus einer anderen Welt, ohne erkenntlichen Grund fingen sie an uns zu jagen! Ich hatte genug davon, und gab den Befehl, dass aus jeden Rudeln ihr Alpha und ein paar ihrer Krieger sich bei mir einzufinden haben. Wir mussten uns durch die drohende Gefahr zusammenschließen.
Ich schaute nun, von meinen Felsen, auf die Menge hinab. Ich wusste sie wollten antworten, wollten wissen was zu tun war.
„Es freut mich das ihr alle, hier sicher eingetroffen seid. Ich werde mich nun mit den Alphas zurückziehen. Bitte fühlt euch wie Zuhause. Ich weiß das es eng ist, aber so ist es momentan am sichersten.“
Die Zwölf Alphas und ihre Betas hatten sich in meiner Villa um den großen Tisch versammelt.
Mal wieder schauten alle mich an, als wenn ich die Lösung auf den Silbertablett hätte. Dachte ich genervt und stieß ein leises Knurren aus.
Josh mein Beta brach das Schweigen. „Wenn jemand eine Idee hat, dann immer raus damit. Momentan sieht es ganz danach aus, als würden wir mit den Rücken an der Wand stehen!“
Samuel der Alpha vom Rudel aus der Sandfläche Uniwildnis, fing an zu erzählen. „Aus unserer Mitte wurden ein Dutzend entführt! Wir konnten die meisten befreien, einige waren schon tot, oder am Rande des Wahnsinns. Diese mussten wir einsperren. Drei Tage später lagen sie tot in der Zelle, zerfleischt haben sie sich!“ seine Stimme zitterte und er schaute in die Runde, mit einem Blick der zornig und doch traurig war.
„Ich verstehe das du aufgewühlt bist. Konntet ihr herausfinden was sie geplant haben?“
Es war sein Beta Alwin ein Nerd, der mir antwortete. „Wir konnten ein paar Daten sicherstellen und was ich herausfand, wird euch gar nicht erfreuen.“ er machte eine melodramatische Pause.
„Immer raus damit!“ Knurrte ich ihn ungeduldig an.
„Experimente, sie experimentieren mit uns, als wären wir Ratten! Gucken nach unseren Heilungsfähigkeiten, versuchen uns zu brechen um uns, als eine Art Armee zu benutzen!
Sie scheinen noch nicht herausgefunden zu haben, wie sie uns manipulieren können. Damit wir ihnen wie Schoßhündchen gehorchen, aber durch ihre magischen Kräfte, wird es nur noch eine Frage der Zeit.“
„Wir sollten sie vernichten, bevor es soweit kommt.“ meldete sich Gabriel laut zu Wort. Er ist der Alpha vom Wohldorfer Wald Rudel.
„Du hast recht mein Freund, aber wir können nicht kopflos angreifen. Besonders nicht, wenn wir nicht einmal wissen wo!“
Wir diskutierten noch bis spät in die Nacht hinein und schmiedeten schließlich einen Plan.
Am frühen Morgen wurde es im Rudel unruhig, irgendetwas musste geschehen sein.
„Josh, was ist los?“ fragte ich mein Beta, der hektisch auf mich zugelaufen kam.
„Es fehlen ein paar Wölfe, unter ihnen auch eine Tochter eines Alphas!“ rief er noch beim Laufen.
„Wessen Tochter? Und wie viele? Seit wann?“ mir entwich wieder ein Knurren.
„Es muss noch vor der Versammlung passiert sein. Ich werde veranlassen, dass nur noch in Gruppen das Gelände verlassen wird! Es sind Zehn wölfe, mit der Tochter von Gabriel!“
Josh drehte sich um und eilte auf den Felsen, er sprach laut zu den anderen.
Ich wusste er konnte gut reden, die Menge beruhigen, und sie dazu bringen Verbote einzuhalten.
Die Tochter von Gabriel, das hatte mir gerade noch gefehlt. Warum musste es unbedingt, seine Tochter sein?
Ich schnaufte genervt, war er mir doch etwas zu Kriegs versessen und einer der Urwölfe, von uns gab es nur noch eine Handvoll. Im Gegensatz zu den anderen Wölfen besaßen wir mehr Macht und waren größer, selten kam sogar Magie vor, wie bei mir.
Schnellen Schrittes ging ich auf ihn zu, er wartete schon auf mich und ich konnte die unendliche Wut von seinem Gesicht ablesen.
„Gabriel, ich habe gerade davon erfahren.“ Ich muss ihn irgendwie beschwichtigen.
Er knurrte „Was gedenkst du zu unternehmen? Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich oder mein Rudel hierbleiben und nichts tun, während diese Widerlichen Magier (er spie das Wort aus), sonst was mit meiner Tochter machen!" seine Stimme spiegelte die Wut in ihm wieder, er schrie mich an.
„Wir werden ein Trupp aus fünfundzwanzig Wölfen zusammenstellen. Wie viele aus deinem Rudel?“
„fünfzehn“, knurrte er laut.
Das hieß 10 aus meinem, kein Problem.
„Gut, in einer Stunde am Tor“, ich sprach mit ruhiger Stimme. Mir war klar, dass ich für Grausamkeiten bekannt war. Nur so konnte ich mein Rudel beschützen und mich als Oberhaupt der Alphas behaupten. Ich wusste aber auch, wann ich eine sanftere Seite zeigen musste. In diesen Moment sah ich dem alten Wolf an, dass nicht mehr viel fehlte, bis seine Wolfnatur die Führung übernahm. Das würde nicht gut enden.
Ich seufzte mal wieder.
Eine Stunde später hörte man die Knochen knacken. Kurz darauf standen wir uns, als Wölfe gegenüber.
Ich nahm die Witterung auf und hatte sofort eine Spur, wir liefen los.
Nach Fünf Stunden fand ich endlich eine Hütte, sie stank geradezu nach Magie!
Gabriel stürmte mit seinem Gefolge hinein, wir hinterher.
Jeder der sich mir in den Weg stellte, bekam meine scharfen Zähne zu spüren. Den einen Magier, zerfetzte ich in seine Einzelteile.
Da erblickte ich sie, das schönste Mädchen, das ich jemals sah.
Wunderschön hallte es durch meinen Kopf.
Sie hatte einen Makellosen Teint und langes, gewelltes, braunes Haar. Und dann noch diese außergewöhnlichen Augen, es schien als würde sich jede erdenkliche Farbe, in ihnen befinden.
Sie war vollkommen nackt und voll mit Blut, ich erkannte sofort, dass es nicht ihres war.
In Wolfsgestalt ging ich langsam, knurrend auf sie zu.
Faith
10 Stunden zuvor
Ich hatte Stunden gebraucht, um mich bis hierhin vorzukämpfen. Durch ein Fenster schien etwas Licht herein, die Dämmerung hatte begonnen. Ein neuer Tag fing an und ich hatte immer noch keine Spur, aufgeben kam für mich nicht in Frage. Ich muss Cinthya finden, komme was wolle!
Die Gänge waren verwunden, wie in einem Labyrinth und mein Geruchssinn war keine große Hilfe! Wahrscheinlich wäre es in Wolfsgestalt einfacher gewesen, dann roch alles noch viel intensiver. Ich konnte mich aber aus irgendeinen Grund nicht verwandeln, es war zum Verzweifeln!
Ich muss sie finden! Ich muss sie finden! Spielte es wie ein alter Plattenspieler immer und immer wieder in meinen Kopf.
Nach weiteren unendlichen Stunden, in denen ich durch die Gänge gewandert war, zum Glück ohne nochmal auf jemandem zu treffen, hörte ich plötzlich Stimmen und Kampf Geschrei. Ich konnte sie riechen, fremde Wölfe.
Als ich um die Ecke bog, sah ich wie ein riesiger und ich meine ein wirklich riesiger schwarzer Wolf, einen Magier in seinem Maul hin und her riss, bis sein Blut und Teile seines Körpers durch den Raum flogen. Er öffnete sein blutverschmiertes Maul und ließ den Rest vom Körper hinaus gleiten. Nun drehte er sich zu mir und ich fühlte mich wie erstarrt.
Dieser kalte Blick mit dem er mich aus seinen wunderschönen blau/grauen Augen ansah, machte mir Angst. Andererseits faszinierten sie mich, ich hätte in ihnen versinken können. Jedoch sprühten sie so viel Aggression und Hass aus, dass meine Beine anfingen zu zittern.
Langsam ging er knurrend auf mich zu, ich wagte es nicht mich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
Ich konnte mich doch nicht verwandeln! Wie sollte ich eine Chance gegen einen Urwolf haben?
Ich hörte Pfoten und plötzlich standen so viele hinter ihm. „Cinthya!“ Ich fing an zu weinen als ich ihren Wolf sah, trotzdem ließ ich den schönen Wolf mit den Eiskalten Blick nicht aus den Augen. Er hatte sich nun drohend, direkt vor mir aufgebaut.
Ryu
Ihre Angst war so stark ausgeprägt, dass sie fast schon stank, ich rümpfte die Nase. Dennoch roch ich an ihr gleichzeitig auch den bezauberndsten Duft den es gab, eine Mischung aus Schokolade und Erdbeeren.Gabriel war mit seinem Rudel, in der anderen Hälfte. Ich konnte ihn nicht fragen ob sie zu ihnen gehörte und die anderen, wollte ich nicht fragen. Sie waren niedere Wölfe und hatten keine eigene Meinung zu haben.
Meine Knochen knackten und brachen, als ich mich vom Wolf zum Menschen verwandelte.
„Wer bist du?“ knurrte ich.
Ich wollte ihr keine Angst machen, viel lieber würde ich sie in meine Stärken Arme ziehen und vor der ganzen Welt beschützen. Das machte mich noch wütender, ich ging noch ein Schritt auf sie zu und brüllte dabei zu den anderen, „sucht Gabriel! Bringt die geretteten zurück zum Rudel und sichert Daten! Das hier kläre ich!“
Alle drehten sich um, außer eine kleine graue Wölfin. Ich erinnerte mich, dass die Schöne einen Namen rief.
„Cinthya? Ich werde ihr nichts tun. Geh!“
Endlich lief sie den anderen Wölfen nach, ich widmete mich wieder der Wölfin vor mir.
Sie war so verdammt schön! Ich musste mich zusammenreißen, sie nicht in meine Arme zu ziehen oder sie gleich hier auf der Stelle zu nehmen. Das würde mir noch viel besser gefallen. Vor Frustration entwich mir ein weiteres Knurren.
„Na wird’s bald? Ich frage nicht zweimal!“
„Ich heiße Faith Angle", ihre Stimme zitterte. Sie schaute mich mit großen Augen an, pure Angst stand in ihnen.
„Grrr...“ Ihre Stimme brachte mich fast um den Verstand. Mein Blut kochte, ich fühlte die Hitze im ganzen Körper.
Sekunde sagte sie Angle?
Ich schaute sie überrascht an und wich einen Schritt zurück.
Faith
Mein Herz schlug mir bis zum Hals, meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.
Er hatte Cinthya versichert mir nichts zu tun. Doch als ich meinen Namen nannte, knurrte er laut. Seine Augen schauten mich mit einen so eiskalten Blick an, dass ich dachte mein Herz würde gefrieren.
Und doch fühlte ich mich, zu diesem Monster hingezogen!
Plötzlich schaute er verwirrt und ging einen Schritt zurück, dass machte mir Mut.
„Mein Vater ist ein mächtiger Alpha! Gabriele Angle!“ Mit meinen neu gefunden Mut, klang meine Stimme erstaunlich fest, wenn nicht sogar arrogant.
„Du riechst nicht nach ihm! Wag es ja nicht mich anzulügen!“ Er sprach laut und bedrohlich mit einen knurren in der Stimme. Ich fragte mich, ob er immer knurrte und verdrehte die Augen.
Er ging erneut ein Schritt auf mich zu und ich merkte wie meine Selbstsicherheit, wieder zu verschwinden drohte.
Und was meinte er damit, ich rieche nicht nach Dad?
Das kann nicht sein!
„Ich lüge nicht!“ stieß ich trotzig hervor und schaute ihm dabei fest in die Augen. Ich durfte nicht zulassen, dass meine Angst wieder die Oberhand gewann. Schließlich war ich eine Kriegerin und hatte noch nie kampflos aufgegeben.
Ryu
Ich wusste nicht ob ich ihr vertrauen konnte, doch alles in mir schrie sie zu beschützen.
Es war merkwürdig, ich konnte den Wolf zwar in ihr riechen, aber nur ganz leicht, so als würde er schlafen.
Ich seufzte. „Okay! Verwandle dich, wir gehen zu den anderen.“
„Es geht nicht.“ Sie sprach nun leise und verzog missmutig ihr Gesicht. In ihren Augen blitzte kurz die Verzweiflung auf. Verdammt, verdammt, verdammt! Ich wusste hier stimmt etwas nicht!
Faith
Wenn ich mich verwandeln könnte, hätte ich es doch schon längst getan.
Ich sah wie er mich entgeistert und dennoch arrogant anguckte.
Plötzlich verschwand meine Verzweiflung und machte einen neuen Gefühl Platz. Es war schiere Wut, auf die Magier, auf mich, weil ich mich fangen ließ und auf ihn wie er da arrogant und nackt vor mir stand!
„Ich brauche etwas zum Anziehen!“ Stellte ich humorlos fest und blickte an mir herunter.
„In einen der Labors dort vorne“, er zeigte in die Richtung, aus der er kam, „habe ich Unmengen von diesen weißen Kitteln gesehen.“ Seine Stimme klang fest und sein Blick war wieder eiskalt, so dass mir ein Schauer über den Körper bis in die Knochen ging.
Er drehte sich um und marschierte los, ich musste mich beeilen, um mit ihm Schritt halten zu können. Verstohlen schaute ich mir seinen gut gebauten Körper an, da er vor mir ging, konnte ich ein Blick wagen und es war auch viel angenehmer als alles andere um einen herum.
Wo man auch hinsah, überall lagen Leichen.
Einige von ihnen, waren unkenntlich in ihre Einzelteile zerrissen.
Ich musste schlucken. Ich hatte mich nicht anders freigekämpft, aber nun das Ausmaß dieser Schlacht zu sehen ließ mich schwanken.
Es wurde schwarz um mich, der Boden kam näher…
Ryu
Ich marschierte los, ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Sie machte mich wahnsinnig und ja wir brauchten dringend was zum Anziehen, sonst könnte ich für nichts mehr garantieren!
Endlich waren wir am Labor angekommen. Auch hier war alles voller Blut, Kampfspuren und zerfetzten Körpern, ich kümmerte mich nicht darum, es störte mich nicht.
Ich drehte mich zu ihr um …
Was zur Hölle? Wo ist sie?
Nachdem ich mir zwei Kittel schnappte, begab ich mich auf die Suche nach ihr. Ich ging ein Stück zurück und entdeckte sie zwischen den Leichen, sie war verwandelt. Eine große weiße Wölfin, war nun zu sehen. Das verwirrte mich völlig, dennoch fühlte ich mich noch mehr von ihr angezogen. Fuck!
Langsam näherte ich mich ihr. Sie schien zu schlafen.
Was stimmt mit ihr nicht?
Ich zog einen der Kittel an, den anderen schmiss ich einfach auf den Boden und nahm sie auf meine Starken Arme. Sie roch so gut, ich versenkte meine Nase in ihr weiches Fell.
Was tu ich da nur? Sie könnte eine Gefahr sein und irgendwas stimmt definitiv nicht mit ihr!
Reiß dich zusammen, verdammt nochmal!
Mit ihr auf dem Arm ging ich nach draußen. Ich wusste, es wird ein langer Fuß Marsch durch den Wald. Ich schaute auf sie hinab.
Wie lange wird sie wohl schlafen?
Ich ging los, zurück zum Rudel.
Die Äste im Wald streiften mich, Dornen stachen in mein Fleisch, mir war es egal. Ich war an Schmerzen gewöhnt.
Dicht drückte ich sie an mir, sie sollte nicht verletzt werden.
Als ich endlich Zuhause ankam war es schon dunkel.
Gabriel stürmte aufgebracht auf mich zu.
Was hat der Alte nun schon wieder?
„Du hast sie gefunden?“ rief er mir vom weiten zu. Als er dicht genug war, sah ich Tränen in seinen Augen brennen. Er blickte mich dankbar und erleichtert an.
Was war denn nun los? So kannte ich den alten Urwolf gar nicht.
„Wenn gefunden?“ fragte ich etwas dämlich.
Er zeigte ungeduldig auf die Wölfin in meinen Armen. Ich zog sie automatisch fester an mich, ich wollte sie nicht hergeben. Sie gehört mir, der Gedanke entlockte ein leises Knurren. Kalt und abweisend sah ich nun den alten an. „Gabriel, ich weiß du machst dir Sorgen. Dennoch hoffe ich das du, als einer unserer ältesten verstehst, dass ich sie erst einmal in Gewahrsam nehmen muss.“
Entsetzt schaute er mich an. „Das ist nicht dein Ernst!“ knurrte er.
Ich beachtete ihn nicht weiter, sondern setzte meinen Weg fort und ging in meine Gemächer.
Als ich im Gästezimmer war, legte ich sie vorsichtig aufs Bett, ging hinaus und schloss die Tür hinter mir ab. Ich gab zwei Wölfen aus meinem Rudel, den Befehl die Tür zu bewachen.
Sie gehört mir, ich musste grinsen bei dem Gedanken. Ja der Gedanke gefiel mir, sie gefiel mir und ich bekam immer was ich wollte!
Faith
Nicht schon wieder, war der erste Gedanke als ich erwachte.
Doch es war diesmal anders, ich wachte nicht in einem dreckigen Verlies und an die Wand gekettet auf, sondern in einem unglaublich weichen Bett.
Ich knipste das Licht an, oder besser gesagt ich wollte es tun, doch mit Pfoten war es eher ein schwieriges Unterfangen.
Verdammt erst so nun so!
Ich schaute mich um, mit den Wolfsaugen konnte ich auch im Dunkeln wunderbar gucken.
Ob er mich hierherbrachte?
Bei dem Gedanken schauderte es mir. Es war nicht, weil der Gedanke mich anwiderte, sondern eher das Gegenteil war der Fall und das wiederum gefiel mir ganz und gar nicht.
Lüg nicht, ermahnte ich mich selbst.
Okay klar war es eine aufregende Vorstellung, aber ich war als Wolf, alles andere als leicht und er trug mich den ganzen Weg? Der reine Gedanke war mir schon unangenehm und peinlich. Ich atmete tief ein und wieder aus.
Erst als Mensch festecken und nun als Wolf? Kann es noch schlimmer werden?
Ich inspizierte die Tür, Zeit rauszugehen.
Verschlossen! Stellte ich frustriert fest.
Ich lief unruhig im Zimmer auf und ab. Sollte ich mit Gewalt ausbrechen oder abwarten?
Ryu
Gleich am Morgen eine Versammlung, mir war sofort bewusst warum Gabriel diese einberufen hatte. Ich hasste es! Ich rechtfertigte mich nie für mein Handeln, ich bin ihr König!
Als ich den Raum betrat, klebten ihre Blicke an mir. Ich fuhr mit der Hand durch mein dichtes schwarzes Haar.
„Gabriel, ich weiß dir gefällt nicht das ich deine Tochter einsperre! Doch auch dieses hier" ich zeigte mit einer ausschweifenden Handbewegung in die Runde, „wird nichts an meinen Beschluss ändern!“
Ich sprach ruhig und dennoch bestimmt.
Lautes stimmen Gewirbel war nun zu hören. Mir war klar, dass nicht alle damit einverstanden waren. Keiner von ihnen wusste, wieso ich so handelte. Doch sie hatten meine Entscheidungen, nicht in Frage zu stellen.
„Ruhe!“ donnerte ich und knurrte laut. Es wurde sofort mucks Mäuschen still im Raum, alle starrten mich an.
„Wir haben wichtigere Themen zu besprechen! Also machen wir es jetzt gleich, da ja eh alle hier sind. Alwin konntest du schon etwas entschlüsseln?“ erwartungsvoll, mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich den Nerd an.
„Die Daten, die wir sichern konnten, sind sehr kompliziert, ich brauche mehr Zeit, sorry Boss!“
Er salutierte grinsend und verließ den Saal, um weiter an den Daten zu arbeiten. Gabriel sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
So schnell gibt er wohl nicht auf, dachte ich seufzend.
„Ich finde deine Vorgehensweise sehr fragwürdig! Diese Magier, waren viel zu leicht zu besiegen und nun hältst du meine Tochter fest?“
Ich hörte die Aggression in seiner Stimme man konnte sie sogar leicht riechen, die anderen Alphas nickten fleißig.
Sie waren also seiner Meinung?
Gabriel war einer der Ältesten und hatte dadurch viel Einfluss.
„Möchtest du mich des Verrates bezichtigen?“ Meine Stimme knurrte drohend. Ob er nun Einfluss hatte oder nicht im Kampf gegen mich hatte er keine Chance.
Der Ältere räusperte sich mit einem nervösen Blick in den Augen. „Das würde ich nie wagen, Eure Hoheit! Ihr müsst jedoch zugeben, dass es zu einfach war.“
Er hatte recht, diese Magier schienen eher Menschen mit angelernten Fähigkeiten zu sein und keine geborenen Magier. Somit stellten sie ein leichtes Ziel, für uns da.
„Wir müssen auf die Daten warten, darauf hatten wir uns doch geeinigt?“ Beschwichtigend schaute ich in die Runde.
Von allen Seiten kam Zuspruch, nur Gabriel schaute grimmig.
Ich beendete die Zusammenkunft. Ich wollte zu ihr!
Faith
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, aber ich wusste, warten war keine Option mehr!
Ich lief mit voller Wucht gegen die Tür, *krach, rums*, sie brach mit Schwung aus den Angeln. Ich knallte dabei unsanft, gegen die Wand im Flur. Nachdem ich mich hochrappelte und meinen Kopf schüttelte, um der Schwärze zu entkommen die mich wieder zu packen drohte, sah ich die beiden links und rechts von mir, mit weit aufgerissenen Augen starrten sie mich an.
Was nun? Warum sagten oder bewegten sie sich nicht?
Ich merkte etwas in mir, als wäre es wiedererwacht. Ich spürte es in meiner Seele und in den Knochen. Ich konnte mich zurück verwandeln und genau das tat ich!
Nackt stand ich nun vor ihnen und endlich bewegten sie sich. Der eine rannte weg, nur um Sekunden später mit einem atemberaubenden Kleid wieder zu kommen. Es war rot, knielang und der Ausschnitt in Herzform.
Ich riss es ihm aus den Händen und zog es schnell über. Am liebsten würde ich ihm, sein selbstgefälliges Grinsen aus dem Gesicht schlagen!
Ich bewunderte den Stoff des Kleides, Satin weich und glatt, es saß wie angegossen und schmeichelte meiner Figur.
„Ähem,“ der andere räusperte sich.
Immerhin einer der sich nicht an der Situation aufgeilte.
„Hey", er streckte mir seine Hand hin, ich ergriff sie sofort und strahlte ihn mit meinem schönsten Lächeln an. Seine Wangen färbten sich rot, während er mein Lächeln erwiderte.
„Ich heiße Jack, es tut mir leid aber wir haben Anweisungen dich nicht gehen zu lassen.“ Er sprach mit einer ruhigen und rauen Stimme. Bei diesen Worten erlosch mein Lächeln sofort. Ich entzog ihm schnell meine Hand und blickte ihn nun böse an.
„Ich verstehe, da kann man wohl nichts machen“, entgegnete ich ebenso ruhig. Beide nickten erleichtert auf. Ich drehte mich um und schnappte mir dabei den Kerl rechts von mir, er donnerte dabei mit den Kopf gegen den Türrahmen. Blut triefte aus einer Wunde an seinen Kopf, er sackte auf der Tür zusammen. Nun wendete ich mich Jack zu und nutzte seine Überraschung aus, ich holte mit der Faust aus und schlug ihn direkt ins Gesicht, bevor er überhaupt wusste wie ihm geschah, trat ich ihm zwischen die Beine. Er sackte stöhnend zusammen und krümmte sich vor Schmerzen, auf den Boden. Ich überlegte nicht lange und rannte los.