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No, I'm not a human

Summary

Der Sommer ist angebrochen und die Erde steht kurz vor ihrem Untergang. Mittlerweile ist es so heiß, dass die Sonne dich lebendig verbrennen würde. Deine einzige Zuflucht ist die Nacht. Doch diese gehört den "Besuchern", Menschenähnliche Kreaturen, die versuchen in dein Zuhause einzudringen und zu töten. Sie machen es zu gefährlich, allein Zuhause zu bleiben. Kannst du die Besucher von den Menschen unterscheiden und den Sommer überleben?

Genre
Other
Author
Kyu
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Nacht 1

Info: Diese Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Spiel, das von Trioskaz entwickelt wird. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

---------------------

Ich öffnete meine Augen und streckte mich, bevor ich mich dazu entschied, aus dem Bett zu klettern. Mein Hals war durch diese extreme Hitze so trocken wie eine Wüste und meine Augen brannten wie Feuer. Obwohl ich nur noch in Unterwäsche schlief, schwitzte ich wie verrückt und mein gesamtes Bett war nass. Undenkbar, wie schnell man bei dieser Hitze dehydrieren konnte. Mein Blick fiel auf den Wecker. Halb eins in der Nacht, mittlerweile war es draußen dunkel und ein wenig abgekühlt. Nun ja... Es waren noch immer dreißig Grad Celsius, doch es waren noch immer zwanzig bis dreißig Grad weniger als Tagsüber. Trotzdem viel zu warm, um auch nur ein Auge zuzukriegen.

Noch einmal streckte ich meinen verschwitzten Körper und hievte mich dann verschlafen aus dem Bett, um mir etwas zu trinken aus der Küche zu holen. Ich lief durch den alten renovierungsbedürftigen Flur meines Hauses in die Küche, welche sich zwei Türen von weiter befand. Sie war nicht sonderlich groß, genauso wie alle anderen Räume meines Heims. Es reichte gerade einmal für einen Esstisch, einen Ofen mit Herd, ein oder zwei Schränke - und natürlich das Wichtigste von allem: Mein geliebter Kühlschrank, der mir bei dieser extremen Hitze den Hintern rettete. Ich öffnete ihn und holte mir ein kaltes Wasser heraus, welches ich binnen Sekunden austrank. Einen ganzen Liter, den ich ohne abzusetzen in mich hineingoss. Ihr glaubt gar nicht, wie gut das tat. In Momenten wie diesen fühlte ich mich wie ein ausgetrockneter Schwamm, welcher sich mit Wasser vollsog - nur um es direkt wieder auszuschwitzen.

Sofort griff ich nach einer weiteren Flasche, doch bevor ich die Flasche öffnete, hielt ich inne und warf erneut einen Blick in meinen Kühlschrank. Ich hatte kaum noch etwas dort drinnen stehen. Eine halbvolle Flasche Ketchup, ein wenig Brot, welches sich in der Tageshitze womöglich selbstständig Toasten würde, und vierzehn Flaschen Wasser. Wenn ich weitertrinke wie ein Schlund, werde ich in wenigen Tagen nichts mehr haben - und Wasser war reine Mangelware. Die Meeresspiegel waren so niedrig wie noch nie, Flüsse waren beinahe komplett ausgetrocknet, Wälder brannten lichterloh, selbst die Telefonleitungen wurden abgeschnitten. Das aller schlimmste: Laut den Medien begannen Menschen mittlerweile damit, sich gegenseitig auszurauben oder gar zu töten. Ja, die Menschen hatten einen Rückschritt gemacht und es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich musste meine Vorräte wirklich rationieren, um diesen Sommer halbwegs zu überleben...

Gott sei Dank lebte ich allein in meinem Haus, musste mir nichts mit irgendwem teilen. Es gab nur mich, mein Heim und hin und wieder die Teenager, die sich auf meinem Grundstück aufhielten. Doch das störte mich nicht, solange sie mich einfach in Ruhe ließen. Etwas mehr hydriert verließ ich die Küche und warf daneben einen Blick zwischen den Jalousien durch, die mich vor dem erblindenden Tageslicht schützten. Mein Haus befand sich abseits der Stadt, direkt neben einer Farm, dessen Lichter alle ausgeschaltet waren. Ich schätze die Nachbarsfamilie war noch immer am Schlafen. Nahe dem Zaun meines Hauses sah ich einen ausgehungerten Hund, der womöglich nach Beute suchte, jedoch vollkommen Hoffnungslos. Sein Körper wies auf leichtere Verletzungen hin und Brandwunden, die er sich Tagsüber durch die Sonne geholt haben musste. “Ich wünschte, ich könnte dir helfen”, murmelte ich mit gebrochenem Herzen vor mich hin. Es tat weh, den kleinen so zu sehen, doch ich konnte ihm nicht helfen. Das mindeste, was ich tun konnte, war ihm eine Schale Wasser zu geben, wäre es Nachts nicht viel zu gefährlich rauszugehen. Leider war der Hund auf sich allein gestellt, genauso wie jeder andere aktuell auf diesem Planeten. Es sei denn, man hatte Familie und Freunde. Doch all das besaß ich nicht mehr. Ich lebte hier mein Leben, abgeschottet von der Außenwelt, Sommer hin oder her, es machte keinen großen Unterschied.

Um nicht noch mehr Mitleid zu bekommen und schlussendlich nachzugeben, entfernte ich mich von dem Fenster und ging weiter durch den L-Förmigen Gang, wo sich noch ein Fenster direkt neben der Haustür befand, bei dem die Gardinen zugezogen waren. Ich zog sie einen spalt beiseite und warf einen Blick heraus, nur um sicherzugehen, dass ich auch wirklich allein war. Zu meiner Überraschung war ich es nicht einmal. Nur wenige Meter von meinem Fenster entfernt sah ich einen Haufen an Alkoholikern, etwa vier Stück. Sie alle lagen dort ausgebreitet auf dem Boden, sie alle sternhagelvoll. War das wirklich eine Lösung? Soffen sie aus Spaß? War es ihre Art von ‘psychischer Hilfe’, um mit der aktuellen Lage klarzukommen? Wenn ja - vielleicht sollte ich das ja auch mal probieren. Sorgfältig zog ich die Gardinen wieder zu, damit so wenig Tageslicht wie möglich hineinkam, und ging anschließend ins Bad, um mich wenigstens zu waschen. Meine Unterwäsche war durchnässt vom Schweiß und klebte wie nasse Pappe an meinem Körper. Während ich darauf wartete, dass das Wasser im Waschbecken endlich kalt wurde, betrachtete ich mich selbst im Spiegel. Meine bis zur Schulter gehenden dunkelbraunen Haare waren fettig und gaben den Eindruck als käme ich gerade frisch aus der Dusche. Schweiß rann über meine Stirn und tropfte meine Nasenspitze herunter und meine Augen waren geprägt von Augenringen, die ich durch den Schlafmangel erlitt. Ich war mir nicht ganz sicher, doch ich hatte das Gefühl, dass mich die Sonne faltig machte, auch wenn ich tagsüber nicht das Haus verließ.

Sich die restlichen Fetzen vom Leib zu reißen war solch ein tolles Gefühl, genauso wie das kühle Wasser, in das ich mein Gesicht hineintauchte. Die kälte gab mir ein gewisses Gefühl von Freiheit. Sie verlieh mir einen kühlen Kopf, ließ mich für einen Moment meine Gedanken ordnen. Gab mir Hoffnung, dass diese Hitzewelle vielleicht nach wenigen Tagen nachlassen würde. Diese Welt war eine einzige Ruine und es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Wer wusste schon wie viele Jahre dieser Planet noch aushalten würde? Oder eher gesagt wie lange die Menschen noch überleben würden. Tagtäglich sterben Menschen, weil sie von der Natur lebendig gegrillt werden. Wer wusste schon, ob ich diesen Sommer überhaupt überleben würde. Vielleicht würde ich ja schon morgen sterben, einsam und erbärmlich gebacken in meinen eigenen vier Wänden, liegend in einem brennenden Bett. Als ich mich etwas abgekühlt hatte, zog ich meinen Kopf wieder aus dem Wasser und trocknete es mit einem Handtuch ab. Dann wischte ich mir den Schweiß vom Körper und schlüpfte in ein oversized Hemd und eine Shorts. Mehr war in diesen Tagen wirklich nicht drin.

Erfrischt verließ ich das Bad und hörte es anschließend an der Tür klopfen. Wer würde denn bitte mitten in der Nacht klopfen, es war kurz nach eins! Und warum ausgerechnet bei mir? Konnte man mich denn nicht einfach in Ruhe lassen? Genervt ging ich zur Haustür und erhaschte einen Blick durch den Spion. Ein Mann mittleren Alters stand dort, spärliche Haare, faltiges Gesicht und fülligen Körper. Er trug eine blaue Lederjacke und hielt ein Sixpack Bier in der Hand. Mein Nachbar? Was will er hier um die Uhrzeit?

So ganz sicher war ich mir nicht, ob ich ihm die Tür aufmachen sollte oder nicht. In diesen Klamotten? Ich sah aus wie der letzte Penner, schlimm genug um als einer der Besoffenen identifiziert zu werden. Aber solange es nur er war, brauchte ich mir ja keine Sorgen machen, auch wenn wir schon ewig nicht mehr miteinander gesprochen hatten. Also öffnete ich die Tür und sah dem müden Mann mit dem Sixpack Bier ins Gesicht. Trotz der Situation wirkte er wie immer wie der Glückliche Familienvater, der er auch war. Im Ernst, wie schafften manche Menschen es bloß diese positive Einstellung zu behalten, selbst wenn die Erde kurz vor ihrem Untergang stand?

“Guten Abend”, grüßte er mich. “Lange nichts mehr voneinander gehört. Wie geht’s dir?”

“Naja, wie immer halt”, ich zuckte mit den Schultern. Wie sollte es mir denn in solch einer Situation gehen? Kaum Schlaf, meine Versorgung war beinahe auf Reserve. “Kann ich Ihnen helfen?”

“Naja, ich bin hier, weil ich mir etwas Sorgen gemacht habe”, meinte er und stellte anschließend das Sixpack auf dem Boden ab. Während er sich nach vorne beugte, fiel mir erst einmal auf, dass er ein Gewehr am Rücken trug. Langsam begann ICH mir Sorgen zu machen...

“Äh, darf ich fragen weshalb?“, hakte ich verwirrt nach.

“Heute morgen hat meine Cousine mich angerufen und hatte erwähnt, dass etwas mit der Sonne nicht stimmen soll. Wahrscheinlich ist dir bereits aufgefallen, dass es der heißeste Sommer aller Zeiten ist.

”Dass mit der Sonne etwas nicht stimmte, war mir bereits klar. Sie war extremst warm und so hell wie noch nie. Ein einziger Lichtstrahl würde ausreichen, um zu erblinden, man müsste nicht einmal direkt in die Sonne gucken.“Ja, das habe ich mitgekriegt. Aber ich denke man gewöhnt sich daran. Ich hab hier alles, was ich brauche.”

“Und trotzdem ist es zu gefährlich, allein zu bleiben wegen der Besucher...”

Warte, was? Besucher? Was meinte er mit Besucher? Meinte er vielleicht diese Leute, die immer an der Tür klingeln um einem was anzudrehen? Denen würde ich nicht aufmachen. “Was meinen Sie mit Besucher?”

“Es gibt aktuell Gerüchte, dass Leute aus dem Untergrund auftauchen, und sie können extrem gefährlich werden, zumal sie sich als Menschen tarnen und dann versuchen in die Häuser fremder Leute zu gelangen. Man nennt sie Besucher”, mein Nachbar deutete mit seinem Daumen auf das Gewehr, dass er bei sich trug. “Man kann nie vorsichtig genug sein. Wer weiß, wer einer von ihnen ist? Ich hoffe sehr, dass das alles nur leeres Geschwätz ist...”

Wollte er mir wirklich weis machen, dass sich da draußen so etwas wie Gestaltwandler herumtreiben? Was für ein Schwachsinn...Das letzte Mal als ich an solche Fabelwesen glaubte, war in der Grundschule. Bis ich es auf die harte Tour von meinen Klassenkameraden lernen musste, dass es sie nicht gab...

“Meine Cousine meinte, es sei zu gefährlich, alleine zu bleiben. Also bin ich hierher gekommen, um nach dem Rechten zu sehen und vielleicht für eine Nacht Wache zu schieben”, fuhr er fort und zuckte mit den Schultern. “Was meinst du? Ich habe auch Bier mitgebracht.”

Woher sollte ich denn nun wissen, dass er nicht vielleicht einer der Besucher gewesen war, der sich als mein Nachbar ausgab? Was, wenn er vielleicht einfach nur irre war und versuchte in mein Haus einzudringen? Vielleicht sollte ich versuchen, ihn irgendwie abzuwimmeln.

“Ich denke, dass ich sehr gut auf mich allein aufpassen kann”, lehnte ich sein Angebot ab. “Außerdem sollten Sie vielleicht lieber nach Ihrer Frau und Ihrer Tochter schauen?”

“Ach, das geht schon klar”, der Nachbar lachte herzlich. “Ein guter Freund von mir ist bei uns zu Besuch und passt auf die beiden auf. Und währenddessen ziehe ich durch die Nachbarschaft und kümmere mich um die Nachbarschaft.”

Das war tatsächlich etwas, was mein Nachbar immer tat. Er hielt immer Ausschau danach, dass es allen in der Nachbarschaft gut ging, auch nach mir. Und das obwohl wir nun seit Wochen oder gar Monaten nicht mehr miteinander gesprochen hatten.

“Na gut, Sie können ruhig auf dem Sofa schlafen”, bot ich ihm mit einem erzwungenen Lächeln an und trat beiseite, noch immer nicht wirklich davon überzeugt eine andere Person in das Haus zu lassen. Lass mich das nicht bereuen... Er schenkte mir ein erleichtertes Lächeln, hob das Bier auf und ging dann in meine Wohnung.

“Vielen Dank. Ich weiß, dass du kein Fan von Besuch bist, aber vielleicht ist es aktuell der Sicherere Weg. Ich verspreche auch, dass ich nur für diese Nacht bleibe.”

“Äh... Vielen Dank für ihre Fürsorge”, erzwang ich mir ein leises Dankeschön und schloss die Tür hinter ihm. Gott, wie sehr ich es hasste Besuch zu haben. “Und danke für das, äh... Für das Bier...”

“Keine Ursache”, ich beobachtete ihn dabei, wie er sich im Flur umschaute. Dabei hatte sich seit seinem letzten Besuch nicht wirklich etwas geändert. “Okay, ich würde sagen, wir sprechen morgen früh weiter. Es ist schon ziemlich spät...”

Es war mitten in der Nacht und er war gerade erst aufgetaucht, wollte er ernsthaft direkt schlafen gehen? Na super, dabei hatte er mich gerade neugierig gemacht, was die Besucher anging. Aber wenn diese wirklich existierten und unterwegs waren, dann würde ich sie vermutlich noch früh genug kennenlernen...Ich nickte und führte ihn dann ins Wohnzimmer, wo er neben dem eigentlich für ihn zu kleinen Sofa sein Gewehr ablegte. Das Bier nahm ich und stellte es in den Kühlschrank. Es war abgestanden und welcher Mensch mochte abgestandenes Bier?

“Wenn Sie etwas benötigen, bedienen Sie sich einfach. Fühlen Sie sich ganz wie Zuhause”, bitte tun Sie das nicht.

“Gute Nacht!“, rief mein Nachbar mir zu, während ich in mich unsicher ins Schlafzimmer schliff.

“Nacht”, murmelte ich und schloss anschließend hinter mir die Tür. Nur für Fall verschloss ich sie komplett. Es war nicht so, dass ich ihm nicht traute... Naja okay, genau das war es. Aber konnte mir das irgendwer verübeln? Er kam hierher, wollte in mein Haus mit einer verdammten Knarre. Man kann mir nicht erzählen, dass das normales Nachbarverhalten war. Und wenn doch, dann spielte mir meine Social Anxiety mal wieder einen Streich.

Mit einem unwohlen Gefühl in der Magengrube legte ich mich in mein noch immer klammes Bett. Vielleicht sollte ich das morgen echt neu Beziehen. Andererseits gab mir der eigene Schweiß auf dem Bettlaken etwas Kühlung, so ekelhaft es auch klingen mochte. Und dann starrte ich gegen die Decke, dachte über die Dinge nach, welche mir mein Nachbar erzählt hatte. Über die Sonne, über die Besucher, die sich wohl herumtreiben würde. Wie genau sollte ich bitte in der Lage sein, diese Dinger von den Menschen zu unterscheiden? Ich hoffte wirklich, dass ich morgen ein paar mehr Antworten bekommen würde. Bevor ich versuchte meine Augen zu schließen, hob ich noch einmal die Gardine meines Schlafzimmerfensters an, um einen Blick herauszuwerfen. Doch ich zuckte sofort zurück und bereute diese Entscheidung. In der Ferne stand eine entstellte, dürre, oberkörperfreie Person, die in meine Richtung lächelte. Sein Gesicht war aus der Ferne nicht erkennbar. Doch was stark erkennbar war, war dass seine Haut viel zu groß für seinen Körper schien. Sein Blick drang unter meine Haut. Er sah mir direkt in die Augen, grinste als wolle er etwas planen.

Panisch zog ich die Gardine wieder zurück und kauerte mich in meinem Bett zusammen. Was war das für eine Gestalt? Warum beobachtete sie mich? Sollte ich vielleicht meinem Nachbarn bescheid sagen? Mir gingen noch einmal seine Worte durch den Kopf, von wegen Besuchern. Vielleicht war dies ja einer von ihnen...Alles was ich wohl jetzt gerade tun konnte, war hoffen, dass das alles nur eine Fata Morgana war...


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